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Termpaper, 2005, 16 Pages
Author: Martin Meingast
Subject: History - Middle Ages, Early Modern
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Institut für Geschichtswissenschaften)
Tags: Matteo, Ricci, Fremden, Vertrauter, Vertrauten, Fremder, Blick, Europa, Alte, Welten, Neuzeit
Year: 2005
Pages: 16
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-39269-3
File size: 516 KB
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Abstract
„‚Inkulturation’ heißt das Marketingrezept, mit dem die römische Kurie die kulturellen Hürden zu überwinden trachtet. Das Christentum soll endlich mit ‚asiatischem Gesicht’ auftreten und auf lokale Sitten und Gebräuche Rücksicht nehmen.“ Das liest man in einem Beitrag des Spiegel zum Tode Papst Johannes Pauls II. in einem Abschnitt zur geplanten Vorgehensweise der Kirche in den letzten dem Christentum abgeschotteten Ländern der Welt. Bei diesen Sätzen des 21. Jahrhunderts erscheint die Beschreibung eines Ordensbruders Riccis vor dem Hintergrund des 16. Jahrhundert als Anachronismus: „Mattheo Ricio, Italiener, so ähnlich in allem den Chinesen, dass er einer von ihnen zu sein scheint in der Schönheit des Gesichtes und im Zartgefühl, und in der Sanftmut und Milde, welche jene so schätzen.“ Wie kaum ein anderer im 16. Jahrhundert hat es der italienische Missionar Matteo Ricci, „unstreitig der größte China-Missionar und wohl überhaupt der bedeutendste geistige Vermittler zwischen China und dem Abendland“ wie ihn Franke benennt, verstanden, auf eine andere Kultur zuzugehen, ihr auf Augenhöhe zu begegnen und dabei die eigene Herkunft nicht zu vergessen. Immer das Ziel seiner Mission vor Augen, nämlich die vom wahren Glauben abgekommenen Chinesen zum Christentum zu bekehren, wählte er einen für die damalige Zeit einen alles andere als selbstverständlichen Weg – die Akkommodation. Ricci war mit dieser Methode seiner Zeit mit dem Blick auf die beiden obigen Zitate offensichtlich weit voraus – er hatte schon damals das „asiatische Gesicht“ das sich die Kirchenführung in Rom heute von den Missionaren in Fernost wünscht. Zuerst wird es in dieser Arbeit um das Leben Riccis gehen, wobei es selbstverständlich nicht möglich ist, sein Leben bis in das letzte Detail nachzuzeichnen. Ähnlich verhält es sich auch mit den Werken Riccis, die hier nur kurz und exemplarisch behandelt werden können. Zuletzt wird natürlich auch die Akkommodationstheorie selbst angesprochen. Als Quelle für den heutigen Wissenstand über die Missionierung in China stehen uns viele Schriftstücke zu Verfügung: Von den Schriften der Missionare selbst, über Berichte von Zeitgenossen in und außerhalb Chinas bis hin zu kircheninternen Dokumenten bietet sich eine Fülle von Materialien.
Excerpt (computer-generated)
Hausarbeit
Matteo Ricci -
dem Fremden ein Vertrauter und dem Vertrauten ein Fremder werden
von
Martin Meingast
2005
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 2
2. Die Vorgeschichte 3
2.1. Matteo Ricci auf dem Weg nach China 3
2.2. Kontakte zwischen China und Europa vor 1600 ... 4
2.3. Alessandro Valignano und die Akkommodationstheorie 5
3. Ricci in China 7
3.1. Von Macao nach Zhaoqing 7
3.2. Zhaoqing: Die Literati 7
3.3. Von Zhaoqing nach Peking 9
4. Ricci und die Chinesen 10
5. Riccis Werke: Zwei Beispiele 11
6. Resümee 12
7. Literaturverzeichnis 13
8. Anhang 14
8.1. Die Mappamundo – Riccis Weltkarte 14
8.2. Die Welt zur Zeit Riccis – wichtige Orte 14
8.3. Chronologie 15
„Matteo Ricci ist ein nicht heilig-gesprochener Heiliger.“1
1. Einleitung
„Inkulturation’ heißt das Marketingrezept, mit dem die römische Kurie die kulturellen Hürden zu überwinden trachtet. Das Christentum soll endlich mit ‚asiatischem Gesicht’ auftreten und auf lokale Sitten und Gebräuche Rücksicht nehmen.“2
Das liest man in einem Beitrag des Spiegel zum Tode Papst Johannes Pauls II. in einem Abschnitt zur geplanten Vorgehensweise der Kirche in den letzten dem Christentum abgeschotteten Ländern der Welt. Bei diesen Sätzen des 21. Jahrhunderts erscheint die Beschreibung eines Ordensbruders Riccis vor dem Hintergrund des 16. Jahrhundert als Anachronismus:
„Mattheo Ricio, Italiener, so ähnlich in allem den Chinesen, dass er einer von ihnen zu sein scheint in der Schönheit des Gesichtes und im Zartgefühl, und in der Sanftmut und Milde, welche jene so schätzen.“3
Wie kaum ein anderer im 16. Jahrhundert hat es der italienische Missionar Matteo Ricci, „unstreitig der größte China-Missionar und wohl überhaupt der bedeutendste geistige Vermittler zwischen China und dem Abendland“ wie ihn Franke benennt, verstanden, auf eine andere Kultur zuzugehen, ihr auf Augenhöhe zu begegnen und dabei die eigene Herkunft nicht zu vergessen.4 Immer das Ziel seiner Mission vor Augen, nämlich die vom wahren Glauben abgekommenen Chinesen zum Christentum zu bekehren, wählte er einen für die damalige Zeit einen alles andere als selbstverständlichen Weg - die Akkommodation. Ricci war mit dieser Methode seiner Zeit mit dem Blick auf die beiden obigen Zitate offensichtlich weit voraus – er hatte schon damals das „asiatische Gesicht“ das sich die Kirchenführung in Rom heute von den Missionaren in Fernost wünscht.
Zuerst wird es in dieser Arbeit um das Leben Riccis gehen, wobei es selbstverständlich nicht möglich ist, sein Leben bis in das letzte Detail nachzuzeichnen. Ähnlich verhält es sich auch mit den Werken Riccis, die hier nur kurz und exemplarisch behandelt werden können. Zuletzt wird natürlich auch die Akkommodationstheorie selbst angesprochen.
Als Quelle für den heutigen Wissenstand über die Missionierung in China stehen uns viele Schriftstücke zu Verfügung: Von den Schriften der Missionare selbst, über Berichte von Zeitgenossen in und außerhalb Chinas bis hin zu kircheninternen Dokumenten bietet sich eine Fülle von Materialien.
2. Die Vorgeschichte
2.1. Matteo Ricci auf dem Weg nach China
Matteo Ricci erblickte am 6. Oktober 1552 in Macerata das Licht der Welt. Sein Vater, Giovan Battista Ricci, war Apotheker und in der Politik sehr engagiert, während seine Mutter, Giovanna Angiolelli die sozialen Kontakte der Familie pflegte und die Erziehung übernahm.5 Ricci wurde 1561 ein Schüler des Jesuitenkolleg in Macerata und erhielt hier eine sehr gute Ausbildung. Besonders beim Erlernen von Sprachen zeigte er sich sehr engagiert, ein Charakterzug der ihm in späteren Jahren zu Gute kommen wird.6 1568 begann er sein Studium in Rom – zunächst wählte er Jura, wechselte aber, nachdem er sein Noviziat „against the will of his pharmacist father“ bei den Jesuiten angetreten hatte, zu einem Studium der Freien Kunst, Philosophie und Mathematik.7 Bei seinem Mathematikstudium kam er mit Christopher Clavius, dem besten Mathematiker seiner Zeit, in Kontakt. Mit seinem Interesse an philosophischen und religiösen Thematiken stieß Ricci zunehmend auf Widerstand bei seinem Vater, weshalb Clavius, der es zu seiner eigenen Art machte, philosophische und naturwissenschaftliche Fragen zu verknüpfen, unter Umständen zu einem Vorbild für Ricci wurde. Die Bekanntschaft mit Clavius prägte Ricci auf jeden Fall erheblich - über ihn kam er in Berührung mit den verschiedenen Sprachen und Kulturen in Europa.8
Ricci war beeindruckt von der Mission der jungen und dynamischen Jesuiten – vor allem deren ‚Modernität’ war für Ricci wichtig. Der Orden beschäftigte sich nicht streng konservativ mit der Kirche und ihrer Lehre, sondern auch mit den neuen Naturwissenschaften und verschiedensten Sprachen. Hier kam er erstmals mit Alessandro Valignano in Kontakt. Dieser unterstützte sein Studium der Mathematik, Philosophie und arte liberales in Rom und Florenz. Das in diesem Zusammenhang betriebene intensive Auswendiglernen von lateinischen und griechischen Texten schulte in erheblichem Maße Riccis Gedächtnisleistung, mit welcher er später die Chinesen beeindrucken wird.9
[....]
1 Li, 1997, Seite 219
2 Smoltczyk, Alexander u.a., Ein Reich, nicht von dieser Welt, in: Der Spiegel, Nr. 15 / 11.4.2005, Seiten 94 – 166, hier: Seite 112
3 Zitiert nach Franke, Seite 74
4 Franke, Seite 72
5 Vgl. Hoffmann-Herreros, Seite 7
6 Vgl. Hoffmann-Herreros, Seite 13
7 Vgl. Pfister, Seite 1
8 Vgl. Demel, Spalte 181
9 Vgl. Li, Seite 225
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