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Die Logik kollektiven Handelns nach Mancur Olson: Ein plausibles Erklärungsmodell zur Existenz und Effektivität politischer Organisationen in der BRD?

Scholary Paper (Seminar), 2003, 13 Pages
Author: Urban Kaiser
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 13
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V26511
ISBN (E-book): 978-3-638-28819-4

File size: 239 KB


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Politikwissenschaft
Grundseminar: Wirtschaft und Gesellschaft
HF, 3. Fachsemester

Die Logik kollektiven Handelns nach Mancur Olson: Ein plausibles
Erklärungsmodell zur Existenz und Effektivität
politischer Organisationen in der BRD?

von: Urban Kaiser

 


INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung  1

2. Begriffliche Grundlagen  2

3. Traditionelle Gruppentheorien und Olsons Kritik daran  2

4. Die Logik des kollektiven Handelns nach Mancur Olson  3

4.1. Die Systematik der Gruppen  5
4.2. Das Trittbrettfahrer-Dilemma  6
4.3. Selektive Anreize  6
4.4. Die Theorie vom Nebenprodukt  8

5. James Wilsons Kritik an Olsons Theorie  8

6. Fazit  9


 

 

1. Einleitung

Die Bundesrepublik Deutschland ist, wie andere moderne westliche Industriegesellschaften auch, gekennzeichnet durch eine pluralistische Gesellschaft, in der es naturgemäß divergierende Interessen gibt. In organisierter Form konkurrieren die unterschiedlichen Interessen um Macht und Einfluss auf den politischen Prozess.1 Wie organisieren sich Interessen? Wie agieren Organisationen? Wann sind Organisationen besonders schlagkräftig? Dies sind Fragen, die nur auf Grundlage einer Theorie der Organisationen und ihres kollektiven Handelns beantwortet werden können. 2 Einen zentralen Beitrag dazu leistet der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Mancur Olson3 mit seiner 1965 erschienenen Studie Die Logik des kollektiven Handelns, die als Basis der vorliegenden Arbeit dient.

Ziel dieser Arbeit ist es zu überprüfen, inwieweit seine in diesem Werk aufgestellten Thesen geeignet sind, die Existenz und Effektivität politischer Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland zu erklären. Dies ist vor allem auch im Hinblick darauf interessant, dass die empirischen Untersuchungen und Beispiele, die Olson zur Untermauerung seiner Thesen anführt, ganz überwiegend auf US-amerikanischen Verhältnissen beruhen und deshalb nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragen werden können. Dazu wird zunächst kurz auf traditionelle Erklärungsansätze im Bereich der Gruppentheorien eingegangen. Da Olsons Theorie zu diesem Bereich zählt und auf der Kritik an diesen früheren Ansätzen basiert, ist dies für das bessere Verständnis seiner Logik des kollektiven Handelns wichtig. Anschließend werden ausgehend von dieser Kritik, Olsons Hauptthesen zur Erklärung der Existenz und Effektivität politischer Organisationen vorgestellt, um sie anhand von Beispielen zu veranscha ulichen und zu überprüfen. Zum Schluss beschäftigt sich die Arbeit noch mit der Kritik an Olsons Theorie, bevor dann ein Fazit gezogen wird. Zu Beginn müssen jedoch noch einige zentrale Begriffe dieser Arbeit eindeutig definiert bzw. erläutert werden. Dies ist notwendig um mögliche Missverständnisse bei der Verwendung dieser Begriffe zu vermeiden und die Intersubjektivität zu gewährleisten. Dies wird nun im folgenden Abschnitt vorgenommen.

2. Begriffliche Grundlagen

Zentrale Begriffe, die einer Erläuterung bedürfen, sind einerseits, die schon im Titel der vorliegenden Arbeit vorkommenden Begriffe des kollektiven Handelns und der politischen Organisationen, andererseits die für das Verständnis der Argumentation Olsons wichtigen Begriffe Gruppe und kollektive Güter. Kollektives Handeln beinhaltet die gemeinsame Verfolgung eines gemeinsamen Interesses mehrerer Individuen, während politische Organisationen synonym für Interessensgruppen verwendet wird. Der Begriff der Gruppe wird in den verschiedenen Disziplinen der Gesellschaftswissenschaften mehrdeutig benutzt. Für Olson ist eine Gruppe "eine Anzahl von Personen mit einem gemeinsamen Interesse."4 Er lehnt sich also eng an die wirtschaftswissenschaftliche Interpretation des Begriffes an, die besagt, dass eine Gruppe eine Versammlung von Individuen ist, die ein gemeinsames Ziel, das so genannte kollektive Gut, anstreben und dafür rational handeln.5 Kollektivgüter definiert Olson als "jedes Gut, das den anderen Personen in einer Gruppe praktisch nicht vorenthalten werden kann, wenn irgendeine Person in der Gruppe es konsumiert."6 Kollektive Güter unterliegen also dem Prinzip der Nichtausschließbarkeit. Bevor nun mit der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Olsons Logik des kollektiven Handelns begonnen wird, soll zunächst aus dem in der Einleitung genannten Grund noch ein Überblick über frühere Erklärungsversuche des Gruppenverhaltens gegeben werden, wofür das folgende Kapitel reserviert ist.

3. Traditionelle Gruppentheorien und Olsons Kritik daran

Zwar haben verschiedene Vertreter der traditionellen Gruppentheorie unterschiedliche Ansichten entwickelt, dennoch ist es nach Olson zulässig, von einer einzigen traditionellen Theorie zu sprechen, auch wenn dies etwas ungenau sei. 7 Kernthese der traditionellen Gruppentheoretiker ist die Auffassung, dass die Teilnahme an freiwilligen Verbänden universell ist und dass die Tendenz Mitglieder anzuziehen, unabhängig von der Größe einer Gruppe ist.8

[...]


1 Vgl. Druwe, Ulrich: Politische Theorie. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Neuried 1995. S. 312

2 ebd.

3 Mancur Olson arbeitete wie kaum ein anderer Wirtschaftswissenschaftler seiner Generation interdisziplinär und sein Werk wird gleichermaßen in der Ökonomie, Soziologie und vor allem auch in der Politikwissenschaft gewürdigt. Seine Arbeit hat eine hevorragende Bedeutung bei der Anwendung wirtschaftswissenschaftlicher Methoden auf die Probleme der Politik und der politischen Soziologie.

4 Olson jr., Mancur: Die Logik des kollektiven Handelns. Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen. Tübingen 1968. S. 7

5 Vgl. ebd. S. 6f

6 ebd. S. 13

7 Olson betont, dass dies allerdings nur unter der Voraussetzung gelte, dass man zwischen zwei Arten unterscheide, der undifferenzierten Form auf der einen und der formellen Form auf der anderen Seite. Aufgrund der gebotenen Kürze dieser Arbeit und im Hinblick darauf, dass diese Unterscheidung für den weiteren Verlauf der Argumentation nicht essentiell ist, wird auf eine entsprechende Aufteilung und Darstellung verzichtet.

8 Vgl. Olson. S. 16ff


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