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Scholary Paper (Seminar), 2004, 19 Pages
Author: Amely Braunger
Subject: Cultural Studies
Details
Institution/College: University of Constance
Tags: Grußriten, Funktion, Vergleich, Ethnographie, Visualität
Year: 2004
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34047-2
ISBN (Book): 978-3-638-84285-3
File size: 175 KB
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Abstract
„Kurz, jedes Volk hat gewisse Gewohnheiten und Gebräuche, die den anderen nicht allein unbekannt sind, sondern auch wild und wunderbar vorkommen.“1 Die Normen und Riten der eigenen Kultur werden als selbstverständlich angesehen und oftmals vergisst man darüber, dass andere Kulturen auch andere Umgangsformen besitzen, deren Verletzung gravierende Folgen nach sich ziehen kann. Damit eine Völkerverständigung – ob im großen oder kleinen Rahmen – nicht bereits im Keim erstickt wird, ist es notwendig, dass bereits bei der ersten vorsichtigen Annäherung eine gemeinsame Sprache gesprochen wird. Nicht unbedingt ist dabei die tatsächliche Kenntnis und Fertigkeit der jeweiligen Landessprache von Nöten – wichtiger erscheint mir hierbei die Einhaltung landestypischer Verhaltensregeln, insbesondere der Begrüßungsrituale. Das korrekte Verhalten der Grußpartner kann dabei entscheidend für den weiteren Verlauf der Begegnung sein, besonders wenn sich Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen gegenüberstehen. Der Respekt vor der fremden Kultur stellt dabei den Ausgangspunkt für ein interkulturelles Miteinander dar und spiegelt sich beim Knüpfen erster Kontakte in der Art und Weise der Begrüßung. 1 Montaigne, Michel de: Essais. Ins Deutsche übersetzt von Johann Daniel Tietz. Band 3, Zürich 1992, S. 369.
Excerpt (computer-generated)
Grußriten und ihre Funktion im kulturellen Vergleich
von: Amely Braunger
Inhaltsverzeichnis
I) Einführung 3
II) Ziele und Absichten 3
III) Formen der Begrüßung 4
III1) Wer grüßt wen, wann und wieso? 4
III2) Gruß ist nicht gleich Gruß 5
III3) Funktionen des Grußes 6
III4) Gruß-Geschenke 6
IV) Was ist Kultur? 7
IV1) Der Kultur-Begriff 7
IV2) Kontakt- und Distanzkulturen 8
V) Die Welt lässt grüßen 9
V1) Die Westliche Welt 9
V1.1) Europa: Zwischen Händedruck, Umarmung und Bruderkuss 9
V1.2) Amerika: Grußriten einer Großmacht 11
V2) Asiatische Kulturen 12
V2.1) Japan und China: Begrüßung mit Ab- und Anstand 12
V2.2) Indien und Thailand: Kommunikation über Hände und Augen 14
V3) Arabische Kulturen in Nordafrika 16
VI) Schlusswort 18
VII) Bibliographie 19
I) Einführung
„Kurz, jedes Volk hat gewisse Gewohnheiten und Gebräuche,
die den anderen nicht allein unbekannt sind,
sondern auch wild und wunderbar vorkommen.“1
Die Normen und Riten der eigenen Kultur werden als selbstverständlich angesehen und oftmals vergisst man darüber, dass andere Kulturen auch andere Umgangsformen besitzen, deren Verletzung gravierende Folgen nach sich ziehen kann. Damit eine Völkerverständigung – ob im großen oder kleinen Rahmen – nicht bereits im Keim erstickt wird, ist es notwendig, dass bereits bei der ersten vorsichtigen Annäherung eine gemeinsame Sprache gesprochen wird. Nicht unbedingt ist dabei die tatsächliche Kenntnis und Fertigkeit der jeweiligen Landessprache von Nöten – wichtiger erscheint mir hierbei die Einhaltung landestypischer Verhaltensregeln, insbesondere der Begrüßungsrituale. Das korrekte Verhalten der Grußpartner kann dabei entscheidend für den weiteren Verlauf der Begegnung sein, besonders wenn sich Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen gegenüberstehen. Der Respekt vor der fremden Kultur stellt dabei den Ausgangspunkt für ein interkulturelles Miteinander dar und spiegelt sich beim Knüpfen erster Kontakte in der Art und Weise der Begrüßung.
II) Ziele und Absichten
Ausschlaggebend für die Erstellung dieser Arbeit war die Frage, warum es überhaupt unterschiedliche Arten von Begrüßung auf der Welt gibt und ob es nicht einfacher für den Umgang miteinander wäre, wenn sich alle Menschen unabhängig von der kulturellen Zugehörigkeit, vom Alter oder der sozialen Stellung auf dieselbe Weise begrüßen würden. Da dies jedoch nicht der Fall ist, müssen sich moralische, gesellschaftliche, kulturelle oder religiöse Gründe für das unterschiedliche Begrüßungsverhalten feststellen lassen, deren Untersuchung ich mich in dieser Arbeit widmen werde. Beginnen möchte ich mit einer grundlegenden Unterscheidung der verschiedenen Grußarten und Funktionen von Begrüßung. In diesem Zusammenhang werde ich auf spezifische westlich, asiatisch und arabisch geprägte Begrüßungsarten der sogenannten modernen Zivilisationen eingehen. Die Miteinbeziehung des jeweiligen religiösen bzw. kulturgeschichtlichen Hintergrundes ist dabei für die Analyse der Unterschiede und Ähnlichkeiten im Grußverhalten von großer Wichtigkeit.
III) Formen der Begrüßung
III1) Wer grüßt wen, wann und wieso?
Die Begrüßung im Alltag läuft meist automatisch ab, ohne dass sich die Grußpartner der damit verbundenen Rituale bewusst sind, die einen reibungslosen Ablauf der Begrüßung bedingen. Dass es sich um keine „universalische Natur der Be grüßung“2 handelt, zeigt sich meist im Kontakt mit anderen Kulturen, die mit dem Akt der Begrüßung andere Rituale verbinden. Ausschlaggebend für den Vollzug der Begrüßung sind folgende, im Voraus festgelegte Bedingungen3:
A: Wann wird gegrüßt?
B: Wer grüßt wen zuerst?
C: Gewünschte Reaktion auf den Gruß?
In Punkt A spielt sowohl der Zeitpunkt der Begrüßung, als auch die räumliche Distanz zwischen den Grußpartnern und deren Beziehung zueinander eine Rolle. Der Grußverlauf ist davon abhängig, ob sich die Grußpartner im selben Zimmer oder auf verschiedenen Straßenseiten befinden, ob sie in privater oder geschäftlicher Beziehung zueinander stehen oder ob es sich um eine Begegnung am Mittagstisch oder in der Nacht handelt. Bei allen Grußsituationen ist die Frage „Wer grüßt wen zuerst?“ von entscheidender Bedeutung für die Kontaktaufnahme. Davon abhängig ist erneut die Intensität der Beziehung der Grußpartner, der Rang ihrer sozialen Stellung, aber auch individuelle Beweggründe. Damit eine Begrüßung eingeleitet werden kann, ist es wichtig, dass der Akt der Begrüßung deutlich von anderen Handlungen abgegrenzt wird. Dazu dienen z.B. Grußgesten wie „der Händegruß oder der Augengruß, das Lächeln“4, Grußfloskeln in verschiedenen Sprachen, internationalisierte Grußwörter (z.B. Ciao) oder religiöse Grüße. Die Kontaktaufnahme durch einen Gruß hängt dabei eng mit einer erwarteten Grußreaktion zusammen. Diese ist jedoch davon abhängig, ob von den Grußpartnern bestimmte Grußregeln oder persönliche Grenzen eingehalten werden, die wiederum in jeder Kultur anders gewichtet sind und unterschiedlich interpretiert werden können.
III2) Gruß ist nicht gleich Gruß
[...]
1 Montaigne, Michel de: Essais. Ins Deutsche übersetzt von Johann Daniel Tietz. Band 3, Zürich 1992, S. 369.
2 Zakharine, Dmitri: Zwischen dem Bruderkuss und Hand-shake. Zur Symbolik öffentlicher Begrüßungsrituale in er ost- und westeuropäische Moderne. Kulturwissenschaftliches Forschungskolleg der Universität Konstanz, Konstanz 2003, S. 1.
3 Vgl. Otterstedt, Carola: Abschied im Alltag: Grußformen und Abschiedsgestaltung im interkulturellen Vergleich. München 1993, S. 18.
4 Ebenda, S. 17.
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