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Kafka - Überblick und neue Sicht

Termpaper, 2003, 17 Pages
Author: Christian Stein
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 17
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V26664
ISBN (E-book): 978-3-638-28933-7
ISBN (Book): 978-3-638-80204-8
File size: 259 KB

Abstract

Kafkas Erzählungen sind im Allgemeinen bekannt für Rätselhaftigkeit und dementsprechend auch für eine Vielzahl von unterschiedlichsten Interpretationsrichtungen und Publikationen. Diese Ansätze stammen aus den verschiedensten Bezugssystemen, werden also in unterschiedlichste Kontexte gesetzt und dementsprechend verstanden. So entsteht schnell der Eindruck, beinahe alles könne sich bei ausreichender Begründung in die Schriften hineininterpretieren lassen. In der Tat ist dies auch geschehen, da bei hohem Verrätselungsgrad und häufigem Symbolgebrauch auch die Bezugspunkte viel freier und oft nach subjektiven Kriterien gewählt werden können. So findet jeder Leser gerade bei Kafka seinen ganz individuellen Weg, die Erzählungen zu verstehen, sich hineinzufühlen und in Bezug zu setzen. Dieser Interpretationsansatz wird versuchen, dieser Tatsache Rechnung zu tragen und dennoch auf der einen Seite Strukturen freizulegen, und auf der anderen Schlüssel anzubieten, die eine Verständnishilfe bieten können ohne ein festes Bezugssystem vorauszusetzen. Zusätzlich dazu sollen die wichtigsten Ansätze aus der Kafkaforschung angeschnitten werden. Anhand der Erzählung „Vor dem Gesetz“, die besonders viele Interpretationen hervorgebracht hat, soll dann der neue Schlüssel angewendet und erklärt werden.


Excerpt (computer-generated)

Kafka - Überblick und neue Sicht

von: Christian Stein

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  4

2. Darstellung der Interpretationsproblematik bei Kafka  4

3. Kurze Darstellung der wesentlichsten Interpretationsrichtungen  6

3.1. Die biographische Deutung 
3.2. Die psychologische Deutung 
3.3. Die theologische Deutung 
3.4. Die philosophische Deutung 

4. Der andere Weg zu Kafka  8

5. Anwendung des Schlüssels auf die Erzählung „Vor dem Gesetz“  12

6. Schlusswort  16

7. Literaturverzeichnis  18


 

 

1. Einleitung

Kafkas Erzählungen sind im Allgemeinen bekannt für Rätselhaftigkeit und dementsprechend auch für eine Vielzahl von unterschiedlichsten Interpretationsrichtungen und Publikationen. Diese Ansätze stammen aus den verschiedensten Bezugssystemen, werden also in unterschiedlichste Kontexte gesetzt und dementsprechend verstanden. So entsteht schnell der Eindruck, beinahe alles könne sich bei ausreichender Begründung in die Schriften hineininterpretieren lassen. In der Tat ist dies auch geschehen, da bei hohem Verrätselungsgrad und häufigem Symbolgebrauch auch die Bezugspunkte viel freier und oft nach subjektiven Kriterien gewählt werden können. So findet jeder Leser gerade bei Kafka seinen ganz individuellen Weg, die Erzählungen zu verstehen, sich hineinzufühlen und in Bezug zu setzen. Dieser Interpretationsansatz wird versuchen, dieser Tatsache Rechnung zu tragen und dennoch auf der einen Seite Strukturen freizulegen, und auf der anderen Schlüssel anzubieten, die eine Verständnishilfe bieten können ohne ein festes Bezugssystem vorauszusetzen. Zusätzlich dazu sollen die wichtigsten Ansätze aus der Kafkaforschung angeschnitten werden. Anhand der Erzählung „Vor dem Gesetz“, die besonders viele Interpretationen hervorgebracht hat, soll dann der neue Schlüssel angewendet und erklärt werden.

2. Darstellung der Interpretationsproblematik bei Kafka

„…niemand, der Kafka gelesen hat, ganz zu schweigen von den vielen, die ihn nicht gelesen haben, scheint im geringsten daran zu zweifeln, daß er ihn vollkommen versteht, mehr noch, daß er allein ihn versteht.“ (Flores) 1 Beinahe jeder Leser, der sich unvoreingenommen mit einer der Erzählungen Kafkas beschäftigt, liest mit einer vorgeprägten Einstellung, die durch praktische Lebens- und Leseerfahrung individuell gefestigt wurde. Dadurch versucht der Leser zunächst die dargestellte Handlung als realen Vorgang zu verstehen, der entweder tatsächlich passiert oder zumindest denkbar ist, also hätte passieren können. Dabei werden die bekannten physischen, logischen und relationalen Regeln vorausgesetzt, die unser Leben ausmachen. Bei Unstimmigkeiten oder Verstößen gegen diese Regeln versucht der Leser instinktiv das Dargestellte doch irgendwie in diese Gesetzmäßigkeiten zu integrieren. Dies geschieht aus dem Bestreben heraus, den Text mit den vertrautesten und konkretesten Mitteln und Regeln zu erfassen, die zur Verfügung stehen. Ist auch das nicht mehr möglich, wird abstrahiert. Einzelne Elemente der Handlung erhalten Symbolcharakter, werden also als Stellvertreter für etwas Reales, in unsere Gesetzmäßigkeiten passendes, angesehen. Durch die Uneindeutigkeit der Vielzahl von als Symbol identifizierten Handlungselementen ist der Leser verwirrt und versucht die Symbole in einer ihm logisch erscheinenden Art aufzuschlüsseln. Genau hier setzten die meisten Kafka- Interpretationen an, indem sie unterschiedlichste Bezugssysteme als Schlüssel zur Symbolvielfalt anwenden und diese somit auf die reale Ebene übertragen. So verstehen verschiedene Kafkainterpreten allein das Symbol Gesetz in der Erzählung „Vor dem Gesetz“ grundverschieden: Das Symbolverständnis reicht von „göttlicher Bestimmung“ (Buber) über „Absolutheit des Seins“ (Zimm) und „Wahrheit“ (Emri) bis hin zu „Selbstgericht und Einsicht in die eigene Schuld“ (Henel).2

Da die Erzählungen bei Kafka jedoch fast nur aus Symbolen zu bestehen scheinen und die im Text gegebenen Bezüge oft mehr als nur schwammig sind, haben viele Wissenschafter das ihnen vertrauteste Bezugssystem gewählt und die Begriffe dahingehend belegt. Dazu werden vertraute Strukturen gesucht, die der Struktur der Erzählung ähnlich sind und Übertragungen dahingehend vorgenommen. Im weitesten Sinne geht der unvoreingenommene Leser genauso vor und versucht die ihm subjektiv am nächsten liegende Übertragung vorzunehmen. Dieser Prozess ist unvermeidbar begleitet von einer sich während des Lesens aufbauenden Unsicherheit und ständig variierenden Versuchen, die Symbole hinter den Handlungselementen aufzuschlüsseln. Somit ist die Richtung, die die Interpretation annimmt, individuell verschieden und von Vorkenntnissen und persönlicher Prägung abhängig. Aus diesen Gründen ist die Anzahl der Interpretationsansätze und individuellen Lesarten zu Kafka so ungeheuer groß und unterschiedlich.

3. Kurze Darstellung der wesentlichsten

[...]


1 Flores 1946, S. 9

2 Andringa 1994, S.104


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