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Das bürgerliche Trauerspiel am Beispiel von Lessings Miß Sara Sampson und Emilia Galotti und Schillers Kabale und Liebe

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 15 Pages
Author: Fee Krausse
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 15
Grade: 2
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V33262
ISBN (E-book): 978-3-638-33782-3

File size: 187 KB


Excerpt (computer-generated)

Johann Wolfgang Goethe - Universität Frankfurt am Main
Institut für Deutsche Sprache und Literatur I
Seminar: Literaturunterricht im gesellschaftlichen Kontext:
zum Beispiel das Bürgerliche Trauerspiel

Das bürgerliche Trauerspiel am Beispiel von Lessings
Miß Sara Sampson und Emilia Galotti und Schillers
Kabale und Liebe

von: Fee Krausse

 


Gliederung

1. Einleitung S. 3

1.1 Das bürgerliche Trauerspiel S. 3
1.2 Die Entstehung des bürgerlichen Trauerspiels S. 4

2. Vergleich der ausgewählten Trauerspiele S. 6

2.1 Die weiblichen Hauptpersonen S. 6
2.2 Nebenpersonen S. 7
2.3 Die Handlung S. 8
2.4 Bürgerlichkeit der drei Stücke S. 9

3. Wesentliche Aspekte der ausgewählten Trauerspiele S. 10

3.1 Sara als „Heilige“ S. 11
3.2 Der Tod Emilia Galottis S. 11
3.3 Gesellschaftskritik in „Kabale und Liebe“ S. 13

4. Abschließender Kommentar S. 14

5. Literaturverzeichnis S. 15

 


1. Einleitung

In der folgenden Arbeit setze ich mich zunächst mit der Gattung des bürgerlichen Trauerspiels und dessen Entstehung auseinander. Weiterführend stelle ich einen Vergleich zwischen drei der wichtigsten Trauerspiele - „Miß Sara Sampson“, „Emilia Galotti“ und „Kabale und Liebe“ - an. Abschließend gehe ich kurz auf drei viel diskutierte Aspekte der Trauerspiele ein.

1.1 Das bürgerliche Trauerspiel

Noch im Barock durften, aufgrund der Ständeklausel, nur Personen des höheren Standes in der Tragödie auftreten, während den Menschen des bürgerlichen Standes die Komödie vorbehalten war. Die lächerlichen Bühnenhelden des französischen Komödiendichters Moliere, vom eingebildeten Kranken bis zu Tartuffe, waren Bürger, und die komische Figur der Volkskomödie war ein Bauer. Doch die Tragödie des 17. und frühen 18. Jahrhunderts zeigte im Mittelpunkt der Handlung stets eine Hauptfigur, die der Aristokratie angehörte. Tragische Schicksale - so scheint es - konnten nur Angehörige des ersten Standes erleben, während die Schicksale niederer Standespersonen, also der Bürger und Bauern, als unerheblich galten. Man glaubte den Bürger erhabener Gefühle nicht fähig; zudem fehlte ihm die soziale „Fallhöhe“ (Schopenhauer), die angeblich die tragische Wirkung hervorbringt. Doch mit der Epoche der Aufklärung entstand Mitte des 18. Jahrhunderts das bürgerliche Trauerspiel, das den Bürger in den Mittelpunkt des tragischen Geschehens rückte.

„Der tragische Konflikt wurde [im bürgerlichen Trauerspiel] durch den Gegensatz der sozialen Schichten (Stände) ausgelöst.“ (Mettenleiter/Knöbl 1991, S. 291) Konflikt und Tragik resultierten entweder aus Standesgegensätzen zwischen Adel und Bürgertum (z.B. Lessings „Emilia Galotti“, „Miß Sara Sampson“; Schillers „Kabale und Liebe), aus innerständischen Gegensätzen, die im Bürgertum selbst begründet waren (z.B. Hebbels „Maria Magdalena“) oder „aus der Fragwürdigkeit und Brüchigkeit des Bürgertums selbst gegenüber dem entrechteten Arbeiterstand.“ (Winkler 1986, S. 99)

Das bürgerliche Trauerspiel bekämpfte aber nicht die ständische Ordnung, sondern setzte die bürgerlichen Normen (Tugend und Humanität) für alle Stände als Wertmaßstab an. „Somit war das bürgerliche Trauerspiel eine Manifestation bürgerlichen Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins.“ (Mettenleiter/Knöbl 1991, S. 291) Der Begriff „Bürger“ bedeutete zudem die Verlagerung der Handlung in das Private, Häusliche und Familiäre, im Gegensatz zum Öffentlichen und Heroischen.
Im Anschluss an Lessing hob auch Christian Heinrich Schmid 1798 das Private des bürgerlichen Trauerspiels hervor:
„Es wäre allerdings schicklicher, diese Gattung von Trauerspielen häusliche Tragödien oder tragische Familiengemälde zu nennen. [...] Bürger sind hier das Gegenteil von Personen der heroischen Tragödie (Regenten großer Staaten, Kriegshelden der Vorzeit, Rittern des Mittelalters usw.) und begreifen vielerlei Stände und Klassen von Menschen unter sich. [...] Bei dem bürgerlichen Trauerspiel muß allemal Privat- oder Familieninteresse zugrunde liegen.“ (Guthke 1984, S. 13)

Ein weiteres wesentliches Merkmal des bürgerlichen Trauerspiels ist die Sprache: statt der in der klassischen Tragödie üblichen Versform, war das bürgerliche Trauerspiel in Prosa abgefasst. Schließlich musste man auch auf das neue Publikum und dessen Verhältnisse eingehen.

1.2 Die Entstehung des bürgerlichen Trauerspiels

England war das erste Land in Europa, in dem das Gesetz der „Rollenverteilung“ in der Tragödie seine Gültigkeit verlor. Dafür gibt es evidente sozialgeschichtliche Erklärungen. Handel und Gewerbe wurden schon bald zum wesentlichen wirtschaftlichen Faktor, und die industrielle Produktionsweise setzte nirgendwo so früh ein wie auf der Insel. Parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung, vollzog sich daher die soziale Strukturveränderung. Das wirtschaftstreibende Bürgertum wurde neben dem Adel immer mehr zur herrschenden gesellschaftlichen Klasse, die Städte wurden neben den Fürstenhöfen zu kulturellen Zentren, und das Bürgertum fand nach und nach zu eigenständigen künstlerischen Ausdrucksweisen. Diesen Umständen verdankt das „Bürgerliche Trauerspiel“ seine Entstehung. Als Beispiel für diese Art von Dramatik soll hier kurz das Stück „George Barnwell or the merchant of London“ erwähnt werden, das ein Juwelier namens George Lillo geschrieben hat, und das in London im Jahr 1731 seine erste Aufführung erlebte.

George Barnwell ist ein junger, bislang rechtschaffener Mann aus bürgerlichem Haus, der auf die sprichwörtliche schiefe Bahn gerät, weil er einer lasterhaften Frau namens Millwood verfallen ist. Um ihre Zuneigung und Leidenschaft zu erkaufen, lässt er sich auf einige illegale Geschäfte ein. Als selbst die, auf diese Weise erworbenen, finanziellen Mittel nicht ausreichen, um die Luxusbedürfnisse der niederträchtigen Millwood zu befriedigen, scheut George Barnwell nicht einmal vor Mord zurück. Das Opfer dieser Tat ist sein Onkel, der sterbend noch ein Gebet für den missratenen Neffen spricht.
Der junge Barnwell wird von der Polizei gefasst und stirbt am Galgen, aber die hexenähnliche Millwood entgeht letztlich auch nicht der verdienten Strafe, so dass das empörte Publikum doch noch zufrieden gestellt wird.

Diese Art des Theaters, für das George Barnwell steht, erfreute sich in England großer Beliebtheit und erweckte, aufgrund des Erfolges, langsam auch das Interesse des Kontinents. In Frankreich bemühte sich zum Beispiel der vorwiegend als Philosoph und Enzyklopädist bekannte Denis Diderot um das bürgerliche Drama und schuf selbst zwei Stücke dieser Art, „Der natürliche Sohn“ (Le fils naturel, 1757) und „Der Familienvater“ (Le père de famille, 1758). Und Pierre Augustin Caron, besser bekannt unter dem Namen Beaumarchais, schuf mit seinem Figaro eine bürgerliche Komödienfigur, die für selbstbewusste französische Bürger durchaus ein Identifikationsangebot war.

[...]


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