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Die Orientdarstellung im Herzog Ernst B

Thesis (M.A.), 2004, 76 Pages
Author: Nadia Hamdan
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 2004
Pages: 76
Grade: 2.8
Bibliography: ~ 41  Entries
Language: German
Archive No.: V34364
ISBN (E-book): 978-3-638-34608-5

File size: 434 KB
Notes :
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung des Orients im Werk, der Rolle, die Herzog Ernst dort und im Reich einnimmt und der Bedeutung und Quellen der Wunderwesen im Orient.



Excerpt (computer-generated)

Die Orientdarstellung im Herzog Ernst B

Magisterarbeit

zur Erlangung des akademischen Grades Magistra Artium (M.A.)
im Fach Ältere Deutsche Philologie

eingereicht von:

Nadia Hamdan

Semesteranzahl: 12
Düsseldorf, 02.12.2004

 

Inhalt

I Einführung  ... S. 3
II Die literargeschichtliche Rezeption des Herzog Ernst   ... S. 4
III Überlieferung und Entstehung  ... S. 5
IV Vorgehensweise  ... S. 8

Teil I Die Vorgeschichte - Herzog Ernst im deutschen Reich
1.1. Der Kampf gegen Kaiser und Reich   ... S. 12
1.2 Die Gründe für den Kreuzzug  ... S. 15
1.3 Der Kreuzzugsorient und die unbekannten Länder  ... S. 19
1.3.1 Die Ebstorfer Weltkarte  ... S. 19
1.3.2 Visualisierung des Weges anhand der Ebstorfer Weltkarte  ... S. 20
1.3.3 Die Bedeutung des Kreuzzugsweges im Handlungsverlauf  ... S. 23

Teil II Herzog Ernst im Orient
2.1 Zur Darstellung des Orients im Mittelalter  ... S. 25
2.2 Der unbekannte Orient  ... S. 28
2.2.1 Zur Tradition der Wunderwesen  ... S. 30
2.3 Herzog Ernst in Grippîa  ... S. 34
2.3.1 Die Grippîaner – Mischwesen aus der Phantasie des Dichters?   ... S. 38
2.3.2 Herzog Ernsts Bewährung in Grippîa  ... S. 40
2.3.2.1 Zur Bestrafung der Sünden in Grippîa  ... S. 41
2.3.2.2 Ernsts Versagen in Grippîa  ... S. 44
2.4 Der Magnetberg  ... S. 47
2.5 Der Kampf gegen die Wesen im fabulösen Orient  ... S. 51
2.5.1. Das Land der `Einsterne` - die Arimaspi  ... S. 52
2.5.2 Der Kampf gegen die `Plathüeve`  ... S. 54
2.5.3 Der Kampf gegen die `Ôren`  ... S. 55
2.5.4 Der Kampf der Pygmäen gegen Kraniche  ... S. 56
2.5.5 Die Riesen von Cânâan  ... S. 57
2.5.6. Erneute Flucht – Ernst verlässt die Arimaspi  ... S. 60
2.6 Bewährung oder Ehrbeweis? – Das Ende der Orientfahrt  ... S. 63

Teil III - Der Weg zurück ins Reich – Môrlant und Jerusalem
3.1 Zurück in der realen Welt – der König von Babylon  ... S. 65
3.2 Das Ziel der Reise – Jerusalem  ... S. 66
3.3 Die Rückkehr ins Reich  ... S. 67

4. Schlussbemerkung  ... S. 69

5. Literaturverzeichnis  ... S. 72

5.1 Primärliteratur  ... S. 72
5.2 Sekundärliteratur  ... S. 73
5.3 Internetquellen und allgemeine Lexika  ... S. 73

 

I Einführung

Nur von wenigen mittelalterlichen Werken kann man sagen, dass sie bis in die Neuzeit beliebt und bekannt blieben und immer wieder neu bearbeitet wurden. Die Geschichte des Herzog Ernst ist bis heute populär und liegt in vier deutschen, noch dem Mittelalter zugehörigen Fassungen ( A,B, D, G) , sowie drei lateinischen (C, Erf. und E, welche eine lateinische Hexameterdichtung Odos von Magdeburg darstellt - dieser ist der einzige namentlich bekannte Dichter eine Herzog Ernst Bearbeitung) und zwei neuhochdeutschen Bearbeitungen von Ludwig Uhland und Peter Hacks vor. Die Beliebtheit des Stoffes ist Resultat der Stoffgeschichte und ergibt sich aus dem Nebeneinander von Reichsgeschichte und orientalischer Märchenwelt.

Trotz der Umgestaltungen, die die Kerngeschichte mit den zahlreichen Bearbeitungen erfahren hat, bleibt der Konsens der Geschichte durch die Jahrhunderte erhalten. Das Nebeneinander von der Empörergeschichte des unschuldig in Not geratenen Herzog Ernst, und den Abenteuern desselben in einem geheimnisvollen Orient sprechen das Publikum bis heute an, was die neuzeitlichen Bearbeitungen Ludwig Uhlands, oder in neuester Zeit Peter Hacks´, zeigen.

Die allgemeine Beliebtheit des Stoffes, der über die Literatur hinausgeht, beweist der Zeichentrickfilm „Herzog Ernst“ von Lutz Dammbeck aus dem Jahre 1999. Die germanistische Forschung richtet ihr Interesse bis heute auf die zahlreichen Gestaltungen der Herzog - Ernst - Geschichte.

Frühere Forschungen seit dem 19. Jahrhundert fokussierten ihren Gegenstand nur auf den reichsgeschichtlichen Teil des Werkes, während der – auch zeilenmässig überwiegende – Orientteil nahezu unberücksichtigt blieb.

Noch 1941 bearbeitet Max Wetter in „Quellen und Werk des Ernstdichters“ nur den reichsgeschichtlichen Teil und lässt den Orientteil vollständig aus.
Erst in den sechziger Jahren unterzieht Hans Szklenar auch dem Orientteil einer Interpretation, 2 weitere Werke unter diesem Gesichtspunkt folgen. 

In der jüngeren Forschung wird der Orientteil bevorzugt analysiert, während der reichsgeschichtliche Teil meist der Legitimierung Ernsts für seine Reise in den Orient dient. Jasmin Scharam-Rühl fasst die Bedeutung des reichsgeschichtlichen Teils zusammen: „Die erschlossene `Kernfabel` bildet […] einen Rahmen um die Abenteuergeschichte.“ 3

Eben als solcher sollte der reichsgeschichtliche Teil des Werkes gesehen werden. M.E. nach ist der erste Teil, die Empörergeschichte, im Handlungsgefüge ebenso relevant wie der Orientteil. Die Synthese aus beiden Teilen wird in dieser Arbeit herausgearbeitet werden.

II Die literargeschichtliche Rezeption des Herzog Ernst

Die Rezeption der frühen Ausgaben des Herzog Ernst begann bereits im 13. Jahrhundert.

Der Minnesänger Reinmar von Zweter führt die Abenteuer Ernsts in einem seiner Lieder detailliert auf:


„Uns ist von maeren worden kunt,
wie Alexander vour druch wunder an des meren grunt
unt wie von Abacuc der imbîz wart ze Babylône brâht,
„waz Herzog Ernest nôt erleit,
waz er unt grâve Wetzel der gesnabelen diet verseit
wie si die grîfen vuorten
dâ ir ze spîse ir kinden was gedâht
unt wie si durch den berv her wieder quâmen,
dâ si der crone weisen inne nâmen,
daz wâren underlîchiu wunder“ 4

Im „Helmbrecht“ von Wernher der Gaertenaere (entstanden um 1280) betont Meier Helmbrecht die Ehre Herzog Ernsts in Zusammenhang mit den höfischen Freuden der Ritter, die er anhand einer Festbeschreibung hervorhebt, und stellt ihn als Vorbild dar. 5

Uwe Meves stellt in einer kurzen Zusammenfassung Lieder und Textstellen aus dem 13. Jahrhundert zusammen, die auf die Rezeption des jeweiligen Dichters mit dem Herzog - Ernst - Stoff hindeuten. 6 Immer wird hier auf die Heldenhaftigkeit und Ehre des Herzogs hingewiesen. Jedoch waren auch die Reisen Ernsts erwähnenswert, wie Reinmar von Zwetlers Lied beweist.

III Überlieferung und Entstehung

Für die vorliegende Arbeit wird der Text der ältesten vollständigen Fassung, die sogenannte Fassung B, herangezogen.
Ihre Entstehung wird im Allgemeinen um 1200 vermutet, wobei sich der Großteil der Forschung auf eine Entstehung zwischen 1200 und 1210 geeinigt hat. So wird die Annahme einer früheren Datierung, wie sie zum Beispiel Bartsch vorgenommen hat, der die Entstehung mit „etwa 1190“ 7 annimmt, von neueren Forschungen in der Regel widerlegt. Die Übersicht von Uwe Meves beweist, dass der Großteil der Forschung die Entstehung auf „um 1210“ ansetzt. 8

[....]


1 Max Wetter, „Quellen und Werk des Ernstdichters – Deutsche Geschichte und westfränkische Achtermäre“, Würzburg, 1941, künftig zitiert als Wetter

2 Hans Szklenar, „Studien zum Bild des Orients in vorhöfischen deutschen Epen“, Göttingen, 1966, künftig zitiert als Szklenar

3 Jasmin Schahram Rühl, „Welfisch, Staufisch, Babenbergisch? Zur Datierung, Lokalisierung und Interpretation der ma Herzog-Ernst Fassungen seit König Konrad III. auf der Grundlage der Wortgeschichte von „Burg“ und „Stadt“, Wien, 2002, S. 78; künftig zitiert als Rühl

4 Reinmar von Zweter, Lied Nr. 162 in: Die Gedichter Reinmars von Zweter, hrsg. Von Gustav Rothe, Amsterdam, Leipzig, 1887, S. 492

5 Wernher der Gaertenaere, „Helmbrecht“, hrsg. Von Fritz Tschirsch, Stuttgart, 1974, V. 955 ff, vgl. auch Monika Schulz „Âne Rede und âne reht“, S. 395, sowie Uwe Meves, „Studien zu König Rother, Herzog Ernst und Grauer Rock (Orendel), Frankfurt a.M., 1976,S. 176; künftig zitiert als Meves

6 vgl. Meves, S. 175 ff.

7 Bartsch, Karl: „Herzog Ernst“, Wien, 1869, S. XXXVI; künftig zitiert als Bartsch

8 Meves, S. 142


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