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Darcy Ribeiro: Maira

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 21 Pages
Author: Ulrike Decker
Subject: Romance Languages - Portuguese Studies

Details

Event: Der Sertao in der brasilianischen Literatur
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Romanistik)
Tags: Darcy, Ribeiro, Maira, Sertao, Literatur
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2000
Pages: 21
Grade: 2,3
Language: German
Archive No.: V14202
ISBN (E-book): 978-3-638-19670-3

File size: 217 KB


Excerpt (computer-generated)

Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät II
Institut für Romanistik
Seminar für Lusitanistik
Proseminar: ′Der Sertão in der brasilianischen Literatur′
Schein: Hauptseminarschein

 


Darcy Ribeiro: ′Maíra′

 

Uli Decker
20. August 2000


Inhaltsübersicht

1. Einleitung   S. 3


2. Die Indianer   S. 5
2.1 Anacã – Die alte Ordnung   S. 5
2.2 Avá/Isaías – Zwischen den Welten   S. 7
2.3 Juca – Vom Unterdrückten zum Unterdrücker   S. 9
2.4 Jaguar – Der Hoffnungsträger   S. 11

3. Die Weißen   S. 12
3.1 Der Major – Gesandter der Regierung   S. 12
3.2 Die Missionare – Im Namen der Bibel   S. 14
3.3 Alma – Auf der Suche nach dem wahren Leben   S. 16

4.Fazit   S. 18

Bibliographie   S. 20

 

1. Einleitung

"Os Índios me refizeram. Lá eu aprendi a ser um ser humano digno."1 antwortete der brasilianische Schriftsteller, Anthropologe und Kulturpolitiker Darcy Ribeiro in einem Interview vom 2. Februar 1997, angesprochen auf die Zeit seines Lebens, die er mit Indianerstämmen im Inneren Brasiliens verbracht hatte. Nach einem Studium der Soziologie in São Paulo arbeitete der 1922 geborene Ribeiro ab 1947 beim brasilianischen Indianerschutzdienst (SPI= Serviço pela proteção dos Indios) und führte in den Jahren 1947 bis 1955 zahlreiche Feldstudien zur Situation der Indianer Brasiliens und zur Lebensweise einzelner Stämme durch. Diese Zeit und der große Respekt, den Ribeiro für die indianische Kultur gewann, sollten ihn nie mehr loslassen. Sie sollten sein gesamtes Leben und seine Denkweise prägen und letztlich auch den wesentlichen Grundstein seiner wissenschaftlichen und literarischen Werke bilden.

Im Gegensatz zu vielen Wissenschaftlerkollegen beschränkte Ribeiro seine Beschäftigung mit der indianischen Kultur nicht auf das bloße Sammeln von Fakten zu rein wissenschaftlichen Zwecken. Angesichts der bedrohlichen Situation, in der sich die letzten verbliebenen Stämme Brasiliens befanden und mehr denn je heute befinden, begann Ribeiro, sich politisch für die Rechte der Indianer einzusetzen. In seinen theoretischen Arbeiten beschäftigte er sich insbesondere mit den Auswirkungen des interethnischen Kontakts zwischen Indianern und Weißen auf die indianische Kultur und entwickelte Strategien, diesen unvermeidlichen Kontakt auf für die Indianer möglichst schonende Weise zu gestalten. Sein Hauptanliegen war es, das physische und kulturelle Überleben der Indianer zu sichern und ihnen Möglichkeiten zu eröffnen, innerhalb des Nationalstaates zu leben, ohne ihre Identität und Lebensweise preiszugeben. Ein schier unlösbares Vorhaben angesichts der politischen Situation Brasiliens, die geprägt war und ist von Ausbeutung und Mißachtung der indianischen Kultur und des indianischen Lebensraums.

Ribeiros Roman ′Maíra′ wurde 1976 veröffentlicht, kurz nach Darcy Ribeiros Rückkehr aus dem Exil, während dessen er sich lange Jahre in verschiedenen Ländern Lateinamerikas aufgehalten hatte.

In ′Maíra′ nehmen Ribeiros Thesen über die Integration der Indianer in die Zivilisation, seine Beobachtungen der indianischen Kultur und seine Anklage der Ausbeutung und des allmählichen, fast unvermeidlichen Prozesses der Zerstörung des indianischen Lebensraumes literarische Form an. Die Charaktere des Romans stehen exemplarisch für unterschiedliche Interessen-Gruppen, die vor allem die Situation in den von Indianern bewohnten Gebieten im Norden Brasiliens prägen und am Dilemma der Eingeborenenvölker maßgeblich beteiligt sind. Mit literarischem Gespür, einem fundierten Wissen über die Lebensweise der Indianer und politischem Engagement zeichnet Ribeiro in ′Maíra′ ein scharfsichtiges Panorama der Indianerproblematik. "Darcy Ribeiro nutzt die kreative Kraft der Literatur, um seine Einsichten in die Problematik der brasilianischen Gesellschaft komplex zu fiktionalisieren."2

Angesichts der starken politischen Beweggründe des Autors würde eine Analyse des Werks nach bloßen literarischen Gesichtspunkten der Essenz des Romans nicht gerecht werden. Ich habe mich deshalb dazu entschlossen, ′Maíra′ vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Thesen Ribeiros zu sehen. In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit den im Roman angelegten Charakteren beschäftigen und sie unter dem Gesichtspunkt ihrer Exemplarität für das Dilemma Brasiliens analysieren.

Betrachtet man die Kapitelüberschriften genauer, so stellt man fest, daß ihre Titel und Inhalte einer gewissen Symmetrie folgen, die sich grob an drei Personenkreisen orientiert: dem Indianerstamm, den Weißen als Repräsentanten der Zivilisation und den beiden Existenzen zwischen den Welten Avá/Isaías und Alma bzw. evtl. Juca. Angesichts der Vielzahl von Charakteren und Handlungs- bzw. Erzählebenen des Romans, die auch mythologische Figuren der Mairum als Akteure mit einschließen, beschränke ich mich in folgender Untersuchung lediglich auf die, wie ich meine, wesentlichen Mitglieder der beiden entgegengesetzten Lager der Indianer und Weißen.


2. Die Indianer

[...]


1 D′Avila, Roberto, Entrevista com Darcy Ribeiro, in: Elizabeth Rondelli (Hrsg.), Comunicação & política (Rio de Janeiro: Mai-August 1997), vol IV, no.2.

2 Wöhlbier, Katrin, Aneignung von Wirklichkeit in Maíra von Darcy Ribeiro, in: Luciano Caetano da Rosa, Axel Schönberger (Hrsg.), Lusorama (Frankfurt a. M.: Oktober 1994), Nr. 25, S. 26.


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