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Autor: Raimund Klein
Fach: Ethik
Details
Institution/Hochschule: Universität Bremen
Tags: Philosophische, Ethik, Ethische, Probleme, Informatik
Jahr: 2000
Seiten: 11
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 1 Entry
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 153 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-28761-6
Dieser Vortrag stellt einige Grundpositionen der antiken Ethik aus der griechischen Philosophie sowie solche aus der neuzeitlichen, z.B. der kantianischen Ethik, dar. Grundlage ist das Buch "Ethik - Ein Grundkurs" von Heiner Hastedt und Ekkehard Martens" und diente als Basis für die weiteren Veranstaltungen des Seminars "Ethische Probleme der Informatik".
Textauszug (computergeneriert)
Philosophische Ethik
Raimund Klein
25.04.2000
Inhaltsübersicht
1 Ethische Betrachtungen in der antiken Philosophie
1.1 Einleitung: Ethische Reflexion vor Sokrates
1.2 Sokrates, Platon und die Sophisten
1.2.1 Die Sophisten: Die Menschen maßregeln sich selbst
1.2.2 Platon: Es existiert ein göttliches Prinzip
1.3 Aristoteles als Vermittler zwischen Platon und den Sophisten
1.4 Die hellenistischen Schulen: Stoa und Epikureismus
1.4.1 Die Stoiker: Tugendhaftes Verhalten bedeutet das Ablegen jeglichen Verlangens
1.4.2 Epikur: Lustempfinden ist wichtig zur Entscheidungsfindung
2 Neuzeitliche Ethik
2.1 Metaethik
2.1.1 Propädeutische Metaethik: George Edward Moores Wertintuitionismus
2.1.2 Therapeutische Metaethik: Charles Stevenson und der Emotivismus
2.2 Normative Ethik
2.2.1 Utilitarismus: Welchen Nutzen bringt eine Handlung dem Handelnden?
2.2.2 Kantianische Ethik: Welche Konsequenzen hat der kategorische Imperativ?
Zusammenfassung
Dieser Vortrag stellt einige Grundpositionen der antiken Ethik aus der griechischen Philosophie sowie solche aus der neuzeitlichen, z.B. der kantianischen Ethik, dar. Er basiert auf dem Buch [Hastedt96] und dient als Grundlage für die weiteren Veranstaltungen des Seminars Ethische Probleme der Informatik.
1 Ethische Betrachtungen in der antiken Philosophie
1.1 Einleitung: Ethische Reflexion vor Sokrates
Den eigentlichen Beginn der philosophischen Ethik kann man - je nach Geschmack - bei Sokrates, Platon oder Aristoteles ansetzen. Fest steht, dass vor Sokrates sich niemand mit ethischen Betrachtungen in bezug auf das gesamte menschliche (Zusammen-)Leben auseinandergesetzt hat. Aristoteles zufolge war Sokrates der erste, der sich ausschließlich mit den sittlichen Tugenden beschäftigt und darüber allgemeine Begriffe und Definitionen aufgestellt hat.
Die sogenannten Vorsokratiker beschäftigten sich entweder mit der Betrachtung der Natur als Totalität alles außermenschlich Gegebenem ("Physiologen") oder mit der Suche nach dem Göttlichen in unserer Welt ("Theologen") im Gegensatz zu denen, die dies in Geschichten und Legenden suchten ("Mythologen"). Dabei konzentrierten sie sich oft auf die Berechnung der Gestirne und aller Himmelserscheinungen.
Bereits vor Sokrates gab es mehrere philosophische Betrachtungen zu einzelnen Aspekten der Ethik (so z.B. bei Demokrit oder den Pythagoreern), aber dies geschah eher beiläufig und stand nicht im Zentrum der Überlegungen. Bereits in den beiden wohl ältesten bekannten großen Epen der griechischen Literatur, der Ilias und vor allem in der Odyssee, tauchen Schilderungen über verschiedene Aspekte menschlichen Zusammenlebens auf, die größtenteils auch vom Dichter bewertet werden. So lautet (sinngemäß) ein Satz aus der Odyssee: "Jeder findet seine Freude an dem, was Gott ihm ins Herz legt, der eine an diesem, der andere an jenem." Hier taucht bereits der Ansatz einer Antwort auf die zentrale Frage der philosophischen Ethik auf: Was wünscht sich der Mensch bzw. was soll er sich wünschen?
1.2 Sokrates, Platon und die Sophisten
1.2.1 Die Sophisten: Die Menschen maßregeln sich selbst
Um Sokrates bzw. Platon zu verstehen, ist es unumgänglich, die Sophistenbewegung, gegen die Platon (und ihm zufolge auch sein Lehrer Sokrates) ankämpfte, zu betrachten. Die Sophisten beschäftigten sich mit der Relativität dessen, was die Menschen als für sie gut empfinden. Jeder Mensch hat seine eigenen Vorlieben, und für jeden Menschen stellt sich der Nutzen verschiedener Dinge unterschiedlich dar. So zitiert Platon den Sophisten Protagoras folgendermaßen:
Ich kenne sehr viele Dinge, die dem Menschen völlig unnütz sind, andere sind ihm nützlich; wiederum andere sind den Menschen zwar keines von beiden, wohl aber den Pferden, andere wiederum nur den Rindern, andere den Hunden, noch andere keinem von allen dreien, wohl aber den Bäumen. Und so schillert das Gute und wandelt sich immer wieder. Anderes ist für des Baumes Wurzeln gut, für die Zweige aber schädlich, sowie auch der Mist bei allen Pflanzen für die Wurzeln gut ist, wenn er beigegeben wird, wolltest du ihn aber auf die Schößlinge und die jungen Triebe geben, so verdirbt er alles. Denn auch das Öl ist für alle Pflanzen gar schlecht und für die Haare der übrigen Lebewesen überaus schädlich außer für die des Menschen, für die des Menschen aber ist es heilsam wie für die äußeren Teile des Körpers, für die inneren aber ist genau dasselbe ganz schlecht. Und deshalb untersagen alle Ärzte den Kranken, Öl zu verwenden, bis auf möglichst wenig an dem, was man essen soll, gerade soviel, daß es das Unangenehme dämpfen kann, das wegen der Empfindungen durch die Nase zuweilen an einigen Speisen entsteht.
Diese Aussage spiegelt ziemlich deutlich die Empfindungen der griechischen Bevölkerung zu dieser Thematik wieder: Die Griechen waren nicht nur durch philosophische Überlegungen, sondern auch durch viele Reisen, ob nun zu Handels- oder Forschungszwecken, zu der Ansicht gelangt, dass solche Begriffe wie Sittlichkeit oder Moral für unterschiedliche Menschen bzw. unterschiedliche Kulturen unterschiedliche Bedeutung haben. Diese Beobachtungen führten zu zwei Interpretationen:
Das "Gute" und alle anderen Werte sind der Sache und dem Wesen (wie auch dem Namen) nach verschieden.
Diese und ähnliche Begriffe sind nicht in Sache und Wesen verschieden, sind aber für die einen gut, für andere übel, teilweise sogar für den gleichen Menschen mal das eine, mal das andere.
Aus den Beobachtungen der Reisenden, Historiker und Ethnographen ergaben sich drei verschiedene Positionen zu den Aspekten des Zusammenlebens:
Normen, Sitten und Gesetze sind relativ, aber die Bevölkerungsgruppe, für die sie gelten, empfindet sie als verbindlich. So sagt z.B. Herodot:"Wenn man den Menschen unter allen Sitten und Bräuchen die Wahl ließe, würden sie schließlich ihre eigenen wählen: Jeder hält eben die seinen für die besten." Nach Protagoras ist der Mensch selbst "das Maß des Guten".
Dieser Geltungspositivismus schlug bisweilen in blanken Zynismus um. So schreibt der Sophist Antiphon:
Die Gerechtigkeit besteht darin, daß man Gesetz und Brauch in dem Staat, in dem man als Bürger lebt, nicht übertritt. Am vorteilhaftesten wird sich dabei der einzelne Mensch zur Gerechtigkeit stellen, wenn er in Anwesenheit von Zeugen Gesetz und Brauch hochhält, ohne solche dagegen die Gebote der Natur. Denn die Forderungen von Natur und Brauch sind willkürlich auferlegt, die Gebote der Natur dagegen beruhen auf Notwendigkeit. Denn die Forderungen von Gesetz und Brauch sind vereinbart, nicht natürlich geworden, die Gebote der Natur aber sind natürlich geworden, nicht vereinbart. Wenn man nun bei der Übertretung von Gesetz und Brauch von denen, welche die Vereinbarung getroffen haben, unbemerkt bleibt, ist man von Schande und Strafe frei, andernfalls nicht. Vergewaltigt man dagegen die mit der Natur verwachsenen Gesetze über das mögliche Maß hinaus, so ist das Unheil um nichts geringer, wenn es auch kein Mensch merkt, und um nichts größer, auch wenn es alle Welt sieht. Denn der Schaden erwächst nicht aus der Meinung, sondern aus der Wirklichkeit... Das Nützliche, das Gesetz und Brauch als solches bestimmt hat, ist eine Fessel der Natur, dasjenige aber, das aus der Natur kommt, beruht auf Freiheit... Es ist das, was der Natur zuträglich ist, lustvoll; was aber Gesetz und Brauch bestimmt, ist, sofern es Unlust erregt, wider die Natur und also schädlich.
Eine dritte Position bildet Platons Ansatz, der in Abschnitt 1.2.2 näher erläutert wird: "Der Gott dürfte für uns am ehesten das Maß aller Dinge sein, und dies weit mehr als etwa, wie manche sagen, irgend so ein Mensch."
1.2.2 Platon: Es existiert ein göttliches Prinzip
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