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Diploma Thesis, 2004, 102 Pages
Author: Sandra Laubinger
Subject: Pedagogy - Pedagogic Sociology
Details
Tags: Rolle, Frau, Spannungsfeld, Familieninteressen, Selbstverwirklichung, Gesellschaft
Year: 2004
Pages: 102
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 124 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-35433-2
File size: 1473 KB
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Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Die (veränderte) Rolle der Frau - im Spannungsfeld zwischen Familieninteressen und Selbstverwirklichung - in der individualisierten Gesellschaft
Diplomarbeit
eingereicht von
Sandra Laubinger
2004
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 4
2. Was ist unter „Rolle“ zu verstehen? ... 7
2.1. Soziale Rolle ... 7
2.1.1. Rollenkonflikte ... 8
2.1.2. Geschlecht und Geschlechtsrolle ... 9
2.2. Polarisierung der Geschlechtercharaktere ... 10
2.2.1. Die Wesensmerkmale von Mann und Frau ... 11
3. Rollenverständnis der Frau in den verschiedenen Lebensformen ... 12
3.1. In der Sozialform des ganzen Haus ... 13
3.2. In der bürgerlichen Familie ... 14
3.3. In den Arbeiterfamilien ... 16
3.4. In der modernen Kleinfamilie der 50er/ 60er Jahre des 20. Jh. ... 17
4. Die Individualisierte Gesellschaft ... 19
4.1. Individualisierung ... 20
4.2. Die Individualisierungsthese von Ulrich Beck ... 20
4.2.1. Die Bildungsexpansion (-reform) und ihre Auswirkungen ... 25
4.2.2. Die Frauenbewegung ... 28
4.2.3. Die Frauenforschung ... 29
4.2.3.1. Soziale Ungleichheit ... 30
4.2.3.2. Doing Gender ... 35
4.3. Die Frau in der individualisierten Gesellschaft ... 37
4.3.1. Einstellungen zur Rolle der Frau in Bezug auf Familie/das Leben mit Kindern ... 39
4.3.2. Erwerbsbeteiligung von Frauen ... 40
4.3.3. Rechtliche Situation der Frau in der Gegenwart ... 41
5. Der Familienbegriff ... 44
5.1. Was ist „Familie“? ... 44
5.2. Was sind Familieninteressen? ... 45
5.3. Gibt es einen Bedeutungsverlust der Familie? ... 46
5.3.1. Pluralisierung der Lebensformen ... 47
5.3.2. Geburtenrückgang ... 48
6. Der Rollenkonflikt der Frau ... 50
6.1. Die Vereinbarkeitsproblematik von Beruf und Familie ... 52
6.1.1. Arbeitszeitmodelle zwischen Wunsch und Realität ... 53
6.1.1.1. Erwerbssituation der Mütter in Westdeutschland ... 54
6.1.1.2. Erwerbssituation der Mütter in Ostdeutschland ... 54
6.1.1.3. Erwerbssituation allein erziehender Mütter ... 55
6.1.1.4. Arbeitszeitprobleme der Mütter nach dem Erziehungsurlaub ... 56
6.2. Soziale Bindungen - Ressource und Risikofaktor für die Frau ... 57
6.2.1. Auswirkungen der Kindererziehung ... 59
6.3. Mangel an sozialer Sicherheit durch Haus- und Familienarbeit ... 60
6.4. Die innerfamiliale Arbeitsteilung ... 61
6.5. Die „strukturelle Rücksichtslosigkeit“ der gesellschaftlichen Verhältnisse gegenüber Familien ... 66
6.5.1. Unzureichende Infrastruktur für Kinderbetreuung ... 68
6.5.2. Mobilitätserfordernisse ... 68
7. Möglichkeiten der Konfliktlösung für die Frau ... 70
7.1. Modelle der Erwerbstätigkeit für Frauen ... 70
7.2. Bedeutung von Telearbeit ... 72
7.3. Alternative Lebensformen ... 73
7.3.1. Singles ... 74
7.3.2. Allein Erziehende ... 75
7.3.3. Kinderlose unverheiratete Paare ... 76
7.4. Modernisierung des Haushaltes ... 77
7.5. Rollentausch ... 77
7.5.1. Väter mit Doppelrolle ... 78
8. Familienpolitik ... 78
8.1. Was ist darunter zu verstehen? ... 78
8.2. Begründung für familienpolitische Maßnahmen ... 78
8.3. Familienpolitische Maßnahmen ... 79
8.3.1. Erziehungsgeld/Elternzeit ... 80
8.3.1.1. Neuregelungen der Elternzeit ... 80
8.3.1.2. Nutzung der Elternzeit ... 81
8.3.1.2.1. Väter im Erziehungsurlaub ... 82
9. Abschließende Betrachtung ... 84
10. Literaturverzeichnis ... 90
11. Anhang ... 98
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit der (veränderten) Rolle der Frau – im Spannungsfeld zwischen Familieninteressen und Selbstverwirklichung – in der individualisierten Gesellschaft auseinandersetzen. Mein besonderes Interesse an diesem Thema ergibt sich aus meiner persönlichen Lebenssituation, in welcher ich selbst den Schwierigkeiten gegenüber stehe Familie und Studium zu vereinbaren und auch nach dem Abschluss meiner Ausbildung, in Bezug auf die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit weiterhin gegenüberstehen werde.
Der Titel dieser Arbeit impliziert die Frage, ob und inwieweit sich die Rolle der Frau verändert hat. Ich tendiere zu der These, dass sich die Rolle der Frau im familialen Kontext nicht gewandelt hat. Im Gegensatz dazu steht meines Erachtens die veränderte Rolle der Frau im gesamtgesellschaftlichen Kontext.
Zu Beginn dieser Arbeit kläre ich den Begriff der sozialen Rolle, der die Grundlage für das Verständnis der Rollenzuschreibungen bilden soll, damit möchte ich die Basis für das Verständnis der sich anknüpfenden Überlegungen schaffen. Mein Anliegen dabei ist es, einen Einblick in die Entstehung der heute noch stark präsenten traditionellen Rolle der Frau (Hausfrauen-, Mutterrolle) zu vermitteln. Ich werde versuchen, den Zusammenhang der traditionellen Rollenverteilung mit der Polarisierung der Geschlechtercharaktere infolge des Aufstiegs des Bürgertums im 18.Jh. aufzuzeigen. Mein besonderes Interesse soll an dieser Stelle den Ursprüngen der heute noch bestehenden Geschlechterkonstruktionen über die Zuschreibung von Wesensmerkmalen gelten.
Um die Beziehung zwischen den gesamtgesellschaftlichen Veränderungen und den eng damit verbundenen Veränderungen in der Frauenrolle darzustellen, gehe ich in dem darauf folgenden Kapitel auf Positionen ein, welche die Frau in den verschiedenen gesellschaftlichen Epochen, beginnend mit der vorindustriellen Zeit bis in die Gegenwart, innehatte.
Zentral für das Thema dieser Arbeit ist für mich die Frage nach konkreten Veränderungen in der Lebensgestaltung von Frauen in der individualisierten Gesellschaft. Um ein Verständnis der Begrifflichkeit – „Individualisierte Gesellschaft“ zu vermitteln, nutze ich die Individualisierungsthese von Ulrich Beck, welcher sich an den Klassikern der Soziologie orientiert, die diesen Wandel zur Moderne als einen „Prozess der Freisetzung des Menschen aus ständischen Bindungen und als Zunahme des Entscheidungsspielraums beschreiben “(Peuckert 2002, S.311). In diesem Kapitel möchte ich die konkreten Veränderungen in der Lebensgestaltung von Frauen anhand frauenspezifischer Gesichtspunkte nachweisen. Zu diesen Gesichtspunkten zähle ich die Bildungsexpansion (-reform), die Frauenbewegung, die Frauenforschung sowie daraus resultierende Einstellungen zur Rolle der Frau, deren Erwerbsbeteiligung und rechtliche Situation in der Gegenwart.
Im anschließenden Kapitel gehe ich auf den Begriff der Familie und ihren Interessen näher ein. Ich vermute einen wechselseitigen Zusammenhang zwischen den Veränderungen in der Frauenrolle und dem familialen Wandel. Der Geburtenrückgang und die Pluralisierung der Lebensformen scheinen Indikatoren für einen Wandel der Familie und ein Zeichen der Veränderung in den Einstellungen der jüngeren Frauengeneration, bezüglich ihrer Rolle, zu sein.
Welchen speziellen Schwierigkeiten die Frauen bei dem Versuch sich selbst zu verwirklichen und gleichzeitig den Familieninteressen gerecht zu werden gegenüberstehen, soll im sechsten Kapitel erörtert werden. Einen Zugang zur Vereinbarkeitsproblematik von Beruf und Familie versuche ich herzustellen, in dem ich die Erwerbssituationen der Mütter hinsichtlich ihrer Wünsche und der Realität genauer betrachte. Von Interesse im Zusammenhang mit dem Rollenkonflikt ist auch die Bedeutung der sozialen Bindungen der Frauen bezüglich der Handlungsspielräume und individuellen Möglichkeiten der Selbstverwirklichung. Ebenso sind die durch gesellschaftliche Verhältnisse hervorgerufen Einschränkungen, wie z.B. die Mobilitätserfordernisse oder unzureichende Infrastruktur der Kinderbetreuung von Interesse.
Im Kapitel Sieben sollen von Frauen in Anspruch genommene Möglichkeiten demonstriert werden, um diesen Rollenkonflikt zu lösen bzw. abzuschwächen. An dieser Stelle betrachte ich die Modelle der Erwerbsverläufe von Frauen und gehe auf die Bedeutung der Telearbeit für Mütter ein. Des Weiteren versuche ich zu klären, ob alternative Lebensformen wie z.B. Singles oder allein Erziehende zur Lösung des Konfliktes beitragen. Die Möglichkeit des Rollentausches soll, wenn auch nur von einer Minderheit praktiziert, dieses Kapitel abrunden.
Im letzten Kapitel meiner Arbeit widme ich mich der Familienpolitik der Bundesrepublik. Aus meiner Sicht kann durch sie auf politischer und gesellschaftlicher Ebene die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beeinflusst werden. In diesem Zusammenhang werde ich die neuen Elternzeitregelungen und deren Umsetzung beleuchten. Ich sehe in ihnen Potenziale zur Konfliktlösung zwischen Familieninteressen und Selbstverwirklichung.
Einen Rahmen für diese Arbeit habe ich gesetzt, in dem ich die Betrachtungen auf die mittelständischen deutschen Frauen beziehe. Bis auf den einführenden historischen Rückblick beginnt der Betrachtungszeitraum bei den 50er / 60er Jahren des 20. Jahrhunderts und reicht bis in die Gegenwart. Um den Umfang dieser Arbeit einzugrenzen beschränke ich mich hauptsächlich auf die westdeutschen Frauen.
2. Was ist unter „Rolle“ zu verstehen?
Um von der veränderten Rolle der Frau sprechen zu können, ist es vorab notwendig, sich mit dem Begriff Rolle genauer auseinander zu setzten. „Theoriegeschichtlich ist die Rollentheorie als Versuch anzusehen, das Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft im Sinne eines Gleichgewichtsystems zu interpretieren“ (Fachlexikon Soziale Arbeit 1997, S.785). „Das rollentheoretische Konzept spielt sowohl im „europäischen“ wie auch im „amerikanischen“ Verständnis der Soziologie eine zentrale Rolle. Im sozilogischen Blickwinkel des Verhältnisses Individuum und Gesellschaft sind rollentheoretische Ansätze entstanden, die zeigen, wie die Gesellschaft die Individuen über gesellschaftlich und institutionell vorgegebene Rollen prägt, aber auch, wie sich die Individuen gegenüber solchen Rollen verhalten, sich mit ihnen auseinandersetzen, sie übernehmen und individuell aneignen können“ (Böhnisch 1996, S.67).
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