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Polysemie und Homonymie im Französischen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 25 Pages
Author: Hanna M. Stoll
Subject: Romance Languages - French Linguistics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 25
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 25  Entries
Language: German
Archive No.: V31445
ISBN (E-book): 978-3-638-32455-7
ISBN (Book): 978-3-638-65128-8
File size: 218 KB

Abstract

Die Arbeit „Polysemie und Homonymie im Französischen“ untersucht die zwei erwähnten Phänomenen Polysemie und Homonymie der lexikalischen Semantik. Bezogen auf die Erscheinungsformen der sprachlichen Ambiguität beschränke ich mich auf den Bereich der lexikalischen Mehrdeutigkeit und spare die strukturelle Mehrdeutigkeit aus. Auch wenn Polysemie und Homonymie nicht ausschließlich im Französischen vorkommen, dient diese Sprache, und hier insbesondere das Französische der Gegenwart, dennoch als Grundlage für die vorliegende Arbeit, da sie einen recht hohen Grad an homonymen und polysemen Begriffen aufweist.


Excerpt (computer-generated)

Humboldt Universität zu Berlin

Polysemie und Homonymie im Französischen

von

Marthe Stoll

2004

1. Einleitung  3

2. Lexikalische Ambiguität  4
2.1 Definition des Begriffes Polysemie  5
2.1.1 Arten der lexikalischen Polysemie  6
2.1.2 Entstehung polysemer Strukturen  9
2.1.3 Schutzmaßnahmen für pathologische Fälle von Polysemie  11
2.2 Definition des Begriffes Homonymie  12
2.2.1 Entstehung homonymer Strukturen  15
2.2.2 Schutzmaßnahmen für pathologische Fälle von Homonymie  16
2.3 Mehrdeutigkeit als Stilmittel  18
2.4 Abgrenzung von Polysemie und Homonymie  20

3. Zusammenfassung  22

4. Quellenverzeichnis  24
4.1 Bibliografie  24
4.2 Internetquellen  25

 

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit „Polysemie und Homonymie im Französischen“ werde ich mich mit den zwei erwähnten Phänomenen Polysemie und Homonymie der lexikalischen Semantik beschäftigen und mich, bezogen auf die Erscheinungsformen der sprachlichen Ambiguität, auf den Bereich der lexikalischen Mehrdeutigkeit beschränken und die strukturelle Mehrdeutigkeit1 aussparen. Auch wenn Polysemie und Homonymie nicht ausschließlich im Französischen vorkommen, dient diese Sprache, und hier insbesondere das Französische der Gegenwart, dennoch als Grundlage für die vorliegende Arbeit, da sie einen recht hohen Grad an homonymen und polysemen Begriffen aufweist.2

Mein Vorgehen sieht folgendermaßen aus: Zunächst werde ich den Begriff der Polysemie definieren, die Arten der lexikalischen Polysemie mit mehreren Beispielen veranschaulichen, schließlich auf die Entstehung von polysemen Strukturen eingehen und Schutzmaßnahmen für pathologische Polysemiefälle anführen. Daraufhin werde ich versuchen eine adäquate Begriffsbestimmung der Homonymie zu geben, auch hier die Entstehung homonymer Strukturen erwähnen und Wege aus der Homonymie erläutern. Abschließend werde ich zeigen, dass es keineswegs einfach ist Polysemie und Homonymie sauber voneinander zu trennen, wie auch die Aussage des Linguisten Stephen Ullmann „[que] le mot français est essentiellement polysémique [et que] le français est une langue à homonymes“3 vermuten lässt. Denn ein homonymes Wort, zumindest im engeren Sinne, ist auch immer irgendwie polysem ist, da mehrdeutige Begriffe die Fähigkeit des Sprechers voraussetzen eben diese Begriffe richtig zu verwenden bzw. zu verstehen und somit „bei einer Gestalt mehrere Bedeutungen voneinander zu trennen“4. Es wird außerdem die Rede davon sein, dass sich die französische Sprachgemeinschaft im Falle von Polysemie und Homonymie, wo keine Eins-zu-Eins-Entsprechung zwischen Ausdrucks- und Inhaltsseite vorliegt, die sogenannte Asymmetrie des Sprachzeichens zunutzen macht und „für absichtliche Mehrdeutigkeiten [wie etwa Wortspiele und Kalauer] [ausnutzt]“5. In diesem Teil wird versucht eine Reihe von repräsentativen Beispielen anzuführen.

2. Lexikalische Ambiguität

Zunächst erscheint es sinnvoll zu erwähnen, dass im folgenden keine vollständig monosemen Begriffe zugrunde gelegt werden, dass also nicht die Rede davon sein wird, dass einer Inhaltsseite genau eine Ausdrucksseite entspricht, sondern dass es hier um mehrdeutige Begriffe und folglich um uneindeutige Beziehungen zwischen dem signifiant, der Ausdrucksseite, und dem signifié, der Inhaltsseite, geht. In der Regel trifft man auf ideale, monoseme Wörter in künstlichen (z.B. Programmiersprache, logischmathematische Formelsprachen) und agglutinierenden Sprachen (z.B. Türkisch, Japanisch) „aber auch in bestimmten Gruppen von ‘object-words’6, die ‘isoliert gebraucht werden können’“7, während gerade in natürlichen Sprachen, also in Sprachen, „die in ihrer Terminologie stark den jeweiligen Modetrends folg[en] [...] [und] damit eine hohe Flexibilität [aufweisen]“8, Polysemie, und somit die Asymmetrie von sprachlichen Zeichen ein Kennzeichen der menschlichen Kommunikation ist.9 Unter Einfluss des französischen Philosophen, Logikers und Geistlichen Étienne Bonnot de Condillacs zog der Bischof von Autun, Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, seinerzeit noch eine Sprachreform in Erwägung, „die das Französische in ein schlagkräftiges politisches Idiom mit scharfen Trennungslinien zwischen den einzelnen Wortbedeutungen hätte verwandeln sollen“10, um die bei der Mehrdeutigkeit auftretenden Störungen zu vermeiden. Doch Friedrich II. betrachtete schon damals die Fülle der Bedeutungen in der französischen Sprache, durch die eine besonders schwerfällige Ausdrucksweise vermieden wird, als Zeichen für den hohen kulturellen Wert des Französischen.11 Und auch heute noch kann die Ambiguität von Lexemen12 dadurch gerechtfertigt werden, dass es zur Natürlichkeit der Sprache und auch zu deren Ökonomie beiträgt.

[....]


1 Strukturelle Ambiguität entsteht, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, die Bedeutung eines Begriffes aus den Bedeutungen seiner Teile, die selbst nicht mehrdeutig sein müssen, zusammenzusetzen. Hierzu gehört zum Beispiel der deutsche Satz „Ich beobachte die Försterin mit dem Fernglas“, wo entweder das Ich die Försterin, die ein Fernglas besitzt, beobachtet, oder aber die Försterin von dem Ich mit einem Fernglas beobachtet wird. Vgl. hierzu: Egg, Markus. Mehrdeutigkeit. http://www.coli.uni-sb.de/~egg/m2.pdf, 2003

2 Vgl. Körner, Karl-Hermann. Einführung in das semantische Studium des Französischen. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1977. S. 28

3 Vgl. Körner. S. 28

4 Vgl. Körner. S. 28

5 Vgl. Pelz, Heidrun. Linguistik für Anfänger. Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag, 1975. S. 204

6 Solche object-words, die für sich alleine genommen einen kompletten Satz ausdrücken können und keinerlei andere Wörter verlangen, können durch Gegenüberstellung mit den Objekten „erlernt werden, die das Gemeinte selbst verkörpern oder beispielhaft dafür sind“. Hierzu gehören u.a. Eigennamen, Gattungsbezeichnungen für bekannte Tierarten und Farbbezeichnungen. Vgl. Ullmann, Stephen. Grundzüge der Semantik: Die Bedeutung in sprachwissenschaftlicher Sicht. Berlin: Walter de Gruyter & Co, 1967. S. 59f.

7 Vgl. Ullmann 1967. S. 59

8 Vgl. Umstätter, Prof. Walther. Natürliche Sprache. http://www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/infopub/semiothes/lexicon/default/dc7.html, April 2004

9 Vgl. Ullmann 1967. S. 163

10 Vgl. Ullmann 1967. S. 110

11 Vgl. Ullmann 1967. S. 110f.

12 Den Begriff „Lexem“ verstehen wir im folgenden in der Bedeutung von „Wort als lexikalische Einheit“.


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