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Scholary Paper (Seminar), 2001, 45 Pages
Author: Matthias Hirschböck
Subject: Psychology - Forensic Psychology, Penal System
Details
Institution/College: University of the Federal Armed Forces München (Angewandte Psychologie)
Tags: Primär-, Sekundärprävention, Kinder-, Jugendkriminalität, Psychologische, Erklärungen, Entstehung, Therapie, Verbindung, Auswahl, Anwendungsprojekten, Seminar, Psychologische, Praxisfelder
Year: 2001
Pages: 45
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-11144-7
ISBN (Book): 978-3-638-69650-0
File size: 268 KB
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Abstract
Die Primär- und Sekundärprävention von Kinder- und Jugendkriminalität ist trotz der Schwierigkeit, Ergebnisse zu evaluieren ein wichtiger Beitrag von Staat und Gesellschaft, um Jugendliche über die Folgen ungesetzlichen Verhaltens zu informieren, vor den Risiken zu warnen und sie vor dem Sturz in die Kriminalität zu bewahren. Dies leistet unzweifelhaft einen wichtigen Beitrag für die positive Entwicklung unserer jungen Generation und ist Grundlage für ein gutes Zusammenleben in einer sicheren Gesellschaft. Die folgende Arbeit soll einige Ursachen und psychologische Erklärungen kriminellen Verhaltens beschreiben und gleichermaßen Lösungsansätze für erfolgversprechende Präventionsmaßnahmen aufzeigen.
Excerpt (computer-generated)
Universität der Bundeswehr München
Fakultät für Sozialwissenschaften
Institut für Psychologie und Erziehungswissenschaft
Seminararbeit zum Seminar " Psychologische Praxisfelder (Jugendkriminalität)"
Wintertrimester 2001
Primär- und Sekundärprävention von Kinder- und Jugendkriminalität -
Psychologische Erklärungen zur Entstehung und Therapie in Verbindung mit
einer Auswahl von praktischen Anwendungsprojekten
vorgelegt von:
Matthias Hirschböck
5. Trimester
Inhaltsverzeichnis
A. | Ursachenforschung | 4 | ||||
I. | Begriffsbestimmung und Beschreibung | 4 | ||||
1. | Kindheit | 4 | ||||
2. | Jugend | 4 | ||||
3. | Gewalt | 5 | ||||
4. | Kriminalität | 6 | ||||
II. | Entstehung der Jugendkriminalität allgemein aus | |||||
psychoanalytischer und sozialer Sichtweise | ||||||
1. | Jugendschutz als Gut von Verfassungsrang | 7 | ||||
2. | Soziale Entstehungsfaktoren | 8 | ||||
3. | Psychische Entstehungsfaktoren | 11 | ||||
III. | Psychologische Ursachen für und Maßnahmen gegen | 12 | ||||
delinquentes Verhalten | ||||||
1. | Streß und Streßbewältigung | 12 | ||||
a. | Ursachen | 12 | ||||
b. | Streßreaktionen | 14 | ||||
c. | Persönliche Streßanalyse | 15 | ||||
d. | Möglichkeiten der Streßbewältigung | 16 | ||||
2. | Aggressivität und Anti- Aggressivitäts- Training | 18 | ||||
a. | Aggressivität | 18 | ||||
- | Klassifizierung von Aggressionen | 18 | ||||
- | Lernprozesse für aggressives Verhalten | 19 | ||||
- | Motive und Verstärkungsfaktoren von Aggressivität | 20 | ||||
b. | Anti- Aggessivitäts- Training | 21 | ||||
- | Zu untersuchende Aggressivitätsfaktoren | 22 | ||||
- | Operantes Konditionieren | 22 | ||||
- | Ergebnisfindung | 23 | ||||
B. | Lösungsansätze | 24 | ||||
IV. | Chancen und Risiken der Kriminalprävention | 24 | ||||
1. | Was versteht man unter Prävention? | 24 | ||||
2. | Psychologische Überlegungen der Prävention | 25 | ||||
3. | Welche Arten gibt es? | 26 | ||||
a. | primäre | 26 | ||||
b. | sekundäre | 27 | ||||
c. | tertiäre | 27 | ||||
4. | Warum sind Primär- und Sekundärprävention besser | 27 | ||||
und haben rechtlichen Vorrang? | ||||||
5. | Institutionsebenen der Kriminalprävention | 28 | ||||
6. | Überblick über die Wirkungen/ den Erfolg präventiver | 30 | ||||
Maßnahmen am Beispiel der Kommunalprävention | ||||||
V. | Mittel und Projekte der Prävention | 32 | ||||
1. | Integrative Familienhilfe | 32 | ||||
a. | Ziele und Motive der IF | 33 | ||||
b. | Gruppenangebote und Methoden | 34 | ||||
c. | Methodische Rahmenbedingungen | 35 | ||||
d. | Erfahrungen und Ergebnisse | 36 | ||||
2. | "KIDO - der Weg für Kids" | 36 | ||||
a. | Beschreibung und Ziel des Kurses | 36 | ||||
b. | Methodik und Didaktik der Kurse | 37 | ||||
c. | Erfahrung und Ausblick | 38 | ||||
3. | KICK - Sport gegen Jugenddelinquenz | 38 | ||||
a. | Psychosoziale Aspekte einer ganzheitlichen Prävention | 39 | ||||
durch Sporttreiben | ||||||
b. | Methoden | 40 | ||||
c. | Tätigkeitsfeld | 41 | ||||
d. | Erfahrungen und Perspektive | 41 | ||||
C. | Evaluation von Prävention und Ausblick | 42 | ||||
D. | Literaturverzeichnis | 44 | ||||
A. Ursachenforschung
I. Begriffsbestimmung und Erklärung
1. Kindheit
Das Verständnis für Begriffe, wie Besitz und Eigentum, sind nicht angeboren, sondern derartige Wertvorstellungen müssen erst allmählich durch Erziehung und Sozialisation vermittelt und erlernt werden. Erst im Verlauf der Kindheit sorgen die Intelligenz und die auf deren Grundlage erlernten Regeln für Kontrollinstanzen und ein Verständnis für Werte, Normen und Moral, damit der Besitztrieb nicht die Oberhand behält. Vorbildfunktion in dieser frühen Phase erfüllen zuallererst die Eltern, allen voran die Mutter, die als wichtigste Bezugsperson gilt. Gewissensbildung, Kommunikation, soziale Interaktion, der Erkundungstrieb und die Orientierung an Vorbildern bilden das Fundament für das entstehende Sozialverhalten des Kindes. Die Beeinflussung von anderen Personen nimmt stärker zu und das Kind erlernt auch sehr schnell, negative und falsche Handlungen und Vorstellungen. Eine ungenügende, fehlerhafte und diffuse Erziehung führt zu einer geringen und instabilen Sozialbasis, was zur Folge hat, daß das Kind auf der Suche nach Halt und sozialer Verankerung ist, und somit leicht für kriminelle Aktivitäten zu gewinnen und im Sinne der Gleichaltrigengruppe (Peer Group) zu beeinflussen ist.1
2. Jugend
Jugendliche bewegen sich vielfach in "Phasenkulturen"2, um möglicherweise hier Abgrenzungs- und Protestgefühle ausleben zu können. Dort finden sie altersgemäße Anerkennung unter Gleichaltrigen, die ihnen eventuell in Familie, Schule oder allgemein in der Gesellschaft nicht zuteil wird. Diese, auch als "Jugendkultnischen"3 bezeichneten, Gruppierungen bieten für die Jugendlichen eine gemeinsame Identität, ein "Wir-Gefühl", Solidarität, Akzeptanz und Verantwortung. Ein weiteres Merkmal dieser Jugendkultur besteht oft darin, den ′Kick′ zu suchen und gefährliche Handlungen zu vollziehen, um ihre Extremität, Extravaganz und Tollkühnheit unter Beweis zu stellen. So bildeten sich aggressive und auto- aggressive Freizeitaktivitäten, wie "Airbagging", "Bungee-Jumping" oder "Elektrosmoking". Erst aufgrund von Alterungs- und Reifeprozessen etablieren sich feste Partnerschaften und berufliches Entwicklungs- und Weiterbildungsstreben von Jugendlichen und Heranwachsenden4. Aufgrund dessen verbreitet sich allmählich die Akzeptanz zur Übernahme von Verantwortung in Beruf und Familie und Handlungsformen, die der bürgerlichen Werteordnung und Moral entsprechen. Je klarer ein Lebensziel definiert und erreichbar erscheint, desto weniger besteht die Neigung, sich in extreme Phasenkulturen zu begeben. Die Herauslösung und das selbständige Auflösen von "Peer-Groups" gestaltet sich extrem schwierig, da soziale Bindungen zerstört werden und meist kein geeigneter Ersatz zu bekommen ist. Aussteiger aus straff organisierten Gruppen, wie sie im kriminellen Milieu die Regel sind, werden häufig bedroht, erpreßt und schwer sanktioniert, einhergehend mit einer sozialen Ächtung. Gemäß dieser Feststellung sollte sich Sozialarbeit vornehmlich dem Individuum zuwenden und nicht der delinquenten / kriminell gefährdeten Gruppe, da diese damit nur in ihrer Intension und Struktur bestätigt und stabilisiert wird.5
3. Gewalt
Gewalt zu definieren gestaltet sich problematisch, da es kulturell und gesellschaftlich keine einhellige Meinung gibt, welche konkreten Verhaltensformen darunter zu subsumieren sind.
Wenn man nur den strafrechtlichen Gewaltbegriff zu Rate nimmt, so umschreibt § 240 StGB folgendes: "Gewalt im Sinne der Nötigung ist die durch körperliche Kraftentfaltung bei einem anderen herbeigeführte körperliche oder als solche empfundene Zwangseinwirkung, die geeignet und bestimmt ist, die Freiheit der Willensbildung oder -betätigung aufzuheben oder zu beeinträchtigen. Gewalt in diesem Sinne ist auch der seelische Zwang, der als körperlicher Zwang empfunden wird."6
Unbestritten hat jugendliche Gewalt in den letzten Jahren qualitativ und quantitativ zugenommen. Besonders besorgniserregend stellt sich die qualitative Zunahme dar, die sich z. B. darin äußert, daß sich ein jugendlicher Straftäter nicht mehr allein damit zufrieden gibt, dem Opfer die Diebesbeute zu entreißen, sondern das hilflose Opfer noch am Boden liegend zusammenzutreten, um seine Übermacht und Stärke zum Ausdruck zu bringen. Für Kinder- und Jugenddelinquenz ist vor allem die Gruppengewalt kennzeichnend, da die Täter oft nicht in der Lage sind, die körperliche Gewalt und die drohende Haltung allein auszuüben. Als kriminelle Maßnahmen, die unter Gruppengewalt fallen, wertet z.B. die Berliner Polizei Raub und räuberische Erpressung, Körperverletzungen jeder Art, Bedrohungen, Sachbeschädigungen und sonstige Begleitdelikte, wie unerlaubter Waffenbesitz.7
4. Kriminalität
"Kriminalität im quantitativen Sinne stellt die Summe aller mit Strafe bedrohten Norm- und Gesetzesverstöße dar, die von einer bestimmten Gruppe oder in einer festgelegten Region in einem gewissen Zeitraum begangen wurden."8
Nach qualitativen Merkmalen läßt sich Kriminalität etwa in Jugend-, Alters-, Rauschgift- oder organisierter Kriminalität unterteilen.
Ich möchte im folgenden die Jugendkriminalität näher unter die Lupe nehmen, die zwei konkrete Ausprägungen zeigt. Zum einen ist die entwicklungsbedingte, vorübergehende kriminelle Episode des Jugendlichen zu unterscheiden von einer dauerhaften, meist psychisch und sozial verwurzelten, kriminellen Lebensweise. Erstere ist oft häufiger Bestandteil der individuellen menschlichen Entwicklung, wobei hier die Prämisse gilt, eine derartige Phase früh zu erkennen und Normverstöße gering zu halten. Dieser entwicklungsbedingten Delinquenz trägt auch das Jugendgerichtsgesetz Rechnung und sieht Strafe nicht als Vergeltung, sondern als erforderliche erzieherische Maßnahme, was vor allem in der Strafmilde zum Ausdruck kommt. Man will hier dem jungen Menschen die Möglichkeit zur Einsicht geben und ihn auf den rechten Weg zurückführen. Bei einer Prognose der dauerhaften und bewußten Kriminalität äußern sich Strafmechanismen entschieden rigoroser und vehementer.
[...]
1 Vgl. Polizeipräsident in Berlin (Hrsg.), Vorbeugung und Bekämpfung von Jugendkriminalität,in: Landespolizeischule Mediendienst, 2000, Nr.28, S.41/42; vgl. auch Schumann, Karl F., et al., Jugendkriminalität und die Grenzen der Generalprävention, Darmstadt, 1987, S.108-110.
2 Polizeipräsident in Berlin, Jugendkriminalität, S.42.
3 Gallwitz, Adolf et al., Horrorkids?, 2000, S.51.
4 Vgl. Anhang I, S.40.
5 Vgl. Polizeipräsident, Jugendkriminalität, S.42/43.
6 Polizeipräsident ( gemäß den Kommentaren zum § 240 StGB) Jugendkriminalität, S.44.
7 Vgl. Polizeipräsident, Jugendkriminalität, S.42-44; Für Zahlen und Statistiken zu Gewalt und Delikten siehe auch: Jäger, Reinhold S., Gewaltprävention: Strategien und Visionen - Eine Bestandsaufnahme und Perspektiven zur Weiterentwicklung, in: Hanns- Seidel- Stiftung e.V. (Hrsg.), Politische Studien, 48. Jahrgang, Heft 4/1997, S.17-23.
8 Polizeipräsident, Jugendkriminalität, S.40.
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