Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 21 Pages
Author: Tatjana Klimkova
Subject: Pedagogy - History of Pedagogy
Details
Institution/College: University of Würzburg
Tags: Lerntheorie, Herbarts, Hauptseminar, Theorien, Erziehung
Year: 2004
Pages: 21
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-31512-8
File size: 183 KB
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Excerpt (computer-generated)
Bayerische Julius- Maximilians- Universität Würzburg
Philosophische Fakultät III
Hauptseminar: Theorien der frühkindlichen Erziehung
Lerntheorie Herbarts
von: Tatjana Klimkova
Inhaltverzeichnis
Einleitung 1
Kapitel I: Herbarts Bild der Seele 2
Kapitel II: Das Erziehungsziel 7
Kapitel III: Der Weg zum Erziehungsziel: Regierung- Unterricht- Zucht (Besonnenheit) 11
Schlussbemerkung 17
Literaturverzeichnis 18
Einführung
Der deutsche Pädagoge und Philosoph Johann Friedrich Herbart, geboren am 4. Mai 1776, gestorben am 14. August 1841, war einer der Begründer der modernen wissenschaftlichen Pädagogik. Er unterrichtete an den Universitäten in Göttingen (1802-09, 1833-41) und Königsberg (1809-33) und verfasste viele Werke über Pädagogik, Psychologie und Philosophie, die einen wesentlichen Einfluss auf Theorie und Praxis der Erziehung in Europa und den Vereinigten Staaten ausübten. Er war Gegner der populären Theorie der Psychologie der Fähigkeiten, dem Glauben, dass der Geist aus relativ unabhängigen Fähigkeiten zusammengesetzt ist, die durch Studium bestimmter akademischer Fächer geübt und trainiert werden können. Herbart war ein Pionier in der Entwicklung einer auf der Psychologie basierenden systematischen Theorie zum Lernen und Lehren. Laut seiner Apperzeptionstheorie werden neue Gedanken, wenn sie dem Schüler gründlich unterbreitet werden, mit bereits existierenden Gedanken verknüpft und bilden ein System von verbundenen Ideen, die so genannte apperzeptive Masse.
Herbart sah die grundsätzliche Aufgabe des Lehrers darin, die bereits bestehenden Interessen des Schülers herauszufinden und diese mit dem großen Wissen und der Kultur der Menschheit in Beziehung zu setzen, um dem Schüler zu helfen, Teil des zivilisierten Lebens zu werden. Er vertrat außerdem die Ansicht, das höchste Ziel der Erziehung sei eher die Entfaltung eines ethischen Charakters denn der Ausbildung des Wissens. Nach Herbarts Tod wurde seine Philosophie von seinen Schülern in ein strenges Regelwerk für den Unterricht umgesetzt. der Herbartianismus, der Name dieses pädagogischen Systems, übte besonders in den Vereinigten Staaten einen mächtigen Einfluss auf die Lehrpraktiken des späten 19. Jahrhunderts aus. Für Verständnis seiner Lerntheorie sind folgende Werke zu bemerken: Die erste Vorlesung über Pädagogik (1802), Über die ästhetische Darstellung der Welt als das Hauptgeschäft der Erziehung (1804), Allgemeine Pädagogik aus dem Zweck der Erziehung abgeleitet (1806), Allgemeine praktische Philosophie (1806), Von der Erziehungskunst (1831), Pädago gische Briefe, oder Briefe über die Anwendung der Psychologie auf die Pädagogik (1832). Das Ziel der Arbeit ist den Überblick über Lerntheorie Herbarts zu schaffen. Die Hausarbeit besteht aus Einführung, drei Kapitel: Herbarts Bild der Seele, Das Erziehungsziel, Der Weg zum Erziehungsziel: Regierung- Unterricht- Zucht (Besonnenheit) und Schlussbemerkung.
Kapitel I: Herbarts Bild der Seele
Für Herbart wird das Kind ohne echten Willen geboren, es besitze nur wilden Ungestüm, welcher unterworfen werden müsse, um ein sittliches Verhältnis zu schaffen. „Willenlos kommt das Kind zur Welt, unfähig demnach jedes sittlichen Verhältnis. So können die Eltern, teils freiwillig, teils auf die Forderung der Gesellschaft, sich seiner wie einer Sache bemächtigen. Zwar wissen sie wohl, dass in dem Geschöpf, welches sie jetzt, ohne es zu fragen, nach Gutfinden behandeln, sich mit der Zeit ein Wille hervortun wird, den man gewonnen haben muss, wenn Missverhältnisse eines von beiden Seiten unstatthaften Streites vermeiden bleiben sollen. Aber es ist lange bis dahin; zunächst entwickelt sich in dem Kinde statt eines echten Willens, der sich zu entschließen fähig wäre, nur ein wilder Ungestüm, der hierin und dorthin treibt, der ein Prinzip der Unordnung ist, die Einrichtungen der Erwachsenen verletzt und die künftige Person des Kindes selbst in mannigfaltige Gefahr setzt. Dieser Ungestüm muss unterworfen werden…“1
Kinder besitzen von Anfang an Individualität, jedoch keinen Charakter. Charakter heißt bei Herbart auch Zucht und könne erst dann wirken, wenn sich der bewusste Wille des Kindes gestaltet habe. Die Charakterform sei demnach ein Teil des vernünftigen Willens und muss dem heranwachsenden Menschen bewusst werden. Beide, sowohl Charakter wie auch Individualität, stehen sich im Kampf gegenüber, was einerseits die Männlichkeit ausmacht, andererseits auch zur Krankheit führen könne.2 Winfried Böhm in seiner Vorlesungsreie „Die Pädagogik und ihre Geschichte“ hat Model von Herbart mit Kompjutermodell veranschaulicht. Herbart stellt sich unser Geist wie ein Kompjuter vor. Feste Platte ist am Anfang an leer und muss programmiert werden, damit später konnte das Kind richtige Daten (Taten) produzieren (richtig Handeln). Die menschliche Entwicklung ist sowohl Evolution3 als auch Epigenese4. Menschliche Kraft vermag letztlich nur das auszubreiten, was sie empfangen hat. Deshalb gilt es ein entsprechendes Angebot zu unterbreiten. Und gerade darin besteht die Aufgabe des erziehenden Unterrichts. Das geistige Leben ist in einen polaren Prozess eingebunden, „das Atmen des Geistes“. Jeder Mensch muss sich an eine Erfahrung hingeben und diese anschließend in den individuellen seelischen Zusammenhang einordnen. 5
[...]
1 Allgemeine Pädagogik aus dem Zweck der Erziehung abgeleitet (1806), in: Herbart, Johann Friedrich: Systematische Pädagogik. Eingeleitet, ausgewählt und interpretiert von Dietrich Benner. Stuttgart 1986, S.79.
2 Nieberg, Kevin: Der Begriff der „Bildsamkeit“ ein Konstrukt „Allgemeiner Pädagogik“ bei Johann Friedrich Herbart und Wilhelm Flitner. Regensburg 2002,S.72.
3 Evolution: allmählich fortschreitende Entwicklung; Fortentwicklung im Geschichtsablauf
4 Epigenese: Entwicklung eines jeden Organismus durch aufeinander folgende Neubildungen (nach der Entwicklungstheorie von C.F. Wolff, 1759)
5 Fournes, Angelika: Johan Friedrich Herbarts Bestrebung um eine systematische Einheit pädagogischen Denkens und Handelns. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxeles, New York, Oxford, Wien 2002, S.3.
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