Beratungsmodelle für die pädagogische Praxis

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Details
Autor: Ulrike Roppelt
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Veranstaltung: Gesprächsführung
Institution/Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Fakultät Sozialpädagogik)
Jahr: 2000
Seiten: 26
Note: 1
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 122 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-12192-7
Textauszug (computergeneriert)
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Sommersemester 2000
Dozent: Prof. Dr. Claus Mühlfeld
Seminar: Gesprächsführung
Hausarbeit mit dem Thema:
Beratungsmodelle für die pädagogische Praxis
Ulrike Roppelt
Gliederung
1 Einleitung 3
2 Grundlagen der Gesprächspsychotherapie 3
2.1 Einordnung des klientenzentrierten Ansatzes 3
2.2 Das Menschenbild 5
2.3 Der therapeutische Prozess 6
2.4 Die therapeutischen Grundhaltungen 7
2.5 Kritische Positionen zur Gesprächspsychotherapie 9
3 Pädagogisch-therapeutische Beratung 10
3.1 Grundlagen für pädagogisch-therapeutische Beratungskonzepte 11
3.2 Pädagogisch-therapeutische Gesprächsmodelle 11
4 Der pädagogisch-therapeutische Beratungsprozess 13
4.1 Das Beratungsziel 13
4.2 Stufen und Schritte der Beratung 14
5 Prinzipien der pädagogisch-therapeutischen Beratung 17
5.1 Systematisches Zuhören 17
5.2 Verbalisierung und einfühlendes Spiegeln 18
5.3 Abstraktion und Konkretion 19
5.4 Strukturierung des Beratungsgesprächs 20
5.5 Gefahren und Störungen im Gespräch 21
6 Beratungskonzepte in der pädagogischen Praxis 22
6.1 Attraktivität von pädagogisch-therapeutischen Beratungsansätzen 23
6.2 Anwendung von pädagogisch-therapeutischen Beratungsmodellen 24
1 Einleitung
Jede pädagogische Situation und Interaktion enthält die Aspekte der Vermittlung, der Diagnose und der Beratung in dem Sinne, dass mittels Sprache dem jeweils anderen geholfen bzw. dass bei ihm etwas bewirkt werden soll (Pallasch 1990). Das hierbei geforderte ′schnelle′ Handeln erschwert es dem Praktiker jedoch häufig, fachlich fundiert und planvoll-intentional zu beraten, zu entscheiden und zu handeln. So ist das berufliche Verhalten nicht selten Resultat einer subjektiven Alltagstheorie, welche die Eckpunkte des pädagogischen Vorgehens markiert, jedoch nur begrenzt verbalisierbar und somit überprüfbar ist. Eine theoriegeleitete Handlungskompetenz setzt vom Pädagogen dagegen ein hohes Maß an Auseinandersetzung mit der eigenen Person und der Erkundung der Theorie pädagogischer Beratung voraus.
In der vorliegenden Arbeit werden zentrale Grundsätze eines Beratungsansatzes aufgezeigt, welche den theoretischen Grundstock für das praktische Handeln bilden können. Letztendliches Ziel eines fachlich fundierten Beratungsverständnisses für die pädagogische Praxis ist, dem Pädagogen ein Instrument an die Hand geben, mit welchem er seine Handlungs-, und Entscheidungskompetenz im beruflichen Alltag erweitern und gleichzeitig theoretisch begründet vertreten kann. Die vorliegende Arbeit bezieht sich vor allem auf Beratungsansätze von Pallasch (1990), Weber (2000) sowie Egan (1996), welche gemeinsame theoretische Bezugspunkte (Gesprächspsychotherapie) für sich in Anspruch nehmen und sich durch ihre Praxisnähe in der (sozial-)pädagogischen Arbeit bereits bewährt haben.
2 Grundlagen der Gesprächspsychotherapie
Um dem Risiko einer ′seelenlosen Technik′ entgegenzuwirken, setzt die erfolgreiche Umsetzung eines Beratungsmodells im beruflichen Alltag sowohl die innere Akzeptanz seines Theoriegerüstes als auch die seines Menschenbildes voraus. Aus diesem Grund wird in den nachfolgenden Ausführungen zunächst auf einige wesentliche Aspekte der Gesprächspsychotherapie in dem Maße eingegangen, wie es für ein Verständnis der angeführten Beratungskonzepte notwendig erscheint.
2.1 Einordnung des klientenzentrierten Ansatzes
Aus der Kritik an der Psychoanalyse und dem Behaviorismus, den beiden lange Zeit vorherrschenden Denkmodellen, entwickelten sich etwa ab den 60er Jahren unter dem Oberbegriff ′Humanistische Psychologie′ verschiedene Ansätze, welche sich von den damaligen therapeutischen Vorgehensweisen zu distanzieren versuchten. Ausgehend von einem humanistischen Menschenbild entfalteten sie sich als sog. ′Dritte Kraft′ in Abgrenzung zu den vorherrschenden Denkmodellen mit ihrem positivistischen Wissenschaftsverständnis und ihrem analog zur naturwissenschaftlichen Denkweise verstandenen Menschenbild. Während die beiden etablierten Konzepte den Menschen entweder als ein im Wesentlichen durch innere triebhafte (Psychoanalyse) oder vornehmlich durch äußere verhaltensformende (Behaviorismus) Faktoren determiniertes Wesen betrachteten, richtete sich die Aufmerksamkeit der humanistischen Ansätze auf ein anderes Verständnis vom ′Mensch′. Sie betonen ′Aspekte wie Autonomie und soziale Interdependenz, Intentionalität und Sinnorientierung, Selbstverwirklichung sowie Ganzheit und Integrität′ (Pallasch 1990, S. 18). Zu den bedeutendsten humanistischen Ansätzen im Bereich der Psychologie gehört sicherlich die Gesprächspsychotherapie, die von C.R. Rogers konzipiert wurde.
Die Gesprächspsychotherapie ist zunächst von C.R. Rogers entwickelt und immer wieder modifiziert worden. In den 40er Jahren wurde sie als nicht-direktive Beratung generiert. Im Gegensatz zur psychoanalytischen Vorgehensweise wird dem Klienten hierbei keine eindeutige linear-kausale Ursache-Wirkungsproblematik von Seiten des Therapeuten unterstellt, ′die ihn in seiner Entfaltungs- und Befreiungsbemühung von vornherein definitiv einschränken würde′ (Pallasch 1990, S. 19). Vielmehr ist es das Anliegen des ′non-directive′ Beraters, dem Klienten ein Setting zu bieten, in dem er sich sicher und geborgen fühlen sowie seine eigenen Entdeckungen machen und Entscheidungen treffen kann und somit frei von jedem Dirigismus ist.
In den 50er und 60er Jahren wurde der Ansatz von Rogers zur ‘Klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie′ erweitert. Die Aufgabe des Gesprächspsychotherapeuten besteht vor allem darin, dem ′Klienten zu einer höheren Selbstwahrnehmung und Reflexion der eigenen Gefühlswelt zu verhelfen′ (Pallasch 1990, S. 19). Hierfür wird die Realisierung der drei Basisvariablen in der therapeutischen Beziehung als notwendige und hinreichende Bedingung angesehen. Rogers (1990, S. 23) konkretisiert die drei Einstellungen, welche er aufgrund von Forschungsbefunden für den Erfolg einer Therapie für ausschlaggebend hält, als ′1. die Echtheit oder Kongruenz des Therapeuten; 2. das vollständige und bedingungsfreie Akzeptieren des Klienten seitens des Therapeuten und 3. ein sensibles und präzises einfühlendes Verstehen des Klienten seitens des Therapeuten′. Im deutschsprachigen Raum wurde die Gesprächspsychotherapie vor allem durch das Ehepaar Tausch & Tausch (1973) vertreten und weiterentwickelt. Als Konsequenz aus den damals bereits formulierten Zweifeln, ob die drei Basisvariablen als hinreichend für einen therapeutischen Prozess zu betrachten sind, wurden seitdem durch die Integration von weiteren Therapievariablen die angenommenen ′Defizite′ der Gesprächstherapie auszugleichen versucht sowie zahlreiche Weiterentwicklungen konzipiert.
2.2 Das Menschenbild
Das Menschenbild der Gesprächspsychotherapie kann in verkürzter Form anhand von einigen zentralen Aspekten dargestellt werden. Prinzipiell geht dieser humanistische Ansatz von der Annahme aus, dass jedem Individuum ein Streben nach Unabhängigkeit, Eigenverantwortlichkeit, persönlicher Entfaltung und ganzheitlichem Wachstum innewohnt (Pallasch 1990, S. 197). Konkret bedeutet dies, dass jeder Mensch selbst erkennen kann, was für ihn am besten ist und er aus diesem Grunde für seine Selbstentfaltung keine Manipulation von außen benötigt. Diese grundsätzlich positive Sichtweise vom Menschen vertraut demnach darauf, dass jeder die Kompetenzen und die Energie besitzt, ′sein Leben nach seinen Vorstellungen zu gestalten und die auftretenden Probleme und Schwierigkeiten konstruktiv zu bewältigen′ (Pallasch 1990, S. 197). Das menschliche Wesen beschreibt Rogers anhand zweier Grundmodelle, in welchen er die Wahrnehmung und Verarbeitung von Erlebnissen und Erfahrungen erläutert.
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