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Hausarbeit, 2004, 16 Seiten
Autor: Nancy Kunze-Groß
Fach: Ethik
Details
Institution/Hochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena (Lehrstuhl für Angewandte Ethik)
Tags: Verletzt, Präimplantationsdiagnostik, Menschenwürde, Einführung, Angewandte, Ethik
Jahr: 2004
Seiten: 16
Note: gut (2)
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-29735-6
Dateigröße: 213 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lehrstuhl für Angewandte Ethik
Proseminar: Einführung in die Angewandte Ethik
Verletzt die Präimplantationsdiagnostik die Menschenwürde
von: Nancy Kunze
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verletzt die Präimplantationsdiagnostik die Menschenwürde?
2.1 Präimplantationsdiagnostik
2.1.1 Definition: Was ist Präimplantationsdiagnostik?
2.1.2 Vorteile der PGD
2.1.3 Nachteile der PGD
2.2 Menschenwürde
2.2.1 Definitionsversuch: Was ist Menschenwürde?
2.2.2 Menschliche Keime und Menschenwürde?
2.2.3 Menschenwürde der Frau
2.3 PGD und Menschenwürde
2.3.1 Verletzt die PGD die Menschenwürde?
2.3.2 Verschiedene Indikationsstellungen
2.3.2.1 PGD und Nicht-Implantation im Sinne einer passiven Sterbehilfe
2.3.2.2 PGD und Nicht-Implantation aus embryopathischen Gründen
2.3.2.3 PGD und Nicht-Implantation aufgrund Nichtzumutbarkeit
2.3.2.4 PGD und Nicht-Implantation zur Rettung von Geschwistern
2.3.2.5 PGD und Nicht-Implantation durch gesellschaftliche Gründen
2.3.2.6 Fazit
2.4 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.4.1 PGD in Grenzen
2.4.2 Embryonenschutzgesetz
2.4.3 Bioethik-Konvention, Berufsordnung und Richtlinien
2.4.4 Grundrechte
2.4.5 Entwurf einer PGD-Richtlinie
3. Zusammenfassung
1. Einleitung
Da die technischen Möglichkeiten rasant voranschreiten, werden heute mit Routine künstliche Befruchtungen durchgeführt. Im diagnostischen Bereich wurde besonders in den letzten Monaten die Präimplantationsdiagnostik diskutiert, denn es stellt sich die Frage, ob bzw. inwieweit sie die Menschenwürde verletzt. In Betracht kommen dabei eine mögliche Verletzung der Menschenwürde der werdenen Mutter oder der des menschlichen Keims.
2. Verletzt die Präimplantationsdiagnostik die Menschenwürde?
2.1 Präimplantationsdiagnostik
2.1.1 Definition: Was ist Präimplantationsdiagnostik?
Zuerst muss eine Begriffserklärung erfolgen, da es zwei Formen des Begriffs Präimplantationsdiagnostik bestehen. Die nicht-invasive1, optische Präimplantations-diagnostik (PID) wird in der Regel bei jeder künstlichen Befruchtung (= In-Vitro-Fertilisation, kurz: IVF) durchgeführt und dient dazu, genetische Veränderungen zu erkennen und bei schwerwiegenden Defekten den Keim nicht zu implantieren, da er ohnehin nicht lebensfähig ist2. Hierunter fällt teilweise auch die Entnahme und Untersuchung der Polkörper reifer Eizellen (Präfertilisation3), die vor und nach der Befruchtung möglich sind und das Ziel besitzen, für die Befruchtung ungeeignete Eizellen mit auffälligem Chromosomensatz auszusortieren sowie monogene Erbkrankheiten und erbliche Chromosomenveränderungen festzustellen4. Der Vorteil ist, dass die Untersuchung vor der Bildung des Keimes vollzogen wird und daher keine Zellen verbraucht werden5. Nachteile sind u.a. dass nur das Erbmaterial der Mutter betrachtet und die Eizelle verletzt werden kann. Des weiteren können einige chromosomale Veränderungen erst nach den Zellteilungen erkennbar werden. Die Risiken sind hier aber, abgesehen von den üblichen der IVF, relativ gering6.
Im Vordergrund dieser Ausführungen steht aber die zweite Form: die genetische, invasive Präimplantationsdiagnostik (international PGD), bei der es sich um ein genetisches Verfahren handelt, das an einem durch künstliche Befruchtung entstandenen menschlichen Keim vor dessen Implantation in den mütterlichen Organismus angewendet wird7. Die PGD ist eine diagnostische Maßnahme in Form einer genetischen Untersuchung8. Dazu werden nach den ersten Zellteilungen (vorwiegend im Sechs- bis Zehnzellstadium) einige Zellen (meist zwei sog. Blastomere9) aus dem Gesamtverband des künstlich befruchteten, menschlichen Keims entnommen10. Darauf folgt die Isolierung der Zellkerne, die die gesamte Erbinformation beinhalten11. Diese wird mittels zweier Methoden untersucht: Die PCR (Polymerase-kettenreaktion) dient dazu, Einzelgendefekte bzw. genetische Veränderungen aufzuspüren und die FISH (Fluoreszent in situ Hybridisierung) kommt zur Anwendung bei Chromosomen-veränderungen und dient auch der Geschlechtsbestimmung12. Bereits hier kommt ein Problem auf, denn es ist unklar, ob die entnommenen Zellen totipotent sind, also ob sie sich unter der Voraussetzung der notwendigen Bedingungen zu einem Embryo entwickeln können und daher noch nicht differenziert sind13. Der Zeitpunkt, ab wann die Zelle diese Totipotenz verliert, ist medizinisch immer noch nicht zu 100 % geklärt. In der Regel wird angenommen, dass diese ab dem 8-Zell-Stadium nicht mehr vorliegt14. Daher besteht die Möglichkeit des Keimverbrauches15. Problematisch ist auch, dass nur die embryonalen Zellen in den weiblichen Organismus eingesetzt werden, die von keinerlei Störungen oder Veränderungen betroffen sind, und diejenigen, die betroffen sind, einfach „verworfen“ werden16.
2.1.2 Vorteile der PGD
Im Rahmen der Frage, was Präimplantationsdiagnostik ist, müssen auch die Vor- und Nachteile aufgeführt werden. Für einen positiven Gesichtspunkt spricht, dass ein für die Frau belastender Schwangerschaftsabbruch, der durch Pränataldiagnostik17 notwendig erscheint, vermieden werden kann18.
[...]
1 Invasiv bedeutet eindringend.
2 Knoepffler, S. 112
3 Die Polkörperentnahme wird einerseits als Alternative zur PGD und andererseits im gleichen Atemzug mit ihr genannt (vergl. u.a. Böckenförde-Wunderlich, S. 14, 21 ff; Haker, S. 145).
4 Böckenförde-Wunderlich, S. 21 f
5 a.a.O., S. 22; Knoepffler, S. 115
6 Knoepffler, S. 112, 114
7 Knoepffler, S. 112
8 Düwell u.a., S. 256; Böckenförde-Wunderlich, S. 14
9 Blastomere sind Furchungszellen im ersten Entwicklungsstadium eines Keims.
10 Knoepffler, S. 114; Haker, S. 145 f; Böckenförde-Wunderlich, S. 21 f
11 Böckenförde-Wunderlich, S. 22
12 Knoepffler, S. 114, Böckenförde-Wunderlich, S. 26 f; Haker, S. 146
13 Knoepffler, S. 114, Böckenförde-Wunderlich, S. 25 f; Haker, S. 148
14 AWO, Seite 7
15 Knoepffler, S. 114
16 Haker, S. 148; Düwell u.a., S. 256; AWO, S. 5
17 Diagnostik an einem im Mutterleib befindlichen Embryo / Fötus
18 Düwell u.a., S. 256; Böckenförde-Wunderlich, S. 9; Haker, S. 144
19 Böckenförde-Wunderlich, S. 10; Haker, S. 143
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