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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 25 Pages
Author: Elke Schipper
Subject: German Studies - Didactics
Details
Institution/College: University of Flensburg (Germanistik)
Tags: Erich, Kästner, Opfer, Zeit, Didaktik-Seminar
Year: 2003
Pages: 25
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-31157-1
File size: 262 KB
Zwei ausgewählte Balladen von Erich Kästner im Vergleich und methodische und didaktische Überlegungen: Es war nicht nur die Einfachheit, die mir als erstes ins Auge stach, als ich mich ernsthafter mit den Balladen von Erich Kästner beschäftigte. Sondern auch die Tatsache, dass gerade dieser Mann, der mir so vertraut aus der Kinder- und Jugendliteratur ist, mir mit derart realistischen Werken ein ganz neues Bild von sich vermittelte.
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Excerpt (computer-generated)
Erich Kästner: Ein Opfer seiner Zeit?
von: Elke Schipper
Gliederung
1. Einleitung Seite 3
2. Kurz gefasster Lebenslauf des Erich Kästner Seite 4
3. Der Mensch- ein Opfer seiner Zeit? Zu Kästners Kurt Schmidt, satt einer Ballade Seite 7
3.1 Zeitliche Einordnung der Ballade Seite 7
3.2 Inhalt der Ballade Seite 7
3.3 Strukturelle Merkmale der Ballade Seite 8
3.4 Kästners Situation zum Zeitpunkt des Verfassens der Ballade Seite 13
3.5 Schlussgedanken Seite 14
3.6 Kurt Schmidt, statt einer Ballade Seite 15
4. Sind Kurt Schmidt und Erich Kästner beide Opfer ihrer Zeit? Zu Kästners Kurt Schmidt, statt einer Ballade vs. Erich Kästner: Kurzgefasster Lebenslauf
4.1 Tabellarischer Vergleich Seite 16
4.2 Erich Kästner: Kurzgefasster Lebenslauf Seite 20
5. Methodische und didaktische Überlegungen zu den Balladen von Erich Kästner Seite 21
6. Literaturverzeichnis Seite 25
1. Einleitung
Diese Hausarbeit fertigte ich im Anschluss an das Seminar: Balladen in der Sekundarstufe im Wintersemester 2002/2003 an. Inspiriert wurde ich während einer der letzten Sitzungen dieses Seminars, bei dem uns die Werke Kästners inhaltlich wie auch sprachlich interessierten. Es war nicht nur die Einfachheit, die mir als erstes ins Auge stach, als ich mich ernsthafter mit den Balladen von diesem Mann beschäftigte. Sondern auch die Tatsache, dass gerade dieser Mann, der mir so vertraut aus der Kinder- und Jugendliteratur ist, mit derart realistischen Werken ein ganz neues Bild von sich vermittelte. Diese Bild machte mich neugierig, und ich wollte mehr über den Schriftsteller herausfinden. Er selbst beschreibt die Kombination von Kinderliteratur mit bitterbösen Satiren folgendermaßen: „Die Attacken, sagte er, die er, mit seinem als Lanze eingelegten Bleistift, gegen die Trägheit der Herzen und gegen die Unbelehrbarkeit der Köpfe ritte, strengten sein Gemüt derartig an, dass er hinterdrein, wenn die Rosinante wieder im Stall stünde und ihren Hafer fräße, jedes Mal von neuem das unausrottbare Bedürfnis verspüre, Kindern Geschichten zu erzählen“ (Kästner über Kästner 1949 zur Vorstellungsrunde auf dem Internationalen PEN-Kongreß in Zürich). Die wenigen Veröffentlichungen zu Kästner spiegeln die Interessiertheit im deutschen Literaturkreis wieder: Kästner geht nicht unter die Haut, er ist kein Sprachartist wie so viele seiner zeitgenössischen Kollegen. Er schreibt ein knappes, sehr präzises Deutsch und benutzt gern die saloppe Umgangssprache mit all den Alltagsphrasen jener Zeit. Diese Tatsache macht Erich Kästner als Schriftsteller kritisch betrachtet eher uninteressant. Die Kombination der Balladen Kästner mit dem Versuch, diese im Unterricht szenisch umzusetzen, erweist sich als besonders interessant. Bedauerlicher weise konzentrieren sich gerade die methodischen Überlegungen für mich auf Theorien, die jedoch für Angelika Kriege-Endell und Christina Jahnen-Foit in der Praxis bereits zum Erfolg führten. Ich habe gerade bei der Methodik bewusst das Rad nicht neu erfunden, denn schließlich sind es meines Erachtens interessante und gute Möglichkeiten, die von beiden aufgezeigt werden, wie man Kästner im Unterricht umsetzen kann. Ich habe diese Methodik mit eigenen Ideen ergänzt und mir fest vorgenommen, in der nächsten Unterrichtseinheit diese Methodik anzuwenden, damit mir bewusst wird, wovon ich hier so ausführlich berichtet habe. Während der Analyse beider Balladen konnte ich mich intensiv mit der Geschichte Deutschlands im Zeitalter der Weimarer Republik beschäftigen.
2. Kurz gefasster Lebenslauf des Erich Kästner
Erich Kästner ist am 23. Februar 1899 in der sächsischen Haupt- und Residenzstadt Dresden geboren und aufgewachsen. Seine Eltern, Ida Kästner, geb. Augustin, und Emil Kästner sind beide Handwerker. Emil Kästner arbeitet in einer Kofferfabrik, doch der Lohn ist so gering, dass Ida Kästner hinzuverdienen muss. Anfänglich arbeitet sie in Heimarbeit in der Königstraße 66 des eher grauen Dresden-Vororts Neustadt. Später erlernt auch sie einen handwerklichen Beruf, um ihrem Sohn Erich den erwünschten Traum vom Studium zumindest finanziell erfüllen zu können (Kordon 1998, S. 14). Erich Kästner entwickelt sich in Dresden zu einem wahren Musterknaben. In der Schule steht er schon bald als Primus mit seinen hervorragenden Leistungen da. Und auch während der darauffolgenden Lehrerausbildung sind der Wissbegierde Kästners keine Grenzen gesetzt. Doch bei seinem ersten „Auftritt“ als Lehrer spürt er, dass ihn mehr das Lernen- als das Lehren fasziniert und er entscheidet sich für ein Studium (Kordon 1998, S. 42). In der Tasche das goldene Stipendium der Stadt Dresden und die Gewissheit, seine Eltern unterstützen ihn finanziell bestmöglich, zieht es Kästner 1919 in die Stadt Leipzig bzw. an die Leipziger Universität. Er studiert dort u.a. Germanistik und Theaterwissenschaften. Die Bindung Erich Kästners zu seiner Mutter wird auch durch diesen räumlichen Wechsel nicht unterbrochen. Ganz im Gegenteil: Kästner schreibt seiner Mutter täglich tagebuchähnlich eine Postkarte, hingegen Ida Kästner liebevoll die Wäsche ihres Sohnes wäscht. Erstaunlich bei diesem Briefwechsel ist die Tatsache, dass Erich in seinen Briefen nie seinen Vater Emil erwähnt (Kordon 1998, S. 64). Was wir erst Jahrzehnte nach Kästners Tod erfahren, war ihm vielleicht zu diesem Zeitpunkt längst bekannt: Erich Kästner ist der Sohn von Dr. Zimmermann, der Hausarzt der Familie. Doch niemand erfährt zu Lebzeiten von diesem Seitensprung Ida Kästners. Dieser Umstand wiederum rettet Erich auch das Leben, denn Dr. Zimmermann ist ein Jude, Erich Kästner somit ein Halbjude. Erich Kästner wäre im dritten Reich nicht an den Konzentrationslagern lebend vorbeigekommen, wäre dieser Zustand bekannt gewesen. Erich Kästner entwickelt sich zu einem hervorragenden Studenten. Er veröffentlicht in seiner Zeit in Leipzig erstmalig Texte in Theaterzeitschriften und in der Dichtung Leipziger Studenten (Kordon 1998, S. 70). Er verliebt sich in die Studentin Ilse Becks. Ihre Liebe wächst zu einer achtjährigen Leidenschaft mit tragischem Ende. Diese Liebesenttäuschung verfolgt Erich Kästner noch lange, er geht keine derartige Beziehung bis zu seinem Tode mehr ein. In der „Sachlichen Romanze“ spiegelt sich die verlorene Liebe von Ilse Becks und Erich Kästner wieder (Kordon 1998, S. 79). Richard Katz, Verlagsdirektor des Leipziger Tageblattes, bietet Kästner 1925 eine Stelle als Redakteurs an.
Der Journalist Erich Kästner ist geboren. 1927 wird er nach Veröffentlichung des „Abendlied des Kammervirtuosen“ aus der Neuen Leipziger Zeitung entlassen. Erich Kästner geht 1927 nach Berlin. Hier veröffentlicht er die zeitkritischen, politisch-satirischen Gedichte: „Herz auf Taille“ (Wien 1928), „Lärm im Spiegel“ (Wien 1929), „Ein Mann gibt Auskunft“ (Stuttgart 1930) sowie „Gesang zwischen den Stühlen“ (Stuttgart 1932). Hermann Kesten bewertet seinerzeit die Werke seines Freundes: „Kästner überzeugt mit seiner spielerischen und fehlerlosen Meisterschaft seiner Sprache. Kästner sagt in seinen Gedichten, was mancher gedacht und keiner zu sagen gewagt, traf seine Zeitgenossen, entlarvte sie, zog sie aus, häutete sie. Mit Charme und Grazie, mit Anmut und Witz“ (Hermann Kesten 1958: „Erich Kästner“ in „Meine Freunde, die Poeten“, 187 ff.). Rudolf Frank beschreibt Kästner: „Kästners Werke sind leidenschaftlich-kühle Wort-Photographien“ (Frank 1930, Theaterkritik, zitiert nach Wagner 1973.). Kästner schreibt für das Volk, weil er erziehen will. Er schreibt einfach ohne zu vereinfachen. Er war ein Robin Hood seiner Zeit: Er drischt in seinen Werken auf die rücksichtlosen Starken ein- deshalb tröstet er die Schwachen. Er ist politisch ein sozial denkender, liberaler Demokrat. Kästner öffnet der Menschheit mit seinen Gedichten nicht den Weg in das Paradies, er sagt ihnen statt dessen, was sie lieber unterlassen sollen. Er gehört mit seinen Werken in das literarische Zeitalter der neuen Sachlichkeit, zu der auch Tucholsky, Melving, Brecht, Morgenstern und Ringelnatz gehören. 1929/1930 erscheint das Kinderbuch „Emil und die Detektive“. In diesem Werk macht Kästner sich selbst zum Helden, der Bezug zu seiner Mutter wird in diesem Werk besonders deutlich. Mit Elfriede Mechning gründet er seine Schreibfabrik: Kästner & Co. 1931 erscheint der Kinderroman „Pünktchen und Anton“ (Berlin 1931), ebenfalls in diesem Jahr erscheint auch: „Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee“ (berlin 1931). 1933 wird „Das fliegende Klassenzimmer“ (Stuttgart 1933) veröffentlicht. 1933 ist Emil Kästner alleine in Berlin, seine literarischen Freunde sind in das Ausland geflüchtet. Zu dieser Zeit gibt es in Berlin 600 000 Arbeitslose, 6 000 000 Millionen in ganz Deutschland. Wenig später ergreift Adolf Hitler die Macht.
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