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Termpaper, 2004, 23 Pages
Author: Vera Serafin
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Institut für Germanistische Mediävistik und Frühneuzeitforschung)
Tags: Figuren, Meliur, Lucrete, Konrads, Würzburg, Partonopier, Meliur, Konrads, Würzburg, Partonopier, Meliur
Year: 2004
Pages: 23
Grade: 2
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-31305-6
File size: 168 KB
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Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Dresden
Germanistische Mediävistik, Seminar 3
Sommersemester 2004
Thema der Arbeit:
Die weiblichen Figuren Meliur und Lucrete in Konrads von
Würzburg Partonopier und Meliur
Verfasserin der Hausarbeit:
Vera Serafin
Datum der Abgabe: 5.7.2004
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
Meliur und Lucrete als handlungsbestimmende Instanzen
2. Die Gestalt Meliurs 3
2.1 Meliur als machtausübende Figur 3
2.2 Inneres versus Öffentlichkeit – Meliur als „verbergende“ Figur 9
3. Lucrete als unschuldig schuldige Mutter 12
4. Schluss 20
Meliur und Lucrete – Ausblick auf einen Vergleich
5. Bibliographie 22
1. Einleitung
Meliur und Lucrete als handlungsbestimmende Instanzen
In der vorliegenden Arbeit sollen die beiden weiblichen Figuren Meliur und Lucrete in Konrads von Würzburg Partonopier und Meliur (warscheinlich um 1277 im Auftrag Peter Schalers entstanden) als in Bezug auf Partonopiers Schicksal über einen großen (und entwicklungspsychologisch entscheidenden) Zeitraum ebenso einflussreiche wie handlungsbestimmende Instanzen des Romans behandelt werden. Hierbei soll besonders auf die Handlungsmotive beider Figuren eingegangen werden.
Zunächst gilt es, Meliur als machtausübende und durchaus planende Figur zu behandeln, welche als erwachsene Frau und über Zauberkräfte verfügende Herrscherin Konstantinopels Partonopier weit überlegen ist. Auch das von Meliur vorgeschriebene Sichtverbot und dessen Übertretung durch Partonopier und die Folgen des Tabubruches im Hinblick auf ihren Machtbesitz werden einer genaueren Betrachtung unterzogen. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit Meliur als „verbergender“ Figur, welche nicht nur zunächst ihr Äußeres (und Partonopier) verbirgt bzw. isoliert, sondern später auch innere, das heißt emotionale Bedürfnisse „verdeckt“.
Hingegen soll der zweite Teil der vorliegenden Arbeit Lucrete als unschuldig schuldige Mutter und deren Handeln als Konsequenz durchaus begründeter großer Angst und Sorge um das Wohlergehen ihres Sohnes behandeln. Ebenso ist Lucretes fester Glauben an einen bedrohlichen Teufel in Frauengestalt weniger als bösartige Taktik denn als angstauslösendes Motiv im „Kampf“ um Partonopier zu erörtern. Lucretes „Mittel“ zu handeln, ihre Bindung zu Partonopier und ihr Einfluss auf diesen sowie die Lösung bzw. der schmerzliche Verlust ihres Sohnes bilden einen weiteren Teil der Untersuchung.
Der Schluss der Arbeit soll schließlich einen Ausblick auf einen möglichen Vergleich der beiden Figuren Meliur und Lucrete bieten.
2. Die Gestalt Meliurs
2.1 Meliur als machtausübende Figur
Meliur, deren Namen1 wir erst relativ spät erfahren (V. 6552), erscheint zunächst als auffallend mächtige und dominante Persönlichkeit. Sie tritt erstmals in einer Kemenate der von ihr so genannten Residenz Schiefdeire auf, wo sich der den Ereignissen angemessen völlig verängstigte Partonopier in Erwartung des Teufels in (wie sich herausstellt) ihr Bett gelegt hat. Sie stellt sich ihm als Königin des Landes vor (V. 1372)2 und befiehlt ihm mehrmals – unter Androhung des Todes – ihre Räumlichkeiten auf der Stelle zu verlassen (V. 1335 – 1476). Meliur ist unsichtbar, doch „hôrte [er] an ir gebaere wol / und an ir sprâche reine, / daz nie wart von beine / noch ûz fleische ein wîp geborn / sô lûter unde als ûz erkorn / sam diu minniclîche fruht.“ (V. 1538 – 1543) Meliurs Schönheit wird an dieser Stelle noch nicht im Anblick offenbar. Doch auch Meliur ist von Partonopiers Schönheit und Tugend angetan (V. 1544 – 1554). Beide entbrennen in Liebe zueinander und – trotz wenn auch anfangs eher halbherziger Versuche Meliurs sich zu wehren – schlafen kurz darauf miteinander. Es ist anzunehmen, dass Meliur diesen Verlauf der Dinge wenn auch nicht geplant, so doch in Betracht gezogen hat, da sie sich nackt zum ihr auch an Jahren unterlegenen in das Bett legt3 und vor allem, wie sie nun Partonopier gegenüber das „laster“ (V. 1752) fast entschuldigend erklärt, schon lange Zeit ihr Herz an ihn verloren hat (bereits einige Zeit bevor sie ihn selbst gesehen hat, ist sie auf den bloßen Bericht ihrer Boten hin „in Fernliebe [entbrannt]“4). Meliur gesteht ihm, dass sie es war, die mit Hilfe ihrer Zauberkräfte seinen nur scheinbar schicksalhaften Weg zu ihr veranlasste („diu manicvalde wîsheit, / der an mir ein wunder ist. / ouch schuof daz mîner künste list, / daz du bist komen in daz lant.“, V. 1872 – 1875). Meliur offenbart Partonopier demnach nicht nur sogleich ihren Status als Königin, sondern gibt sich ihm darüber hinaus als über überirdische Fähigkeiten verfügendes Geschöpf zu erkennen, das seine Vergangenheit geleitet und auch seine Zukunft bereits bestimmt hat: Meliur erzählt von ihren „Plänen“: vor geraumer Zeit hätten ihr die Fürsten ihres Landes zu einem Mann geraten, der weniger reich als ihr in Tugend und Schönheit gemäß ist. In drei Jahren will Meliur Partonopier zum Mann nehmen und ihn binnen dieser Frist im Reifen seiner Männlichkeit beeinflussen und zum Ritter schlagen. An dieser Stelle wird die umfassende Dominanz und Größe mit der Meliur Partonopier gegenübersteht deutlich. Ihre Sehnsucht nach ihm und ihr Begehren ist wohl nicht der einzige Grund, weshalb sie ihn schon zu so einem frühen Zeitpunkt zu sich holt. Sie möchte darüber hinaus vor allem seine Entwicklung zum Herrschaftspartner mitverfolgen und ihren Erwartungen und Plänen gemäß steuern. Die Aktivität geht ausschließlich von Meliur aus. Sie hat Partonopier, der ihren Wünschen zu entsprechen vermag, eigenständig zum Manne auserwählt.
[....]
1 Gisela Werner meint hier eine mögliche Beziehung zur Figur der Melusine bzw. zu deren Schwester Melior (beide Namen aus dem Keltischen stammend) zu erkennen, insofern, dass der Name der Melior aus der Dichtung um Meliur entlehnt worden sein könne (Werner, Gisela: Studien zu Konrads von Würzburg Partonopier und Meliur. Bern u. Stuttgart 1977, S. 72.).
2 Zitiert werden soll in dieser Arbeit die Ausgabe hrsg. v. Bartsch, Karl: Konrads von Würzburg Partonopier und Meliur. Aus dem Nachlasse von Franz Pfeiffer. Wien 1871. (= Deutsche Neudrucke, Reihe: Texte des Mittelalters, hrsg. v. Karl Stackmann, Berlin 1970.)
3 Vgl. hierzu auch Rohr, W. Günther: Verlockung und freie Sexualität im ‘Partonopier’ Konrads von Würzburg. In: J. E. Schmidt, K. Cieslik, G. Ros (Hrsg.): Ethische und ästhetische Komponenten des sprachlichen Kunstwerks. Festschrift Rolf Bräuer zum 65. Geburtstag. Göppingen 1999, S. 157 – 176, hier S. 164.
4 Vgl. ebd. .
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