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Natürliche Ressourcen als Produktionsfaktor - eine dogmenhistorische Analyse

Diplomarbeit, 2003, 73 Seiten
Autor: Martina Schmitt
Fach: Wirtschaft - Beschaffung, Produktion, Logistik

Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 73
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V16295
ISBN (E-Book): 978-3-638-21189-5

Dateigröße: 208 KB


Textauszug (computergeneriert)

 

Natürliche Ressourcen als Produktionsfaktor
- eine dogmenhistorische Analyse

von

Martina Schmitt

Diplomarbeit im Fach Energiewirtschaftslehre

Vorgelegt in der Diplomprüfung
im Studiengang Betriebswirtschaftslehre
der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der
Universität zu Köln

Köln 2003

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2 Natürliche Ressourcen in der physiokratischen Theorie
2.1 Die historischen Rahmenbedingungen der Theorieentwicklung
2.2 Die Wertlehre der Physiokraten
2.3 Die physiokratische Produktionstheorie
2.3.1 Der Faktor natürliche Ressourcen
2.3.2 Der Faktor Arbeit
2.3.3 Der Faktor Produktionsmittel
2.4 Die gesellschaftliche Verteilung des Sozialproduktes
2.5 Kritische Würdigung

3 Natürliche Ressourcen in der Theorie von Adam Smith
3.1 Die historischen Rahmenbedingungen der Theorieentwicklung
3.2 Die Wertlehre von Adam Smith
3.3 Die Produktionstheorie von Adam Smith 
3.3.1 Der Faktor natürliche Ressourcen
3.3.1.1 Der Boden
3.3.1.2 Die Energie
3.3.2 Der Faktor Arbeit
3.3.3 Der Faktor Kapital
3.4 Die gesellschaftliche Verteilung des Sozialproduktes
3.5 Kritische Würdigung

4 David Ricardos Sicht der natürlichen Ressourcen
4.1 Die historischen Rahmenbedingungen der Theorieentwicklung
4.2 Die Wertlehre von David Ricardo
4.3 Die Produktionstheorie von David Ricardo
4.3.1 Der Faktor natürliche Ressourcen
4.3.1.1 Der Boden
4.3.1.2 Die Energie
4.3.2 Der Faktor Arbeit
4.3.3 Der Faktor Kapital
4.4 Die gesellschaftliche Verteilung des Sozialproduktes
4.5 Kritische Würdigung

5 Natürliche Ressourcen in der Lehre von Karl Marx
5.1 Die historischen Rahmenbedingungen der Theorieentwicklung
5.2 Die Wertlehre von Karl Marx
5.3 Die Produktionstheorie von Karl Marx
5.3.1 Der Faktor natürliche Ressourcen
5.3.1.1 Der Boden
5.3.1.2 Die Energie
5.3.2 Der Faktor Arbeit
5.3.3 Der Faktor Kapital
5.4 Die gesellschaftliche Verteilung des Sozialproduktes und die daraus resultierende gesellschaftliche Entwicklung
5.5 Kritische Würdigung

6 Ansätze mit Betonung des Produktionsfaktors Energie
6.1 Energieeinsatz und Mechanisierung der Produktion
6.2 Ansätze auf Grundlage der Thermodynamik
6.2.1 Historische Ansätze
6.2.2 Neuere Ansätze
6.3 Kritische Würdigung

7 Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

 

1 Einleitung
1.1 Einführung
Die natürlichen Ressourcen sind ein unverzichtbarer Produktionsfaktor. Sie bilden ein grundlegendes Potenzial für jeden Produktionsprozess. Das gilt einerseits für ihre Funktion als Inputfaktor, da Ressourcen wie Rohstoffe, Boden und Energie durch keinen anderen Faktor ersetzt werden können. Andererseits ist die Umwelt ein wichtiges Aufnahmemedium für die Entropie, die in Form von Abwärme oder Verschmutzung neben den erzeugten Produkten in jedem Produktionsprozess entsteht.1 Diese These soll am Beispiel der Energie als einer wesentlichen Kategorie der natürlichen Ressourcen verdeutlicht werden: Keine Aktivität kann ohne den Einsatz und die Entwertung von Energie ausgeführt werden. Diese grundlegende Erkenntnis wurde in den thermodynamischen Gesetzen formuliert. Auch die materielle Produktion unterliegt diesen naturwissenschaftlichen Rahmenbedingungen, die entsprechend von ökonomischen Produktionsmodellen zu berücksichtigen sind.2 Dennoch werden die natürlichen Ressourcen, und insbesondere die Energie, in verbreiteten ökonomischen Theorien und Modellen gar nicht oder nur unwesentlich als Produktionsfaktor berücksichtigt. Dies gilt vor allem für die heute dominierende neoklassische Theorie, in der der produktive Beitrag der natürlichen Ressourcen nur eine sehr untergeordnete Bedeutung hat. Üblicherweise werden in die neoklassische Produktionsfunktion nur die Faktoren Arbeit und Kapital aufgenommen. Mit dieser Formulierung der Produktionsfunktion wird die Wertschöpfung allein auf Faktoren zurückgeführt, die von menschlichen Fähigkeiten abhängen. Die natürlichen Ressourcen werden als Produktionsfaktor weitgehend eliminiert. Speziell für ressourcen- und umweltökonomische Fragestellungen kann die Produktionsfunktion um den Faktor natürliche Ressourcen erweitert werden. Dies geschieht in der Regel jedoch nur im Hinblick auf Bestandsrestriktionen und nicht aufgrund der Bedeutung der natürlichen Ressourcen als Produktionsfaktor.3 Zur Vernachlässigung der natürlichen Ressourcen in der ökonomischen Theorie hat die neoklassische Annahme der vollständigen Substituierbarkeit der Produktionsfaktoren beigetragen. Gemäß dieser Annahme besteht keine Notwendigkeit, die natürlichen Ressourcen als eigenständigen Produktionsfaktor in die Produktionsfunktion aufzunehmen, da sie unter dem Faktor Kapital subsumiert werden. Insgesamt hat die Entwicklung der Grenznutzentheorie dazu geführt, dass von der Beachtung naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten in ökonomischen Modellen zunehmend abstrahiert wird. Das Wirtschaftssystem wird als ein geschlossener, sich selbst erhaltender Kreislauf betrachtet. Dabei gerät in Vergessenheit, dass dieser Kreislauf in eine Umwelt eingebettet ist, die den Wirtschaftsprozess mit Rohstoffen und Energie versorgt und Entropie in Form von Stoff- und Wärmeemissionen aufnimmt.4

Das empirisch beobachtete Wirtschaftswachstum kann jedoch nicht allein durch Inputsteigerungen der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital erklärt werden. Es verbleibt ein unerklärter Rest von beträchtlicher Größenordnung, der in der neoklassischen Wachstumstheorie als technischer Fortschritt bezeichnet und als exogen angenommen wird.5 Anlässlich dieser unbefriedigenden Erklärung des wirtschaftlichen Wachstums wurden empirische Untersuchungen durchgeführt, die zu dem Ergebnis kommen, dass die Energie einen weitaus wichtigeren Beitrag zur Wertschöpfung leistet als in der Regel angenommen wird. Darüber hinaus kann mit der Aufnahme des Faktors Energie in die Produktionsfunktion die als technischer Fortschritt bezeichnete Restgröße weitgehend ausgefüllt werden. 6

Grundsätzlich ist bei der Betrachtung der natürlichen Ressourcen, und insbesondere der Energie, als Produktionsfaktor zu beachten, dass sie allein keine Produktionsleistung erbringen können. Die natürlichen Ressourcen sind stets in Verbindung mit den anderen Produktionsfaktoren zu sehen. Dies gilt vor allem für den Faktor Kapital, z.B. in Form von Maschinen, die durch Energie betrieben werden. Nur so kann die Energie Arbeit ersetzen bzw. zu geringeren Kosten verrichten. 7

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Die Motivation der vorliegenden Arbeit ist die nur marginale Berücksichtigung der natürlichen Ressourcen in der neoklassischen Theorie einerseits und die Ergebnisse der empirischen Untersuchungen, die auf eine wesentlich größere Bedeutung der natürlichen Ressourcen hinweisen, andererseits. Vor diesem Hintergrund soll untersucht werden, wie die natürlichen Ressourcen im Laufe der Theorieentwicklung in verschiedenen ökonomischen Ansätzen, auch in Relation zu den komplementären Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital, berücksichtigt werden. Dabei wird gezeigt, dass sich die Sicht der natürlichen Ressourcen sowohl in frühen ökonomischen Theorien als auch in moderne n Ansätzen von der neoklassischen Betrachtungsweise unterscheidet.

Die Untersuchung erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten der Theorieentwicklung, in dem sich auch die Bedeutung des Begriffs der natürlichen Ressourcen fortentwickelt hat. Die Analyse beginnt mit den Physiokraten, die erstmalig eine systematische und umfassende ökonomische Theorie begründet haben. Die folgenden Kapitel sind den klassischen Ökonomen Adam Smith und David Ricardo gewidmet, und im Anschluss daran wird auf die Sichtweise von Karl Marx eingegangen. Hierbei werden zunächst die historischen Rahmenbedingungen der Entstehung der jeweiligen Theorie beschrieben, aus denen sich bereits erste Anhaltspunkte ergeben, welche Motive für die Ökonomen bei der Entwicklung ihrer Theorie maßgebend waren. In einem nächsten Schritt wird erläutert, welche Wertlehre dem jeweiligen Ansatz zugrunde liegt. Darauf aufbauend wird die Produktionstheorie mit der Sicht der natürlichen Ressourcen und deren Beziehung zu den übrigen Produktionsfaktoren dargestellt. Schließlich wird aufgezeigt, welche Verteilungswirkungen sich aus der vertretenen Produktionstheorie ergeben. Jedes Kapitel schließt mit einer kritischen Würdigung des betrachteten Ansatzes. In frühen ökonomischen Theorien, zu deren Entstehungszeit die Landwirtschaft einen sehr bedeutenden Wirtschaftssektor darstellte, nimmt der Boden die zentrale Stellung unter den natürlichen Ressourcen ein. Dies ist insbesondere der Fall in der physiokratischen Theorie, aber auch Smith, Ricardo und Marx berücksichtigen den Boden explizit in ihren Produktionstheorien. Mit fortschreitender Industrialisierung nimmt die Bedeutung des Bodens als Produktionsfaktor ab. Die zunehmende Mechanisierung der Produktion führt dazu, dass die Energie eine immer wichtigere Rolle unter den natürlichen Ressourcen einnimmt. Dies klingt in den Theorien von Smith, Ricardo und Marx bereits an. Die dominierende Position unter den natürlichen Ressourcen nimmt die Energie allerdings erst in den Ansätzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein. Dies ist sowohl in den Theorien, die die Bedeutung der Energie über die Mechanisierung der Produktion ableiten, als auch in den thermodynamisch basierten Ansätzen der Fall, die im letzten Kapitel betrachtet werden. Die Darstellung der von der Mechanisierung der Produktion ausgehenden Ansätze beschränkt sich auf historische Autoren der Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Be ginn des 20. Jahrhunderts. Im Bereich der thermodynamisch begründeten Ansätze werden mit Soddy, Scott und Georgescu-Roegen sowohl historische als auch mo derne Autoren behandelt. Die Schlussbetrachtung enthält einen Gesamtüberblick der wesentlichen Erkenntnisse sowie einen Ausblick auf die Behand lung der na türlichen Ressourcen in der momentan aktuellen Entwicklung der Neuen Wachs tumstheorie.

[...]


1 Vgl. Binswanger, H.C., (1991), S. 169ff.; Binswanger, H.C., (1998), S. 237.

2 Vgl. Hall, C. et al., (2001), S. 664f..

3 Vgl. Söllner, F., (1996), S. 56f.; Binswanger, H.C., (1998), S. 237; Hall, C. et al., (2001), S. 663; Binswanger, H.C., (1991), S. 169f..

4 Vgl. Söllner, F., (1996), S. 49; Hall, C. et al., (2001), S. 664.

5 Vgl. Hall, C. et al., (2001), S. 666ff.; Ayres, R.U., (2001), S. 819f.; Binswanger, H.C., (1991), S. 171.

6 Zu konkreten empirischen Untersuchungsergebnissen vgl. Hall, C. et al., (2001), S. 668ff.; Ayres, R.U., (2001), S. 826ff.; Beaudreau, B., (1998), S. 98ff..

7 Vgl. Weissmahr, J.A., (1992), S. 76.


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