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Zehn Jahre Arte Die Etablierung des europäischen Kulturkanals in der deutschen Fernsehlandschaft

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 27 Pages
Author: Anne-Katrin Maser
Subject: Communications - Media History

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 27
Grade: 2,3
Language: German
Archive No.: V14395
ISBN (E-book): 978-3-638-19811-0

File size: 220 KB


Excerpt (computer-generated)

Hauptseminar: Rundfunkstruktur und -kultur in Europa
WS 2002/2003

Zehn Jahre Arte
Die Etablierung des europäischen Kulturkanals in der deutschen Fernsehlandschaft

Anne-Katrin Maser

 

Inhaltsverzeichnis

Zehn Jahre Arte  1

1. Einleitung  3
2. Arte „ein Kind der Politik“  4
3. Aller Anfang ist schwer  4
4. Die Mitglieder von Arte  5
5. Die Finanzierung  7
6. Die Arte-Zentrale  8
7. Die Arte-Präsidenten Clément und Plog  9
8. Ein frostiger Empfang  10
9. Ist die Vision von Europa schon Wirklichkeit?  11
10. Anders fernsehen mit Arte  12
11. Das Image von Arte  15
12. Arte braucht ein Gesicht  17

13. Das Markenzeichen von Arte - die Themenabende  18
13.1. Der Themenmix  19
13.2. Marktanteile der einzelnen Themenabende  20
13.3. Das Profil der Themenabend-Zuschauer  22

14. Zusammenfassung  23

15. Literaturverzeichnis  26

 

1. Einleitung

Am 30.Mai 2002 feierte Arte sein 10-jähriges Jubiläum. Die Bilanz des Senders: 1260 internationale Auszeichnungen und ein durchschnittlicher Marktanteil unter einem Prozent in Deutschland1 für das „Aushängeschild der deutsch-französischen Freundschaft“. Wie passt das zusammen? Auch nach 10 Jahren Sendebetrieb klafft die Schere zwischen der anerkannten Qualität des Programms, dem hervorragenden Ruf von Arte und den Zuschauerzahlen auseinander. Dabei verfügt Arte über ein einzigartiges Programm, das sich von dem üblichen Einerlei abhebt, am Profil des Kulturkanals wird hart gearbeitet und ein kleines Stammpublikum ist dem Sender treu.

Was fehlt dem europäischen Kulturkanal, der sich seit nunmehr zehn Jahren mit mickrigen Einschaltquoten begnügen muss? Diese Frage möchte ich im Rahmen meiner Hausarbeit erörtern. Dazu betrachte ich zunächst die erste Dekade des europäischen Senders. Näher beleuchten werde ich dabei die Entstehungsgeschichte und die Struktur des Kulturkanals. Schon Ende der 80er Jahre kamen Mitterand und Kohl überein, mit der Gründung eines binationalen Senders die kulturellen Beziehungen zu intensivieren. Der Sitz in Straßburg sollte die europäische Zielsetzung signalisieren und ein Symbol für die deutsch-französische Kultur darstellen. Zunächst saß der Kulturschock links und rechts des Rheins tief. Doch der deutsch-französische Kern hat sich in den letzten zehn Jahren bewährt und nun ist es an der Zeit, durch weitere Partner, dem europäischen Gedanken des Senders Rechnung zu tragen. Warum sich Arte vor einer „europäischen Institutionalisierung“ scheut, werde ich im neunten Kapitel behandeln.

Im zweiten Teil meiner Hausarbeit steht das deutsche Arte-Publikum im Mittelpunkt. Anhand der aktuellen von Arte in Auftrag gegebenen Ipsos-Studie 2001 erörtere ich das Image des Kultursenders bei den Zuschauern und die Positionierung von Arte in der deutschen Fernsehlandschaft. Das Programm wird für mehrere nationale Publika konzipiert, sodass die deutschen Sehgewohnheiten nicht immer berücksichtigt werden können. Ob dies Auswirkungen auf das Image von Arte hat, werden wir im elften Kapitel sehen. Der dritte Schwerpunkt meiner Arbeit ist eine Analyse der Themenabende von Januar bis Februar 2003, da diese als Markenzeichen von Arte gelten. Dabei untersuche ich die Inhalte sowie die soziodemographische Zusammensetzung der Zuschauer der Themenabende. Zielmeiner Analyse ist es festzustellen, ob sich dieses Arte-Format etablieren konnte und wie es sich in das Programmschema von Arte einfügt. Doch gehen wir zunächst 17 Jahre zurück.

2. Arte „ein Kind der Politik“

Schon 1986 kursierte auf einem Kulturgipfel die Absicht, ein deutsch-französisches Fernsehprogramm zu schaffen. Im Jahre 1988 lancierten Helmut Kohl und Francois Mitterand explizit die Idee, einen deutsch-französischen Sender ins Leben zu rufen. „Der europäische Kulturkanal“, wie er im Staatsvertrag 1990 getauft wird, war ein visionäres Projekt dieser beiden Staatsmänner, oder wie Kritiker ihn nannten, ein „Kind der Politik“. Das Ziel dieses Projekts war ehrgeizig: die Schaffung eines europäischen Qualitätsfernsehens zur Förderung der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich. Arte sollte eine kulturelle Ausrichtung haben und einen wesentlichen Beitrag zur europäischen Völkerverständigung leisten. Den Bürgern in Europa sollte ein Kanal geboten werden, der das Kunst- und Kulturerbe der europäischen Völker angemessen präsentiert.2

3. Aller Anfang ist schwer

„Gezeugt“ wurde Arte am Vorabend der deutschen Wiedervereinigung mit der Unterzeichnung des Gründungsvertrages. Die Bedeutung des Senders liegt in seiner Organisation. Zum ersten Mal werden verschiedene nationale Rundfunktraditionen überwunden. Arte verbindet das föderalistische deutsche Rundfunksystem mit dem zentralistischen französischen und hat sich zum Ziel die Schaffung einer europäischen kulturellen Identität gesetzt.3 Unterschiedliche Auffassungen über den Kulturbegriff, den Kulturauftrag des Fernsehens und die Medienpolitik der beiden Staaten hatten im Vorfeld für heftige Diskussionen gesorgt. Aber auch zwischen den deutschen Bundesländern herrschte zunächst Uneinigkeit. Die Länder äußerten finanzielle Bedenken und hatten Angst vor einer Übervorteilung der französischen Seite durch deren Geschlossenheit. Nur mühsam wurde den deutschen Rundfunkanstalten eine Zustimmung zu dem Vertrag unter der Bedingung abgerungen, dass ihre Forderungen nach Wahrung der deutschen Rechtsstandards, Programmautonomie und Staatsunabhängigkeit, im Vertrag festgeschrieben werden sollten.

[....]


1 In Frankreich beträgt der Marktanteil 3%.
2 Vgl.: Krüger, Udo Michael: Qualitätsanspruch bei 3sat und Arte. In: Media Perspektiven 2/2000, S. 82.
3 Gräßle, Inge: Der Europäische Kulturkanal. In: Communications 20 (1995), S.87.


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