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Autor: Jessica Freis
Fach: Pädagogik - Heil- und Sonderpädagogik
Details
Jahr: 2005
Seiten: 58
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 21 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1039 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-36461-4
Textauszug (computergeneriert)
Pädagogische Prüfungsarbeit
im Rahmen der zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Förderschulen im Fach Musik
Verklanglichung des Märchens „Der Topf der Riesin“ von Silvia Hüsler-Vogt in einer Mittelstufe einer Schule für Praktisch Bildbare
Verfasserin: Jessica Freis
Förderschule für Praktisch Bildbare
01. Februar 2005
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 1
2 Verklanglichung ... 2
2.1 Verklanglichung an der Schule für Praktisch Bildbare ... 3
2.2 Übersicht über die Methoden der Verklanglichung ... 5
3 Der Topf der Riesin ... 8
3.1 Der Inhalt ... 8
3.2 Begründete Auswahl des Märchens ... 8
4 Kreativität ... 10
5 Beschreibung der Lerngruppe ... 11
5.1 Allgemeine Lernvoraussetzungen ... 11
5.2 Übersicht über die spezielle Lernausgangslage ... 12
6 Lernziele ... 14
6.1 Groblernziel ... 14
6.2 Musikalische Feinlernziele ... 14
6.3 Fächerübergreifende Lernziele ... 14
6.4 Individuelle Lernziele ... 15
7 Didaktische und methodische Entscheidungen ... 16
7.1 Auswahl der Instrumente ... 19
7.2 Herangehensweise an den TeXt ... 20
8 Übersicht über den Verlauf der Unterrichtseinheit ... 21
9 Exemplarische Darstellung einer Unterrichtsstunde ... 24
9.1 Lernziele der Unterrichtsstunde ... 24
9.2 Didaktisch-methodischer Kommentar ... 25
9.3 Verlaufsplanung ... 29
9.4 Reflexion der Unterrichtsstunde ... 30
Didaktische und methodische Entscheidungen ... 30
Kreativer Umgang mit dem Material ... 32
10 Reflexion der Unterrichtseinheit ... 32
10.1 Rahmenbedingungen ... 32
10.2 Didaktisch-Methodische Entscheidungen ... 33
Zur Wahl des TeXtest ... 33
Wahl der Medien ... 34
Durchführung ... 35
10.3 Lenkung des Unterrichtsgeschehens ... 37
11 Ausblick ... 39
Literaturverzeichnis
1 Einleitung
Auf der einen Seite fordern die Richtlinien einen kreativitätsfördernden Unterricht (vgl. BSM, 8), auf der anderen wird Menschen mit einer praktischen Bildbarkeit1 das Merkmal einer geringen Kreativität zugeschrieben (vgl. MÜHL, 150). Für den Musikunterricht ergibt sich hieraus die Frage, wie Schüler2 mit einer geistigen Behinderung zu kreativer Musikproduktion angeregt werden können.
Eine Möglichkeit bietet der Einsatz von Alltagsgegenständen. Im Gegensatz zu bekannten Spielweisen der traditionellen oder Orff-Instrumente laden sie zu ungewöhnlicher Klangerzeugung ein. Um zu solcher anzuregen bietet sich ein außermusikalischer Inhalt an. Auf der Basis eines Programms werden Klänge produziert, variiert und themenbezogen erfunden. „Der Text bietet [dabei] die Grundlage für die Entwicklung der musikalischen Gestaltungs- und Formkraft“ (BRÄUER, 63).
Der Aufbau eines kreativen Umgangs mit Klängen ist ein langwieriger Vorgang, der einiger Übung bedarf und nicht innerhalb einer Unterrichtseinheit zur Vollendung gebracht werden kann. Durch bewusste Impulse und Anregungen soll in dieser Unterrichtseinheit die Kreativität der Schüler geweckt und zur exemplarischen Erarbeitung einer Verklanglichung eingesetzt werden.
Da Verklanglichungen „nicht von vornherein spezifische musikalische Fertigkeiten voraussetzen, lassen sie sich auch sofort, ohne langes Üben einsetzen. Der inhaltsbezogene Charakter von Verklanglichungen kommt dabei den konkreten Denk- und Erlebnisweisen von Kindern, besonders von Lern- und Geistigbehinderten entgegen“ (TISCHLER, 35f).
Für diese Arbeit ergibt sich eine innere Leitfrage: welche Hilfestellungen und Impulse sind notwendig, um eine textbezogene Verklanglichung unter Einbezug der kreativen Ideen der Schüler zu erreichen?
2 Verklanglichung
„Verklanglichungen beinhalten instrumentale, aber auch vokale Nachahmungen und Darstellungen inhaltsbezogener Vorstellungen, denen z.B. Bilder, Texte, Verse, Begriffe, Situationen oder Handlungen zugrunde liegen. Wesentliches Ziel ist es, visuelle, sprachliche, (szenisch-) bewegungsorientierte und musikalische Aussagen mit einfachen musikalischen Mitteln klanglich umzusetzen, zu veranschaulichen, zu akzentuieren und nachzuempfinden.“ (TISCHLER, 35)
Die Verklanglichung ist dem Teilbereich Musikerfinden zugeordnet. „Das Erfinden von Musik hat seinen Beginn bereits im experimentellen Umgang mit dem Klangmaterial“ (SCHMITT, 204). Im experimentellen Umgang erkunden die Schüler, welche unterschiedlichen Klänge ein einziges Instrument zulässt und wie bereits bekannte Spielweisen auf neue Instrumente transferiert werden können (z.B. Timo: Klopfen an eine Tür übertragen auf Klopfen an eine Wand und Tischplatte). Liegt ein Programm vor, so fordern „Einzelheiten des Textes zu differenziertem, ausdrucksbezogenem, experimentierendem Umgang mit Klangwerkzeugen heraus“ (BRÄUER, 63). Das bild- oder textgeleitete Experimentieren bringt eine musikalische Idee in einem kreativen Prozess (vgl. SCHMITT, 187) zum Ausdruck und bildet so die Grundlage einer Verklanglichung.
Abbildung 1
GERTRUD MEYER-DENKMANNS Klangexperimente und Gestaltungsversuche beschreiben ein Vorgehen, das hier dem experimentellen Umgang mit den jeweiligen Instrumenten zugrunde gelegt wird. Nach einem vorbereitenden Unterrichtsgespräch, in dem die Klangaufgabe besprochen wird, experimentieren die Schüler mit gegebenem Material und Spielweisen. Die verschiedenen Möglichkeiten werden geübt. Nachfolgend suchen die Schüler gemeinsam nach Lösungen, die der Klangaufgabe entsprechen. Abschließend wird die gesamte Klangaufgabe als Zusammenfassung des Erarbeiteten gestaltet. Dazu wird die Realisation des Gesamtablaufes zunächst abgesprochen. Mehrere Realisationsmöglichkeiten werden eingespielt und überprüft (vgl. KÖNEKE, 283f).
Ulrike JUNGMAIR entwirft eine Arbeitsstruktur, die den Prozess des Musik-Erfindens deutlich gliedert:
- Ein positives Arbeitsklima schaffen
- Gute Rahmenbedingungen schaffen
- Sich genügend Zeit nehmen
- Vom Leichten zum Schweren
- Klar umrissene Aufgaben stellen
- Aufgaben mit direkten Aufforderungen verbinden
- Die Aktionen der Kinder begleiten
- Konstruktive Kritik formulieren“ (JUNGMAIR, 35f)
In Bewegung, Sprache und Instrumentalspiel werden einzelne Motive erspielt, die zunächst ausgewählt, wiederholt und dann gestaltet werden.
Nach BRÄUER werden drei Verfahren unterschieden, die die Beziehung von Musik und Text in einer Verklanglichung beschreiben:
- Im leitmotivischen Verfahren wird ähnlich WAGNERS Leitmotivtechnik einer Figur ein musikalisches Motiv als Erkennungszeichen zugeordnet.
- Im melodramatischen Verfahren wird dem fortlaufenden Text Musik unterlegt.
- Beim programmmusikalischen Verfahren kann die Situation eindeutig in analoge Klänge übertragen werden, so dass die Musik auch ohne textliche Erläuterung schlüssig übersetzt wird. (vgl. BRÄUER, 62)
[...]
1 Der Begriff der „Praktischen Bildbarkeit“ wird in anderen Bundesländern und der Fachliteratur auch als „Geistige Behinderung“ bezeichnet. Daher werden hier beide Begriffe eingesetzt.
2 Die Bezeichnung „Schüler“ wird im Folgenden zum besseren Leseverständnis als Zusammenfassung sowohl der weiblichen als auch männlichen Personen der Lerngruppe verwendet.
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