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Kinder und Frauen in den neuen Kriegen. Entgrenzte Gewalt und die Chancen neuerlicher Eingrenzung

Essay, 2004, 11 Pages
Author: Dirk Meixner
Subject: Politics - International Politics - Topic: Peace and Conflict Studies, Security

Details

Event: Neue Kriege, Asymmetrie, Kommerzialisierung, Staatszerfall
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (ISW)
Tags: Kinder, Frauen, Kriegen, Entgrenzte, Gewalt, Chancen, Eingrenzung, Neue, Kriege, Asymmetrie, Kommerzialisierung, Staatszerfall
Category: Essay
Year: 2004
Pages: 11
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V32549
ISBN (E-book): 978-3-638-33239-2
ISBN (Book): 978-3-638-76132-1
File size: 131 KB

Abstract

Kinder und Frauen in den neuen Kriegen verdienen eine besonders aufmerksame Betrachtung. Denn ihnen wird eine spezielle, unfreiwillige Rolle in den Gewaltkonflikten zuteil. Frauen sind Opfer einer Strategie der Gewaltanwendung zum einen, Kinder kostengünstige Gewaltanwender zum anderen. Alleine in Ruanda wurden zwischen 250.000 und 500.000 Frauen während des Genozids 1994 vergewaltigt. In Bosnien und Herzegowina wurden während des fünfjährigen Konfliktes alleine im Jahre 1992 20.000 - 50.000 Frauen vergewaltigt (Amnesty International). Nach Schätzungen der UN wird alleine in Afrika die Zahl der unter Waffen stehenden Kinder auf 120000 geschätzt. Weltweit sollen es mehr als 300000 sein. Genaue Zahlen kennt allerdings niemand, denn viele der Kinder wachsen während der lange andauernden Konflikte aus dem Kindesalter heraus. Andere sterben, Neue kommen hinzu, ohne dass es jemand registriert. Diese Zahlen zeigen eindeutig, dass es sich nicht um beiläufige Phänome handelt. Der Text beschreibt die besonders perfinde Rolle, die Frauen und Kindern seit einigen Jahren als zentraler Bestandteil kriegerischer Gewaltstrategien zukommt. Und dies, obwohl ihnen laut internationalem Kriegsrecht aus gutem Grund besonderer Schutz zusteht.


Excerpt (computer-generated)

Kinder und Frauen in den neuen Kriegen. Entgrenzte
Gewalt und die Chancen neuerlicher Eingrenzung

von: Dirk Meixner

 


Inhalt

1. Einleitung:

2. Sexuelle Gewalt gegen Frauen:

3. Kinder in den neuen Kriegen:

4. Schluss:

5. Litratur:

 

Einleitung:

Die neuen Kriege sind gekennzeichnet von einem Verschwimmen der Grenzen zwischen Krieg als politisch motivierter Gewaltanwendung zwischen Staaten oder organisierten Gruppen, organisiertem Verbrechen, bei dem die private finanzielle Bereicherung im Vordergrund steht, und massiven Menschenrechtsverletzungen, also Gewalttaten, die von den jeweiligen Kriegsakteuren hauptsächlich gegen die Zivilbevölkerung begangen werden. Sowohl um ein politisches Ziel zu erreichen, sofern dies überhaupt im Interesse des Akteurs liegt, als auch die Kriegführung aus rein unternehmerischen Interessen, indem sich Warlords und Kriegsherren ethische Unterschiede und verschiedene Identitäten zu nutzen machen, um einen Konflikt zu rechtfertigen und zu provozieren, vermeiden eine Konfrontation auf dem Schlachtfeld, die lang- oder kurzfristig eine Kriegsentscheidung herbeiführen würde. Vielmehr bedienen sie sich der Taktiken des Guerillakrieges ebenso wie der des Anti-Guerillakampfes. Letzteres dient dazu, die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen und somit politisch zu kontrollieren. Quellen der Finanzierung dieser Konflikte sind nicht mehr Steuern und Abgaben der Bevölkerung, sondern speisen sich hauptsächlich aus illegalem Handel mit Waffen, Drogen oder wertvollen Rohstoffen der Regionen wie Öl, Diamanten oder Metalle. Der Zugang zu diesen Ressourcen wird durch Gewalt gesichert, sodass sich eine eigene Kriegslogik in die Wirtschaft einbaut.

Kinder und Frauen in den neuen Kriegen verdienen eine besonders aufmerksame Betrachtung. Denn ihnen wird eine spezielle, unfreiwillige Rolle in den Gewaltkonflikten zuteil. Frauen sind Opfer einer Strategie der Gewaltanwendung zum einen, Kinder kostengünstige Gewaltanwender zum anderen. In Ruanda wurden zwischen 250.000 und 500.000 Frauen während des Genozids 1994 vergewaltigt. In Bosnien und Herzegowina wurden während des fünfjährigen Konfliktes alleine im Jahre 1992 20.000 - 50.000 Frauen vergewaltigt (Amnesty International). Diese Zahlen zeigen eindeutig, dass es sich nicht um ein beiläufiges Phänomen handelt. Die Vergewaltigung von Frauen ist in den neuen Kriegen wieder ein Mittel der Gewaltanwendung geworden, wo doch seit dem 18. Jahrhundert Gewalt gegen Frauen als Kriegsverbrechen mit hohen Strafen geahndet wird. Jedoch findet sich in den Konfliktgebieten meist niemand, der bereit oder fähig wäre rechtliche Sanktion durchzusetzen. Denn staatliche Akteure sind oft nicht vorhanden, oder, falls doch, verfügen sie nicht über die nötigen Mittel um Recht durchzusetzen, wenn sie überhaupt ein Interesse daran haben. Ähnliches gilt für den Einsatz von Kindersoldaten. Nach Schätzungen der UN wird alleine in Afrika die Zahl der unter Waffen stehenden Kinder auf 120000 geschätzt. Weltweit sollen es mehr als 300000 sein. Genaue Zahlen kennt allerdings niemand, denn viele der Kinder wachsen während der lange andauernden Konflikte aus dem Kindesalter heraus. Andere sterben, Neue kommen hinzu, ohne dass es jemand registriert. Zwischen 1990 und 2000 sollen zwei Millionen Kindersoldaten gefallen sein, sechs Millionen wurden zu Invaliden, zehn Millionen leiden unter schweren seelischen Schäden (UNHCR). Hinter dem Einsatz von Kindern in bewaffneten Gewaltkonflikten steht weniger eine Strategie, als vielmehr eine Kosten-Nutzen-Rechnung der jeweiligen Kriegsherren. Denn Kinder sind leicht verfügbar. Die Motive ihrer Teilnahme an Kriegen sind unterschiedlicher Natur. Es lässt sich zwischen Zwang und relativer Freiwilligkeit unterscheiden. Fest steht allerdings, dass das Gewaltpotential in den neuen Kriegen durch die Teilnahme von Kindersoldaten um ein Vielfaches gestiegen ist. Sie sind hemmungsloser in der Gewaltanwendung und kennen keine Rücksicht gegenüber Wehrlosen. Grund dafür ist vor allem die Logik der bewaffneten Konflikte selbst und das Verhalten der daran beteiligten Akteure. Es handelt sich häufig um eine Gewaltökonomie, das heißt, der Krieg wird als Lebensgrundlage und maßgeblicher Wirtschaftsfaktor betrieben. Die beteiligten Kämpfer werden nicht bezahlt, sondern müssen sich selbst versorgen und gehen mit aller Gewalt gegen Zivilisten vor, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Und nicht nur die Chance zum Überleben wird durch die Waffe wahrgenommen, sondern die Aneignung sonst unerreichbarer Güter gehört ebenso dazu.

Sexuelle Gewalt gegen Frauen:

Grundsätzlich lassen sich zwei Gründe für die sexuelle Gewalt gegen Frauen in den neuen Kriegen, beziehungsweise innerhalb von bewaffneten Konflikten, festhalten. Zum einen dient die Vergewaltigung besonders von Mädchen und jungen Frauen als Kriegsstrategie, die zum Inhalt hat, gesellschaftliche Strukturen zu zerstören. Denn in vielen traditionellen Gemeinschaften fallen diese, bis an ihr Lebensende gebrandmarkten Frauen, als Ehepartnerinnen und Mütter aus. Die gesicherte Reproduktionsfähigkeit einer Gemeinschaft, die in hohem Maße von der Frau abhängt, soll so zerstört werden:

[...]


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