Faunistische, wasserchemische und vegetationsökologische Untersuchungen an ausgewählten Quellen der Halbinsel Jasmund (Rügen)

Autor: Sindy Irmscher
Fach: Landschaftsarchitektur, Landespflege

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Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 159
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 6949 KB
Archivnummer: V24982
ISBN (E-Book): 978-3-638-27728-0
ISBN (Buch): 978-3-638-90168-0

Zusammenfassung / Abstract

Im Jahre 2002 wurden auf der Halbinsel Jasmund 11 ausgewählte, naturnahe Quellen umfassend untersucht, von denen 6 im Nationalpark liegen. Ziel war es, den Ist-Zustand der Quellen zu erfassen, um eine Aussage zum ökologischen Zustand und evtl. erforderlichen Maßnahmen treffen zu können. Der Schwerpunkt der Untersuchung lag auf einer Bestandsaufnahme des Makrozoobenthos. Alle Standorte wurden zweimalig qualitativ auf Makroinvertebraten beprobt. Ergänzend wurden Köderungen nach Strudelwürmern durchgeführt und die Landschneckenfauna erfasst. Gewässergüte und Ernährungstypenzusammensetzung wurden ermittelt und die Ähnlichkeiten der Zoozönosen verglichen. Die Bestandserfassung der Vegetation an den Quellstandorten erfolgte in Form von Vegetationsaufnahmen. Die vorherrschenden Pflanzengesellschaften wurden bestimmt und die Ähnlichkeiten berechnet. Ergänzend wurden stichprobenhafte wasserchemische Messungen durchgeführt. Die Jasmunder Quellen besitzen fast alle eine artenreiche Lebensgemeinschaft mit hoher Taxazahl und einem mittleren bis hohen Anteil an quelltypischen und krenobionten Arten. Nur 3 Quellen weisen natürlicherweise eine artenarme Zoozönose auf. An 5 Standorten wurde das Glazialrelikt Crenobia alpina (Alpenplanarie) nachgewiesen. An 9 Standorten wurden gesetzlich geschützte Quellflur-Gesellschaften (Montio-Cardaminetalia) bestimmt, die z.T. von nährstoffliebenden, artenreichen Feuchtwiesen- und Auwaldgesellschaften durchdrungen sind. Die Halbinsel Jasmund weist ein bedeutendes Vorkommen der in Norddeutschland sehr seltenen Kalk-Quellfluren auf. Die anthropogene Beeinflussung der Vegetation wird als mittel bis gering eingeschätzt. Sie besteht hauptsächlich im Eintrag von nährstoffreichem Grund- und Sickerwasser. Die Wasserqualität wird insgesamt als gut eingeschätzt, die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung wurden nur in sehr wenigen Fällen leicht überschritten. Im Vergleich zu früheren Messungen zeigte sich eine schwache Versauerung der Quellwässer. An 3 Standorten wurden erhöhte Nährstoffgehalte festgestellt. Typisch für die kalk- und eisenreichen Quellwässer ist die Ausscheidung von Quellkalken und Eisenocker. Die Mehrheit der untersuchten Gewässer befindet sich in einem naturnahen Zustand und ist nur in geringem Grad gefährdet. Eine Dringlichkeit von Schutzmaßnahmen ist jedoch insbesondere bei Quellen außerhalb des Nationalparks gegeben. Dort ist eine Minimierung der Nährstoffeinträge sowie die Ausweisung als Schutzgebiet anzustreben.

Textauszug (computergeneriert)

Hochschule Anhalt (FH)
Hochschule für angewandte Wissenschaften
Abteilung Bernburg
Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie, Landespflege

DIPLOMARBEIT

Thema: 

Faunistische, wasserchemische und vegetationsökologische
Untersuchungen an ausgewählten Quellen der Halbinsel
Jasmund (Rügen)

vorgelegt von: 

Sindy Irmscher

Studiengang: Landespflege

Bernburg, 21. Mai 2003

 

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 4

2 Rahmenbedingungen im Untersuchungsgebiet  ... 6
2.1 Allgemeiner Überblick  ... 6
2.1.1 Lage und naturräumliche Einordnung  ... 6
2.1.2 Geologie und Hydrogeologie ... 6
2.1.3 Böden  ... 10
2.1.4 Klima  ... 10
2.1.5 Vegetation  ... 11
2.1.6 Landnutzung auf Jasmund seit dem Mesolithikum  ... 13
2.2 Die Jasmunder Kalkquellen und -bäche ... 16
2.2.1 Allgemeine Charakterisierung  ... 16
2.2.2 Quellkalkbildungen  ... 18
2.2.3 Schwefelwasserstoffquellen  ... 19
2.2.4 Eisenockerausscheidungen  ... 21
2.3 Gesetzliche Rahmenbedingungen ... 21

3 Beschreibung und allgemeine Charakterisierung der untersuchten Quellen ... 23
3.1 Quelle 1 – Brunnenaue  ... 25
3.2 Quelle 2 – Kalkquellmoor Nardevitz ... 26
3.3 Quelle 3 – Mühlengrund ... 28
3.4 Quelle 4 – Uferquelle  ... 30
3.5 Quelle 5 – Höllgrund  ... 31
3.6 Quelle 6 – Hohes Holz  ... 32
3.7 Quelle 7 – Kleiner Steinbach ... 34
3.8 Quelle 8 – Schwefelquelle Kollicker Bach ... 35
3.9 Quelle 9 – Tümpelquelle Kollicker Bach  ... 38
3.10 Quelle 10 – Lenzer Bach  ... 39
3.11 Quelle 11 – Großer Steinbach  ... 41

4 Methodischer Teil ... 42
4.1 Ermittlung chemisch-physikalischer Parameter  ... 42
4.1.1 Schüttung  ... 43
4.1.2 Luft- und Wassertemperatur ... 44
4.1.3 pH-Wert und elektrische Leitfähigkeit ... 44
4.1.4 Sauerstoffgehalt und Sauerstoffsättigungsindex (SSI)  ... 44
4.1.5 Säurekapazität ... 44
4.1.6 Bestimmung von Anionen ... 45
4.1.7 Bestimmung von Kationen ... 45
4.2 Erfassungsmethodik des Makrozoobenthos  ... 46
4.2.1 Qualitative Bestandserhebung  ... 46
4.2.2 Köderung der Strudelwürmer  ... 47
4.2.3 Zusätzliche Erhebungen ... 48
4.3 Vegetationskundliche Erfassungsmethodik ... 49
4.3.1 Vegetationsaufnahme ... 49
4.4 Auswertungsverfahren  ... 49
4.4.1 Ermittlung des Saprobienindex und der Gewässergüte  ... 49
4.4.2 Ähnlichkeitsvergleiche  ... 51

5 Ergebnisse und Auswertung ... 53
5.1 Chemisch-physikalische Parameter  ... 53
5.1.1 Ergebnisdarstellung und Auswertung der einzelnen Parameter ... 53
5.1.2 Zusammenfassende Bewertung der Wasseranalysen  ... 67
5.2 Makrozoobenthos ... 69
5.2.1 Arteninventar  ... 69
5.2.2 Saprobienindex und Gewässergüte ... 80
5.2.3 Ernährungstypen  ... 82
5.2.4 Ökologische Bewertung der Quellfauna  ... 88
5.2.5 Ähnlichkeiten der Quellzoozönosen  ... 96
5.2.6 Zusammenfassende Bewertung der Jasmunder Quellfauna ... 97
5.3 Vegetationszusammensetzung  ... 99
5.3.1 Pflanzengesellschaften der Jasmunder Quellen  ... 99
5.3.2 Pflanzensoziologische Beschreibung der einzelnen Standorte ... 103
5.3.3 Berechnung der Flächenähnlichkeiten  ... 115
5.3.4 Zusammenfassende Bewertung der Vegetationsverhältnisse  ... 116

6 Diskussion ... 119
6.1 Gesamtbeurteilung der Quellfluren  ... 119
6.2 Maßnahmenvorschläge ... 121

7 Zusammenfassung  ... 125

Glossar  ... 127
Abkürzungsverzeichnis  ... 129
Literatur- und Kartenverzeichnis  ... 130
Tabellenverzeichnis ... 140
Abbildungsverzeichnis  ... 142
Anlagenverzeichnis ... 145

 

1 Einleitung

Reinheit, Klarheit und Ursprünglichkeit – noch heute verbinden die meisten Menschen diese Eigenschaften mit den Quellen (LAUKÖTTER et al. 1992). Lange galten sie als heilig, waren Orte der Weissagung, Sitz von Göttern und Nymphen und wurden als Naturheiligtümer verehrt. Auf die Verunreinigung des Quellwassers stand vielerorts die Todesstrafe. Oft beruhten die praktizierten Quellenkulte auf tatsächlichen medizinischen Eigenschaften des Quellwassers. Chemische Untersuchungen wiesen in zahlreichen als heilkräftig verehrten Quellen das Vorhandensein „heilender“ Substanzen wie Bor oder Schwefel nach. Zunächst verbot die Kirche die Praktizierung von heidnischen Quellenkulten, später nutzte sie den Symbolwert der Quellen für ihre Zwecke und erbaute Kapellen in deren Nähe. Der Dom zu Paderborn soll beispielsweise auf 80 Quellen ruhen. Solche Stätten, an denen man zugleich Religion praktizieren und Heilung erfahren konnte, zogen Wallfahrer an (GRAICHEN 1990).

Damals wie heute wurden Quellen für die Nutzung erschlossen und eingefasst. Sie sind zudem durch Grundwasserabsenkung, Versauerung, Trittschäden, Bebauung und andere anthropogene Einflüsse in ihrem Restbestand gefährdet (BOBBE et al. 1996). In unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft werden diese gesetzlich geschützten Biotope oft aus Unwissenheit verfüllt oder als Viehtränke genutzt. Sie sind vielfach in Vergessenheit geraten. Das Bild, das viele Menschen von Quellen haben, ähnelt meist sprudelnden Sturzbächen, viel häufiger treten sie jedoch in Form unscheinbar sickernder Rinnsale auf.

Die Halbinsel Jasmund ist ein außergewöhnlich quellenreiches Gebiet in Mecklenburg- Vorpommern. Schon vor fast 100 Jahren standen die Jasmunder Quellen und Bäche im Mittelpunkt der faunistischen und wasserchemischen Untersuchungen des Limnologen AUGUST THIENEMANN, nachdem er hier das Eiszeitrelikt Crenobia alpina, den Alpenstrudelwurm, entdeckt hatte. Die Quellmoore der Halbinsel wurden vor etwa 45 Jahren von HELGA HOLDACK eingehend floristisch untersucht. Es folgten diverse Kartierungen, Bestandsaufnahmen und faunistische Untersuchungen der Fließgewässer Jasmunds.

Mit der vorliegenden Diplomarbeit wurden nun erstmalig ausgewählte Quellstandorte umfassend untersucht und charakterisiert. Ziel der Untersuchung war es, in einem ersten Schritt den Ist-Zustand der Quellen zu erfassen, um danach eine Bewertung des ökologischen Zustandes vornehmen zu können. Ein Schwerpunkt der Untersuchung lag auf einer faunistischen Bestandsaufnahme des Makrozoobenthos. Diese Gruppe bietet sich als Indikator an, da die Quellen durch die Präsenz einiger weniger hoch spezialisierter Arten gut zu charakterisieren sind. Außerdem wurden Wasseranalysen durchgeführt sowie floristische Daten erhoben. 

Quellen sind höchst empfindlich gegen Eingriffe und somit ideale „natürliche Laboratorien“, in denen die Auswirkungen klein- und großklimatischer Veränderungen sowie anthropogener Einflüsse auf das Grundwasser beobachtet werden können. Die bei dieser Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse können somit für die Indikation der Umweltverhältnisse im Einzugsgebiet der Quellen genutzt werden.
Nicht zuletzt soll diese Arbeit dazu beitragen, diese faszinierenden Biotope wieder stärker in den Mittelpunkt naturschutzfachlicher Aktivitäten zu rücken.

2 Rahmenbedingungen im Untersuchungsgebiet

2.1 Allgemeiner Überblick

2.1.1 Lage und naturräumliche Einordnung

Das Untersuchungsgebiet liegt auf der Halbinsel Jasmund im Nordosten der Insel Rügen. Nach der limnogeographischen Gebietseinteilung von ILLIES (1978) befindet sich Jasmund in der Zone 14, welche die „[...] norddeutsche Tiefebene einschließlich der Inseln in der Nordsee und der westlichen Ostsee [...]“ (ILLIES 1978 zitiert in BAYERISCHES LANDESAMT FÜR WASSERWIRTSCHAFT 1992) umfasst.

Die Halbinsel Jasmund wird im Süden und Westen vom Großen und Kleinen Jasmunder Bodden sowie im Norden, Osten und Süden von der Ostsee begrenzt. Sie ist nur durch zwei holozäne Nehrungen, die Schmale Heide im Süden und die Schaabe im Nordwesten, sowie einen künstlichen Damm im Südwesten mit anderen pleistozänen Inselkernen Rügens verbunden (Abb. 1).

Die höchste Erhebung Rügens ist der Piekberg auf Jasmund mit 161m über NN. Ein Teil der untersuchten Quellen befindet sich in der Stubnitz im Ostteil der Halbinsel, die heute zum Nationalpark Jasmund gehört. Die Stubnitz stellt das größte zusammenhängende Waldgebiet Rügens dar (LANGE et al. 1986). Weitere Quellstandorte wurden an der Nordküste bzw. in Zentraljasmund untersucht (Übersichtskarte siehe Anhang).

2.1.2 Geologie und Hydrogeologie

Die Insel Rügen gehört nach LIEDTKE & MARCINEK (1994) zum Jungmoränenhügelland der Vorpommerschen Inseln. Die Halbinsel Jasmund ist ein von Schreibkreide und glazialen Sedimenten kompliziert aufgebauter Inselkern (WAGENBRETH & STEINER 1990). LANGE et al. (1986) bezeichnet sie als ein „glazial überformtes präweichseleiszeitliches Kreide- Hochgebiet“. Die Kreide der Halbinsel Jasmund entstand vor etwa 65 Millionen Jahren als marines Schelfsediment durch Akkumulation von Algenskeletten im temperaten Kreidemeer.

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