Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Alain Bieber
Fach: Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Seminar für Allgemeine Rhetorik)
Tags: Rhetorik, Antiphon
Jahr: 2002
Seiten: 21
Note: 1,5
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 176 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-12483-6
Es handelt sich hauptsächlich um ein schriftlich ausformuliertes Referat. Trotz allem sehr kompakt.
134 KB
Textauszug (computergeneriert)
Rhetorik im Mordprozess - Antiphons Tetralogien
Allgemeine Rhetorik (5), Soziologie (5), Neuere Deutsche Literatur (5)
Magister Atrium
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung : Leben und Werke Antiphons
S. 03
II. Antiphons Tetralogien
S. 05
III. Sophist und / oder Redner
S. 12
IV. Rhetorik im Mordprozess - Antiphons Kritik an den herrschenden Konventionen der attischen Gerichtsbarkeit
S. 13
V. Wahrheit oder Wirklichkeit
S. 16
VI. Das Tötungsgesetz und sein religiös-philosophischer Hintergrund
S. 18
VII. Literaturverzeichnis
S. 20
"Denn schon viele, die nicht reden konnten, sind durch ihre wahren Aussagen unglaubwürdig geworden und gerade durch sie zugrundegegangen, weil sie sie nicht klar darlegen konnten; viele jedoch, die reden konnten, sind glaubwürdig geworden durch ihre Lügen, haben sich dadurch gerettet, daß sie logen." Antiphon - Or. 5.3.
I. Einführung : Leben und Werke Antiphons
Antiphon aus Athen, wurde wahrscheinlich ungefähr 480 vor Christus in der attischen Ortschaft Rhamnus geboren und im Jahre 411 v. Chr. hingerichtet. Viele Details über sein Leben sind nicht überliefert worden und auch er selbst war wohl in dieser Hinsicht eher zurückhaltend, denn im Gegensatz zu Lysias gibt es in seinen eigenen Reden nur wenig Hinweise über seine Herkunft und sein Werk. Man vermutet sein Vater Sophilos soll ebenfalls Sophist gewesen sein. Deshalb sehen viele Philologen in seinem Vater den Antrieb zur Beredsamkeit, aber von einigen wird auch behauptet, Antiphon sei Autodidakt gewesen.
Im Jahr 411 v.Chr. wurde Antiphon als Hochverräter verurteilt und hingerichtet, weil er sich an dem oligarischen Putsch der "Vierhundert" beteiligt hatte.
Der damalige Plan zum Sturz der Volksherrschaft mittels einer Oligarchenpartei, "Die Vierhundert", scheiterte unter anderem auch aus unbefriedigtem Ehrgeiz zweier Fraktionen. Ziemlich schnell spaltete sich die Oligarchenpartei in eine strenge und eine gemäßigte Fraktion. Antiphon vertrat als einer der Mächtigsten die strenge Fraktion. Er galt als Skeptiker, Kritiker und Gegner des Bestehenden - in diesem Fall der athenischen Demokratie. Ganz ähnlich wie auch Sokrates, der ja ebenfalls als Skeptiker und Kritiker der Demokratie galt. Zum Verhängnis wurde Antiphon sein Marsch mit anderen Friedensgesandten zu den Lakedämoniern in Sparta. Diese Gesandtschaft blieb erfolglos, die Partei der 400 wurde abgesetzt und die Meisten flohen. Antiphon jedoch blieb, vielleicht weil er auf die Macht der Rede vertraute, und wurde des Landesverrats angeklagt. Er hielt seine nicht mehr erhaltene Verteidigungsrede "Über die Verfassungsänderung", eine Rede, die für die Beste seiner Zeit gehalten wurde, jedoch Antiphon am Ende trotzdem nicht mehr vor der Hinrichtung bewahren konnte. Selbst eine Beerdigung innerhalb des attischen Gebiets wurde ihm verweigert.
Zu Lebzeiten wurde er berühmt, als erster gewerbsmäßiger Redenschreiber für Prozessierende, als Logograph. Nach attischem Recht mussten nämlich die Kläger bzw. Angeklagten in der streitlustigen athenischen Demokratie ihre Sache vor Gericht persönlich vertreten. Und da blieb meist, als einzige Hilfe des einfachen Mannes, die professionelle Hilfe eines Logographen, der Reden gegen die raffinierten und redegewandten Ankläger schrieb. Diese fertigen Reden mussten die unkundigen Klienten dann einfach nur noch auswendig lernen. So entstand die Zunft der Redenschreiber, deren erster Vertreter Antiphon war, sowie auch die Rhetorik wurde geboren. Denn all die überlieferten Schriftstücke der damaligen Rhetoren bekamen eine entscheidende Bedeutung für die wissenschaftliche Rhetorikforschung. Auch Antiphons Reden gelten als die ältesten direkten Zeugnisse der attischen Gerichtsrhetorik, wobei sie jedoch eher als Quelle für ein epochen- oder personenspezifisches Rechtsdenken stehen. Und obwohl ja die Reden nach dem Prozess für Kläger bzw. Angeklagten unwichtig wurden, war der Grund der Überlieferung für die Sophisten und Logographen ein ganz profaner: Die Rhetoren wollten der Öffentlichkeit Proben ihrer Kunst zugänglich machen, um damit neue Klienten anzuwerben. Also als eine Art Eigenwerbung im klassischen Sinne.
Nicht sicher ist, ob Antiphon aus Athen auch noch als Wahrsager und Traumdeuter arbeitete, oder ob es sich dabei um einen Namensvetter handelte.
Neben den Tetralogien, sind noch folgende Fragmente unter seinem Namen überliefert: Drei von ehemals 60 Gerichtsreden, die alle Tötungsdelikte behandelt. Antiphon scheint also wirklich der Fachmann für Morde gewesen zu sein. Daneben noch die philosophischen Schriften "Über die Wahrheit", "Über den Gemeinsinn", "Der Staatsmann" oder auch "Die Staatsrede" genannt, sowie "Über die Traumdeutung".
An diesen philosophischen Werken ist besonders interessant, dass Antiphon nicht allein Fragen der Physik und Kosmologie, wie bei anderen Vorsokratikern üblich, in seinen Schriften erörterte, sondern auch moderne ethisch-politische Gedanken, die die Rechtsnormen und herrschenden Konventionen kritisierten und für eine Gleichheit der Menschen mit gleichen Gesetzen plädierten.
II. Zu den Tetralogien
[...]
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: