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Scholary Paper (Seminar), 2003, 22 Pages
Author: Tanja Bräther
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: University of Augsburg (FB Geschichte)
Tags: Aspekte, Familienordnung, Hochadel, Spätmittelalters, Beispiel, Wittelsbacher, Geschichte, Familie, Spätmittelalter, Beispiel, Wittelsbacher, Dynastie
Year: 2003
Pages: 22
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-29252-8
File size: 238 KB
Klein stilistische/orthografische Fehler vielleicht noch enthalten
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Excerpt (computer-generated)
Universität Augsburg
Lehrstuhl für Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte
PS: Zur Geschichte der Familie im Spätmittelalter am Beispiel der Wittelsbacher Dynastie
4. Semester
Aspekte der Familienordnung im Hochadel des
Spätmittelalters am Beispiel der Wittelsbacher
von: Tanja Bräther
Gliederung
Einleitung 3
1.Generatives Verhalten 4
1.1.Erhalten des Geschlechts und der Herrschaft 4
1.2.Gründe des Aussterbens 6
2.Aspekte der Familienordnung 7
2.1.Familienbegriff und - hierarchie 7
2.2.Das Verhältnis des Vaters zu den Kindern 8
2.3.Die geistlichen Söhne 10
2.4.Die weltlichen Söhne 10
2.5.Die geistlichen Töchter 12
2.6.Die weltlichen Töchter 13
3.Das Verhältnis der Mutter zu den Kindern 14
Zusammenfassung und Fazit 16
Anhang 1 17
Anhang 2 18
Anhang 3 19
Anhang 4 20
Literaturverzeichnis 21
Einleitung
Dass der Familienbegriff des Spätmittelalters sich klar von unseren heutigen Familienvorstellungen abgrenzt ist unumstritten. Die spätmittelalterliche Familie war ein hierarchisch gegliedertes Gefüge fest zugewiesener Rollenverteilungen, aus denen es kaum möglich war auszusteigen. Wie diese Beziehungskomplex konkret aussah soll nun im Folgende am Beispiel des wittelsbacherischen Hochadels näher betrachtet werden. Um die Ambitionen verstehen zu können, warum zu dieser Zeit ein so straffes und man könnte meinen auch erstarrtes Modell der Familie vorherrschte, ist es notwendig sich zumindest einführend einen Überblick über das generative Verhalten und die dynastischen Grundgedanken des damaligen Hochadels zu verschaffen.
Bereits sehr ausführlich hat sich Karl-Heinz Spieß mit dem Familienbegriff im spätmittelalterlichen Hochadel befasst. Jedoch handelt es sich bei diesem Werk fast ausschließlich um den niederrheinischen Hochadel. In meinen Ausführungen soll das Bild vervollständigt werden, indem ich von den Thesen Spieß’ ausgehen und diese mit der Geschichte und Genealogie der Wittelsbacher überprüfen werde. Um der Vollständigkeit willen beschränke ich mich nicht nur auf die Wittelsbacher im Mannesstamm, sondern beziehe ebenso die Töchter mit ein, die vom Hause Wittelsbach in andere Höfe bzw. Linien eingeheiratet haben, und greife bisweilen auf Beispiele außerhalb des Spätmittelalters zurück. Um den Rahmen jedoch nicht zu sprengen, ist es nötig, sich hauptsächlich auf die ‚Kernfamilie’ zu beschränken, also den Familienbegriff im engeren Sinne zu betrachten und nicht als gesamter Familienverband. Außerdem lege ich den Schwerpunkt der Arbeit auf die Stellung der Kinder gegenüber den Eltern und werde das Verhältnis der Ehepartner wie das der Geschwister zueinander nur indirekt am Rande erwähnen. Untersucht habe ich ausschließlich die bayerischen Herzöge, der behandelte Zeitraum erstreckt sich demnach zufolge von Otto I. (1180) bis zum Tode Albrechts IV. (1508).
1.Generatives Verhalten
1.1.Erhaltung des Geschlechts und Stärkung der Herrschaft
Spieß sieht die „Sorge um Nachwuchs“ und somit die „generative Kontinuität“ als prägenden Leitsatz, der das Vorgehen des spätmittelalterlichen Hochadels beherrscht.1 Bei den Wittelsbachern wird dieser Gedanke vor allem durch Albrecht IV. bestätigt, der, nachdem er selbst lange Zeit Schwierigkeiten mit der Legitimation seiner Herrschaft hatte, sein ganzes Interesse „Haus, Dynastie und Erbrecht“ widmete.2 Die Voraussetzung für die Erhaltung des Stammes ist die Gründung neuer Familien, 3 weswegen eine uneingeschränkte Vermehrung der Personenzahl am einfachsten als Vorbeugemaßnahme gegen die Gefahr des Aussterbens zu denken wäre.4 Bekanntlich war aber das Mittelalter immer wieder von Spannungen geprägt, die eine Stärkung der Herrschaftsbasis zwingend machten, dies widerspricht jedoch der Zeugung möglichst vieler Erben. Eine innereheliche Geburtenkontrolle im Sinne der modernen Empfängnisverhütung barg jedoch zu viele Risiken, weder konnte Spieß diese für die von ihm untersuchten Familien konkret belegen, 5 noch finden sich in den Chroniken der Wittelsbacher Anhaltspunkte für diese Methode.
Die Familien im niederrheinischen Adel bedienten sich des Mittels der beschränkten Heiratszulassung. So durfte jeweils nur ein Nachkomme oder maximal zwei das Recht zur Heirat und somit die Aufgabe, möglichst viele legitime Kinder zu zeugen, erhalten, um die Risiken der Kindersterblichkeit und somit die Problematik des Erbenmangels auszuschließen. 6 In Punkt 1.2. Gründe für das Aussterben werde ich darauf noch genauer eingehen. Die Wittelsbacher hatten keine festen Regelungen, doch Fortuna war ihnen zwei Generationen lang hold, indem immer nur jeweils ein männlicher Nachkomme das Erbe antreten konnte7. Dies änderte sich jedoch als Otto II. zwei Söhne hatte, die beide Herrschaftsansprüche stellten. Nach dem Tod des Vaters regierten sie 1253-55 gemeinschaftlich, beschlossen dann jedoch, das Reich zu teilen, was bereits die ‚gefürchtete’ Phase der bereits angedeuteten Erbteilungen einläutete.8 Die Wittelsbacher haben wohl nicht ernsthaft eine eingeschränkte Heiratspolitik betrieben, denn schon nach Kaiser Ludwig kam es zu erneuten Teilungen unter seinen Söhnen Stefan II., Ludwig V. und Albrecht I.9 Diese und weitere der nächsten Generation brachten den entstandenen vier Teilherzogtümern Schwächung und Streit ein. 10 Nur Wilhelm und Ernst von Bayern- München regierten gemeinsam. 11 Schließlich gelang es Albrecht IV. – jedoch erst an der Schwelle zur Frühen Neuzeit –, die Einheit Bayerns durch eine gesetzlich geregelte Primogenitur zu gewährleisten. 12 Hohe Kinderzahlen waren dennoch auch für die Wittelsbacher erstrebenswert, um zu gewährleisten, dass zumindest ein männlicher Nachfolger das Erbe antreten konnte. Bei den untersuchten Wittelsbachern finden sich, wie Spieß auch am Niederrhein feststellt,13 fast durchgehend sehr hohe Zahlen – bis zu 12 Kinder pro Familie. So schenkte Agnes von Loon Otto I. sieben Töchter und einen überlebenden Sohn. 14
[...]
1 Spieß, Karl-Heinz, Familie und Verwandtschaft im deutschen Hochadel des Spätmittelalters. 13. bis Anfang des 16. Jahrhunderts, Stuttgart 1993, S. 425
2 Stauber, Reinhard, Die Herzöge von München. Die Wiederherstellung der Landeseinheit, in: Schmid, Alois/ Weigand, Katherina (Hg.), Die Herrscher Bayerns. 25 historische Portraits von Tassilo III. bis Ludwig III., München 2001, S. 142-157, S. 146 und S. 147
3 Spieß, Familie, S. 532
4 Spieß, Familie, S. 425
5 Spieß, Familie, S. 442f.
6 Spieß, Familie, S. 425
7 vgl. dazu Rall, Hans und Marga, Die Wittelsbacher in Lebensbildern, Graz u.a. 1986, S.13-65 und Nöhbauer, Hans F., Die Wittelsbacher. Eine deutsche Chronik – eine deutsche Dynastie, Bern u.a. 1979, S. 28
8 Nöhbauer, Wittelsbacher, S. 41ff.
9 Wild, Joachim, Die Herzöge von Straubing und Ingolstadt. Residenzstädte auf Zeit, in: Schmid, Alois/ Weigand, Katherina (Hg.), Die Herrscher Bayerns. 25 historische Portraits von Tassilo III. bis Ludwig III., München 2001, S. 118-129, hier S. 119
10 Ziegler, Walter, Die Herzöge von Landshut. Die reichen Verlierer, in: Schmid, Alois/ Weigand, Katherina (Hg.), Die Herrscher Bayerns. 25 historische Portraits von Tassilo III. bis Ludwig III., München 2001, S. 130- 141, hier S. 131
11 Rall, Lebensbilder, S. 98, s.a. Auch Nöhbauer spricht von einem „Widerwillen gegenüber Testamenten“, Nöhbauer, Wittelsbacher, S. 54
12 Stauber, S. 155, s.a. Rall, Lebensbilder, S. 112
13 Spieß, Familie, S. 437f., s.a. S. 538
14 Schlüter-Schindler, Gabriele, Wittelsbacherinnen. Die weltlichen unverheirateten und die geistlichen Töchter im 13. und 14. Jahrhundert, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 65 (2002), S. 371-408, S. 372
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