Der Napoleon-Mythos bei Stendhal

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Details

Titel: Der Napoleon-Mythos bei Stendhal
Autor: Arne Friedemann
Fach: Romanistik - Französisch - Literatur
Veranstaltung: HS "Stendhal als Romanschriftsteller"
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Romanistik)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 1999
Seiten: 28
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 391 KB
Archivnummer: V40033
ISBN (E-Book): 978-3-638-38652-4
Anmerkungen :
Diese Arbeit untersucht den Einfluss Napoleon Bonapartes auf das Romanwerk Stendhals. Dabei werden zunächst die historische Gestalt Napoleons und ihre mythische Wirkung auf Mit- und Nachwelt dargestellt. Sodann zeigt der Autor, wo sich die Lebenswege Stendhals und Napoleons kreuzten und welche Rolle der vertriebene Kaiser in den Romanen "Le Rouge et le Noir" und "La Chartreuse de Parme" spielt.

Textauszug (computergeneriert)

HUMBOLDT-UNIVERSITÄT ZU BERLIN
Philosphische Fakultät II – Institut für Romanistik
HS 52379 "STENDHAL ALS ROMANSCHRIFTSTELLER"
SoSe 1999

Hauptseminararbeit zum Thema:

DER NAPOLEON-MYTHOS BEI STENDHAL

Arne Friedemann 
Osteuropastudien (HF) 
Osteuropäische Geschichte (NF)
Französisch (NF)
8./9. Fachsemester

 

 

INHALTSVERZEICHNIS  2

1. Einleitung  3

2. Napoleon – Mann und Mythos  4
2.1. Der Soldat  4
2.2. Der Politiker und Modernisierer  5
2.3. Das Genie  5
2.4. Der Visionär  6
2.5. Der Erbauer der eigenen Legende  7
2.6. Der Mythos  8

3. Napoleon im Leben Stendhals  9

4. Stendhal als Biograph Napoleons  11
4.1. Vie de Napoléon (1817)  11
4.2. Mémoires sur Napoléon (1836-38)   12

5. Stendhal als Romancier Napoleons  13
5.1. Le Rouge et le Noir  14
5.1.1. Das Soldatische im Charakter Julien Sorels  15
5.1.2. Die Energie   17
5.1.3. Julien Sorel als Vertreter der Jugend der Romantik   18

5.2. La Chartreuse de Parme   19
5.2.1. Der Schwärmer Fabrice del Dongo   20
5.2.2. Das Waterloo-Abenteuer von Fabrice   21
5.2.3. Die polarisierende Wirkung Napoleons   22
5.2.4. Die Bedeutung des zivilisatorischen Werks Napoleons  23

Schlussbemerkung: Der Napoleon-Mythos als Ausdruck politischer Opposition   25

LITERATUR  28

 

 

1. Einleitung

Das Leben und Wirken Napoleon Bonapartes hatte einen großen Einfluß auf das Werk des Schriftstellers Henri Beyle-Stendhal1. Nicht nur, daß dieser lange Jahre im Dienste Napoleons stand und mit dessen Grande Armée auf mehreren Feldzügen durch Europa eilte: Später, als Napoleon von der Macht verdrängt war, sollte Stendhal sich der Gestalt des gefallenen Kaisers auch literarisch nähern. Diese Annäherung vollzog sich einerseits in Form zweier Biographien; darüber hinaus schlug sich Napoleons Wirken und speziell der Napoleon-Mythos auch in den Romanen Stendhals nieder. Dabei muß man berücksichtigen, daß Stendhal einen sehr lockeren Umgang mit literarischen Gattungen pflegte. So sind seine Napoleon- Biographien (wie eigentlich alle seine Werke) voller Abschweifungen und haben mit heutiger Geschichtswissenschaft nur wenig gemein. Ebenso sind auch die Romane Stendhals keine reine Belletristik, sondern durchsetzt von ästhetischen Betrachtungen und politischen Analysen. Was beide Gattungen bei Stendhal verbindet, sind Leichtigkeit und Esprit. Dies allein zeigt, wie viele künstlerische Impulse der Autor noch aus dem 18. Jahrhundert erhalten hat.

In dieser Arbeit soll zunächst ein Bild des "außerordentlichen Menschen"2 Napoleon Bonaparte entworfen werden. Versucht wird, die geschichtliche Gestalt Napoleons vom Napoleon-Mythos zu trennen und zu zeigen, wie dieser Mythos entstanden ist. Im Anschluß daran folgt die Darstellung der Berührungspunkte zwischen den Lebensläufen beider Männer. Dabei wird ein Hauptaugenmerk auf die politischen Ansichten Stendhals gelegt, denn diese Ansichten sind vielfach der Schlüssel zu seinem Werk. Es folgt die Untersuchung von vier Arbeiten, die alle vom Mythos Napoleons beeinflußt worden sind: Zum einen die erwähnten Biographien Vie de Napoléon und Mémoires sur Napoléon und zum anderen die Romane Le Rouge et le Noir und La Chartreuse de Parme.

Man kann mit Recht behaupten, daß die Auseinandersetzung mit Napoleon zu einem Lebensthema Stendhals geworden ist – nicht zuletzt deshalb, weil der Autor bezüglich Napoleons ständig zwischen Abscheu und Bewunderung schwankte. Stendhal ist sich dieses Sachverhalts deutlich bewußt gewesen, so etwa wenn er im Jahr 1837 bekannte:


"L′amour pour Napoléon est la seule passion qui me soit restée; ce qui ne m′empêche pas de voir les défauts de son esprit et les misérables faiblesses qu′on peut lui reprocher."3

2. Napoleon – Mann und Mythos

Napoleon Bonaparte (1769-1821) ist eine der schillerndsten Gestalten in der Geschichte der Neuzeit. 1769 als Sohn eines kleinen Advokaten auf Korsika geboren, schlug Napoleon die militärische Laufbahn ein, stieg im Zuge der Französischen Revolution zum General auf, machte sich 1799 durch Staatsstreich zum Herrscher Frankreichs und unterwarf sich in einer Reihe glänzender Feldzüge den größten Teil Europas. Erst 1814 gelang es einer Koalition seiner Gegner England, Preußen, Rußland und Österreich den selbsternannten Empereur zu besiegen und zur Abdankung zu zwingen. Trotz einer kurzen Rückkehr von seinem Verbannungsort Elba im Jahre 1815 (die "hundert Tage") wurde er schließlich endgültig von der Macht verbannt und starb 1821 auf der Atlantikinsel St.Helena. Doch daß der Mann Napoleon Bonaparte schon zu Lebzeiten zum Mythos wurde, liegt nicht allein an dem, was er tat, als vielmehr an der Art und Weise wie er es tat – und auch daran, wie er es darzustellen verstand. In den folgenden Abschnitten werden die verschieden Facetten dieser faszinierenden Persönlichkeit geschildert, um verständlich zu machen, wie Napoleon Bonaparte zum Mythos seiner Epoche werden konnte.

2.1. Der Soldat

Napoleon begann seine Karriere als Soldat und behielt das Soldatische Zeit seines Lebens bei. Gleichfalls als Soldat schuf Napoleon die Basis für seinen Ruhm: Begonnen mit dem italienischen Feldzug von 1796, "qui a fait l′admiration de tous les stratèges"4 schlug Napoleon insgesamt 60 Schlachten gegen die renommiertesten Armeen Europas, wobei er das Schlachtfeld fast jedesmal als Sieger verließ. Dieses Feldherrengenie zusammen mit dem Nimbus der Unbesiegbarkeit waren in jedem Fall dazu angetan, den Ruf Napoleons ins Mythische zu steigern – zumal in einer Zeit, in der das Militär in ungleich höherem Ansehen stand als in der heutigen.

[...]


1 Beyle, der Pseudonyme liebte, nannte sich erstmals bei der Veröffentlichung von Rome, Naples et Florence (1817) "Stendhal" – und wurde später unter diesem Namen berühmt (vergl. Nerlich, Michael Stendhal in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek b. Hamburg 1993, 61).

2 Stendhal selbst hat Napoleon "cet homme extraordinaire" genannt (vergl. Stendhal Napoléon (Bd.2) – Mémoires sur Napoléon, Paris 1964, 13).

3 Mémoires sur Napoléon, 17.

4 Tulard, Jean Napoléon ou le mythe du sauveur, Paris 1984, 80.

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