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Geschichtsfiktion in der postmodernen Literatur

Scholary Paper (Seminar), 2004, 16 Pages
Author: Anne Axmacher
Subject: English Language and Literature Studies - Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 16
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V31954
ISBN (E-book): 978-3-638-32814-2

File size: 215 KB


Excerpt (computer-generated)

Geschichtsfiktion in der postmodernen Literatur

von: Anne Axmacher

Fachsemester: 6

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1

2. Das Verhältnis von Historiographie und Literatur 1

3. Dekonstruktion von Objektivität und Wahrheit in der Geschichtstheorie 2

4. Sinndekonstruktion in der postmodernen Literatur 4

4.1 Postmoderne Weltanschauung 4
4.2 Postmodernes Erzählen 4

5. Tom Stoppards Travesties 5

5.1 Inhaltsabriss 5
5.2 Gattungseinordnung 6
5.3 Die Fiktionalisierung der Geschichte 7

5.3.1 Formale Merkmale der Fiktionalisierung 7

5.3.1.1 Intertextualität 7
5.3.1.2 Metafiktionale Thematik 7

5.3.1.2.1 Konstruktcharakter der Geschichtsdarstellung 8
5.3.1.2.2 Subjektivität des Historikers 9
5.3.1.2.3 Gebundenheit an narrative Diskurse 9

5.3.2 Fiktionalisierung auf inhaltlicher Ebene 11

6. Schluss 11

Anhang: Literaturverzeichnis 12


 

1. Einleitung

Seit den sechziger Jahren sind Sinnkritik und Erkenntnisskepsis zunehmend zu Merkmalen der postmodernen Literatur geworden. Von dieser Bewegung wurde auch die gegenwärtige Geschichtsfiktion ergriffen. Im Bereich des Geschichtsdramas ist eine Entwicklung zu beobachten, die von Sinndekonstruktion bis zur Behauptung der Absurdität von Geschichte führt. Tom Stoppards Drama Travesties bildet innerhalb dieses Verlaufs einen Höhepunkt. Geschichtsfiktion ist sowohl der Literatur als auch der Historiographie zuzuordnen, da sie gattungsmäßig sowohl an Fiktion als auch an Geschichtsschreibung Anteil hat. Im folgenden wird daher zunächst auf das Verhältnis von Historiographie und Literatur eingegangen. Weiterhin wird die die Dekonstruktion von Objektivität und Wahrheit sowohl in der Geschichtstheorie der letzten Jahrzehnte als auch in der postmodernen Literatur dargestellt. Im Anschluss wird Tom Stoppards Travesties mithilfe der gewonnenen Erkenntnisse beleuchtet.

2. Das Verhältnis von Historiographie und Literatur

Geschichtsschreibung ist bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als Teil der Literatur angesehen worden. Historiographie wurde bis dahin nach Aspekten wie sprachlicher Vollendung und erzieherischem Wert beurteilt. Eine deutliche Unterscheidung zwischen Historiographie und Literatur entstand erst, als die Geschichtsschreibung für sich beanspruchte, allgemein gültige Wahrheiten über Ereignisse der Vergangenheit zu verbreiten. Die Trennlinie zwischen Historiographie und Literatur wurde verschärft durch die Bewegung des Modernismus und die zunehmende Wissenschaftlichkeit der Historiographie im 20. Jahrhundert. Die bisher gültigen Ansichten von den Differenzen geschichtlicher und literarischer Werke wurden in der Postmoderne tief erschüttert. Dies geschah sowohl innerhalb der Historik als auch durch Werke, welche als Hybride zwischen beiden Textgattungen anzusehen sind. Die Geschichtstheorie hat die traditionelle Differenzierung zwischen Historiographie und Literatur insofern unterlaufen, als sie den Konstruktcharakter und die Subjektgebundenheit historischer Erkenntnis in den Blick gerückt hat.1

3. Dekonstruktion von Objektivität und Wahrheit in der Geschichtstheorie

Vor über fünfzig Jahren wurde ein bedeutende Umbruch ausgelöst, infolgedessen die Geschichtstheorie zunehmend Ansichten der Postmoderne übernahm. Maßgeblich dazu beigetragen hat Robin G. Collingwoods Werk The Idea of History.2 Darin wehrt er sich gegen die Ansicht, durch das Studium von geschichtlichen Quellen gelange man zu objektiver Erkenntnis über vergangene Geschehnisse. Geschichtsschreibung könne nicht allein durch die Beschäftigung mit Quelltexten und deren Zusammensetzung erfolgen. Dies begründet Collingwood damit, dass historische Quellen nie ganz zuverlässig sind, sondern im Gegenteil meist unvollständig und selten widerspruchsfrei.3 Entscheidend für die Wende in der Geschichtstheorie ist neben den Zweifeln an der Objektivität historischer Erkenntnis außerdem der Vorwurf Collignwoods, die Geschichtsschreibung wolle sich Geltung verschaffen, indem sie historische Gegebenheiten mit einem universalen Sinn versehe. Einzelereignisse würden in einem Kontext darstellt, der mit einem fiktiven System gleichzusetzen sei.4 Nach Hayden White ist sich von der Vorstellung eines allgemein gültiger Sinns für die Weltgeschichte aufgrund einer Vielzahl möglicher Auslegungen von historischen Ereignissen zu lösen. Der Sinn von Geschichtsschreibung könne höchstens in der Verbreitung dieser unterschiedlichen Auslegungen begründet sein.5

Weiterhin beeinflusste Collingwood die neuere Historik dahingehend, dass er das Bewusstsein für Ähnlichkeiten in der Textentstehung von Literatur und Historiographie geschärft hat. Beide Gattungen haben diesbezüglich dieselben Prämissen zu erfüllen. Sowohl literarische als auch historische Werke müssten in der Darstellung logisch, konsistent und plausibel erscheinen, weshalb sich Geschischtsschreibung und Literatur gleicher erzählerischer Verfahren bedienen.6 Die Ansichten Collingwoods wurden in der Folgezeit durch andere Historiker indes verschärft. Das lässt sich einmal für den Konstruktcharakter von Geschichte feststellen. Während Collingwood die Ursache hierfür darin sieht, dass historische Quellen nie vollständig und widerspruchsfrei sind, geht Danto davon aus, die Konstruktion von Geschichte lasse sich grundsätzlich nicht vermeiden. Auch eine vollständige Chronik, die alle Geschehnisse tatsachengetreu und zuverlässig wiedergibt, verlange prinzipiell nach Konstruktion. Andernfalls fehle ihr die Einheitlichkeit, von der jede Geschichte lebt. Diese aber könne nur durch Strukturierung nach Sinnhaftigkeit und Auswahl nach Bedeutungsgehalt erreicht werden.7 Signifikanz besitzen geschichtliche Vorfälle jedoch nicht von sich aus. Ihre Bedeutung gewinnen sie vielmehr erst durch die Geschehnisse der darauf folgenden Zukunft. Historische Ereignisse hängen also grundsätzlich von gegenwärtigen Umständen ab.8 Geschichtsschreibung unterliegt folglich immer einer gewissen Subjektivität, die von der Selektion und Interpretation des Historikers herrührt.9 Eine weitere Schwierigkeit bezüglich der historischen Erkenntnis liegt für Danto in der Distanz zwischen erzählter Zeit und Zeitpunkt der Abfassung der Erzählung. Geschichte wird nicht aus der Sicht eines Zeitgenossen erzählt, sondern entsteht aus dem Rückblick des Historikers. Aufgrund der zeitlichen Entfernung sei es dem Berichterstatter wohl kaum möglich, Motive und Gedanken der Menschen aus vergangener Zeit authentisch wiederzugeben.10

[...]


1 Nünning 2001: 250 f.

2 Collingwood 1951

3 Ebd.: 257 - 261

4 Ebd.: 263 - 266

5White 1994: 154 f.

6 Collingwood 1951: 266 - 274

7 Danto 1965: 149

8 Ebd.: 168

9 Ebd.: 142

10 Ebd.


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