Die Entwicklung der AIDS Problematik

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Details
Autor: Robert Mihelli
Fach: Geowiss. / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Veranstaltung: Entwicklungszusammenarbeit
Institution/Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Geographisches Institut)
Jahr: 2003
Seiten: 40
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1601 KB
ISBN: 978-3-638-23090-2
Textauszug
Hauptseminar Wirtschaftsgeographie
Entwicklungszusammenarbeit
Die Entwicklung der AIDS Problematik
SS 2003
Fach: Wirtschaftsgeographie
Rheinisch-Westfälisch-Technische Hochschule Aachen
Robert Mihelli
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 5
2. Die Grundlagen 6
2.1. HIV/AIDS Definition und Charakteristika 6
2.2. Die Medikamente und die Patentrechte 10
2.3. Der Ursprung und die Verbreitung 11
3. Die Gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie 13
3.1. Soziale Modalitäten 14
3.2. Die Verbreitungsgründe in Ländern südlich der Sahara 13
3.3. Home Based Care 17
3.4. Die AIDS Waisen 18
3.5. Die Witwen und AIDS 20
4. Die Ansätze der Entwicklungszusammenarbeit 21
4.1. Betrachtungen zur Entwicklungszusammenarbeit 21
4.2. Fallbeispiel: Die Situation in Südafrika 23
5. Schlusswort 26
Literatur 27
Anhang 30
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Globale Übersicht der HIV-1 Verbreitung der Gruppe M Subtypen in 1997 7
Abbildung 2: HIV Ansteckungsarten und Subtypen 8
Abbildung 3: HIV Soziale Ursachen und Zielgruppen 13
Abbildung 4: Die HIV Prävelenz in afrikanischen Ländern südlich der Sahara 14
Abbildung 5: Gebrauch der Kondome, Männer, bei nicht regülären Partnern 1994 bis 2000 22
Abbildung 6: Behandlungsbedürftige AIDS Kranke in Südafrika 23
Abbildung 7: Waisenkinder in Südafrika: Möglicher Trend (in Millionen) 24
Tabelle 1: Die tödlichsten Krankheiten Weltweit im Jahr 2002 9
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
AIDS Acquired Immune Deficiency Syndrome
bzw. beziehungsweise
et al et alii
f folgende (Seite)
ff. folgende (Seiten)
HIV Human Immunodefiency Virus
HI Virus Human Immunodeficiency Virus
Hrsg. Herausgeber
NRO Nichtregierungsorganisation
IPR Intellectual Property Rights
S. Seite(n)
u.a. unter anderem
TRIPS Trade-Related Aspects Of Intellectual Property Rights
WHO World Health Organization
WTO World Trade Organization
z.B. zum Beispiel
"Das Böse in der Welt rührt fast immer von der Unwissenheit
her, und der gute Wille kann so viel Schadenanrichten wie
die Bosheit, wenn er nicht aufgeklärt ist."
Albert Camus, Die Pest, 1947.
1. Einleitung
Die geschichtliche Erfahrung lehrt, dass der Mensch oft vor dem Ungewissen die Augen verschließt, die Natur gedankenlos ignoriert und sich aus Bequemlichkeit in seine eigene heile Welt zurückzieht. Dennoch verwundert, dass trotz der kollektiven Blindheit, dem Vorwand einer moralischen, selbst erschaffenen Naturakzeptanz1 oder falscher Eitelkeit solch ein gewaltiges Aufkommen der erworbenen Immunschwächekrankheit AIDS fast systematisch übersehen werden konnte2. Die Betroffenen versuchten vergeblich die Allgemeinheit auf die Krankheit aufmerksam zu machen; es waren primär die Homosexuellen und die Armen, Rauschgiftsüchtige und Prostituierte, Opfer an denen die breite Öffentlichkeit wenig Interesse zeigte, Menschen dessen Existenz die globale Gesellschaft verneint und verachtet3. Die Indizien, die zur intensiven Erforschung und Bekämpfung, zur Erfassung sowie Bekanntmachung der möglich größten Pandemie4 aller Zeiten führten5, waren wesentlich früher zu erkennen, sind jedoch mit Pannen und Mißverständnissen zeitlich in Verzug geraten, was Menschenleben gekostet hat6. Schrittweise stellten Regierungen Gelder zur Verfügung und der Schleier der verbotenen Wörter wurde endlich gehoben, um Klarheit über die Übertragungswege, Risikogruppen und Prävention zu schaffen7. Aber nur dort wo es Geld gab.
Mittlerweile ist die Krankheit erkannt; weltweit leben heute über 40 Millionen Menschen mit AIDS8, das entspricht 1.2 Prozent der Weltbevölkerung9. Alleine im letzten Jahr kamen fünf Millionen Neuinfektionen hinzu und für das Jahr 2003 wird ein globaler Anstieg erwartet10. Bis jetzt forderte die Pandemie jährlich über 3.1 Millionen Tote11 und nur ein kleiner Bruchteil der Erkrankten wird medizinisch versorgt12. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara13, besonders in Malawi, Simbabwe, Botsuana und Swasiland avancierte AIDS längst zur Haupttodesursache. Dort leiden mehr als 28 Millionen Menschen, wogegen in den westlichen Industriestaaten nur 1.5 Millionen infiziert sind. Die teuere Behandlung mit patentgeschützten AIDS Medikamenten können sich 95 Prozent aller Erkrankten aus den Entwicklungsländern nicht leisten. Gefangen zwischen Dürftigkeit und Pandemie, strecken sie uns eine Hand entgegen.
Diese Arbeit entstand hauptsächlich unter der Daten- und Quellenfreigabe des Missionsärztlichen Instituts in Würzburg, der UNAIDS Organisation, sowie des Dritte-Welt-Forum Aachen eV. Die Hausarbeit wird räumlich primär afrikanische Länder südlich der Sahara betrachten und zeitlich koordiniert der Genese, Verbreitung sowie der Auswirkung der Krankheit nachgehen, Bezüge zur Entwicklungszusammenarbeit ansprechen sowie ein Fallbeispiel vorstellen, um einen Verständnispfaden für die Opfer aufzubauen, die dem Virus unterlagen, für diejenigen Virusträger, die der Diskriminierung ausgesetzt sind und für die Unwissenden, Hoffnungslosen und Ignoranten, die ihn noch empfangen werden.
2. Die Grundlagen
2.1. HIV/AIDS Definition und Charakteristika
Im Jahre 1981 häuften sich die Anzeichen für ein virulentes Krankheitsbild, das im Juli 1982 in Nordamerika mit dem Akronym acquired immunodeficiency syndrome, AIDS, benannt wurde14. Den als Retrovirus eingestuften Erreger15, der dieses erworbene Immundefekt-Syndrom mit Störung des zellulären Immunsystems16 verursacht, gab man den englischen Namen human immunodeficiency virus, HIV17. Bis heute sind zwei Hauptgruppen, HIV-1 und HIV-2, sowie mehrere Subtypen des Virus bekannt, die geographisch breit verstreut sind und deren unterschiedliches Erbgut eine hohe Anpassungsfähigkeit an menschliches Leben ermöglicht; HIV-1 findet man auf allen Kontinenten, HIV-2 vorwiegend in Westafrika18. Die Verteilung und grobe Häufigkeit der HIV-1 Viren und deren Subtypen A bis J der Gruppe M gibt die Abbildung 1 wieder.
[....]
1 Vgl. Galeano, Eduardo: Die Füße nach oben, Wuppertal, 2000, S. 53 ff.
2 Vgl. Shilts, Randy: AIDS: And The Band Played On, Die Geschichte eines grossen Versagens, München, 1988, S. 12 ff.
3 Vgl. Shilts, Randy: a.a.O., S. 13 f.
4 Eine Pandemie ist eine globale Epidemie; eine weit verbreitete, ganze Länder oder Landstriche erfassende Massenerkrankung.
5 AIDS ist in einigen Teilen der Welt zur größten medizinischen Katastrophe aller Zeiten geworden, vergleichbar mit dem Auftreten der Pest 1349 bis 1351 in Westeuropa, als damals von geschätzten 100 Millionen Einwohnern ungefähr 25 Millionen verstarben. Vgl. Henning, Friedrich-Wilhelm: Das vorindustrielle Deutschland 800 bis 1800, Stuttgart, 2002, S. 124 ff.
6 Vgl. Hooper, Edward: The River. A Journey Back To The Source Of HIV And AIDS, London, 2000.
7 Vgl. Shilts, Randy: a.a.O., S. 783 ff.
8 Vgl. UNADIS: Table Of Country-Specific HIV/AIDS Estimates And Data, End 2001, in: Report On The Global HIV/AIDS Epidemic, Geneva, 2002, S. 190.
9 Die Weltbevölkerung zählt derzeit 6.3 Milliarden Menschen, Jahreswachstum ist 77 Millionen, der größte Zuwachs entfällt auf die Entwicklungsländer. Vgl. Ehrenstein, Claudia: 2050 leben 8,9 Milliarden Menschen auf der Erde, in: Die Zeit, 27.02.2003, Berlin, 2003, S. 1.
10 In den GUS-Staaten sowie bevölkerungsreichen Staaten Südostasiens nimmt die Zahl der HIV/AIDS Infizierten stark zu, in China hat in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres die offizielle Zahl der Neuinfizierungen um 67 % zugenommen. In Russland ist die Zahl der AIDS Infizierten Ende 2001 sogar fünfzehn Mal höher als im Jahre 1998. Vgl. Olff, Sabine: 40 Millionen HIV-Infizierte weltweit, Süddeutsche Zeitung, 03.06.2002, München, 2002, S. 6.
11 Vgl. UNADIS: a.a.O., S. 8.
12 Vgl. UNADIS: a.a.O., S. 10.
13 Afrika südlich der Sahara trägt die Last von über 70% der weltweiten Infektionen. Vgl. Kaseje, Dan/ Menberu, Retta/ Ochieng´, Michael/ Oindo, Missie: AIDS - Eine Krankheit der Armut. Soziale Ursachen und Folgen der AIDS Tragödie, in: EPD Entwicklungspolitik, 16/2002 August, Brüssel, 2002, S. 25.
14 Die ursprüngliche Bezeichnungen war unter anderem Gay Related Immunodeficiency Disease, GRID, welche aber als diskriminierend und nicht zutreffend mit dem neutral klingenden Akronym AIDS ersetzt wurde. Die erste der vielen Demütigungen, die die Krankheit noch mit sich tragen muss. Vgl. Shilts, Randy: a.a.O., S. 248.
15 Das Erbgut des HIV besteht aus Ribonukleinsäure, RNS, während das Erbgut der menschlichen Zelle aus Desoxyribonukleinsäure, DNS, aufgebaut ist. Sie unterscheiden sich von anderen RNS-Viren zudem durch ein Eiweiss, die Reverse Transkriptase, das die Viren zu ihrer Vermehrung benötigen. Die Reverse Transkriptase schreibt die Erbinformation der Viren (RNS) so um, dass sie zum menschlichen Genom (DNS) passt. Erst dann kann das Erbgut der Erreger in die Erbinformation der Wirtszelle eingebaut und mit Hilfe der menschlichen Zelle vermehrt werden. Vgl. Hildelbrandt, Helmut (Hrsg.): Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, Berlin, 1998, S. 1375.
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