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Details

Veranstaltung: Proseminar: Einführung in die Sprachwissenschaft (historisch) I
Institution/Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (Deutsche Sprache und Literatur)
Tags: Sprache, Problem, Schule, Beispiel, Orthographie, Proseminar, Einführung, Sprachwissenschaft
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 18
Note: 2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 74 KB
Archivnummer: V3660
ISBN (E-Book): 978-3-638-12259-7
Anmerkungen :
Als Hauptproblem von Sprache in der Schule wird hier auf Orthographie unter verschiedenen Gesichtspunkten eingegangen (Migrantenkinder, Legasthenie, Entwicklungsmodelle der Rechtschreibung etc.)
182 KB

Textauszug (computergeneriert)

Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/Main -
Institut für deutsche Sprache und Literatur

Proseminar: Einführung in die Sprachwissenschaft (historisch) I

„Sprache als Problem in der Schule“
am Beispiel Orthographie

Hausarbeit

von

Silke Mühl

WS 2001/02

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 3

2. Sprache als Problem in der Institution Schule ... 4
   
2.1. Deutsch für Migrantenkinder ... 4
    2.2. Probleme des Erlernens der Orthographie ... 5
    2.3. Das Entwicklungsmodell der Rechtschreibung aus heutiger Sicht ... 8

3. Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) ... 10

4. Historie der Orthographie ... 12
   
4.1. Zeittafel zur Orthographiegeschichte ab 1700 ... 13

5. Schlussbemerkung ... 17

Literatur ... 18


1. Einleitung
Der Titel dieser Arbeit lautet „Sprache als Problem in der Schule“. Würde man alle Problemfelder, die mit und um Sprache herum in der Schule entstehen, beschreiben wollen, so wäre der Umfang gewaltig. Von daher will ich mich auf die Orthographie, die geschriebene Sprache als ein Problemfeld in der Schule beschränken.

„Die deutsche Rechtschreibung ist ein wahres Schulkreuz: denn wenn man die Zeit, die dafür aufgewendet wird, den Ärger, den sie Eltern und Lehrern bereitet, die Tränen, die um ihretwillen vergossen werden, summieren könnte, man würde erschrecken über das Unheil, das dieser Unterrichtsgegenstand anrichtet“1

Die Klagen über das Schulkreuz Rechtschreibung sind alt, wie das obige Zitat von Kosog (1912) belegt. Der historische Wandel innerhalb der Orthographie ist, gerade im Hinblick auf unser 2-semstriges Seminar interessant und soll hier ebenfalls kurz beleuchtet werden. Schreibt man über Orthographie als Problem, so ist man sehr schnell auch bei der Lese- und Rechtschreibschwäche, landläufig Legasthenie genannt, angekommen. Auch dieses Problemfeld möchte ich hier streifen.

Generell gilt natürlich, daß Sprache immer ein Problem ist, gleich ob in der Institution Schule oder außerhalb. Weil Sprache nie eindeutig ist, immer eine Doppel- , eine Mehrfachdeutung zulässt. So können Missverständnisse entstehen, die dann zum Problem führen, gleich ob in geschriebener oder gesprochener Sprache.

2. Sprache als Problem in der Institution Schule
2.1. Deutsch für Migrantenkinder
Da Sprache immer ein Problem ist, verwundert es nicht, dass in den Schulen des heutigen Deutschland, mit ihrem hohen Migrantenanteil gerade die deutsche Sprache und deren Erlernen als Problem empfunden wird. In einer Stadt wie Frankfurt am Main, in der ca. 50% aller Grundschüler Migranten sind, scheint gerade das Erlernen der Orthographie ein immer größer werdendes Problem darzustellen. Gerade wenn mehrsprachige Kinder, wie die meisten an deutschen Schulen, in Deutschland geboren und mit zwei Sprachen zugleich aufgewachsen sind, ihre Mehrsprachigkeit also lebensweltlich ist, können sie nicht nur im Mündlichen zwischen den beiden Sprachen wechseln; 2 im Schriftlichen tun sie es auch, häufig jedoch unbemerkt. Mehrsprachige Schulanfänger verfügen also am Schulanfang oft nicht über unterschiedliche Wahrnehmungsstrukturen für ihre zwei Sprachen und Schriften. Das bedeutet für den deutschen Schrifterwerb: sie nehmen spezifische Strukturen des Deutschen nicht wahr.3 Hierzu vielleicht ein kurzes Beispiel: Wie können mehrsprachige Schriftlerner die spezifische Struktur des Deutschen wahrnehmen? Viele Schriftkundige meinen, dass sie die Endbuchstaben <d> in Hund, das <g> in Berg und das <b> in Laub als solche hören könnten, obgleich <d>, <g> und <b> im Auslaut verhärtet werden zu /t/, /k/ und /p/. Ursache hierfür ist, dass Schrift den Gegenstand Sprache, den sie repräsentiert, mit Strukturen überzieht:4 wir meinen beim Sprechen zu „hören“, was wir in Schrift gesehen haben. Man würde nun also vermuten, dass Rechtschreiblernen unter den Bedingungen von Mehrsprachigkeit, aufgrund der Konturierung des Deutschen entsprechend langsam oder problematisch verliefe. Überprüfen lässt sich dies an der Lernbeobachtung „Schreiben“, bei der alle Kinder von November der 1. Klasse bis zum Februar der 2. Klasse fünfmal einzelne ungeübte Wörter aufgeschrieben haben.5. Erstaunlicherweise sind die mehrsprachigen Kinder trotz der ungünstigeren Bedingungen am Schulanfang schon bei der 1. Lernbeobachtung nach 3 Schulmonaten im Schreiben etwa gleich gut wie die einsprachigen Kinder. Und die durchschnittliche Anzahl richtiger Grapheme liegt bei mehrsprachigen Kindern auch zu jedem der anderen Beobachtungszeitpunkte kaum niedriger als bei den einsprachigen. Damit bestätigt sich, dass schwache Lernvoraussetzungen am Schulanfang durch Unterricht kompensiert werden können.

[...]

1 Kosog, O: Unsere Rechtschreibung und die Notwendigkeit ihrer gründlichen Reform. Leipzig 1912, S. 3
2 Gogolin, I.: Muttersprache Zweisprachigkeit. In: Pädagogische Beiträge, H.12/1987, S. 26-30
3 Zimmer, D.E.:: Drei Arten von Zweisprachigkeit. In: Balhorn, H./Brügelmann, H. (Hrsg.): Jeder spricht anders. Lengwil 1989, S. 95-97
4 Coulmas, F.: Über Schrift, Frankfurt 1981
5 Dehn, M. und Hüttis -Graff, P.: Wie Kinder Schriftsprache erlernen - Ergebnisse aus Langzeitstudien in Rechtschreiben lernen in den Klassen 1-6, Grundlagen und didaktische Hilfen, Valtin R. (Hrsg.)2000, Frankfurt/M.

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