Autor: Christiane Weiner
Fach: Biologie - Ökologie
Details
Institution/Hochschule: Universität Bremen (Ökologie)
Tags: Desertifikation, Grundwissen, Umweltschutz
Jahr: 2004
Seiten: 27
Note: sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 14 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 718 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-38225-0
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand
Textauszug (computergeneriert)
Desertifikation
von: Christiane Weiner
Inhaltsverzeichnis
1 Umweltproblem Desertifikation 2
1.1 Zur Definition der Desertifikation 2
1.2 Verbreitung und Ausmaß der Desertifikation 3
1.3 Ursachen der Desertifikation 5
1.4 Folgen der Desertifikation 8
2 Desertifikation und die UNCCD 9
2.1 Ziel der Konvention 9
2.2 Instrumente und Organe der UNCCD 10
2.3 Unterstützung der Umsetzung der Konvention von deutscher Seite 11
3 Desertifikationsbekämpfung 12
3.1 Strategien zum nachhaltigen Ressourcenmanagement 12
3.2 Risikominimierung 14
3.3 Anwendungsbeispiele aus China 15
3.4 Schwerpunkt der deutschen EZ 16
4 Erfahrungen und Perspektiven 17
4.1 Erfolge und Probleme bei der Desertifikationsbekämpfung am Beispiel der Sahelzone 17
4.2 Kritik 22
4.3 Ausblick 23
5 Desertifikation und Biologen 25
5.1 Berufsfelder für Biologen 25
5.2 Nationale und Internationale Organisationen 26
6 Literaturverzeichnis 27
1. Umweltproblem Desertifikation
1.1 Zur Definition der Desertifikation
Der Begriff „Desertifikation“ kommt aus dem Lateinischen „desertus facere“, was verwüsten bedeutet. Unter Desertifikation versteht man die anthropogen verursachte Ausbreitung wüstenähnlicher Verhältnisse in Gebiete hinein, in denen sie zonal-klimatisch eigentlich nicht existieren. Nach der UNCOD 1977 (United Nations Conference on Desertification) wird Desertifikation folgendermaßen definiert: “Desertification is the impoverishment of arid, semi-arid and some subhumid ecosystems by the impact of man`s activity [..] Desertification is the result of land abuse.” (UN 1977) Nicht durch den Menschen verursachte Ausbreitung wüstenhafter ökologischer Verhältnisse, die vor allem am Zustand des Bodens und der Vegetation sichtbar werden, bezeichnet man als Desertion.
Der heute weltweit verwendete Terminus „Desertifikation“ wurde erst durch die oben genannte UN-Konferenz allgemein bekannt. Diese wurde 1977 als Folge einer verheerenden Dürrekatastrophe in der Sahelzone nach Nairobi einberufen. Die von 1969-1974 andauernde Dürre im südlichen Randbereich der Sahara und die in der Folge verstärkt auftretende Ausbreitung wüstenhafter Bedingungen in dieser ursprünglichen Dornsavannenregion war allerdings nur ein Element, das die Initiierung bzw. Beschleunigung des Desertifikationsprozesses steuerte. Andere, und nicht weniger wichtige Auslöser und Steuerfaktoren dieses Geschehens waren Nutzungsfehler der in dieser Region wirtschaftenden Menschen, insbesondere auf dem agrarischen Sektor.
Anthropogene Eingriffe in die Geoökosysteme der Trockenzonen mit Landnutzungsmethoden, die diesen nicht angepasst sind, führen zwar unausweichlich zur Degradation der ariden und semi-ariden Naturlandschaften der Steppen und Wüstensteppen und der randtropischen Dornbuschsavannen und Trockensavannen – sie können jedoch nur dann als Desertifikation bezeichnet werden, wenn dies mit der Entstehung tatsächlich wüstenhafter Bedingungen in den betroffenen Gebieten und damit mit einer realen Ausbreitung von Wüsten in solche Regionen hinein verbunden ist. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es eine „wirkliche Desertifikation“ ohne die naturgegebene Prädisposition der Trockengebiete für dieses Geschehen nicht geben kann. Maßgeblich hierfür sind die zu Dürren neigenden Klimagegebenheiten der Trockengebiete. Sie bilden das latent immer vorhandene, aber räumlich, zeitlich und graduell stark variierende ökologische Risikopotential, das verantwortlich ist für das jeweilige Maß, den Zeitraum und die räumliche Anordnung der ökologischen Sensibilität von Trockengebietsräumen gegenüber anthropogenen Eingriffen. Erst durch das Vorhandensein dieser Prädisposition können ökologisch nicht angepasste Methoden der Landnutzung dann überhaupt Desertifikationsprozesse auslösen. Desertifikation ist demnach – wissenschaftlich definiert – die Extremform bzw. Endstufe von Landschaftsdegradation, die durch unangepasste, vor allem landwirtschaftliche Nutzungen lokal, regional und langfristig möglicherweise sogar zu zonal wüstenartigen Bedingungen in Landschaften führt, die diese vorher nicht aufgewiesen haben. Im Sprachgebrauch der mit diesem Problem befassten UN- sowie nationalen Organisationen ist Desertifikation jeder Prozess, der in ariden1, semi-ariden2 und trockenen subhumiden3 Klimazonen der Erde als Folge anthropogener Eingriffe in den Naturhaushalt, gegebenenfalls unter Beteiligung von Klimavariationen, zu einer erheblichen Beschränkung der Landnutzungsmöglichkeiten für den Menschen führt und damit die Lebensbedingungen in den betroffenen Trockengebieten der Erde, die rund ein Drittel der Landoberfläche der Erde ausmachen, erheblich verschlechtert. (Mensching & Seuffert 2001)
1.2 Verbreitung und Ausmaß der Desertifikation
Abb.2 Weltkarte der Desertifikation, UNCOD, Nairobi 1977/1978 (aus Mensching & Seuffert 2001) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
Die Trockengebiete der Erde umfassen ca. 1/3 des Festlandes der Erde. 2/3 dieser Gebiete gehören zu den tropisch/subtropischen Trockengebieten, 1/3 zu den außertropischen Trockengebieten der Mittelbreiten (vgl. Abb.2). Gemeinsam ist diesen Gebieten eine hohe Niederschlagsvariabilität, geringe Luftfeuchtigkeit und meist auch ein geringer Deckungsgrad der Vegetation.
Die Verbreitung der meisten tropisch/subtropischen Trockengebiete erklärt sich aus der tropischen Passatzirkulation4. Infolge der Breitenlage 15°-35° südlicher/nördlicher Breite (subtropischer Hochdruckgürtel) kommt es zur Regenarmut (Ausnahme: Küstenwüsten. Hier bedingen kalte Auftriebsgewässer vor der Küste die Aridität). Außertropische Trockengebiete schließen sich bis zum 50° südlicher/nördlicher Breite an die tropischen Trockengebiete an. Hier wird die Aridität durch die ausgesprochen kontinentale Lage5 der jeweiligen Trockengebiete und durch die außertropischen Westwinde6 bedingt. Da die Wolkenbedeckung in Trockengebieten weitgehend fehlt, ist der Anteil der direkt auf die Erde treffenden Globalstrahlung7 sehr hoch. In den tropisch/subtropischen Trockengebieten beträgt sie etwa 75 %, in den Trockenmonaten bisweilen mehr. Trotz der hohen Albedoraten8 der Trockengebiete – durchschnittlich 20-30 % – kommt es am Tag zu einer starken Erwärmung der Erdoberfläche, die dem Boden durch Verdunstung Haftwasser, falls überhaupt vorhanden, entzieht. Die absorbierte Strahlungsenergie wird in trockenem Substrat fast vollständig in fühlbare Wärme umgewandelt, da latente Wärme wegen des Feuchtemangels im Boden kaum vorhanden ist. Auch die Ausstrahlungsverluste sind auf Grund der fehlenden Wolkenbedeckung in den Trockengebieten höher als anderswo. Dieser Wärmeverlust führt nachts zu einer starken Abkühlung der Erdoberfläche und zur generellen Temperaturerniedriegung, wodurch die tägliche Temperaturamplitude vor allem in ariden Gebieten sehr hoch ist.
Die Niederschläge in den desertifikationsgefährdeten Gebieten variieren regional im Mittel zwischen 50 und 500 mm jährlich (Vgl. Tab. 1). In vielen Monaten sind sie geringer als die potentielle Evapotranspiration. Diese beträgt im Mittel ca. 2000 mm, kann jedoch in Extremfällen auch bis zu 4000 mm jährlich betragen. (Breckle & Walter 1999)
Tabelle 1: Mittlerer Jahresniederschlag in verschiedenen klimatischen Trockenzonen (nach Schulz 2002) [Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]
Desertifikation findet vor allem in den semiariden und subhumiden Gebieten der Erde statt. Besonders betroffen sind folgende Gebiete (Vgl. Abb.2):
- Teile von Mexiko, der Südwesten der USA, kleine Areale im Osten Südamerikas, ein schmaler Streifen westlich der Anden und ein Streifen östlich bis Patagonien;
- Der nordafrikanisch-asiatische Trockengürtel, Bereiche im südlichen Afrika;
- Trockengebiete in Indien, Pakistan und Nordchina;
- Das Innere Australiens. (Mensching 1990)
Desertifikation betrifft alle Kontinente. Betroffen sind derzeit etwa 36 Mio. Km². Dies entspricht einer Fläche dreieinhalb Mal so groß wie Europa. Zahlreiche Entwicklungsländer leiden unter Landdegradierung und Ressourcenzerstörung. Die ca. 50 am wenigsten entwickelten Länder sind besonders stark von der Desertifikation betroffen. In diesen Ländern nehmen Trockengebiete rund zwei Drittel der gesamten Landesfläche ein. (BMZ 2003) Das schlimmste Ausmaß erreicht die Desertifikation im afrikanisch-asiatischen Trockengürtel (Vgl. Abb. 2). Eine Auflistung der desertifizierten Flächen eingeteilt nach Kontinenten ist Tabelle 2 zu entnehmen.
Tab. 2 Desertifizierte Gebiete der Erde (Drenge 1991) [Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]
Ein desertifikationsartiger Wüsten-Endzustand bedarf je nach Intensität und Dauer der anthropogenen Eingriffe unter Umständen sehr unterschiedlicher Zeiträume bis zu seiner Entstehung. Dabei gilt, dass wirkliche Wüstenbedingungen umso seltener und umso später erreicht werden, je humider das Ausgangsklima und je weniger exzessiv die anthropogenen Einwirkungen sind bzw. waren. Im Endeffekt können sogar Steppen und (Dorn-) Savannen zu Wüstensteppen bzw. Wüstensavannen werden und diese letztendlich zu Wüsten. Diese Vorgänge erfolgen in der Regel, wenn auch abgestuft nach Nutzungsintensität, eher flecken- als flächenhaft, wobei im Einzelnen auch die Bevölkerungsverteilung und die ökologische Sensibilität in den jeweiligen Gebieten eine wichtige Rolle spielt. Bekannte Beispiele für relativ klar umgrenzte Desertifikationsareale sind große wüstenhafte Desertifikationsringe um die Siedlungen in Wüstenrandgebieten, wie sie etwa in der Sahelzone zu finden sind. Da einmal in Gang gekommene Desertifikation dazu neigt, sich auch ohne andauernden Eingriff von Seiten der wirtschaftenden Menschen allein durch negative Rückkopplung selbst zu verstärken, sind bei dem Geschehen effektive Gegenmaßnahmen von Nöten.
1.3 Ursachen der Desertifikation
[...]
1 Arid: Zonen, in denen die potentielle Verdunstung in nahezu allen Monaten höher ist als der Niederschlag, stark negative Wasserbilanz.
2 Semi-arid: Zonen, in denen die Wasserbilanzen nahezu ausgeglichen sind, die potentielle Verdunstung in einigen Monaten aber die Niederschlagsrate übersteigt.
3 Subhumid: Zonen, in denen die Wasserbilanz in einigen Monaten positiv, in anderen jedoch negativ ausfällt, Niederschlagsvariabilität 25 %.
4 Die Passatzirkulation ist der Teil der allgemeinen Zirkulation der Atmosphäre, der zwischen 30° N und 30° S anzutreffen ist. Durch die Ausbildung der Passatinversionsschicht zwischen 15°-30° N/S wird ein Luftmassenaustausch und damit die Bildung hoher Wolken und Niederschläge weitgehend verhindert. (Strahler & Strahler 2002)
5 Die Kontinentalität nimmt mit der Entfernung vom Meer zu. Je höher sie ist, desto größer werden die Temperaturgegensätze im Jahresgang.
6 Die außertropischen Westwinde sind bodennah wehende Winde zwischen dem subtropischen Hochdruckgürtel und den Tiefdruckgebieten der Polarfront.
7 Globalstrahlung = direkte Strahlung + diffuse Strahlung.
8 Albedorate: Drückt das Rückstrahlvermögen der Erdoberfläche aus.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: