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'Möge die Macht mit Dir sein...'. Sinnsuche und jugendliche Religiosität am Beispiel der "Star Wars"-Filme - eine Herausforderung für den Religionsunterricht

Examination Thesis, 2004, 120 Pages
Author: Astrid Dahlbüdding
Subject: Theology - Didactics, Religion Pedagogy

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2004
Pages: 120
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 71  Entries
Language: German
Archive No.: V31059
ISBN (E-book): 978-3-638-32172-3

File size: 608 KB
Notes :
Examensarbeit im Fachbereich Religionspädagogik, die sich am Beispiel der "Star Wars"-Filme, mit der Pluralisierung der religiösen Angebote, speziell im Kontext Film und Fernsehen, für Jugendliche auseinandersetzt. Am Rand wird auch die Frage aufgegriffen, ob Film und Fernsehen eine Art Ersatzreligion für Jugendliche sind.



Excerpt (computer-generated)

Hochschulort: Universität Osnabrück

„Möge die Macht mit Dir sein...“.
Sinnsuche und jugendliche Religiosität am Beispiel der „Star Wars“-Religion -
eine Herausforderung für den Religionsunterricht

Hausarbeit
im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien

vorgelegt von

Astrid Dahlbüdding

Tag der Abgabe: 14.06.2004

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 4

2. Sinnsuche und Religiosität im Jugendalter ... 9
2.1 Die Lebensphase Jugend ... 9
2.1.1 Ziele und Dauer des Jugendalters ... 9
2.1.2 Einflussfaktoren in der Jugendphase ... 13
2.2 Sinnsuche und Religiosität als Aspekte jugendlicher Sozialisation ... 14
2.2.1 Sinnsuche und Religiosität im psychologischen Kontext ... 16
2.2.2 Sinnsuche und Religiosität im soziologischen Kontext ... 24
2.3 Jugendliche Religiosität 28

3. Die Star-Wars-Hexalogie ... 30
3.1 Wichtige Begriffe ... 32
3.1.1 Die Macht ... 32
3.1.2 Die Jedi-Ritter ... 34
3.1.3 Der Imperator ... 34
3.1.4 Der Todesstern ... 35
3.2 Figuren der Star-Wars-Hexalogie ... 35
3.2.1 Die Skywalker-Genealogie ... 36
3.2.2 Weitere Filmfiguren ... 36
3.3 Inhaltsangaben Episode I - Episode VI ... 37
3.3.1 Episode I - Die dunkle Bedrohung - 1999 ... 37
3.3.2 Episode II - Angriff der Klonkrieger - 2002 ... 39
3.3.3 Episode III - Titel noch unbekannt - ca. 2005 ... 40
3.3.4 Episode IV - Eine neue Hoffnung - 1977 ... 41
3.3.5 Episode V - Das Imperium schlägt zurück - 1980 ... 42
3.3.6 Episode VI - Die Rückkehr der Jedi-Ritter - 1983 ... 42

4. Die konstruierte Sinnwelt der Star-Wars-Saga ... 44
4.1 Exkurs: Das Kino als spiritueller Kultort ... 44
4.2 Star-Wars als Heldenreise ... 47
4.2.1 Trennung ... 49
4.2.2 Inititiation ... 50
4.2.3 Rückkehr ... 52
4.2.4 Der Monomythos als Allegorie jugendlicher Entwicklung ... 55
4.3 Der dualistische Aufbau der Star-Wars-Hexalogie ... 58
4.3.1 Figurenpaare ... 58
4.3.2 Natur und Technik ... 59
4.3.3 Leib und Seele ... 60
4.3.4 Die „Macht“ ... 60
4.3.5 Handlungsperspektiven in einer zweidimensionale Welt ... 62
4.4 Die bildliche Darstellung der Figuren ... 64
4.4.1 Figuren der dunklen Seite der Macht ... 64
4.4.2 Figuren der hellen Seite der Macht ... 67
4.4.3 Exkurs: Kritisierte Motivwahl ... 69
4.4.4 Die visuelle Informationsebene ... 71
4.5 Verwendung christlicher Motive ... 73
4.5.1 Der Erlöser ... 74
4.5.2 Die jungfräuliche Empfängnis ... 75
4.5.3 Die Wüste ... 76
4.5.4 Das Motiv des abgeschlagenen Arms ... 77
4.5.5 Tod und Auferstehung ... 77
4.5.6 Die Saga der gemischten Mythen ... 78
4.6 Eine Welt zum Staunen ... 80

5. Die mediale Herausforderung des Religionsunterrichts ... 82
5.1 Star Wars als Teil der Jugendkultur ... 83
5.2 Star Wars als Unterrichtsmaterial ... 87
5.2.1 Klasse 7/8: Nach Gott fragen - Gottesbilder ... 89
5.2.2 Klasse 9/10: Christsein in der pluralen Gesellschaft ... 91
5.2.3 Umfang des Einsatzes der Filmreihe ... 93

6. Resümee ... 94

7. Literaturverzeichnis ... 97

8. Anhang ... 105

 

1. Einleitung


“Die Religion der Zukunft wird Kino sein und in Hollywood produziert.” 1

Diese These des Filmkritikers Georg Seeßlen aus einem Artikel des Jahres 2000 lässt aufhorchen. Das Kino soll in Zukunft die Kirche ersetzen? Viele werden diese Behauptung als übertrieben abtun. Natürlich gibt es religiöse Aspekte im Kinofilm, das zeigt sich nicht zuletzt an den aktuellen Diskussionen über den spirituellen Charakter der Filmreihen „Der Herr der Ringe“ oder „Die Matrix“. Aber wird dadurch die traditionelle Religion verdrängt? Die meisten Theologen werden dies wahrscheinlich verneinen, da sie sich der traditionellen Verankerung ihres Glaubens sicher sind.
Hier bietet es sich an einen Blick nach England zu werfen. Dort stellte die jährliche Volkszählung im Jahr 2001 über 390.000 Einwohner fest, die sich zur „Religion“ der „Jedi Ritter“ bekannten.2 Die Idee dieser „Religion“ basiert auf dem sechsteiligen Science-Fiction-Epos „Star Wars“, das in Deutschland auch „Krieg der Sterne“ genannt wird. „Jedi-Ritter“ sind in dieser Filmreihe die, mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestatteten, Krieger des Guten.
Die Geschichte der Filme stammt von dem amerikanischen Filmregisseur George Lucas. Die ersten drei Filme der Reihe liefen Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre überaus erfolgreich in den Kinos. Ende der 90er Jahre kamen sie, an Grafik und Klang überarbeitet, erneut in die Lichtspielhäuser und bildeten den Auftakt für eine weitere Trilogie, die 1999 mit der ersten Episode startete und deren letzter Teil noch erwartet wird. Wie in den 70ern und 80ern wurden die Filme auch heute wieder zum Kinomagneten. Dieser erneute Boom war Auslöser für eine E-Mail, die im Internet kursierte und Engländer dazu aufforderte, auf ihrem Bogen zur Volkszählung den Begriff „Jedi Ritter“ an Stelle einer offiziellen Religion anzugeben. Laut dieser Mail seien 10.000 Unterschriften ausreichend, um diese Religion als staatlich akzeptiert durchzusetzen. Dem war nicht so 3, doch reichte es aus, um den Fragebogen der folgenden Volkszählung 2001 um die Position „Jedi Ritter“ bei den wählbaren Religionen zu ergänzen.4 Die Reaktion darauf war, wie schon genannt, eine 390.000fache Wahl dieser „Religion“.
Zur Zusammensetzung dieser Zahl lässt sich bemerken, dass die Teilnahme von Jugendlichen und jungen Erwachsenen an der Zählung seit der Aufnahme der „Jedi Ritter“ stark zugenommen hat. Die Gegenden mit der höchsten Prozentzahl an „Jedi Rittern“ waren die Universitätsstandorte Brighton, Oxford, Cambridge und einige weitere.5 Man kann also vermuten, dass die „Religion“ der „Jedi Ritter“ motivierend auf die Teilnahme junger Engländer an der Zählung einwirkt und vermehrt Studenten anspricht.
Nach dem Religionspädagogen Friedrich Schweizer zeichnen sich gesellschaftliche Trends häufig an Jugendlichen ab, da sie als „Seismographen gesellschaftlicher Entwicklung“6 fungieren. In diesem Sinne wirkt das englische Phänomen der „Jedi-Ritter“ als Bestärkung der eingangs genannten These von einer zukünftigen „Kinoreligion“, da sich ein Teil der englischen Jugend bereits einer cineastischen Religiosität zuzuwenden scheint. Schließt sich die englische Gesellschaft bald an? Und wenn ja, bedeutet dies ein mögliches zukünftiges „Jedi-Rittertum“ in Deutschland?
Wenn anfangs gesagt wurde, dass viele Theologen keine mögliche „Bedrohung“ der tradierten Religion durch das Kino befürchten dürften, dann kann das englische Phänomen zumindest noch einmal zum Nachdenken anregen. Zwar lässt sich noch argumentieren, dass Deutsche schließlich keine Engländer seien, doch eine eventuelle „Gefahr“ der tradierten Religionen scheint näher als zuvor. Es gilt nun diese hypothetische „Bedrohung“ näher in den Blick zu fassen, um ihr, wenn nötig, entgegenwirken zu können. Hier setzt die vorliegende Arbeit an.

Unter dem Titel: „Möge die Macht mit Dir sein...“. Sinnsuche und jugendliche Religiosität am Beispiel der „Star Wars“-Religion - eine Herausforderung für den Religionsunterricht soll die besondere Wirkung dieser Filme auf Jugendliche und junge Erwachsene in der Phase der Sinn- und Religionssuche analysiert werden.
In der dreigliederigen Arbeit wird dabei zunächst dargestellt, wie sich Sinnsuche und Religiosität im Jugendalter vollziehen. Neben theoretischen Aspekten werden auch empirische Daten, hauptsächlich der deutschen Shell-Jugendstudien entnommen, zur Darstellung genutzt. Da „Sinnsuche“ und „Religiosität“ keine einfach definierbaren Begriffe sind und „Jugend“ keine kategorisierte Größe bezeichnet, ist dieser Bereich des ersten Teils recht ausführlich, um die Ausdrücke bestmöglich auszuleuchten.
Es folgt die Beschreibung des Star-Wars-Epos. Neben filmischen Daten und einer kurzen Entstehungsgeschichte werden, auf der Basis der Videofilme, die Inhalte der fünf bisher erschienenen Episoden wiedergegeben. Vorher werden jedoch die wichtigsten Begriffe zur Entlastung der Inhaltsangabe geklärt.
Der zweite Abschnitt der Arbeit verknüpft nun beide Aspekte des ersten Teils, indem er die Wirkung der Star-Wars-Filme auf Jugendliche fokussiert. Dazu werden der Inhalt und seine Strukturierung, ebenso wie dessen visuelle Umsetzung anhand einiger Beispiele analysiert. Darauf aufbauend wird verdeutlicht, weshalb Jugendliche sich möglicherweise davon angesprochen fühlen.
Dieser Teil der Arbeit enthält zwei Exkurse. Der erste dient einer Deutung des Kinos als spiritueller Kultort im Sinne der eingangs genannten These. Im zweiten Exkurs wird dann ein Blick auf kritisierte Motive der Filmsaga geworfen. Vor allem der letzte Exkurs ist für diese Arbeit nicht essentiell nötig, aber im Kontext interessant zu lesen.
Im letzten Teil der Arbeit geht es dann um die mediale Herausforderung des Religionsunterrichtes durch „Star Wars“. Zunächst wird theoretisch angerissen, wie die Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler von den Filmen beeinflusst werden. Dann wird, ebenfalls auf theoretischen Überlegungen basierend, ein möglicher Einsatz für den Religionsunterricht der Klassen 7-10 entworfen. Diese Klassenstufen werden ausgewählt, da sie am ehesten dem Zielpublikum der Filme entsprechen.
Die Literatur, die dieser Arbeit zugrunde liegt, entstammt diverser Bereiche.
Neben hermeneutischer Literatur zum Thema „Sinnsuche und jugendliche Religiosität“ aus den Bereichen der Soziologie, Religionspädagogik und Religionswissenschaft wird für den ersten Bereich, wie schon erwähnt, empirisches Material verarbeitet. Bei der Auswahl sind die Kriterien Aktualität, Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit maßgeblich.
Die Beschreibung des Star-Wars-Epos wird anhand meist positiv oder negativ propagierender Literatur vorgenommen, da es kaum wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema gibt. Die Eckdaten werden verglichen und zeichnen dann die Entstehungsgeschichte der Filme nach, ohne die Filme einer Wertung zu unterziehen. Auch die Beschreibung der wichtigsten Begriffe wurde hier entlehnt. Für die Inhaltsangabe selbst werden die einzelnen Filmversionen an sich zu Grunde gelegt.
Im Hauptteil der Arbeit wird neben der Literatur, die bisher angesprochen wurde, vor allem ein Buch verwendet: „A hero with a thousand faces“. Dieses Buch des amerikanischen Mythenforschers Joseph Campbell aus dem Jahr 1949 diente Lucas als Vorlage zu Strukturierung seiner Filme und ist daher von besonderer Wichtigkeit bei der Analyse der Filme. Auch kommen in diesem Teil einige religionswissenschaftliche Arbeiten zum Thema „Star Wars“ zum Tragen, die nicht so selten sind, wie man vielleicht annehmen möchte.
Im letzten Teil der Arbeit wird hauptsächlich Literatur verwendet, die sich speziell mit dem Thema Religionsunterricht auseinandersetzt. So werden die Niedersächsischen Rahmenrichtlinien mit einbezogen, aber auch Verlautbarungen der Deutschen Bischofskonferenz.
Diese hatte sich in einer 1996 erschienenen Schrift kritisch zu dem steigenden Einfluss der Medien auf Jugendliche geäußert. Die Medien seien die Konkurrenz der Schule, was die Vermittlung von Werten und Wirklichkeitsvorstellung anginge. 7
Hieraus begründet sich zum Teil auch meine Motivation bezüglich des Themas dieser Arbeit. Als zukünftige Religionslehrerin am Gymnasium werde ich mich mit diesen medial beeinflussten Schülerinnen und Schülern auseinandersetzen müssen.
Ebenso wie der Religionspädagoge Friedrich Schweitzer sehe ich die erste Aufgabe der Religionspädagogik darin, eine mögliche religiöse Orientierung der Schülerinnen und Schüler genau wahrzunehmen.
Die Star-Wars-Filme können hierbei einen exemplarischen Stellenwert einnehmen, da sie, zumindest in England, schon einen gewissen Einfluss gezeigt haben.
Doch das Wahrnehmen allein reicht nicht aus. Eine zukünftige Religionslehrerin oder ein zukünftiger Religionslehrer muss auch mit massenwirksamen Medien umzugehen wissen. Erst die Fähigkeit die Wirkungsweise dieser Medien zu erkennen, lässt auch Gegenmaßnahmen zu.
Zuletzt soll nicht verschwiegen werden, dass eine rein persönliche Motivation bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema mitschwingt. Als ich zum ersten Mal eine der Filme sah, war ich etwa 15 Jahre alt und sofort fasziniert. Die Filme dieser Reihe gehören zu denen, die man sich immer wieder ansehen kann. Ebenso wie die meisten meiner Bekannten stürmte auch ich 1999 ins Kino, als die neue Trilogie startete und war wieder begeistert. Auch die Kinovorschau auf die neuen Episoden löst bei mir starke Emotionen wie Spannung und Freude aus. Wenn ich in meiner Familie mit meinen älteren Geschwistern, die zur Zeit des Erscheinens der ersten Trilogie in der Pubertät waren, über die Filme rede, dann verbindet uns das. Auch mein ältester Neffe, der gerade 16 Jahre ist, kommt dann hinzu, da er Fan der neuen Episoden ist.
Wenn ich also in dieser Arbeit die Wirkung filmischer Mittel auf die Zuschauer analysiere, dann auch, weil mich die Wirkung der Filme auf meine Person, meine Familie und meinen Bekanntenkreis interessiert.

2. Sinnsuche und Religiosität im Jugendalter

Bevor der Blick auf Sinnsuche und Religiosität im Jugendalter gerichtet werden kann, muss eine kurze Erläuterung des Ausdrucks „Jugend“ gegeben werden, da er die Grundlage bildet, auf der die Bereiche Sinnsuche und Religiosität ausgebreitet werden sollen.

[...]


1 Seeßlen, Georg, Global Dream Play, Hollywood am Beginn des nächsten Jahrhunderts, 22 in: epd Film 1/2000, 18-25

2 Vgl. UK National Statistic Online, Census 2001, 390,000 Jedis There Are, http://www.statistics.gov.uk/cci/nugget_print.asp?ID=297, Download vom 28.05.2004

3 Ebd.

4 Vgl. UK National Statistics Online, Census 2001, http://www.statistics.gov.uk/census2001/pdfs/section5part3.pdf, Download vom 16.04.2004

5 Vgl. UK National Statistic Online, 390,000 Jedis

6 Hurrelmann, Klaus, Lebensphase Jugend, Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung, Weinheim und München 72004, 8

7 Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg), Die bildende Kraft des Religionsunter-richts, Zur Konfessionalität des katholischen Religionsunterrichts, Bonn 1996, 5

8 Vgl. Schweitzer, Friedrich, Die Suche nach eigenem Glauben, Einführung in die Religions-pädagogik des Jugendalters, Gütersloh 21998, 7


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