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Seminararbeit, 2003, 18 Seiten
Autor: Michaela Hartmann
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Berlin (Institut für Neuere Deutsche Literatur)
Tags: Verwebung, Realitätsschichten, Arthur, Schnitzlers, Traumnovelle, Textinterpretation, Arthur, Schnitzler
Jahr: 2003
Seiten: 18
Note: 1
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-20308-1
Dateigröße: 221 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Ich möchte in dieser Arbeit aufzeigen, inwieweit Schnitzler die Motive „Liebe“ und „Tod“ von Anfang an mit der „Traumnovelle“ selbst verwebt. Meine These ist, dass diese Themen in jeder Situation, die der Leser mit den Protagonisten Fridolin und Albertine erlebt, nicht nur präsent sind, sondern das Geschehen auch nachhaltig beeinflussen und deshalb auch die Aussage der Novelle selbst mitbestimmen.
Textauszug (computergeneriert)
Die Verwebung der Realitätsschichten
in Arthur Schnitzlers Traumnovelle
1. EINLEITUNG 3
2. DER TITEL 4
3. VON DER WIRKLICHKEIT ZUM TRAUM 5
3.1 Fridolins Weg 5
3.2 Höhepunkt der Verwebung der Realitätsschichten: Der Maskenball 9
4. VOM TRAUM ZUR WIRKLICHKEIT 11
4.1 Albertines Traum 11
4.2 Fridolins Weg zurück in die Wirklichkeit 12
5. ZUSAMMENFASSUNG 16
LITERATURVERZEICHNIS: 18
1. Einleitung
„Um das komplexe Verhältnis der Realitätsschichten, ihre gleitenden Grenzen gegeneinander geht es dem Dichter, wenn er die Abenteuer des Möglichen und Imaginären in symbolischen Bilderfolgen artistisch kombiniert, erst in zweiter Linie und nur vordergründig um die Allmacht der „libido“.“1 Dies stellt Hans Joachim Schrimpf in seinem für die Zeitschrift der Deutschen Philologie verfassten Artikel „Arthur Schnitzlers Traumnovelle“ fest. Mit meiner hier vorliegenden Hausarbeit möchte ich diese Aussage unterstützen und weiter ausbauen. Thema meiner Arbeit soll die Untersuchung der sich verändernden Wirklichkeitswahrnehmung in Arthur Schnitzlers (1862-1931) „Traumnovelle“ sein anhand der Erlebnisse des Protagonisten Fridolin. Mein Ziel ist es, aufzuzeigen, mit welchen motivischen und symbolischen Mitteln Schnitzler dieses wechselhafte Verhältnis von Realität und Imaginärem im Text realisiert. Beginnen möchte ich dabei mit der Analyse des Titels, der ja bereits eines dieser Grundthemen in sich birgt. Danach werde ich auf chronologischer Basis die Novelle weiter betrachten und mich dabei vor allem auf Fridolins Weg und seine Handlungen konzentrieren. So wie man die Novelle in zwei große Partien teilen kann, die vor Albertines Traum und die darauf folgende, habe auch ich meine Darstellungen zwei geteilt. Der erste Teil behandelt Fridolins Weg von zu Hause bis zum Maskenball, der zweite beschäftigt sich kurz mit dem Traum Albertines und verfolgt dann Fridolins Handlungen bis zum Ende der Novelle. Ich werde textanalytisch arbeiten und sowohl soziologische, historische als auch psychologische Aspekte weitgehend ausblenden.
Nun möchte ich kurz etwas zur Entstehungsgeschichte der Traumnovelle sagen: Die erste Version der Erzählung taucht 1907 unter dem Titel „Doppelnovelle“ in Schnitzlers Tagebuchaufzeichnungen auf. Dieser Titel erinnert bereits an den symmetrischen Aufbau der Novelle, in deren „Erzählökonomie“2 „Albertines Traum eine Mittelstellung“3 einnimmt, wobei Fridolin die Stationen, die er bis zur geheimen Gesellschaft durchläuft, nach Albertines Traum sozusagen wieder „abläuft“4. 1923 nimmt Schnitzler die Ausarbeitung der Novelle wieder in Angriff und 1926 schreibt er die Erzählung unter ihrem endgültigen Namen „Traumnovelle“ in seinem Tagebuch nieder.
2. Der Titel
Der Ausgangspunkt der Überlegungen zu den verschiedenen Wirklichkeitsschichten in Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ soll das im Titel bereits angeschnittene Thema des Traumes sein. Der Titel ist ein Kompositum aus zwei Substantiven, wobei der zweite Teil die literarische Gattung beschreibt. Bereits 1892 hat Schnitzler die Ausrichtung dieser Gattung nach der psychologischen Seite festgestellt, so dass sein gesamtes Novellenwerk im Zeichen dieser Wechselwirkung von Form und Inhalt steht. Winfried Freund beschreibt Arthur Schnitzler im Bezug auf die Novellentheorie als den „Initiator eines nach innen gewandten Novellentypus, der, tief hineinleuchtend in das Einzelbewußtsein, zu charakteristischen neuen Darstellungsweisen findet.“5. Die Frage, warum Schnitzler gerade bei diesem Werk die Gattungbezeichnung mit in den Titel genommen hat, obwohl die Erzählung selbst aufgrund von Aufbau und Inhalt dieser Gattung leicht zuzuordnen ist, muß offen bleiben. Allerdings könnte der Miteinbezug der Gattungsbezeichnung in den Titel dahingehend interpretiert werden, das Beispielhafte der Erzählung im Bezug auf ein anderes zentrales Thema, die Ehekrise der beiden Protagonisten, hervorzuheben. Fridolin und Albertine sollen hier also für das typisch bürgerliche, oft in seinen Triebregungen eingeschränkte Leben zu zweit stehen.
Das Substantiv „Traum“ fungiert als nähere Bestimmung des Substantivs „Novelle“. Obwohl der Traum in vielen Werken Schnitzlers eine große Rolle spielt, taucht er in keinem anderen Titel außer dem der „Traumnovelle“ auf. Dies verweist auf die zentrale Stellung dieses Themas und bedeutet darüberhinaus, dass der Traum nicht nur als stilistisches Mittel gedacht ist, Unbewußtes aufzuzeigen, sondern dass es Schnitzler vor allem um das schwierige Verhältnis von Traum und Wirklichkeit in der subjektiven Erlebniswelt des Einzelnen geht. Beweise dafür sind unter anderem die immer wieder traumhaft anmutenden nächtlichen Erlebnisse Fridolins und die der Wirklichkeit so nah kommenden Traumerlebnisse Albertines, wobei ich mich in den nächsten Kapiteln vor allem auf erstere konzentrieren werde.
Abgesehen von diesen Ausführungen ruft der Titel natürlich auch das 1900 erschienene Buch „Die Traumdeutung“ von Sigmund Freud in Erinnerung, mit welchem dieser den Grundstein zur analytischen Psychologie legte. Dadurch wurde die damals moderne Komponente des Wortes Traum, die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem, im Geiste des informierten Lesers wachgerufen und er mußte sich noch vor Beginn der Novelle mit der psychoanalytischen Sichtweise des Traumes auseinandersetzen. Im Laufe der Novelle blieb und bleibt es für den Leser interessant, herauszufinden, inwieweit Schnitzler sich wirklich der Lehre Freuds bedient. Die Assoziationen zum Titel können jedoch weit über diese beiden angeschnittenen Punkte hinausgehen, was mit der Bildhaftigkeit des Wortes „Traum“ zusammenhängt und worin ein weiterer Vorteil des Titels liegt. Zusammenfassend zur Titelgestaltung kann gesagt werden, dass sich darin der Naturwissenschaftler Schnitzler, der dem Formwillen verpflichtete Künstler und ein Stück unerwägbare dichterische Intuition gleichermaßen wiederfinden.
3. Von der Wirklichkeit zum Traum
3.1 Fridolins Weg
[...]
1 Hans Joachim Schrimpf: Arthur Schnitzlers Traumnovelle. In: Zeitschrift für Deutsche Philologie. Bd. 82. Erich
Schmidt Verlag, 1963. S. 188
2 ebd., S.182
3 ebd.
4 ebd.
5 Winfried Freund: Novelle. Reclam, Stuttgart, 1998. S. 240
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