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Geheimnis und Detektion - Edgar A. Poes "Die Morde in der Rue Morgue als Vorbild des klassischen Detektivromans

Scholary Paper (Seminar), 2003, 13 Pages
Author: Eileen Seifert
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Der Detektivroman
Institution/College: Technical University of Berlin
Tags: Geheimnis, Detektion, Edgar, Poes, Morde, Morgue, Vorbild, Detektivromans, Detektivroman
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 13
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V29554
ISBN (E-book): 978-3-638-31033-8

File size: 199 KB


Excerpt (computer-generated)

Geheimnis und Detektion - Edgar A. Poes "Die Morde in der
Rue Morgue als Vorbild des klassischen Detektivromans

von: Eileen Seifert

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Die Detektivgeschichte – Definition und Historie S. 2

2. Der Fall  S. 3

3. Die Detektion

3.1. Der Detektiv S. 4
3.2. Spurenlesen – Die analytische Methode der Deduktion  S. 5

4. Konstruktion der Elemente

4.1. Geheimnis und Ermittlung  S. 9

5. Schlussbemerkung S. 10


 

1. Einleitung

1.1. Die Detektivgeschichte – Definition und Historie

Im 19. Jh. bildete sich eine Gattung der Literatur heraus, die vor allem im angloamerikanischen Sprachraum beheimatet ist – der Detektivroman. Als Sonderform der Kriminalliteratur bezeichnet, steht in ihm die Aufklärung eines Verbrechens durch den Detektiv oder den Polizeibeamten im Vordergrund. Die Aufklärung vollzieht sich meist in mehreren Schritten, wobei der Leser bis zum Schluss im Unklaren gelassen und häufig, wie auch der Detektiv, auf eine falsche Fährte gelockt wird. Die eigentliche Verbrechensgeschichte ist mit Beginn des Romans in der Regel abgeschlossen, während die Ermittlungsgeschichte im Detail geschildert wird. Begleitet wird der Detektiv häufig von einer sogenannten "Watsonfigur" 1, die als Vermittler zwischen dem Detektiv und dem Leser auftritt.

Die übliche Definition des Detektivromans kann auf "Whodunit" (Wer hat es getan?) von Wystan Hugh Auden reduziert werden. Der Aufbau des klassischen Detektivromans ist ein streng analytischer und folgt nach Meinung Audens weithin der aristotelischen Poetik: Perepetie – Umschlagen der Handlung ins Gegenteil; Anagnorisis – Umschlagen der Unwissenheit in Erkenntnis; Katharsis – Reinigung. 2 Als Begründer des Detektivromans gilt der Amerikaner Edgar A. Poe (1809-1849), der zwischen 1841 und 1845 eine Reihe von Detektivgeschichten veröffentlichte, wobei die erste dieser Reihe "Die Morde in der Rue Morgue" (The Murders in the Rue Morgue) den nachhaltigsten Einfluss auf die Gattung ausübte.3 Sie steht nach allgemeiner Auffassung am Anfang der Geschichte der Detektivliteratur, obgleich es Vorläufer wie E. T. A. Hoffmann gab, in dessen Werk "Fräulein von Scuderi" bereits detektivische Elemente vorhanden waren. Auch in der antiken Literatur ("König Ödipus" von Sophokles) lassen sich kriminalistische Züge entdecken. Poes Erzählung wurde 1841 in "Graham′s Magazine" veröffentlicht und von Poe selbst als "Story of Ratiocination" bezeichnet. Mehrere Elemente darin sind für spätere Autoren prägend, fast kanonisch geworden und gelten noch heute als klassische Motivistik des Detektivromans.

2. Der Fall

Bei dem Verbrechen in der Rue Morgue handelt es sich um den Doppelmord an Mutter und Tochter, der zu Beginn der Geschichte bereits verübt wurde. Durch einen polizeilichen Zeitungsbericht erfahren der Detektiv der Ich-Erzähler, und der Leser von der sonderbaren Tat. (19)4 Der Zugang zum Tatort ist von innen versperrt. Jedoch existieren Ohrenzeugen, die draußen Schreie vernehmen können. (19) Die von Poe gewählte Situation des Tatortes ging als das Problem des „closed room“ b.z.w. "locked room", des von innen verschlossenen Raumes, in den Themenfundus des Genres ein und ist ein später oft genutztes Motiv, das von Poe vorgebildet wurde. Der geschlossene Raum ist der bewachte Platz, die abgeschirmte Öffentlichkeit, in die der Mörder nicht eindringen kann und an dem er trotzdem die Tat vollbrachte und den er offensichtlich danach auch nicht verlassen konnte. Die Tatortkonstellation in Zusammenhang mit der Grausamkeit des Verbrechens verstärkt das Mysterium, das Geheimnis um den Mord, das über die Vorstellungskraft des Lesers hinausgeht und Entsetzen hervorruft. "Das Zimmer war in einem chaotischen Zustand – das Mobiliar zertrümmert [...] Auf einem Stuhl lag ein Rasiermesser, mit Blut beschmiert. Auf dem Feuerrost fanden sich [...] dicke Strähnen grauen Menschenhaars, blutbesudelt auch sie und allem Anschein nach mit den Wurzeln ausgerissen." (19 ) Gleichzeitig stellt diese Beschreibung eine Bestandsaufnahme der vorgefundenen Spuren ( Tatwerkzeug u.s.w.) am Tatort dar. So wie es ebenso eindeutige fehlende Spuren gibt, deren Verbleib aufzuklären ist. Mutter und Täter sind "spurlos" verschwunden, die Leiche der Tochter war in den engen Rauchfang des Zimmers gezwängt. (20) Boileau/ Narcejac formulierten dazu: "Poe ahnte, daß das Geheimnis unser Gemüt und unseren Verstand heftig erschüttern, eine Art schreckliche Herausforderung sein muß, damit wir danach den Nachforschungen des Detektivs folgen." 5

[...]


1 Die sogenannte "Watsonfigur" stellt eine Helferfigur für den Detektiv dar und geht zurück auf Arthur Conan Doyles Mr. Watson, der der Weggefährte von Sherlock Holmes ist.

2 Vgl. Auden, Wystan Hugh: The Guilty Vicarage. In: The Dyer′s Hand and other Essays, 1962.

3 Vgl. Woeller, Waltraud: Illustrierte Geschichte der Kriminalliteratur. Frankfurt a. Main: 1985, S. 59.

4 Seitenzahlen im Text verweisen auf Edgar Allan Poe. Die Morde in der Rue Morgue und andere Erzählungen. Hrsg. von Günter Gentsch. Aus dem Amerikanischen von Barbara Cramer-Nauhaus, Erika Gröger und Heide Steiner. Frankfurt a. Main und Leipzig: 2001.

5 Boileau/Narcejac: Der Detektivroman. Luchterhand, Neuwied und Berlin: 1967, S. 44.


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