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Aufstieg und Fall des Fürsten Lobkowitz - Die Biographie eines Günstlingsministers

Scholary Paper (Seminar), 2000, 26 Pages
Author: Geoffrey Schöning
Subject: History - Non-German

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2000
Pages: 26
Grade: 1,6
Language: German
Archive No.: V3148
ISBN (E-book): 978-3-638-11903-0

File size: 192 KB


Excerpt (computer-generated)

Aufstieg und Fall des Fürsten Lobkowitz - Die Biographie eines Günstlingsministers?

von Geoffrey Schöning

Inhalt

1. Einleitung 01

2. Der Aufstieg: vom Schlachtfeld in die Diplomatie 02
2.1. Schlüssel zum Erfolg? Eine Charakterstudie Leopold I. 03
2.2. Züge eines Potentaten? Lobkowitz und sein Auftreten 04

3. Entscheidende Wende: die Rivalität zu Auersperg 05
3.1. Verkannter Souverän? Leopolds Wunsch nach Selbstregierung 06
3.2. Im Schulterschluss mit Frankreich? Der Sturz des Auersperg 07

4. Isoliert an der Spitze: Lobkowitz auf der Höhe seiner Macht 09
4.1. Allein durch die Gunst des Kaisers? Die Macht von Amtswegen 11
4.2. Frankreich um der Freundschaft willen? Lobkowitz′ politischen Motive 12

5. Der Fall: mit dem Umschwung der Politik das persönliche Aus 13
5.1. Kritik rein politischer Natur? Höflinge im Kampf gegen den Fürsten 15
5.2. Unerwartetes Ende? Die Verbannung aus Wien 16

6. Historische Vorbilder: Favoriten in der Wissenschaft 17

7. Strippenzieher oder kaiserliche Marionette? Ein Fazit 19

8. Bibliographie 21
8.1. Quellen 21
8.2. Darstellungen 21


1. Einleitung

L′empereur n′est pas comme votre roi, qui voit et fait tout de lui-même; car il est comme une statue que l′on veut et que l′on redresse à son plaisir.
Ein freimütiger Ausdruck der Bewunderung an den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. Dieses Zitat stammt nicht etwa aus dem Munde eines unbedeutenden Diplomaten, formuliert wurde es von einem Staatsmann ersten Ranges: Fürst Wenzel Eusebius Lobkowitz, zu jenem Zeitpunkt Obersthofmeister und engster Berater des Römischen Kaisers. In den Jahren seiner Präsenz sollte sich das Haus Habsburg für eine kurze Zeit Frankreich annähern, sollte Österreich dem französischen König freie Hand in seiner Hegemonialpolitik lassen.
Behauptet der Minister hier also mit Fug und Recht, den Kaiser nach Belieben zu dirigieren - vielleicht sogar im Format eines Richilieus oder Mazarins? Wie groß war der Einfluss des böhmischen Adligen wirklich? Diese Frage soll das Thema der vorliegenden Arbeit sein. Sie beschäftigt sich mit einem Aspekt der Geschichtswissenschaft, der erst vor rund 30 Jahren mit der Arbeit des Soziologen Norbert Elias reges Interesse fand: Die höfische Gesellschaft. Einhergehend mit der Neubeurteilung des Hofes in seiner politischen, sozialen und kulturellen Bedeutung, wurde auch die Rolle der informellen Machtverteilung neu bewertet. Gegen die Eliassche These vom "Hof als Herrschaftsinstrument des Königs" meldeten sich bald Kritiker zu Wort. Die Aristokratie ziehe ebenso Vorteile aus der Nähe zum Herrscher, so ihre einhellige Meinung, nicht zuletzt durch direkte Einflussnahme auf die Politik.
Eben diese Einflussnahme von Seiten des Beherrschten, von Lobkowitz auf Kaiser Leopold I., soll hier untersucht werden. Anhand seiner Biographie werden im Folgenden Grenzen und Möglichkeiten seiner Macht aufgezeigt: Angefangen bei dem Charakter seines Kaisers, über die Grundsätze seiner Politik bis hin zu persönlichen Gegenspielern des Fürsten.. Im Anschluss gibt ein Kapitel über allgemeine Merkmale des Favoriten- und Günstlingswesens Auskunft. Mit dieser Information als Vergleichsquelle soll dann schließlich abgeschätzt werden, inwiefern der Titel "Günstlingsminister" mit all seinen Konnotationen für das Wirken des Lobkowitz gerechtfertigt ist.

2. Der Aufstieg: vom Schlachtfeld in die Diplomatie

Wie die Karrieren so vieler anderer prominenter Köpfe am Kaiserhof begann auch die des Fürsten Lobkowitz in den Reihen der kaiserlichen Armee. Grundlage für seinen kometenhaften Aufstieg innerhalb dieser "avenue of advancement" war sicherlich der 30-jährige Krieg, der Lobkowitz als böhmisch stämmigen Adligen natürlich in ganz besonderem Maße betraf. Nach seinem Eintritt in die Dienste Ferdinands II. dauerte es denn auch nicht lange, bis der jugendliche Oberst zum Vizepräsidenten des Hofkriegsrates ernannt wurde (1644). Und nur 6 Jahre später erhielt er sogar das Präsidium dieser Institution zugesprochen, damit gleichzeitig die Oberhoheit über die Beziehungen zum Osmanischen Reich und die Verteidigung der böhmisch-ungarischen Grenzen.
In Verbindung mit seiner Position als zweiter Geheimer Rat des Kaisers, mittlerweile Ferdinand III., und einer sehr einträgliche Heirat mit der Pfalzgräfin Auguste Sophie von Sulzbach ging Lobkowitz schließlich aus den Wirren des 30-jährigen Krieges als einer der wohlhabendsten und einflussreichsten Edelleute Österreichs hervor - ein Blick auf seine Titel soll hier genügen: Herzog von Sagan, Fürst und Regierer des Hauses Lobkowitz, gefürsteter Graf zu Sternstein, Herr zu Chlumetz, Raudnitz usw.
Der eigentliche Grundstein für seine Karriere wurde allerdings erst im Jahre 1657 gelegt. Nach dem unerwarteten Tode des Thronfolgers Ferdinand IV. und schließlich auch dem seines regierenden Vaters, war die schwierige Führung der Casa d′Austria an den jüngsten Filius, Leopold Ignatius gefallen. Die Situation schien denkbar ungünstig: Frankreich und Schweden, die Garantiemächte des Westfälischen Friedens, hatte ihren Einfluss im Reich weiter ausgedehnt, und besonders die protestantischen Reichsstände beäugten die Habsburger und ihre strikte Rekatholisierungspolitik mit Misstrauen. Die Wahl Leopolds zum deutschen Kaiser war also mehr als gefährdet. Um die Sache der Habsburger voran zu bringen, wurden diplomatische Gesandtschaften an die Höfe der Kurfürsten geschickt - an deren Spitze: Lobkowitz, überdies als Kopf der böhmischen Wahlbotschaft fungierend. Mit Bestechung und weitreichenden Versprechen schaffte er es, die entscheidenden Stimmen der rheinischen Kurfürsten, darunter die des Erzbischofs Johann Philipp von Mainz, für Leopold zu gewinnen. Der Weg zur Kaiserwahl nach Frankfurt war endlich geebnet - wenn er sich auch als dornig präsentierte: Um die ängstlich auf ihre Unabhängigkeit bedachten Kurfürsten zu besänftigen, musste Leopold einer Wahlkapitulation zustimmen, die die Machtposition des Kaisers gegenüber den Reichsständen noch weiter einschränkte und "diese in der That zu dem ‚Schatten eines großen Baumes′ [machte], wie sie die Spanier zur Zeit Carl′s V. genannt hatten". Dennoch: Am 18. Juli1658 wurde Leopold I. "durch Gottes Gnaden gewählter Römischer Kaiser Deutscher Nation und Mehrer des Reiches" - der erste Erfolg seiner Regierung. Nicht zuletzt dank der diplomatischen Erfolge seines Unterhändlers Lobkowitz.
Der endgültige Aufstieg des böhmische Adligen in die Gunst des Kaisers sollte aber noch auf sich warten lassen. Erst nach dem Tode des Grafen Johann Ferdinand von Portia, dem Erzieher und Vertrauten Leopolds seit Kindertagen, avancierte Lobkowitz zu einem der ersten Berater um den unsicheren Herrscher.

[...]


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