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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 19 Pages
Author: Angelina Kalden
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: Technical University of Berlin
Tags: Walther, Vogelweide, Walther, Vogelweide, Lied
Year: 2005
Pages: 19
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-37285-5
ISBN (Book): 978-3-638-76226-7
File size: 257 KB
gut strukturiert
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Abstract
Die vorliegende Arbeit soll das Gedicht Walthers Hie vor dô man sô rehte minnelîche warp untersuchen. Das Gedicht ist in das Kapitel zur Frauen- und Gesellschaftskritik einzuordnen. Ich werde zunächst knapp auf den Minnesang allgemein eingehen, um die stereotypen Rollen darin hervorzuheben. Anschließend widme ich mich Walthers Kritikpunkten und untersuche das Lied im Hinblick auf diese Punkte. Dabei möchte ich herausarbeiten, wie Walther Kritik in dieser Form und in seiner Position äußert, was damals nicht üblich war. Ich möchte des Weiteren der Frage nachgehen, was ihn veranlasst hat, so weit zu gehen und wie sein Publikum darauf reagiert hat. Um seine Intentionen genauer herauszuarbeiten, werde ich knapp auf andere Lieder mit ähnlichen Schwerpunkten eingehen. Bei den Interpretationsaspekten muss bedacht werden, dass sie auf Vermutungen basieren, da sich nach so langer Zeit nicht alles rekonstruieren lässt.
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität
Fakultät 1, Deutsche Philologie
HS: Walther von der Vogelweide
Walther von der Vogelweide - Hie vor dô man sô rehte minnelîche warp
von: Angelina Kalden
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Minnesang 3-4
3 Walthers Kritikpunkte 4-6
4 Formale Beschreibung und Aufbau der Strophen 6
5 Zum Inhalt 7
5.1 Strophe 1 7-8
5.2 Strophe 2 9-10
5.3 Strophe 3 10-11
5.4 Strophe 4 11-13
5.5 Strophe 5 13-14
6 Walthers Selbstbewusstsein 14-17
7 Abschlussbetrachtungen 17-18
Literaturverzeichnis 18
Primärliteratur 18
Sekundärliteratur 18-19
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit soll das Gedicht Walthers Hie vor dô man sô rehte minnelîche warp untersuchen. Das Gedicht ist in das Kapitel zur Frauen- und Gesellschaftskritik einzuordnen. Ich werde zunächst knapp auf den Minnesang allgemein eingehen, um die stereotypen Rollen darin hervorzuheben. Anschließend widme ich mich Walthers Kritikpunkten und untersuche das Lied im Hinblick auf diese Punkte. Dabei möchte ich herausarbeiten, wie Walther Kritik in dieser Form und in seiner Position äußert, was damals nicht üblich war. Ich möchte des Weiteren der Frage nachgehen, was ihn veranlasst hat, so weit zu gehen und wie sein Publikum darauf reagiert hat. Um seine Intentionen genauer herauszuarbeiten, werde ich knapp auf andere Lieder mit ähnlichen Schwerpunkten eingehen. Bei den Interpretationsaspekten muss bedacht werden, dass sie auf Vermutungen basieren, da sich nach so langer Zeit nicht alles rekonstruieren lässt.
2 Minnesang
Minnesang ist eine Form der Liebeslyrik, die seit Beginn des 12. Jahrhunderts von Frankreich aus durch die Troubadours verbreitet wurde. Die Liedlyrik, vorwiegend in Form der Minnelyrik, des Minnesangs, macht den Großteil Walthers Werke aus (vgl. Schweikle, 1998: 25). Diese Gattung verfügte damals noch nicht über eine fixierte Form. Der Minnesang um 1200 gestaltete eine Welt fern der Realität, die an feststehende Rollen und Themen gebunden war. Das Grundthema des Minnesangs ist die Werbung um eine Dame. Der hoffnungslos verliebte Mann, das lyrische Ich, erwartet durch Dienstergebenheit, Treuebekundungen und das Preisen der Dame erhört zu werden. Dies scheint aus der Sicht des Werbenden immer unerreichbar. Es ging hier nicht um die Liebesbeziehung, da die Dame meist verheiratet war, wobei es in der mittelhochdeutschen Lyrik keinen Hinweis darauf gibt, dass die Ehe der Frau der Grund für die Nichterfüllung der Minne war (vgl. Sievert, 1990: 11-13). Diese Lieder sind geprägt durch die Hoffnung des Sängers, seine Bereitschaft auf Frauenpreis und –dienst und das Leid, das aus der Ablehnung entsteht. Das Leid bringt dem Werbenden Ansehen in der höfischen Gesellschaft, die Treue und Dienst honorierte, da diese Eigenschaften zu ihrem Wertesystem gehörten.
Besonders die Frau wirkt in dieser Form der Lyrik sehr starr. Sie ist auf ihre Rolle als begehrenswerte, aber unerreichbare Frau festgelegt und tritt aus dieser Stellung nicht heraus. Zu den ihr stets zugeschriebenen, festgelegten Eigenschaften gehören Tugendhaftigkeit, Vollkommenheit und Schönheit. Sie wird in den Texten nicht individualisiert dargestellt. Ziel ihrer Darstellung ist die Repräsentation des weiblichen Geschlechts und ihrer ethischen Qualitäten. Sie ist kein Teil einer gleichberechtigten Partnerschaft. Es wird nicht zu ihr, sondern meist zu einem Publikum über sie gesprochen. Sie wird nicht um ihrer selbst Willen verehrt, sondern nur um ihrer Rolle als unerreichbare Dame. In den Minnesang wurden ideale Wunschvorstellungen, verschiedene Lebensauffassungen, gesellschaftliche sowie individuelle Erfahrungen und Ängste projiziert, die mit der damaligen Liebe nicht viel zu tun hatten. Dieses Stereotyp bestimmte fast 100 Jahre die Liebeslyrik des deutschen Mittelalters. Es wurde auch viel variiert, aber das Grundschema blieb gleich. Der Minnesang war an die feudalen Höfe gebunden, an denen er lange Verbreitung fand. Er realisierte sich erst in der Interaktion zwischen dem Sänger und seinem Publikum. Die Gesellschaft nahm am Minnesang teil und bildete seinen Existenzraum (vgl. ebd.169).
3 Walthers Kritikpunkte
Von Walther sind auch Lieder im traditionellen Stil des Hohen Sangs überliefert, die sich mit den tradierten Themen befassen. Doch wie in seiner Spruchdichtung finden sich hierin Kritikpunkte an der Gesellschaft, wobei der Schwerpunkt den Frauen gilt. Allgemein herrschte die eben beschriebene, stereotype Vorstellung von der Frau vor, doch bei verschiedenen Minnesängern bekam sie durch individuelle Züge oder eine bestimmte Funktion innerhalb der Erzählstruktur eine eigene Charakteristik, genauso wie das auch für die Artusritter gilt (vgl. ebd. 154). Walther nimmt der Frau in seiner Lyrik die rollenspezifische Vollkommenheit, kritisiert sie und unterscheidet zwischen guten und schlechten Frauen. Sein Sänger lässt sich trotz Kritik von außen nicht davon abbringen:
Die lôsen scheltent gueten wîben sanc und jehent, daz ich ir übel gedenke. […] er
sî ein zage, der dâ wenke. […] wan dáz ich scheide die guoten und die b(?)sen. Seht, daz ist ir haz. (Die Böswilligen tadeln edlen Frauen gegenüber meinen Sang und behaupten, dass ich schlecht über sie denke. […] Der mag ein Feigling heißen, der da wankt. […] Nur dass ich unterscheide die Guten von den Schlechten. Seht, das ist ihre Feindschaft.) (4, Z. 1-7)
An den höfischen frouwen vermisst er die Fähigkeit, gute und schlechte Bewerber und Sänger zu unterscheiden und davon die Belohnung abhängig zu machen.
Er hinterfragt besonders die den Frauen zugeschriebene sch(?)ne und güete. Nach Schweikle sind ihm sch(?)ne, sælde und rehter sin am wichtigsten und bedingen weitere Werte. Daran wird die höfische frouwe gemessen. Es geht dabei nicht um den Stand, sondern um ihre Tugend. Wichtig ist, dass Walther diese Werte als überständisch und humanethisch betrachtete. Damals hatte jeder Stand die bestehende Ordnung als sinnvoll und die ihm zugeteilte Rolle und ihre Erfüllung als wesentlich für das Wohl des Ganzen und der eigenen Person zu betrachten (vgl. Forstmann / Schneidmüller, B. / Schneidmüller, G. / Thiel, 1998: 401). Demnach waren Walthers Vorstellungen zu dieser Zeit mit Sicherheit nicht ganz ungefährlich.
Die Drohgebärden gegenüber minnetauglichen, höfischen Damen sind bei ihm neu. Er droht direkt oder indirekt mit dem Abbruch des Werbens, dem Hinwenden zu anderen Frauen und mit dem Abwenden von der Gesellschaft.
[...]
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