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Interkulturelle Erziehung

Termpaper, 2003, 26 Pages
Author: Silvana Lehmann
Subject: Pedagogy - Intercultural Pedagogy

Details

Institution/College: University of Erfurt
Tags: Interkulturelle, Erziehung
Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 26
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V31141
ISBN (E-book): 978-3-638-32229-4
ISBN (Book): 978-3-638-65117-2
File size: 282 KB

Abstract

Interkulturelle Erziehung geht nicht nur von einem Kulturbegriff aus und meint nicht nur die geistige Kultur einer Gesellschaft, sondern auch die Alltagskultur, also den tagtäglichen Umgang der Menschen miteinander. Dabei orientiert sie sich an den universellen Menschenrechten, versucht die Gleichheit aller Menschen und Kulturen anzuerkennen. Verschiedenste Fachtermini werden mit dem Begriff in Beziehung gesetzt. So zum Beispiel Rassismus, Verfolgung, Asyl, Fremdenfeindlichkeit, Migration, Sitten, Brauchtum, Kunst, Musik, Tradition, multikulturelle Gesellschaft, Sprachförderung, Erziehung, Akzeptanz und Integration. Aber auch aufklärerischer Begriffe wie Mündigkeit, Vernunft, gleiche Bildung für alle, Toleranz, Chancengleichheit und Emanzipation steht im Zentrum interkultureller Erziehung. Der Terminus entwickelte sich aus der Ausländerpädagogik. Einsicht und Erfahrung zeigten, dass ehrenamtliche Bemühungen in „Hausaufgabenhilfen“ keine angemessene Hilfe zur Förderung und Integration ausländischer Kinder darstellte und führte zu Veränderungen in diesem Bereich. Zum einen kam es zu einer Erweiterung des Arbeitsfeldes sowohl im Kindergartensektor als auch im Umgang mit ausländischen Erwachsenen. Zum anderen kam man zu der Erkenntnis, dass Ausländerpädagogik keine Sonderpädagogik für Ausländer sein könne. Vielmehr müsse man sich auch an die „Inländer“, also die Deutschen wenden, da viele Aufgaben nur im dialogischen Miteinander zu bewältigen wären. Da der Terminus „Ausländerpädagogik“ diese Inhalte nur ungenügend und missverständlich widerspiegelt, werden heute zunehmend die synonymen Begriffe „interkulturelle Erziehung“ und „interkulturelle Pädagogik“ verwendet (Sayler, 1997, Seite155). Ausgehend vom Alltag und dem Leben in dieser multikulturellen Gesellschaft, orientiert sich interkulturelle Erziehung der derzeitigen Lebenswelt und thematisiert das Verhältnis zum „Fremden“. Dabei sind alle Menschen nicht Vertreter einer vermeintlichen Herkunftskultur, sondern Menschen mit persönlichen, spezifischen, familiären und kulturellen Prägung. Mit dem Begriff wird gezeigt, dass jeder die Achtung, Toleranz und Gleichwertigkeit zwischen mir und dem „Fremden“ erbringen muss. Es verschweigt, bagatellisiert oder verbreitet Rassismus nicht, sondern vermittelt durch tägliches Handeln, dass Rassismus menschenverachtend und zerstörerisch ist.


Excerpt (computer-generated)

Interkulturelle Erziehung

von: Silvana Lehmann

Semesteranzahl: 3

 


Inhaltverzeichnis

1. Begriff „Interkulturelle Erziehung“ 2

1.1. Allgemeine Begrifflichkeit 2
1.2. Begrifflichkeit nach Auernheimer und Nieke 3

2. Zielstellung 5

2.1. Allgemeine Zielsetzung 5
2.2. Zehn Ziele Interkultureller Erziehung und Bildung (nach Nieke) 7
2.3. Fünf Ansätze der Interkulturellen Erzeinung (nach Auernheimer) 14

3. Interkulturelle Erziehung in der Schule 17

3.1. Diskussion in den Erziehungswissenschaften 17
3.2. Institutionalisierungsmöglichkeiten in der Schule 18
3.3. Konkretisierung: Gestaltung der Schulpraxis 20

4. Montessori – Pädagogik und Grundlegung interkultureller Erziehung 23

4.1. Pädagogische und didaktische Prinzipien und Formen 23 der Montessori – Pädagogik in der Perspektive interkultureller Erziehung

5. Quellen 25

 


1. Begriff „Interkulturelle Erziehung“

1.1. Allgemeine Begrifflichkeit

„Interkulturelle Erziehung soll Umgang mit Differenzen zwischen unterschiedlichen Orientierungssystemen einüben, um so dem Missverstehen fremder Verhaltensweisen und den daraus resultierenden Konfliktsituationen vorzubeugen. Deshalb muss unter der Perspektive einer antirassistischen Erziehung auch gefragt werden, inwieweit neben einer Sensibilisierung für das Fremdbild eine notwendige Selbstbetrachtung und kritische Relativierung der eigenen Position stattfindet.“ (www.waxmann.com/kat/444.html)

Interkulturelle Erziehung geht nicht nur von einem Kulturbegriff aus und meint nicht nur die geistige Kultur einer Gesellschaft, sondern auch die Alltagskultur, also den tagtäglichen Umgang der Menschen miteinander. Dabei orientiert sie sich an den universellen Menschenrechten, versucht die Gleichheit aller Menschen und Kulturen anzuerkennen. Verschiedenste Fachtermini werden mit dem Begriff in Beziehung gesetzt. So zum Beispiel Rassismus, Verfolgung, Asyl, Fremdenfeindlichkeit, Migration, Sitten, Brauchtum, Kunst, Musik, Tradition, multikulturelle Gesellschaft, Sprachförderung, Erziehung, Akzeptanz und Integration. Aber auch aufklärerischer Begriffe wie Mündigkeit, Vernunft, gleiche Bildung für alle, Toleranz, Chancengleichheit und Emanzipation steht im Zentrum interkultureller Erziehung.
Der Terminus entwickelte sich aus der Ausländerpädagogik. Einsicht und Erfahrung zeigten, dass ehrenamtliche Bemühungen in „Hausaufgabenhilfen“ keine angemessene Hilfe zur Förderung und Integration ausländischer Kinder darstellte und führte zu Veränderungen in diesem Bereich. Zum einen kam es zu einer Erweiterung des Arbeitsfeldes sowohl im Kindergartensektor als auch im Umgang mit ausländischen Erwachsenen. Zum anderen kam man zu der Erkenntnis, dass Ausländerpädagogik keine Sonderpädagogik für Ausländer sein könne. Vielmehr müsse man sich auch an die „Inländer“, also die Deutschen wenden, da viele Aufgaben nur im dialogischen Miteinander zu bewältigen wären. Da der Terminus „Ausländerpädagogik“ diese Inhalte nur ungenügend und missverständlich widerspiegelt, werden heute zunehmend die synonymen Begriffe „interkulturelle Erziehung“ und „interkulturelle Pädagogik“ verwendet (Sayler, 1997, Seite155).
Ausgehend vom Alltag und dem Leben in dieser multikulturellen Gesellschaft, orientiert sich interkulturelle Erziehung der derzeitigen Lebenswelt und thematisiert das Verhältnis zum „Fremden“. Dabei sind alle Menschen nicht Vertreter einer vermeintlichen Herkunftskultur, sondern Menschen mit persönlichen, spezifischen, familiären und kulturellen Prägung. Mit dem Begriff wird gezeigt, dass jeder die Achtung, Toleranz und Gleichwertigkeit zwischen mir und dem „Fremden“ erbringen muss. Es verschweigt, bagatellisiert oder verbreitet Rassismus nicht, sondern vermittelt durch tägliches Handeln, dass Rassismus menschenverachtend und zerstörerisch ist.

Kinder wachsen heute immer selbstverständlicher in der Vielfalt der multikulturellen Gesellschaft auf. Ob im Kindergarten, auf dem Spielplatz, im Sportverein, in öffentlicher Einrichtung, die multikulturelle Gesellschaft findet überall statt. Kinder deutscher Eltern, binationaler Kinder, Kinder aus Migrantenfamilien, Kinder, die mit ihren Eltern aus dem Heimatland fliehen mussten und viele andere treffen überall zusammen. Als Kleinkinder sind sie allen und allem gegenüber aufgeschlossen und unvoreingenommen. Und dennoch übernehmen sie im Laufe der Zeit die Vorurteile und Wertigkeiten der Erwachsenen und erleben Rassismus und Diskriminierung als etwas Alltägliches. Sie spüren schnell, was Beachtung findet, was wertvoll und wichtig betrachtet wird und was unwichtig ist. Die Vielfalt ihrer Umgebung finden sie weder in ihren Kinderzimmern noch in ihren Bilderbüchern oder Spielsachen, da diese leider nicht die gesellschaftliche Realität widerspiegeln, sie lernen höchstens, wie Kinder in anderen Ländern leben aber nichts über ihre eigene multikulturelle Gesellschaft. Hier gilt es anzusetzen. Interkulturelle Erziehung richtet sich daher gleichermaßen an deutsche, nichtdeutsche und binationale Kinder. Sie geht von der Parität der Kinder aus und erkennt sie als eigenständige Persönlichkeiten mit individuellen Merkmalen an. Die Kinder erfahren Vielfalt als etwas Selbstverständliches und Positives, das oft spannende, manchmal schwierige, aber auch überraschende Anregung für das Miteinander und für die eigene Entwicklung bieten kann.

1.2. Nach Auernheimer und Nieke

In dem Buch „Einführung in die Interkulturelle Erziehung“ versucht Auernheimer die Begriffe „Multikulturell“ und „Interkulturell“ zu erläutern, um die Diskussionen in den Erziehungswissenschaften näher zu deuten. Der Begriff „multikulturelle Erziehung“ wurde in den frühen 70 er Jahren in den Vereinigten Staaten gebraucht. Während der Terminus „Interkulturelle Erziehung“ in den späten 70 er Jahren in der Bundesrepublik verwendet wurde. In Deutschland sind beide Begrifflichkeiten in die pädagogische Fachterminologie eingegangen. Auch wenn verschiedene Autoren eine Differenzierung der Begriffe bevorzugen, ist Auernheimer der Ansicht: „Unabhängig von dem scholastisch anmutenden Disput über die normative oder deskriptive Bedeutung ist die Einsicht wichtig, dass die Anwesenheit ethnischer Minderheiten noch nicht mit einer multikulturellen Gesellschaft gleichbedeutend ist, die diesen Namen verdient. Vielmehr kommt es auf das Selbstverständnis der Gesellschaft an, auf ihr Wertesystem, auf den multikulturellen Charakter der Institution. [...] Festzuhalten bleibt zur Begriffsverwendung, dass im angelsächsischen Bereich ausschließlich der Begriff ‚multicultural education’ üblich ist, während im frankophonen Bereich von der ‚education interculturelle’ die Rede ist. In die deutsche pädagogische Fachsprache haben beide Bezeichnungen Eingang gefunden. Daneben ist für ein Alternativkonzept zur interkulturellen Erziehung der Begriff der ´bikulturellen Bildung´ oder auch ‚bikulturellen Erziehung’ in die Diskussion eingeführt worden.“ (Auernheimer, 1990, Seite 2)
Für Wolfgang Nieke ist „Interkulturelle Erziehung und Bildung“ die „Antwort auf die Anforderungen der multikulturellen Gesellschaft“. Die Entwicklungen in der Gesellschaft erfordern eine Antwort in Bildung und Erziehung. Nieke verweist auf die Entwicklung in anderen Ländern Europas und den USA und unterscheidet dabei „fünf Phasen der Entwicklung in der Konzeptualisierung von ‚Ausländerpädagogik’ und ‚interkultureller Erziehung’ in der Bundesrepublik Deutschland“. In diesem Zusammenhang siedelt Nieke den Begriff „Interkulturelles Lernen“ ganz nahe beim Begriff „Interkulturelle Erziehung“ an. Der Terminus „Interkulturelles Lernen“ hat den Vorteil in freier und neutraler Weise den Verlauf des Lernens über die Schranken von Kulturen und Lebenswelten hinweg zu benennen. Dagegen kann der Begriff „Interkulturelle Erziehung“ auf die methodische Anordnung und Zusammenstellung begrenzt und betont werden, mit dem „Interkulturelles Lernen“ ermöglicht und gefördert werden soll. „Interkulturelles Lernen“ ist Lernen in einer multikulturellen Gesellschaft und will allen Teilen in dieser Gesellschaft Platz einräumen.

2. Ziele

2.1. Allgemeine Zielsetzung

[...]


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