Feindbild Islam

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Details
Autor: Patrick Nitsch
Fach: Politik - Int. Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Veranstaltung: Vorurteile - Feindbilder
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (ISW Berlin)
Jahr: 2004
Seiten: 25
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 251 KB
ISBN: 978-3-638-27182-0
Die westliche Wahrnehmung islamisch geprägter Gesellschaften ist vereinfacht und schematisiert, so dass im Orientbild des Westens viele Verkürzungen und Pauschalisierungen ausfindig gemacht werden können. Neben zahlreichen weiteren Attributen finden sich vor allem Aggressivität, Fanatismus, Fortschrittsfeindlichkeit und die Unterdrückung der Frauen im Repertoire des Feindbilds über den Islam, das nicht zuletzt von den Medien mitproduziert wird.
Textauszug
Feindbild Islam
von: Patrick Nitsch
I. EINLEITUNG 1
II. HAUPTTEIL 2
A. DAS „FEINDBILD ISLAM“ IN DER BEVÖLKERUNG 2
1. Unsere Angst im Zusammenhang mit dem Islam 3
2. Zweck und Funktion des „Feindbilds Islam“ in der Bevölkerung: Eine sozialpsychologische Betrachtungsweise 7
B. SPIEGELBILDLICHKEIT 11
C. INSTRUMENTALISIERUNG DES FEINDBILDS 14
D. FUNDAMENTALISMUS UND ISLAMISMUS 17
III. SCHLUSS 19
IV. LITERATURVERZEICHNIS 22
„Wer sich selbst und andre kennt - Wird auch hier erkennen: Orient und Okzident - Sind nicht mehr zu trennen. Sinnig zwischen beiden Welten - Sich zu wiegen, lass ich gelten; Also zwischen Ost und Westen - Sich bewegen sei zum Besten.“1
I. EINLEITUNG
Die westliche Wahrnehmung islamisch geprägter Gesellschaften ist vereinfacht und schematisiert, so dass im Orientbild des Westens viele Verkürzungen und Pauschalisierungen ausfindig gemacht werden können. Neben zahlreichen weiteren Attributen finden sich vor allem Aggressivität, Fanatismus, Fortschrittsfeindlichkeit und die Unterdrückung der Frauen im Repertoire des Feindbilds2 über den Islam, das nicht zuletzt von den Medien mitproduziert wird. Aber nicht nur in den Medien werden häufig Islam und Fundamentalismus gleichgesetzt oder die undifferenzierte Annahme der Einheit der „islamischen Welt“, die Wahrnehmung des Islams3 als monolithischen Block angetroffen. Vor allem innerhalb der Bevölkerung kursieren diffuse Ängste über „innere“ und „äußere Feinde“, was dazu führt, dass falsche Ansichten vermittelt und Vorurteile produziert werden. Das kritiklose Übernehmen solcher vorschneller Meinungen und Vorurteile führt zum „Feindbild Islam“ und verhindert ein detaillierteres Bild, das den dortigen politischen, kulturellen und sozialen Unterschiede und Veränderungen gerecht werden würde.
Die Kritik, die hier an der Feindbildproduktion geübt wird, bedeutet keineswegs, dass die genannten Attribute im Orient4 (wie auch bei uns) nicht existent wären oder dass keine Gefahr von Menschenrechtsverletzungen, Massenvernichtungswaffen oder terroristischen Attentaten ausgingen. Wenn auf diese Phänomene nicht näher eingegangen wird, so besteht darin keine Verharmlosung oder gar Desinteresse, sondern dann ist dies nur der Tatsache geschuldet, dass es in der hier vorliegenden Arbeit um das „Feindbild Islam“5 gehen Am Anfang dieser Arbeit stehen zwei entscheidende Fragen, die beantwortet werden müssen, will man die Angst im Zusammenhang mit dem Islam und den Zweck, den das „Feindbild Islam“ in der Bevölkerung erfüllt, verstehen. Bevor durch eine sozialpsychologische Betrachtungsweise der Funktionsweise und des Zwecks eines Feindbilds die zweite Frage beantwortet wird, soll in einem Exkurs das „Feindbild Islam“ in den Medien betrachtet werden.
Im Kapitel „Spiegelbildlichkeit“ wird gezeigt, dass auch der Orient ein „Feindbild Westen“ kennt und wie verblüffend ähnlich sich diese beiden Feindbilder sind. Anschließend wird der Frage nachgegangen, in welcher Form die Feindbilder von verschiedenen Seiten instrumentalisiert werden und welche Folgen dies nach sich zieht. Abschließend wird noch mal genauer darauf eingegangen, wie Begrifflichkeiten, wie „Islam“, „Fundamentalismus“ und „Islamismus“ für zukünftige Diskussionen definiert werden müssen und worauf bei diesen Diskussionen zu achten ist, wenn auch der oft beschworene interkulturelle Dialog erfolgreich sein soll.
II. HAUPTTEIL
A. DAS „FEINDBILD ISLAM“ IN DER BEVÖLKERUNG
[...]
1 Goethe, Johann Wolfgang: West-östlicher Diwan. Manesse Verlag, 2004.
2 „Als Feindbild verstehen wir nicht den Feind oder den Gegner selbst, sondern etwas Drittes, das sich zwischen ihn und uns selbst schiebt, ein Bild, das sich wie alle Bilder aus einer ganzen Anzahl von Komponenten zusammensetzt, die mit dem eigentlichen Objekt oft sehr wenig oder kaum etwas zu tun haben.“ Dieckmann, Hans: Analytische Psychologie, Februar 1986, zitiert nach Bernard, Jutta et al.: Auf der Suche nach einem neuen Feindbild. Eine vergleichende Metapheranalyse zu Kommunismus und Islam, in: Assman, Jan und Theo Sundermeier (Hrsg.): Der Islam in den Medien. Studien zum Verstehen fremder Religionen, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1994.
3 Da Begriffe, wie „Islam“ oder „Orient“ nur ungenau zu definieren sind, müssten sie eigentlich in Anführungszeichen geführt werden, was im folgenden aber unterlassen wird. Bei der Erwähnung von Muslim usw. sind genauso Muslima usw. gemeint. Auch diese Geschlechtsspezifizierung wird im folgenden der Lesbarkeit halber unterlassen.
4 „Orient“ immer auch in Verbindung zu anderen islamische geprägten Gesellschaften, wie im Maghreb oder in Südostasien. 5 Stellvertretend für ähnliche Begrifflichkeiten, wie „Feindbild Muslim“, „Feindbild Orient“... soll, wobei auch der Islam nur in Verbindung mit dem Feindbild untersucht werden wird und der Leser keine geschichtliche Abhandlung irgendwelcher Art zu erwarten hat.
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