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Scholary Paper (Seminar), 2003, 20 Pages
Author: Anton Distler
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Details
Institution/College: University of Freiburg (Philosophisches Seminar 2)
Tags: Person, Proseminar, Person, Begründung, Identität
Year: 2003
Pages: 20
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-19940-7
ISBN (Book): 978-3-638-75820-8
File size: 235 KB
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Abstract
Die thematisierte Frage, ob es ethisch relevant sei, eine Person zu sein, lässt sich auf den ersten Blick sowohl mit einem klaren Nein als auch mit einem affirmativen Ja beantworten. Doch dem ersten Blick ist nicht immer zu trauen und wenn man der Oberflächlichkeit mit etwas Spürsinn entgegenkommt, so wird sich dem Auge ein weites Feld öffnen. Auf den sogenannten gesunden Menschenverstand ist in dieser Hinsicht eher selten Verlass und selbst im Alltag kommt man nur begrenzt ohne eine gewisse Theoretisierung des je eigenen Handelns, in bezug auf andere und auf sich, aus. Die Perspektiven reichen von einer sehr egozentrischen bis hin zu einer relativ altruistischen Betrachtung. Dazwischen, so mutet es an, gibt es nur das eine Prinzip, nämlich dass „(...) jeder (...) sich selbst der Nächste (ist)“ – vor allem dann, wenn es nützlicher scheint, gemeinsames Handeln hintan zu stellen. Wobei, was ist das, „sich selbst der Nächste“? Was bin ich als Person, was ich als Mensch nicht bin? Ist das Menschsein vor dem Personsein? Wer oder was ist Person? Und überhaupt: Was hat all dies mit Ethik zu tun? Will man also seinen Lebensvollzug (auch) durch „(...) Rechtfertigung der eigenen Moral und zwar durch Argumentation“ verstanden wissen, so benötigt man Hilfsmittel theoretischer Natur. Es kommt einem dabei das Bild der „(...) Rückkehr des Philosophen nach der Schau des Guten in die Höhle (...)“ in den Sinn. Doch soll unser Erdendasein nicht ähnlich dem platonischen Höhlenmythos „(...) in einer praktischen Aporie“ enden, müssen wir uns in einer „(...) in hinreichendem Maße von Vernunft geprägt(en)“ Verfassung der Gesellschaft befinden. Die angenommene Vernunft wiederum ist eine relative Basis, die gerne auch als absolut und ideal zur Disposition gestellt wird. Die Basis wird demnach zwangsläufig mal mehr in diese Richtung, mal mehr in jene tendieren, je nach Interesse und Interpretation. Was aber Kant schon als allgemein gültig formuliert hat, nämlich „(...) daß es einen einzigen, letzten, allgemeinen Grundsatz für schlechthin alle Wahrheiten nicht geben kann“ , das gilt für den komplexen Bereich der Ethik seit den Vorsokratikern und bis heute um so mehr.
Excerpt (computer-generated)
Ist es ethisch relevant, eine Person zu sein?
Vorgelegt von: Anton Distler
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung S. 3-4
2. Personenbegriff S. 4-5
2.1 bei John Locke S. 6-7
2.2 bei Immanuel Kant S. 7-9
2.3 bei Peter Singer S. 9-10
3. Ethikverständnis Peter Singers S. 10-11
3.1 Konsequenzen, keine Person zu sein S. 11-14
3.2 Abtreibung, Euthanasie und Töten von Tieren S. 14-17
4. Schluss S. 17
Literaturverzeichnis
Digitale Medien
1. Einleitung:
Die thematisierte Frage, ob es ethisch relevant sei, eine Person zu sein, lässt sich auf den ersten Blick sowohl mit einem klaren Nein als auch mit einem affirmativen Ja beantworten. Doch dem ersten Blick ist nicht immer zu trauen und wenn man der Oberflächlichkeit mit etwas Spürsinn entgegenkommt, so wird sich dem Auge ein weites Feld öffnen. Auf den sogenannten gesunden Menschenverstand ist in dieser Hinsicht eher selten Verlass und selbst im Alltag kommt man nur begrenzt ohne eine gewisse Theoretisierung des je eigenen Handelns, in bezug auf andere und auf sich, aus. Die Perspektiven reichen von einer sehr egozentrischen bis hin zu einer relativ altruistischen Betrachtung. Dazwischen, so mutet es an, gibt es nur das eine Prinzip, nämlich dass „(...) jeder (...) sich selbst der Nächste (ist)“1 – vor allem dann, wenn es nützlicher scheint, gemeinsames Handeln hintan zu stellen. Wobei, was ist das, „sich selbst der Nächste“? Was bin ich als Person, was ich als Mensch nicht bin? Ist das Menschsein vor dem Personsein? Wer oder was ist Person? Und überhaupt: Was hat all dies mit Ethik zu tun?
Will man also seinen Lebensvollzug (auch) durch „(...) Rechtfertigung der eigenen Moral und zwar durch Argumentation“2 verstanden wissen, so benötigt man Hilfsmittel theoretischer Natur. Es kommt einem dabei das Bild der „(...) Rückkehr des Philosophen nach der Schau des Guten in die Höhle (...)“3 in den Sinn. Doch soll unser Erdendasein nicht ähnlich dem platonischen Höhlenmythos „(...) in einer praktischen Aporie“4 enden, müssen wir uns in einer „(...) in hinreichendem Maße von Vernunft geprägt(en)“5 Verfassung der Gesellschaft befinden. Die angenommene Vernunft wiederum ist eine relative Basis, die gerne auch als absolut und ideal zur Disposition gestellt wird. Die Basis wird demnach zwangsläufig mal mehr in diese Richtung, mal mehr in jene tendieren, je nach Interesse und Interpretation. Was aber Kant schon als allgemein gültig formuliert hat, nämlich „(...) daß es einen einzigen, letzten, allgemeinen Grundsatz für schlechthin alle Wahrheiten nicht geben kann“6, das gilt für den komplexen Bereich der Ethik seit den Vorsokratikern und bis heute um so mehr. Den grundlegenden Aspekt der Ethik liefert die Heranziehung der unantastbaren, wenn auch grundlosen Würde des Menschen. Die universelle Würde wird dabei argumentativ je unterschiedlich angesetzt, mal a priori individualistisch, mal vernunftbezogen. Hieraus ergeben sich verschiedene philosophische Ansätze zur Begründung einer Person. In dieser Arbeit sollen einige Ansätze zur Personen-Begründung erläutert werden, hiervon etwas ausführlicher, samt Konsequenzen, aus Peter Singers viel und kontrovers diskutiertem Werk Praktische Ethik7. Diese Arbeit kann es aber nicht leisten, Gegenkonzepte, wie man sie vielleicht aus hermeneutischer Sicht entwickeln könnte, zu diskutieren. Die argumentative Komplexität wäre diesbezüglich zu weitgreifend.
2. Personenbegriff:
Der Begriff der Person ist in jeder Hinsicht ein sehr gebräuchlicher. Etymologisch ist der Begriff wohl bei den Etruskern anzusiedeln. Im klassischen Latein gab es verschiedene Verwendungen, sowohl metonomisch und metaphorisch, als auch philosophisch. So bedeutet persona im Schauspiel die Rolle, die gespielt wird, als Amtsperson zielt persona auf den Charakter, die Würde des Menschen ab. In beiden Fällen handelt es sich gewissermaßen um die Funktion der persona als Maske, die lateinische persona ist „(...) gewissermaßen metaphysisch unberührt.“8 Die Maske dient dem Menschen, um zu veräußerlichen, was der Mensch in der jeweiligen Situation ist. Der Mensch wird also hinsichtlich seiner handelnden Funktion kategorisiert, als der „(...) Geizige(n), die Alte, den Banditen usw.“9 Er ist nie nur Mensch (an sich), sondern als dieser auch etwas. Dieses etwas manifestiert sich allgemein als die jeweilige Person, wobei auch anstelle der Person namentlich „(...) Selbst oder Ich (...)“10 stehen könnte, jenes aber auf keinen Fall als gegenständlich zu interpretieren wäre. Das Selbstbewusstsein und die Selbsterkenntnis spielen bei der Inanspruchnahme des Terminus der Person die zentrale Rolle. Selbstbewusstsein ist laut Frank „(...) die unmittelbare (nichtgegenständliche, nicht-begriffliche und nicht-propositionale ) Bekanntschaft von Subjekten mit sich.“ Selbsterkenntnis ist dabei „(...) die Reflexionsform von Selbstbewusstsein: also das explizite, begriffliche und in vergegenständlichender Perspektive unternommene Thematisieren des Bezugsgegenstandes von ‚ich’ (...).“11 Selbstbewusstsein ist also nicht die Reflexion. Die Theologie nach dem klassischen Latein vollzog den glaubensreflektorischen Schritt „(...) von ‚persona’ als Rolle zu(r) ‚persona’ als ‚dieses Individuum in seiner Individualität’“.12 Damit wurde der Begriff der persona aus der „(...) lateinischen Grammatik in die Theologie“13 transformiert und von dort aus wurde der nächste Schritt durch die Philosophen in die Metaphysik vollzogen. Jedes Individuum - Einzelner in seiner Einzelnheit - ist dabei als Subjekt - und nicht umgekehrt – zu betrachten. Und, so Frank mit Bezug auf die „(...) ‚Sattelzeit’ (1750-1800)“14, Individualität „(...) scheint in der Tat in der Eingrenzung und Spezifizierung der Semantik von Subjektivität zu gründen.“15 Somit waren nicht mehr alle Menschen gleich, auch wenn viele Philosophen, von „(...) Descartes (...), von Kant bis Hegel (...)“ und „Husserl schließlich (...)“16, dies nicht akzeptieren wollten (und konnten). Hier treten aber allgemeinere Schwierigkeiten auf. Denn wenn man einerseits weiterhin davon ausgeht, dass z. B. alle Menschen gleich seien, so muss dies anhand allgemeiner Merkmale nachgewiesen werden. Wenn man aber andererseits annimmt, dass es keine Allgemeinheit mit einem gemeinsamen Nenner gäbe, dann wird es schwierig, z. B. allgemein anerkannte normative Verhaltensregeln (nach Recht und Gesetz) als für sich selbst bindend zu akzeptieren. So stellen sich in dieser Konsequenz weiterführend heutige Probleme vor allem im Zuge der weit fortgeschrittenen (Natur-)Wissenschaften dar: Wer oder was ist wann ein Mensch? Wann und inwiefern ist jener Mensch eine Person? Wie verhält es sich mit Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten der Individuen? Was, wenn denn überhaupt, lässt sich daraus für das Handeln im einzelnen und im allgemeinen folgern? Ist Gleichheit damit nur ein tatsachenunbegründetes moralisches Prinzip, wie es Peter Singer konstatiert? Die Ethik, oder besser gesagt all die Leute, die sich mit Ethik und Moral, mit Fortschritt und Menschenwürde beschäftigen, hinken scheinbar den durch die „moderne Zivilisation und der Schlüsseltechnologien“17 geschaffenen Tatsachen, Möglichkeiten und Problemen weit hinterher. Im folgenden sollen die verschiedenen Schritte der Entwicklung des Personenbegriffes in neuerer Zeit von John Locke über Immanuel Kant bis zu Peter Singer nachgezeichnet werden, um im Anschluss die Praktische Ethik Singers eingehender zu skizzieren. Es werden dabei die implizierten, die das Handeln des Menschen bestimmenden Konsequenzen aus den Personenbestimmungen, nur äußerst grob angedeutet. Einzig Singers Ethik erfährt eine größere Darlegung.
2.1 Personenbegriff bei John Locke:
[...]
1 Max Stirner: Der Einzige und sein Eigentum, Stuttgart 1991, S. 171f.
2 Bernhard Irrgang: Praktische Ethik aus hermeneutischer Perspektive, Paderborn; München; Wien; Zürich 1998,
S. 9 f. (=UTB für Wissenschaft: Uni-Taschenbücher; 2020).
3 Julian Nida-Rümelin: Ethische Essays, Frankfurt a. Main, erste Auflage 2002, S. 242.
4 Ebenda.
5 Ebenda.
6 Immanuel Kant: Vorkritische Schriften bis 1768, Bd. 1, Frankfurt a. Main, 1.-6. Auflage 1991, S. 411.
7 Peter Singer: Praktische Ethik, Stuttgart, 2., revidierte und erweiterte Auflage 1994.
8 Martin Brasser (Hrsg.): Person. Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart, Stuttgart 1999, S. 26.
9 Ebenda.
10 Manfred Frank: Selbstbewußtsein und Selbsterkenntnis. Essays zur analytischen Philosophie der Subjektivität, Stuttgart 1991, S. 5 f.
11 Ebenda, S. 7.
12 Martin Brasser (Hrsg.): Person, S. 25.
13 Ebenda.
14 Manfred Frank: Selbstbewußtsein und Selbsterkenntnis, S. 50.
15 Ebenda.
16 Ebenda, S. 51.
17 Bernhard Irrgang: Praktische Ethik aus hermeneutischer Perspektive, S. 210.
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