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Das Motiv des Verschwindens im Roman 'Meister und Margarita'

Hauptseminararbeit, 2003, 22 Seiten
Autor: Margarita Engelbrecht
Fach: Russistik / Slavistik

Details

Veranstaltung: HS : M.Bulgakov „Meister und Margarita“
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München
Tags: Motiv, Verschwindens, Roman, Meister, Margarita, Bulgakov, Margarita“
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 22
Note: 1,5
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V33901
ISBN (E-Book): 978-3-638-34259-9

Dateigröße: 241 KB


Textauszug (computergeneriert)

LMU München

Institut für Slawische Philologie

SoSe 2003
HS : M.Bulgakov „Meister und Margarita“

Das Motiv des Verschwindens
im Roman „Meister und Margarita“

Margarita Engelbrecht

HF: Slawische Philologie / NF: Spanische Philologie

 

 

Inhalt:

1. Einleitung   3

2. Das Verschwinden von Personen und Gegenständen im Roman   5
2.1. Die Wohnung Nr. 50 als Schauplatz des Verschwindens   5
2.2. Die Administration des Varieté- Theaters   8
2.3. Die verschwundenen Gegenstände   9

3. Die Verfahren der Darstellung des Motivs   13
3.1. Das Motiv des Verschwindens und die Tradition der russischen Volkstheater  13
3.2. Das Motiv des Verschwindens im Sinne der Dämonologie   15

4. Das Motiv des Verschwindens und der politische Diskurs  17

5. Die verschwundenen Städte Moskau und Jerschalaim   19

6. Fazit   21

Bibliographie  22

 

 

1. Einleitung

Der Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist das Motiv des Verschwindens im Roman Meister und Margarita von Michail Bulgakov. Es soll gezeigt werden, welche Rolle dieses Motiv für den Roman spielt und welchen Verfahren sich der Autor bedient, um dieses Motiv darzustellen.

Bevor ich auf diese Fragen eingehe, möchte ich zunächst einmal erläutern, warum gerade dieses Motiv als Hauptgegenstand der Untersuchung gewählt wurde. Die historische Zeit, in der M.A. Bulgakov seinen Roman schrieb, wurde politisch bestimmt durch die rücksichtlose Festigung des stalinischen Machtapparates. Der Tod Kirovs im Jahre 1934 leitete die Welle der Säuberungen ein, die im Jahre 1937/38 ihren Höhepunkt erreichte. Während dieser Periode wurden unzählige Intellektuelle, Künstler, Schriftsteller zu den Volksfeinden erklärt, wenn sie z.B. der "alten Intelligenz" angehörten oder „[...] es offensichtlich ablehnten, sich auf eine oder andere Art den neuen ideologischen Anschauungen anzupassen[...]“

Sie wurden nicht nur physisch liquidiert oder in Konzentrationslagern zum Schweigen gebracht, sondern samt ihren Werken aus der russischen Literaturgeschichte verbannt, als hätte es sie nie gegeben. Viele wurden des Trotzkismus, der Spionage und der antisowjetischen Aktivitäten beschuldigt und als Vaterlandsverräter und Volksfeinde bezeichnet. Die Verhöre und Folter auf Lubjanka erzielten die erwünschten Geständnisse. An manchen Schriftstellern wurde eine andere Methode angewandt. Es war nicht die Verhaftung, sondern andere Maßnahmen, wie z.B. Beschlagnahmung des Manuskriptes, Verbot der Publikation der Werke, Verbot der Ausreise ins Ausland, Verweigerung jeglicher Tätigkeit, was dazu führte, dass der Schriftsteller ohne jegliche Mittel zum Leben da stand und so, durch den psychischen Druck von außen, dem Tode immer näher kam. Bulgakov selbst erlitt ähnliches Schicksal. Er lebte jahrelang mit der Erwartung, dass in jeder Sekunde an der Tür geklopft wird und er abgeholt wird.

Zu denjenigen, die in dieser Zeit mit dem Tod bestraft wurden oder im Lager umkamen, gehörten auch Boris Pil’njak, Osip Mandel`stam und Vsevolod Mejerchol’d. Gerade diese Namen sind hier besonders erwähnenswert, denn alle drei Künstler standen im besonderen Verhältnis zu Michail Bulgakov. Vor allem der Name Mandel`stams ist für den Roman von großer Bedeutung, worauf im Laufe dieser Arbeit noch ausführlicher eingegangen wird.

So verschwanden für eine längere Zeit aus der Literatur nicht nur die Namen der vielen Schriftsteller, sondern auch zum Teil ihre Werke. Die Manuskripte, persönliche Aufzeichnungen oder Tagebücher vieler Schriftsteller wurden beschlagnahmt und oftmals vernichtet, wie z.B. der letzte Roman von Boris Pil’njak, der bis heute nicht gefunden wurde.2

Außerdem verschwanden auch ganze Organisationen. So z.B. wurde im Jahre 1928 VAPP (Allrussische Assoziation proletarischer Schriftsteller) zu RAPP (die Russische Assoziation Proletarischer Schriftsteller) umbenannt und beherrschte das Literaturleben fünf Jahre lang bis es im Jahre 1932 aufgelöst wurde und ihre führenden Funktionäre selbst zu den Opfern der Repression wurden.

Manche Schriftsteller verschwanden nicht spurlos, sie verschwanden lediglich aus der Sowjetunion. So wie Evgenij Zamjatin, der sich auch wie Bulgakov mit einem Brief an Stalin wandte mit der Bitte um Ausreise. Er erhielt die Erlaubnis und konnte ausreisen um frei schreiben und arbeiten zu können. Bulgakov selbst bekam die Erlaubnis nicht und trug bis zu seinem Tode den Wunsch nach Emigration in sich.

Es verschwanden sogar die Zeitschriften, teilweise ganz oder nur manche Exemplare. So mussten alle Exemplare der Zeitschrift Novy Mir mit der Erzählung Povest’nepogasennoj luny von Boris Pil’njak eingezogen werden, sogar die bereits versendete.

Das Verschwinden der Schriftsteller und ihren Werken aus der sowjetischen Literaturgeschichte führte zur Bildung von sogenannten „weißen Flecken“. Erst in der Zeit von Perestrojka wurden diese wieder ausgefüllt. Man bekam Zugang zu den Archiven von KGB und machte erstaunliche Funde. Nach 1990 wurden z.B. die Gedichte von Mandel`stam und die Tagebücher von Bulgakov gefunden. Man fand heraus wo und unter welchen Umständen Pil’njak und Mandel`stam sterben mussten. Man kann also sagen, dass die politische Situation in Russland der 30er Jahren durchaus vom Verschwinden bestimmt war.

Bei der vorausgegangenen Rezeption des Romans wurde gefunden, das dieses Motiv eine auffallende und wichtige Rolle spielt. Deswegen erschien es mir von großer Bedeutung dieses Motiv zum Gegenstand meiner Arbeit zu machen. Obwohl unzählige Untersuchungen zu dem Roman existieren und die verschiedenen Motive des Romans ausführlich behandelt wurden, liegt zu dem Thema des Verschwindens noch keine vollständige Untersuchung vor.


In der Arbeit wird folgendermaßen vorgegangen. Zuerst erfolgt die ausführliche Darstellung der verschwundenen Personen und Gegenständen, danach werden von Bulgakov angewandte Verfahren vorgestellt und schließlich die Rolle des Motivs erklärt.

2. Das Verschwinden von Personen und Gegenstanden im Roman

Im folgenden Kapitel wird das Motiv des Verschwindens, das sich durch den ganzen Roman zieht, dargestellt. Zuerst werden alle verschwundenen Personen dargestellt, ihr Verschwinden wird ausführlich beschrieben und die verschiedenen Fassungen des Romans werden in diesem Zusammenhang in Betracht gezogen. Danach werden auch die Gegenstande, chronologisch nach ihrem Verschwinden, vorgestellt.

2.1. Die Wohnung Nr. 50 als Schauplatz des Verschwindens

Der erste Fall des Verschwindens von Personen tritt im Kapitel 7 Nechorosaja kvartira auf. Aus der Wohnung der Juwelierswitwe Anna Franzewna de Fougere verschwinden die Untermieter. Der erste verschwundene Untermieter tragt noch in der dritten Romansfassung von 1932/34 Velikij Kancler den Namen Kirjackij:


 ...Zitat russisch 

[....] 3/4

Dieser Untermieter verschwindet als erster aus der Wohnung Nr. 50. Genauer gesagt kommt er einfach nicht zurück aus einer Miliz-Abteilung, wohin er gerufen wird.

Der Bewohner Belomut, dessen Name in allen Romanfassungen kontinuierlich anwesend ist, verschwindet zwei Tage später unter anderen Umstanden. Er wird von dem Dienstwagen abgeholt und kommt nicht zurück: 


...Zitat russisch 

[....] 5

[....]


1 Siehe Struve, G.: Die Geschichte der Sowjetliteratur. München, 1957.S.347

3 s. Bulgakov, M.: Velikij kanzler. Moskau, 1992.S. 52

4 s. Bulgakov, M.: Knjaz’ t’my. In: Neizvestny Bulgakov. Moskau 1992.S.56

5 s. Bulgakov, M.: Master i Margarita. Moskau, 2003.S.82


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