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Scholary Paper (Seminar), 2001, 18 Pages
Author: Hans-Joachim Frölich
Subject: History - Didactics
Details
Tags: Rolle, Familiengeschichte, Dauer-, Sonderausstellungen, Historischen, Museums, Hannover
Year: 2001
Pages: 18
Grade: Sehr gut (1,0)
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-29378-5
ISBN (Book): 978-3-638-80988-7
File size: 178 KB
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Abstract
In der deutschen Geschichtswissenschaft rückte die Familie mit dem Aufkommen der Sozialgeschichte in den 1960er Jahren verstärkt in das Blickfeld der Historiker. Impulse, die Institution Familie zu überdenken, lieferten auch die demonstrierenden Studenten 1968 und in den Folgejahren. Zur gleichen Zeit erhielt die Frauenbewegung großen Zulauf, deren Forderung nach dem Ende des Patriarchats ebenfalls die Familie infrage stellte. Diese gesellschaftlichen Entwicklungen verstärkten in Form der neuen Disziplin der Geschlechtergeschichte das historische Denken über die Familie. Und die historischen Museen? Wurden sie erfasst von der Konjunktur, die die Familie in der Forschung erlebte? Oder verschliefen sie in staubigem Schlummer die Stürme der Zeit, die die Besucher auf einmal ganz neue Fragen an die Vergangenheit, auch die jüngste, stellen ließen? Dass ein historisches Museum mit seiner Dauerausstellung nicht kurzfristig auf neue Forschungsansätze eingehen kann, ist selbstverständlich. Welche Rolle aber spielt mittlerweile, über 30 Jahre nach ihrer Entdeckung in der Forschung, die Familie in einem Museum für Geschichte? Um dieser Frage exemplarisch nachzugehen, werden im Folgenden die Dauerausstellung sowie zwei thematisch einschlägige Sonderausstellungen im Historischen Museum Hannover untersucht. Vorangestellt ist ein Abriss der Museumsgeschichte.
Excerpt (computer-generated)
Zur Rolle der Familiengeschichte in der Dauer- und zwei
Sonderausstellungen des Historischen Museums Hannover
von: Hans-Joachim Frölich
3. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Zur Geschichte des Historischen Museums Hannover 1
3. Die Familie - ein spät entdecktes Thema 3
3.1. Die Sonderausstellung zur Jugend 1997 4
3.2. Die Sonderausstellung zur Kindheit 1999 6
3.3. Die Dauerausstellung seit 1991 9
3.3.1. Volkskundliche Abteilung („Leben auf dem Lande”) 9
3.3.2. Stadtgeschichtliche Abteilung 10
3.3.2.1. Alltagsgeschichte 11
3.3.2.2. Strukturgeschichte 13
4. Schluß 14
1. Einleitung
In der deutschen Geschichtswissenschaft rückte die Familie mit dem Aufkommen der Sozialgeschichte in den 1960er Jahren verstärkt in das Blickfeld der Historiker. Impulse, die Institution Familie zu überdenken, lieferten auch die demonstrierenden Studenten 1968 und in den Folgejahren. Zur gleichen Zeit erhielt die Frauenbewegung großen Zulauf, deren Forderung nach dem Ende des Patriarchats ebenfalls die Familie infrage stellte. Diese gesellschaftlichen Entwicklungen verstärkten in Form der neuen Disziplin der Geschlechtergeschichte das historische Denken über die Familie.
Und die historischen Museen? Wurden sie erfasst von der Konjunktur, die die Familie in der Forschung erlebte? Oder verschliefen sie in staubigem Schlummer die Stürme der Zeit, die die Besucher auf einmal ganz neue Fragen an die Vergangenheit, auch die jüngste, stellen ließen1? Dass ein historisches Museum mit seiner Dauerausstellung nicht kurzfristig auf neue Forschungsansätze eingehen kann, ist selbstverständlich. Welche Rolle aber spielt mittlerweile, über 30 Jahre nach ihrer Entdeckung in der Forschung, die Familie in einem Museum für Geschichte? Um dieser Frage exemplarisch nachzugehen, werden im folgenden die Dauerausstellung sowie zwei thematisch einschlägige Sonderausstellungen im Historischen Museum Hannover untersucht. Vorangestellt ist ein Abriss der Museumsgeschichte.
2. Zur Geschichte des Historischen Museums Hannover
Vier verschiedene Namen hat das Historische Museum Hannover seit seiner Gründung 1903 getragen. Indem sie anklingen lassen, was den Zeitgenossen jeweils als Aufgabe des Geschichtsmuseums erschien, widerspiegeln die Namen auch die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Das „Vaterländische Museum” machte den Anfang und sollte nach den Worten des damaligen Stadtdirektors Heinrich Tramm „die Liebe zur Heimat und zur vaterländischen Kultur in Vergangenheit und Gegenwart fördern”2. Schon damals erhielt die Ausstellung die thematische und geographische Gliederung, die auch der heutigen Präsentation, die freilich inhaltlich vollkommen gewandelt ist, zugrunde liegt. Drei Abteilungen befassen sich mit der Geschichte der Stadt Hannover, des Landes Niedersachsen3 und mit niedersächsischer Volkskunde. Exponate zeigte das „Vaterländische Museum” in Fülle und (kritisierter) Überfülle, ein Schwerpunkt lag auf königlich-hannoverschen und preußischen Uniformen, die in einer „Ehrenhalle der hannoverschen Armee” präsentiert wurden.4 Führte der Erste Weltkrieg zu keiner nennenswerten Umgestaltung5, so waren es die Nationalsozialisten, die dem Museum mit ihrem ideologischen Gepräge 1937 auch einen neuen Namen gaben. „Niedersächsisches Volkstumsmuseum” hieß das Gebäude im historischen Kern der Leinestadt nun, auch, weil nach der durch die Raumnot bedingten Auslagerung der Militaria die volkskundliche Sammlung dominierte. Vor allem aber war mit dem neuen Namen eine neue Aufgabe verbunden: die Volkserziehung, zu der etwa die Belehrung etwa über das niedersächsische „Stammestum” gehörte.6
Im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs brannte das Museum bis auf die Grundmauern ab. Der Bau, in dem sich die Ausstellung heute an alter Stelle befindet, konnte erst 1966 errichtet werden, so dass das „Niedersächsische Heimatmuseum”, wie es in der Zwischenzeit hieß, nur in provisorisch hergerichteten Räumen jeweils einen Teil der vorhandenen Exponate zeigen konnte. Mit der Einweihung des Neubaus erfolgte dann die Umbenennung in „Historisches Museum am Hohen Ufer”. In dem dreistöckigen Betonbau behindern keine tragenden Wände mehr den freien Blick durch die Schauräume, im obersten Stockwerk befindet sich eine Cafeteria.7 Dem erwachenden zeitgeschichtlichen Interesse von Forschung und Publikum trugen seit den siebziger Jahren verschiedene Sonderausstellungen Rechnung, die schließlich in einer umfassenden Neugestaltung der Dauerschau zwischen 1989 und 1991 mündeten.8 In dieser Konzeption präsentiert sich das Museum bis heute jährlich rund 75.000 Besuchern.9
3. Die Familie - ein spät entdecktes Thema
[...]
1 Zur öffentlichen Debatte um Ausstellungsdidaktik und -inhalte des Historischen Museums Hannover in den 1970er Jahren vgl. Andreas Urban, Von der Gesinnungsbildung zur Erlebnisorientierung. Geschichtsvermittlung in einem kommunalen historischen Museum im 20. Jahrhundert (Diss. Hannover), Schwalbach/Ts. 1999, 64 f.; In einem Gespräch am 19.01.2001 berichtete der hannoversche Museumspädagoge Andreas Urban, kritisiert würde an der Dauerausstellung des Museums auch heute immer wieder, dass sie nur bis in die 1960er reiche.
2 Zit. nach Röhrbein, in: Historisches Museum am Hohen Ufer Hannover (Führer), München 1986, 14.
3 Will meinen, des Gebietes, das heute diesen Namen trägt.
4 Vgl. Urban, Gesinnungsbildung (wie Fn. 1), 52 f.
5 Ebd., 53.
6 Ebd. 56 f.; allerdings ging die Leitung des Museums nicht bedingungslos mit den Vorstellungen der Nationalsozialisten konform, vgl. ebd. 31 ff.
7 Vgl. Röhrbein, in: Historisches Museum (wie Fn. 2), 20.
8 Ausführlich dazu Urban, Gesinnungsbildung (wie Fn. 1), 64 - 69.
9 Laut mündlicher Auskunft von Museumspädagoge Andreas Urban am 19.01.2001.
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