Erving Goffman: "Interaktionsrituale"

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Details

Titel: Erving Goffman: "Interaktionsrituale"
Untertitel : Ehrerbietung und Benehmen
Autor: Iris Baumgärtel
Fach: Soziologie - Klassiker, Grundlagen und Theorierichtungen
Veranstaltung: Erving Goffman
Institution/Hochschule: Universität Konstanz (Fachbereich Soziologie und Geschichte)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 25
Note: 1
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 270 KB
Archivnummer: V18546
ISBN (E-Book): 978-3-638-22872-5
ISBN (Buch): 978-3-638-64577-5
Anmerkungen :
Der Untertitel Goffmans Buches Interaktionsrituale - Über Verhalten in direkter Kommunikation, welches die Grundlage dieser Arbeit bildet, gibt Aufschluss über den eigentlichen Untersuchungsgegenstand: das Verhalten eines Individuums beim Zusammentreffen mit anderen Individuen und der Platz des Einzelnen in der Gemeinschaft, kurz, „the interaction order“. Die folgende Arbeit beschäftigt sich nun mit Verhaltensregeln, insbesondere der Ehrerbietung und dem Benehmen.

Zusammenfassung / Abstract

Der Untertitel Goffmans Buches "Interaktionsrituale - Über Verhalten in direkter Kommunikation", welches die Grundlage dieser Arbeit bildet, gibt Aufschluss über den eigentlichen Untersuchungsgegenstand: das Verhalten eines Individuums beim Zusammentreffen mit anderen Individuen und der Platz des Einzelnen in der Gemeinschaft, kurz, „the interaction order“. Die Dualität zwischen individueller Identität und Gesellschaft bzw. die Frage nach den gesellschaftlichen Bedingungen zur Bildung von sozialer Identität ist Kernpunkt der Soziologie Erving Goffmans. Er betrachtet Identität als „das Resultat eines prinzipiell unlösbaren Dauerkonflikts zwischen menschlichen Individuen und dem ihr Leben regulierenden Institutionen.“ Das Aufeinandertreffen von Menschen in verschiedenen Situationen ist die Basis der Interaktion, jedoch geht es hier nicht um individuelle Verhaltensmuster, die in der Persönlichkeit jedes Einzelnen verankert liegen, sondern vielmehr um die normative Struktur, die das zwischenmenschliche Verhalten regelt. Goffman betont, dass sein Interesse den „syntaktischen Beziehungen zwischen den Handlungen verschiedener gleichzeitig anwesender Personen“ , als der Psychologie dieser Personen gilt. Hierbei muss man sich natürlich ebenso mit der Frage beschäftigen, welche grundlegenden Eigenschaften ein handelnder Mensch haben muss, damit die interaktive Ordnung überhaupt funktioniert. Goffman bezeichnet diese Vorgehensweise, Situationen menschlichen Handelns zu untersuchen, als „Soziologie der Gelegenheiten“ . Handlungen unterliegen einem Muster, das bewusst oder unbewusst von jedem der Beteiligten verfolgt wird: Die Beurteilung der jeweiligen Situation, die Einschätzung des Gegenübers bzw. der anderen beteiligten Personen und die Selbstdarstellung, meist mit dem Ziel, sich selbst ins beste Licht zu rücken. Während der Interaktion sieht sich der Einzelne der Aufgabe gegenüber, aus seinem verfügbaren Handlungsspielraum die angemessene Aktion herauszufiltern und auch auf zum Teil konträre Anforderungen passend zu agieren. Die folgende Arbeit beschäftigt sich nun mit Verhaltensregeln, insbesondere der Ehrerbietung und dem Benehmen, welchen Goffman ein eigenes Kapitel in seinen Interaktionsritualen widmet. Seinen Ausführungen liegt eine Beobachtungsstudie in einer psychiatrischen Klinik zu Grunde.

Textauszug (computergeneriert)

Erving Goffman: Interaktionsrituale
Ehrerbietung und Benehmen

 

 

Iris BAUMGÄRTEL

Inhalt

Einführung

I. 1. Verhaltensregeln

1.1. Regelklassen
1.2. Regeltypen

2. Ehrerbietung

2.1. Vermeidungsrituale

2.1.1 Distanz und ehrerbietige Zurückhaltung

2.2. Zuvorkommenheitsrituale

3. Benehmen

II. Zeremonielle Entweihung und Verletzung

III. Zusammenfassung und Fazit

Bibliografie

 

 



Einführung

Der Untertitel Goffmans Buches Interaktionsrituale - Über Verhalten in direkter Kommunikation, welches die Grundlage dieser Arbeit bildet, gibt Aufschluss über den eigentlichen Untersuchungsgegenstand: das Verhalten eines Individuums beim Zusammentreffen mit anderen Individuen und der Platz des Einzelnen in der Gemeinschaft, kurz, „the interaction order“. Die Dualität zwischen individueller Identität und Gesellschaft bzw. die Frage nach den gesellschaftlichen Bedingungen zur Bildung von sozialer Identität ist Kernpunkt der Soziologie Erving Goffmans. Er betrachtet Identität als „das Resultat eines prinzipiell unlösbaren Dauerkonflikts zwischen menschlichen Individuen und dem ihr Leben regulierenden Institutionen.“1 In seinen zahlreichen Reportagen und Beobachtungen aus Gefängnissen und Nervenkliniken richtet er sein Augenmerk besonders auf die Widerstände, auf die das Individuum innerhalb dieser Institutionen stößt und wie es damit umgeht.

Das Aufeinandertreffen von Menschen in verschiedenen Situationen ist die Basis der Interaktion, jedoch geht es hier nicht um individuelle Verhaltensmuster, die in der Persönlichkeit jedes Einzelnen verankert liegen, sondern vielmehr um die normative Struktur, die das zwischenmenschliche Verhalten regelt. Augenscheinlich liegt ein Widerspruch zwischen allgemeinen Regeln und den unendlichen Möglichkeiten des Entstehens einer sozialen Situation. Doch Goffman betont, dass sein Interesse vielmehr den „syntaktischen Beziehungen zwischen den Handlungen verschiedener gleichzeitig anwesender Personen“2, als der Psychologie dieser Personen gilt. Hierbei muss man sich natürlich ebenso mit der Frage beschäftigen, welche grundlegenden Eigenschaften ein handelnder Mensch haben muss, damit die interaktive Ordnung überhaupt funktioniert. Goffman bezeichnet diese Vorgehensweise, Situationen menschlichen Handelns zu untersuchen, als „Soziologie der Gelegenheiten“3. Einer sozialen Handlung in Bezug auf andere Menschen, also einer Interaktion, gehen einige Schritte voraus, die Goffman „Begegnung“ oder „zentrierte Versammlung“ nennt: „Für die Teilnehmer umfasst das: einen einzigen visuellen und kognitiven Brennpunkt der Aufmerksamkeit; eine wechselseitige und bevorzugte Aufgeschlossenheit für verbale Kommunikation; eine erhöhte wechselseitige Relevanz der Handlungen, ein ökologisches Zusammendrängen ‚Auge in Auge’, das die Möglichkeit jedes Teilnehmers vergrößert, gewahr zu werden, wie ihn der andere Teilnehmer ‚überwacht’.“4

Diese Handlungen unterliegen einem Muster, das bewusst oder unbewusst von jedem der Beteiligten verfolgt wird: Die Beurteilung der jeweiligen Situation, die Einschätzung des Gegenübers bzw. der anderen beteiligten Personen und die Selbstdarstellung, meist mit dem Ziel, sich selbst ins beste Licht zu rücken. Während der Interaktion sieht sich der Einzelne der Aufgabe gegenüber, aus seinem verfügbaren Handlungsspielraum die angemessene Aktion herauszufiltern und auch auf zum Teil konträre Anforderungen passend zu agieren. Dabei muss er, wie es Thurn ausdrückt, wie ein Schauspieler in wechselnde Rollen schlüpfen, die immer wieder situativ angepasst werden, wobei er sich aber mit keiner von ihnen wirklich in seinem Wesen identifiziert.

„Jede erfolgreiche Selbstdarstellung im Alltag bedient sich (..) einer Doppelstrategie. Zum einen ist sie enthüllend, indem sie die personale Latenz, die biographisch gewachsene Eigenart des Einzelnen zum Ausdruck bringt. (...) [Zum anderen] operiert die alltägliche Selbstinszenierung stets auch verbergend. Sie bemüht sich, jene Züge hintanzustellen, die Anstoß bei den Interaktionspartnern erregen und infolgedessen nachteilige Reaktionen hervorrufen könnten.“5 Die folgende Arbeit beschäftigt sich nun mit Verhaltensregeln, insbesondere der Ehrerbietung und dem Benehmen, welchen Goffman ein eigenes Kapitel in seinen Interaktionsritualen widmet. Seinen Ausführungen liegt eine Beobachtungsstudie in einer psychiatrischen Klinik zu Grunde6, insofern wird sich auch diese Arbeit auch an dieser Basis orientieren. Um in diesem Kontext zu bleiben, wurden einige der Beispiele, die zur Verdeutlichung der theoretischen Erläuterung angeführt werden, von Goffman übernommen.

I.1. Verhaltensregeln

[...]


1 Conrad/Streeck (Hrsg.), Elementare Soziologie 1976, S.57
2 Goffman, Interaktionsrituale 1971, S.8
3 Ib. S.8
4 Goffman, Interaktion: Spaß am Spiel1973, S.20
5 Thurn, Der Mensch im Alltag 1980, S.23f.

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