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Alltagsbegegnungen Alexander von Humboldts mit Angehörigen der kolonialen Unterschicht während seiner amerikanischen Forschungsreise

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 17 Pages
Author: Anita Breuer
Subject: History - Miscellaneous

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 17
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V20011
ISBN (E-book): 978-3-638-24017-8
ISBN (Book): 978-3-638-74729-5
File size: 221 KB

Abstract

Während seiner fünfjährigen Reise traf Humboldt auf Vertreter aller Schichten und Klassen der lateinamerikanischen Kolonialgesellschaft. Wenngleich Humboldt in erster Linie Beziehungen zu den Angehörigen der weißen Oberschicht pflegte finden sich in seinem Reisejournal auch Hinweise auf Kontakte mit Menschen aus den unteren Bevölkerungsschichten, zu denen neben den Indios auch Zamben, Mestizen und Mulatten, sowie freie und versklavte Schwarze zählten. Die vorliegende Arbeit liefert Einblick in die Natur diese Kontakte geben, wie sie von Humboldt beurteilt wurden und in welchem Ausmaß sie sich in seiner Berichterstattung niedergeschlagen haben. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Begegnungen mit der indigenen Bevölkerung gerichtet.


Excerpt (computer-generated)

„Humboldt in Amerika, 1799 – 1804“
WS 2001/2002
Universität zu Köln
Hausarbeit

Alltagsbegegnungen Alexander von Humboldts
mit Angehörigen der kolonialen Unterschicht
während seiner amerikanischen Forschungsreise

Anita Breuer

 

I. Einleitung S. 1

II. Die Kenntnisse indigener Sprachen und der Sprachgebrauch Alexander von Humboldts S. 2

III. Rassistische Residuen in der Berichterstattung Alexander von Humboldts S. 3

IV. Der Indianer als Fabelwesen in der Berichterstattung Humboldts S. 5

V. Alexander von Humboldt und sein Umgang mit indianischen Bediensteten S. 8

VI. Indianische Gastgeber Alexander von Humboldts S. 10

VII. Schlußbetrachtung S. 11

VIII. Literatur
VIII.1 Primärliteratur
VIII.2. Sekundärliteratur

 

I. Einleitung

Während seiner fünfjährigen Reise traf Humboldt auf Vertreter aller Schichten und Klassen der lateinamerikanischen Kolonialgesellschaft. Es kann kaum bestritten werden, daß es vor allem Personen aus der weißen Oberschicht waren, zu denen Humboldt in engeren Beziehungen stand und die folglich in seinem Reisejournal besonders hervorgehoben werden.1 Dennoch steht außer Frage, daß er auch mit Menschen aus den unteren Bevölkerungsschichten, zu denen neben den Indios auch Zamben, Mestizen und Mulatten, sowie freie und versklavte Schwarze zählten, in Berührung kam. Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in die Natur diese Kontakte geben, wie sie von Humboldt beurteilt wurden und in welchem Ausmaß sie sich in seiner Berichterstattung niedergeschlagen haben. Besonderes Augenmerk soll dabei auf Begegnungen mit der indigenen Bevölkerung gerichtet werden. Die Beziehungen Humboldts zu Angehörigen der lateinamerikanischen Oberschicht sind von ihm nicht nur in seinen Reiseberichten, sondern auch durch seinen Schriftverkehr mit diesen Personen bestens dokumentiert. Auch sind diese Beziehungen innerhalb der Humboldt- Forschung vielfach analysiert worden.

Was hingegen Humboldts Begegnungen mit Angehörigen der Unterschicht betrifft, so gibt es nur wenige Veröffentlichungen, die sich explizit diesem Thema widmen. Als wichtigste Quellen sind hier der Artikel „Indianische Begleiter Alexander von Humboldts auf seiner amerikanischen Forschungsreise 1799 bis 1804“ von Kurt Biermann und Ingo Schwarz zu nennen, sowie das Alexander von Humboldt gewidmete Kapitel aus dem Werk „Imperial Eyes – Travel Writing and Transculturation“ von Mary Louise Pratt. Aufgrund dieser Quellenlage sind für die vorliegende Arbeit vor allem Humboldts eigene Texte, also seine Reiseberichte sowie seine amerikanischen Briefe, auf relevante Hinweis untersucht und interpretiert worden.

II. Die Kenntnisse indigener Sprachen und der Sprachgebrauch Alexander von Humboldts 

Erste Hinweise auf Kontakte Humboldts zu eingeborenen Amerikanern kann uns sein Sprachgebrauch geben.
In der einleitenden Studie zum Bericht Humboldts über die Reise auf dem Rio Magdalena, durch die Anden und durch Mexiko, führen die Herausgeber an, die Überarbeitung desselben sei in besonderem Maße dadurch erschwert worden, daß Humboldt „sich auf der Reise zahlreiche Fachausdrücke aus dem in allen Ländern mit der jeweiligen Indianersprache vermischten Spanisch“ angeeignet habe, „die man nicht immer in der von ihm gebrauchten Form in den verfügbaren Wörterbüchern wiederfindet.“2 Tatsächlich werden indianische Ausdrücke von Humboldt in seinen Reisetagebüchern häufig verwandt, vornehmlich um in Europa unbekannte Pflanzenarten oder aber indianische Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens zu bezeichnen. Es stellt sich die Frage, ob ein solches „indianisiertes“ Spanisch zu Zeiten Humboldts in der spanischen und kreolischen Oberschicht bereits gebräuchlich war, oder ob dieser Sprachgebrauch auf seinen Umgang mit der indianischen Bevölkerungsgruppe zurückzuführen ist.

Ein Hinweis darauf, daß ersteres der Fall gewesen sein könnte, findet sich in einem Brief Humboldts an seinen Bruder, den Sprachforscher Wilhelm von Humboldt, aus Lima vom 25. November 1802:


„Mich beschäftigt auch sehr das Studium der amerikanischen Sprachen, und ich habe gesehen, wie sehr das, was La Condamine über ihre Armut sagt, falsch ist [...] Besonders beschäftige ich mich mit der Inka-Sprache. Man spricht sie hier gewöhnlich in Gesellschaft, und sie ist so reich an feinen und mannigfaltigen Wendungen, daß die jungen Herren, um den Damen Schmeicheleien zu sagen, Inka zu sprechen beginnen, wenn sie die ganzen Schätze des Kastilianischen ausgeschöpft haben. “3 

Auch Pratt führt an, Humboldt habe sich während seines einjährigen Aufenthaltes in Mexiko (1803 – 1804) dem Studium des Nahuatl ausschließlich in den Bibliotheken der Universität und im Kreise der amerikanischen Intellektuellen gewidmet.4

Nichtsdestotrotz finden sich in Humboldts Reisetagebüchern immer wieder Passagen, die darauf hindeuten, daß er sich seine Kenntnisse indigener Sprachen nicht nur „aus zweiter Hand“ sondern auch im direkten Umgang mit Indios aneignete. So berichtet er beispielsweise im August 1802 über eine Begegnung mit den Jibaro-Indianern am Rio Magdalena:

[....]


1 vgl. Zeuske 1992, S. 190
2 Humboldt 1986, Bd. I, S. 33
3 Humboldt 1999, S. 154
4 vgl. Pratt 1992, S. 136


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