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Jenseits der Zeit(en)? Zum Problem der Zeit in Christoph Ransmayrs Roman "Die letzte Welt"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 16 Pages
Author: Tanja Stramiello
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 16
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V13902
ISBN (E-book): 978-3-638-19426-6

File size: 161 KB


Excerpt (computer-generated)

TU Braunschweig
Seminar für deutsche Sprache und Literatur
Hauptseminar: Zur Prosa Christoph Ransmayrs

Jenseits der Zeit(en)?
Zum Problem der Zeit in Cristoph Ransmayrs Roman
"Die letzte Welt"

von

Tanja Stramiello

SS 2002

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 3

2. Gleichzeitigkeit ... 4
2.1 Anachronismen ... 4
2.1.2 Zweck und Wirkung ... 5
2.2 Die Bewohner Tomis ... 7

3. „Zeitlosigkeit“ ... 8
3.1 Der Maulbeerbaum ... 9
3.2 Das Nashorn ... 10

4. Zirkuläre Momente ... 11
4.1 Rückblicke ... 11
4.2 Beginn der Zeit ... 11
4.2.1 Ende oder Anfang? ... 12

5. Zusammenfassung ... 13

Literaturverzeichnis ... 15

 

1. Einleitung
Als Christoph Ransmayr begann, sich intensiv mit den „Metamorphosen“ des Ovid zu beschäftigen, hatte er ursprünglich vor diese in Form eines Prosatextes zu übersetzen. Glücklicherweise kam es nie dazu; statt dessen resultierte aus dieser Arbeit sein zweiter Roman: „Die letzte Welt“.

In diesem Roman erzählt Ransmayr die Geschichte des Römers Cotta, der in die Stadt Tomi reist, um dort nach dem Verbannten Ovid und seinem Werk – den „Metamorphosen“ – zu suchen. Soweit scheint der Roman in der Tradition der historischen Romane zu stehen, doch schon bald bekommt dieses Bild Risse: Nicht nur, daß Ovids Werk im Roman als verloren gilt, weil es von Ovid verbrannt wurde, sondern auch die gesamte Zeit des Romans, in der die Handlung spielt, scheint auf dem Kopf zu stehen. So läßt Ransmayr etwa im historischen Tomi eine verrostete Bushaltestelle entstehen oder aber Ovid vor einem Strauß Mikrophone sprechen. Neben den genannten Beispielen wimmelt das Werk geradezu von Anachronismen, die 2000 Jahre Menschheitsgeschichte vereinen. Warum bricht Ransmayr so deutlich mit der Tradition des historischen Romans und läßt statt dessen die Zeiten miteinander verschmelzen? Zudem tauchen die Figuren aus Ovids Metamorphosen, zumindest namentlich, als Akteure in Tomi auf, wobei sie durchaus Eigenschaften ihrer Namensgeber aufweisen, und erscheinen gleichzeitig auf Zelluloid gebannt – in klassischen ovidischen Geschichten, die der Filmvorführer Cyparis zeigt. 

Daneben sollen auch andere Probleme der Zeit in Ransmayrs Roman betrachtet werden. Besonders hervorgehoben werden hierbei statische Elemente, wie z.B. der „Maulbeerbaum“, welcher – im Gegensatz zu fast allen anderen Elementen des Romans – im Laufe der Handlung keiner Veränderung unterliegt, aber auch zirkuläre Momente. Hat „Die letzte Welt“ wirklich einen Schluß oder scheint mit ihrem Ende nicht auch ein Neubeginn der Zeit erreicht? 

2. Gleichzeitigkeit
2.1 Anachronismen
Wie oben bereits angeführt, fällt es dem Leser schwer, in Ransmayrs „Die letzte Welt“ zu bestimmen, in welcher Zeit der Roman spielt. Aufgrund der historischen Bezüge, wie etwa die Verbannung Ovids aus Rom, läßt sich zwar zunächst ein sogar ziemlich präziser Zeitpunkt der Handlung festlegen – Ovid wurde 8 n. Chr. nach Tomi verbannt, wo er 18 n. Chr.1 starb – doch schnell wird diese Einordnung durch Ransmayr ad absurdum geführt.

[...]


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