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Auswirkung der Zensurengebung auf die Lernmotivation - Alternative Formen der Leistungsbeurteilung zur Förderung der Lernmotivation

Examination Thesis, 2002, 108 Pages
Author: Benjamin Gill
Subject: Pedagogy - Pedagogic Psychology

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2002
Pages: 108
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 89  Entries
Language: German
Archive No.: V32151
ISBN (E-book): 978-3-638-32941-5

File size: 979 KB


Excerpt (computer-generated)

WISSENSCHAFTLICHE HAUSARBEIT
Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen
nach GHPO I vom 28.11.1979

Thema
Auswirkung der Zensurengebung auf die Lernmotivation
- Alternative Formen der Leistungsbeurteilung
zur Förderung der Lernmotivation

vorgelegt von

Benjamin Gill

eingereicht bei der
Pädagogischen Hochschule Heidelberg

Heidelberg, den 19.07.2002

 


„Es gibt keine Bildung ohne Anstrengung: Wer die Noten aus den Schulen verbannt, schafft Kuschelecken, aber keine Bildungseinrichtungen, die auf das nächste Jahrtausend vorbereiten“
(Roman HERZOG 1998, S. 4).

,,Jeder Mensch wird von dem Wunsch bewegt, die Dinge seines Lebens zu meistern; bei wem dies nicht der Fall ist, dessen Gemüt ist beschädigt worden. Der Wunsch nach der eigenen Meisterschaft als Antrieb für Bestleistungen ist aber nicht gleichzusetzen mit einem Konkurrenzsystem, das auf Verlierer zielt. Das Notensystem zielt auf Verlierer“
(Heide BAMBACH 1994, S. 109).

 

INHALTSVERZEICHNIS

INHALTSVERZEICHNIS ... 3

1. EINLEITUNG ... 6

2. ELEMENTARE MOTIVATIONSPSYCHOLOGIE ... 9
2.1. Motivationstheoretische Konzepte ... 10
2.1.1. Triebtheoretische Auffassung von Motivation ... 10
2.1.2. Neugiermotivation ... 11
2.1.3. Intrinsische kontra extrinsische Motivation ... 12
2.1.4. Anreiztheoretischer Ansatz ... 13
2.1.5. Entscheidungstheoretische Konzepte ... 13
2.2. Leistungsmotivation ... 14
2.2.1. Risikowahl- Modell nach ATKINSON ... 14
2.2.2. Die Attributionstheorie von WEINER ... 16
2.2.3. Selbstbewertungsmodell nach HECKHAUSEN ... 17

3. STELLENWERT DER MOTIVATION FÜR DAS LERNEN ... 19
3.1. Definition Lernmotivation ... 19
3.1.1. Modell nach HECKHAUSEN ... 19
3.1.2. Modell nach KRAPP ... 22
3.2. Abgrenzung der Lernmotivation von der Leistungsmotivation ... 24
3.3. Intrinsische Lernmotivation ... 25
3.3.1. Abgrenzung intrinsischer von extrinsischer Motivation ... 25
3.3.2. Effekte und Vorteile für das Lernen ... 26
3.4. Konzeptionen der intrinsischen Lernmotivation ... 27
3.4.1. Triebe ohne Triebreduktion ... 28
3.4.2. Zweckfreiheit ... 28
3.4.3. Optimalniveau von Aktivation oder Inkongruenz ... 28
3.4.4. Selbstbestimmung ... 29
3.4.5. Freudiges Aufgehen in einer Handlung ... 30
3.4.6. Handlungsziel ... 30
3.4.7. Analyse der Selbstbestimmungstheorie ... 31

4. LEISTUNGSBEURTEILUNG UND ZENSUREN ... 36
4.5. Geschichtlicher Überblick über den Leistungsbegriff und die Entstehung von Zensuren ... 36
4.6. Zur Funktion von Zensuren ... 39
4.6.1. Selektion und Stigmatisierung ... 41
4.6.2. Sozialisation ... 41
4.6.3. Kontrolle ... 42
4.6.4. Prognose ... 42
4.6.5. Information und Rückmeldung ... 42
4.6.6. Disziplinierung ... 43
4.6.7. Motivation/ Anreiz ... 43
4.6.8. Resümee ... 44
4.7. Theoretische Grundlagen des Beurteilens ... 44
4.3.1. Objektivität ... 45
4.3.2. Reliabilität ... 45
4.3.3. Validität ... 45
4.3.4. Resümee ... 46
4.8. Kritische Stellungnahme ... 46

5. EINFLUSS DER ZENSUREN AUF DIE LERNMOTIVATION ... 49
5.1. Zensurengebung und Selbstbestimmung ... 49
5.2. Korrumpierungseffekt bzw. Überveranlassungseffekt ... 53
5.3. Leistungsbeurteilung und Kausalattributionen ... 55
5.4. Zensuren als extrinsisches Motivationsinstrument ... 57
5.5. Ausblick ... 60

6. ALTERNATIVE BEURTEILUNGSFORMEN ... 62
6.1. Lehrerkommentare zu Noten ... 62
6.1.1. Kritische Stellungnahme ... 65
6.2. Benotung unter drei Bezugsnormen ... 65
6.2.1. Die soziale Bezugsnorm ... 66
6.2.1. Die sachliche Bezugsnorm ... 67
6.2.2. Die individuelle Bezugsnorm ... 70
6.2.3. Praktische Konsequenzen ... 73
6.3. Verbale Beurteilungen ... 75
6.3.1. Lernentwicklungsbericht ... 76
6.3.2. Kritische Stellungnahme ... 83
6.4. Schülerselbstbewertung ... 85
6.4.1. Formen der Selbstbeurteilung ... 86
6.4.2. Voraussetzungen für die Selbstbeurteilung ... 87
6.4.3. Dokumentation von Leistungen als Selbstbeurteilung ... 88
6.4.4. Grenzen der Selbstbeurteilung ... 88
6.4.5. Beispiele für Checklisten zur Selbstbeurteilung ... 89
6.4.6. Kritische Stellungnahme ... 90
6.5. Umgang mit Fehlern ... 91
6.5.1. Kritische Stellungnahme ... 94
6.6. Ausblick ... 95

7. ABSCHLIEßENDE BEMERKUNG ... 96

LITERATURVERZEICHNIS ... 100

ANHANG ... 107

 

1. EINLEITUNG
Motivation bildet eine entscheidende Grundlage für das Lernen. Ohne Motivation würden wir nicht lernen. Der Mensch besitzt den intrinsischen Wunsch, seine Umwelt zu erforschen und zu verstehen. Er hat die natürliche Anlage, lernen und sich weiterentwickeln zu wollen. Die Motivation zur aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt ist bereits im frühen Stadium der Entwicklung gegeben und braucht keine Anleitungen oder äußere Zwänge. Sie bildet die wesentliche Grundlage für den Erwerb kognitiver Fähigkeiten. Besonders sichtbar wird es bei den jungen Grundschülern, die mit einer immensen Begeisterung und Faszination in die Schule kommen, um Lesen, Schreiben und Rechnen erlernen zu wollen. Das Lernen vollzieht sich von nun an in einer institutionalisierten Form und die Schule wird zum Ort des Lernens. Aus einem begeisterten und motivierten „Lernen-Wollen“ in den Anfangsjahren der Schulzeit wird in der Folge nicht selten ein wenig begeistertes und unmotiviertes „Lernen-Müssen“.
In meiner Arbeit möchte ich einen zentralen Punkt hervorheben, der wesentlichen Einfluss auf die Motivation und somit auch auf das Lernen hat. Leistungsbeurteilung, die sich in den meisten deutschen Schulen in Form einer Zensurengebung vollzieht, spielt meiner Meinung nach eine große Rolle in diesem Prozess. Das Lernen der Schüler wird in der Schule beurteilt und bewertet und mit einer Note dokumentiert.
Die zentrale Frage meiner Arbeit ist, welchen Einfluss diese Bewertung auf die Motivation und somit auf das Lernverhalten nimmt? Inwiefern greifen die Noten in den Lernprozess des Schülers ein? Inwieweit hemmen sie die Motivation und die effektive Lernleistung? Darf man die Zensurengebung absolut verurteilen oder kann sie sogar lernfördernd sein?
Meine persönlichen Erfahrungen mit der Zensurengebung führten im Laufe meiner Schulkarriere zu einer immer stärker werdenden Aversion gegen dieses System. Gerade im Rückblick auf meine Schulzeit hat sich die Schule vielmehr als ein Jagdterritorium nach guten Noten denn als ein Ort lustvollen und begeistert, motivierten Lernens in meiner Erinnerung gefestigt.

Schon Sir Karl POPPER beklagte 1975 die zu Karriereschlüsseln hochstilisierten Noten, weil „... dem Studenten nicht wirkliche Liebe für den Gegenstand und die Forschung eingeflößt wird, sondern weil er angeleitet wird, sich nur so viel an Wissen anzueignen, als zur Bewältigung der (Noten-) Hürden (...) unbedingt notwendig ist“ (VIERLINGER 1996, S. 29).
Beobachte ich Schüler während sie sich über einen Leistungstest oder eine Klausur unterhalten, so steht in ihren Gesprächen fast immer die Note im Vordergrund. Der Lerninhalt des Testes bzw. der Klausur wird kaum angesprochen und spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Schüler vergleichen die Anzahl der korrekten Aufgaben, zählen ihre Punkte zusammen und vergleichen ihre daraus erzielten Zensuren. Die Aufmerksamkeit wird vom Lernstoff abgelenkt und der Schüler lernt nicht mehr für die Sache, sondern um eine gute Zensur zu erzielen.
An dieser Stelle verlagert sich die Motivation in eine andere Dimension. Intrinsische Motivation wird behindert, da der Schüler seine Aufmerksamkeit auf die Zensur richtet. Wie selbstverständlich und gewöhnlich dies für die Mehrzahl der Schüler ist, macht folgende Schüleraussage deutlich:
„Eines Tages saß ich in der Pausenhalle, vor mir auf der Bank ein Chemiebuch. Eine Freundin kam vorbei und fragte mich erstaunt, ob wir eine Arbeit schreiben würden. Als ich verneinte, wollte sie wissen, wozu um alles in der Welt ich dann etwas lernen würde. Ich erwiderte, dass ich es aus privatem Interesse heraus täte. Sie war vollkommen verdutzt“ (ZINNECKER 1982, S. 77).
Benotete Leistungsprüfungen in der Schule sind das am weitesten verbreitete Mittel zur Kontrolle der Lernleistung. In meiner Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern diese Kontrollform, in der die Lernmotivation von außen aufoktroyiert wird, die Effektivität des Lernens beeinträchtigt.

Zum Aufbau der Arbeit
In Kapitel 2 werden zunächst exemplarisch, wesentliche Theorieansätze der Motivation skizziert, um für die Fragestellung relevante Befunde in ein theoretisches Konzept einzubetten.
Im Anschluss wird im dritten Kapitel der Stellenwert der Motivation für das Lernen deutlich gemacht. Hierzu werden verschiedene Modelle der Lernmotivation erläutert. In dieser Phase werde ich bereits einen Schwerpunkt meiner Arbeit setzen, indem ich den Stellenwert der intrinsischen Motivation für erfolgreiches und effektives Lernen hervorhebe. Zur Verdeutlichung stelle ich im Weiteren die Selbstbestimmungstheorie als eine Konzeption der intrinsischen Lernmotivation dar. Sie hebt die Bedeutung der natürlichen Neugierde und Faszination während des Lernvorganges in den Vordergrund. Interessen, Vorlieben und Neigungen der Schüler werden beachtet und danach untersucht, inwiefern diese sinnvoll in den Lernprozess integriert werden können.
Kapitel 4 beleuchtet zunächst die schulpädagogische Entstehungsgeschichte der Leistungsbeurteilung und in spezieller Form der Zensurengebung. Anschließend wird ein Überblick über die vielfältigen und zum Teil widersprüchlichen Funktionen der Leistungsbeurteilung sowie der Zensurengebung gegeben.
Im 5.Kapitel werden die vorangegangenen Grundlagen miteinander verknüpft. An dieser Stelle wird erörtert, welchen Einfluss die Zensurengebung auf die Lernmotivation haben kann.
Zum Abschluss werden in Kapitel 6 mögliche Alternativen zur Zensurengebung diskutiert. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Leistung nicht lediglich anhand von Zensuren zu beurteilen. Alle Alternativen werden in ihrem Wert und Einfluss auf die Motivation und der daraus resultierenden Lerneffektivität untersucht.
Ziel der Arbeit ist es neben dem Aufzeigen von Grenzen und Problemen der Zensurengebung, Maßnahmen zur pädagogischen Verbesserung der Leistungsbeurteilung vorzuschlagen. Weiter gilt zu klären, inwiefern Leistungsbeurteilung so ablaufen kann, dass sachbezogene Lernmotivation gefördert wird.

2. ELEMENTARE MOTIVATIONSPSYCHOLOGIE
Das Verhalten des Menschen wird in hohem Maße von seiner Motivation bestimmt. Die Motivationspsychologie versucht u. a. bestimmtes Verhalten zu erklären und spezielle Gründe dafür zu suchen, warum jemand gewisse Handlungen vollzieht. Was verspricht man sich bei der ausführenden Tätigkeit für eine positive Folge bzw. Begleiterscheinung? Der Anreiz einer Zielrichtung ist dabei nicht immer eindeutig zu erkennen. Möglicherweise ist es eine ganze Reihe von bewussten oder unbewussten Gedanken (Kognitionen), die jemanden zur Aktivität motivieren. Ebenso können Affekte, innere Zustände (Instinkte oder Triebe) dafür verantwortlich sein.

[...]


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