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Scholary Paper (Seminar), 2004, 20 Pages
Author: Holger Hufer
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Regensburg (Germanistik, Philosophische Fakultät)
Tags: Intermedialität, Photographie, Literatur, Rolf, Dieter, Brinkmann, Text-Bild-Konzeptionen
Year: 2004
Pages: 20
Grade: 2,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-30321-7
ISBN (Book): 978-3-638-74835-3
File size: 1218 KB
Thematischer Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit soll das Verhältnis von Photographie und Literatur in ausgewählten Texten des Pop-Literaten Rolf Dieter Brinkmann sein. Dabei sollen Untersuchungen über die bei Brinkmann betriebene Intermedialität in Verbindung gesetzt werden mit konkreten Textbeispielen, an denen die Beziehung von literarischer Umsetzung basierend auf photographischen Elementen zu ihrer intermedialen Funktion ermessen werden soll.
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Abstract
I. Einleitung Thematischer Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit soll das Verhältnis von Photographie und Literatur in ausgewählten Texten des Pop-Literaten Rolf Dieter Brinkmann sein. Dabei sollen Untersuchungen über die bei Brinkmann betriebene Intermedialität in Verbindung gesetzt werden mit konkreten Textbeispielen, an denen die Beziehung von literarischer Umsetzung basierend auf photographischen Elementen zu ihrer intermedialen Funktion ermessen werden soll. Die Orientierung erfolgt dabei nach chronologischen Gesichtspunkten, die angesprochenen Brinkmann´schen Werke werden nach den Jahren ihres Entstehens interpretiert. Thematische, funktionelle und technische Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede sollen dabei in einen Bezug zueinander gesetzt werden. Die verschiedenen Weisen, in denen Brinkmann Photographie und Literatur miteinander verknüpft, sollen deutlich werden, ebenso wie Brinkmanns komplexer Wandel im Laufe der Zeit, der den Umgang mit dieser Thematik betrifft. Am Ende sollen auch die Tagebücher Erwähnung finden, sowohl in der Analyse einzelner Seiten auch in der Gesamtkonzeption des Werkes. Montage-und Collagetechniken, mit denen Brinkmann arbeitet, sind ebenso nicht außer Acht zu lassen wie das verwendete Material, dessen ursprüngliche Funktion bzw. dessen Kontext und die Funktion, welches es nun in Brinkmanns Tagebüchern übernimmt. II. Das Gedicht „Photographie“ im Kontext einer Photobeschreibung Brinkmann verdeutlicht seine poetischen Idealvorstellungen im Motiv des „Snap-shot“, dem er sich in seinen Gedichten immer wieder annähert, andererseits variiert oder durchbricht er es. Den Werken liegt eine Form der Wahrnehmung zugrunde, die sich oft genug aus den Bereichen der Photographie, der filmischen Darstellung oder der Popmusik herausbildet. Das hat zur Folge, dass sich Brinkmanns Gedichte im schmalen Grenzbereich zwischen der herkömmlichen lyrischen Form und der modernen Kultur der Massen bewegen. Explizit ausgedrückt bedeutet das, dass sie weder der einen noch der anderen Form angehören bzw. dass sie mitunter Merkmale beider Formen aufweisen. Brinkmann führt damit einen Angriff auf die Eigenständigkeit der Kunst, im Mittelpunkt seiner Kritik steht das Verhältnis von traditionellem Kunstverständnis und den Ausgeburten der Massenkultur.
Excerpt (computer-generated)
Seminararbeit zum Thema:
Intermedialität – Photographie und Literatur bei Rolf Dieter Brinkmann
von
Holger Hufer
Studiengang LA Gymnasium Deutsch/Geschichte
Universität Regensburg
3. Fachsemester
Wintersemester 2003/04
Inhaltsverzeichnis:
Deckblatt 1
Inhaltsverzeichnis 2
I Einleitung 3
II Das Gedicht „Photographie“ im Kontext einer Photobeschreibung 3
III Kritik an der Massenkultur und Bewusstseinsindustrie – Die attributslose „Schauspielerin“ 5
IV Brinkmanns Tagebücher – Montagetechniken, Funktion und Auswahl von Bildern und Texten 7
V Brinkmann in Italien – persönliche Eindrücke verarbeitet im Reisetagebuch Rom,Blicke 11
VI Westwärts 1 & 2 - Bilder städtischen Lebens und deren Wirkung im Gedicht „Fotos 1,2“.. 12
VII Schlussbetrachtung 14
Anhang 16
Literaturverzeichnis 19
I. Einleitung
Thematischer Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit soll das Verhältnis von Photographie und Literatur in ausgewählten Texten des Pop-Literaten Rolf Dieter Brinkmann sein. Dabei sollen Untersuchungen über die bei Brinkmann betriebene Intermedialität in Verbindung gesetzt werden mit konkreten Textbeispielen, an denen die Beziehung von literarischer Umsetzung basierend auf photographischen Elementen zu ihrer intermedialen Funktion ermessen werden soll. Die Orientierung erfolgt dabei nach chronologischen Gesichtspunkten, die angesprochenen Brinkmann´schen Werke werden nach den Jahren ihres Entstehens interpretiert. Thematische, funktionelle und technische Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede sollen dabei in einen Bezug zueinander gesetzt werden. Die verschiedenen Weisen, in denen Brinkmann Photographie und Literatur miteinander verknüpft, sollen deutlich werden, ebenso wie Brinkmanns komplexer Wandel im Laufe der Zeit, der den Umgang mit dieser Thematik betrifft. Am Ende sollen auch die Tagebücher Erwähnung finden, sowohl in der Analyse einzelner Seiten auch in der Gesamtkonzeption des Werkes. Montage- und Collagetechniken, mit denen Brinkmann arbeitet, sind ebenso nicht außer Acht zu lassen wie das verwendete Material, dessen ursprüngliche Funktion bzw. dessen Kontext und die Funktion, welches es nun in Brinkmanns Tagebüchern übernimmt.
II. Das Gedicht „Photographie“ im Kontext einer Photobeschreibung
Brinkmann verdeutlicht seine poetischen Idealvorstellungen im Motiv des „Snap-shot“, dem er sich in seinen Gedichten immer wieder annähert, andererseits variiert oder durchbricht er es. Den Werken liegt eine Form der Wahrnehmung zugrunde, die sich oft genug aus den Bereichen der Photographie, der filmischen Darstellung oder der Popmusik herausbildet. Das hat zur Folge, dass sich Brinkmanns Gedichte im schmalen Grenzbereich zwischen der herkömmlichen lyrischen Form und der modernen Kultur der Massen bewegen. Explizit ausgedrückt bedeutet das, dass sie weder der einen noch der anderen Form angehören bzw. dass sie mitunter Merkmale beider Formen aufweisen. Brinkmann führt damit einen Angriff auf die Eigenständigkeit der Kunst, im Mittelpunkt seiner Kritik steht das Verhältnis von traditionellem Kunstverständnis und den Ausgeburten der Massenkultur.1
Der 1964 erschienene Gedichtband Le Chant du Monde enthält ein Kurzgedicht mit dem Titel „Photographie“.
Photographie
Mitten
auf der Straße
die Frau
in dem
blauen
Mantel.2
Auffällig ist auf den ersten Blick bereits die lakonische Kürze des Textes, dessen Wiedergabe lediglich in einer Wiederholung des Dargestellten gipfeln würde. Jeglicher Kommentar zum Inhalt erscheint daher dem Betrachter überflüssig, einzig die subtile Präsenz des lyrischen Ichs, dessen Funktion einer näheren Betrachtung durchaus lohnt. Das lyrische Ich kann das Betrachten der Frau auf drei Ebenen vollziehen, ohne dass dies im Gedicht exakt zu unterscheiden ist. Zum einen die Vorstellung, dass es eine Frau auf offener Straße sieht und beobachtet, zum anderen erscheint das Vorhaben, eine Frau auf der Straße zu photographieren ebenfalls plausibel. Dem dritten Aspekt liegt das Betrachten einer Photographie, auf der die besagte Frau abgebildet ist, zugrunde. Für den Leser ist es letztlich ununterscheidbar, welcher Anlass nun die Grundlage des Textes bildet, sei es nun eine reale Szene oder lediglich eine Photographie. Dass die Frau nicht der eigentliche Mittelpunkt des Gedichtes ist, lässt sich bereits aus dem Titel ableiten, der auf das Themenmotiv der „Photographie“ verweist. Die Photographie steht somit im Mittelpunkt des lyrischen Wirkens, und lediglich auf dieser zweiten Ebene ist eine Frau im Mittelpunkt projiziert.
Es erfolgt auf der Text-Ebene eine Imitation einer Photographie, was den Anlass des Textes irrelevant erscheinen lässt angesichts der Tatsache, dass die Photo-Beschreibung zurücktritt zugunsten einer Anpassung des Textes an photographische Techniken. Der Text entfaltet eine blitzartige Wirkung in seiner Darstellung als text-bildliche Momentaufnahme, es liegt eine bloße Aufzählung von optischen Eindrücken zugrunde, ähnlich wie der Betrachter eines Photos lediglich im Angesicht des Angebildeten daraus außer dem abgebildeten Zustand und den gegenständlichen Beigaben weder einen emotionalen Verlauf noch die persönlichhistorischen Hintergründe, die im Kontext des Photos stehen, zu ergründen vermag.
[....]
1 Vgl. Burglind Urbe, Lyrik, Fotografie und Massenkultur bei Rolf Dieter Brinkmann, Frankfurt/Main 1985, S.
79/80.
2 In : Rolf Dieter Brinkmann, Standphotos, Reinbek bei Hamburg 1980, S. 52.
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