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Autor: Achim Baatzsch
Fach: Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Universität Leipzig (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften)
Tags: Lizenzierungsgeschichte, Liberal-Demokratischen, Zeitung, Halle, Saale, Zensur
Jahr: 1997
Seiten: 202
Note: 2,5
Literaturverzeichnis: ~ 103 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 2267 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-39288-4
ISBN (Buch): 978-3-638-70640-7
Interviews mit Redakteuren, die 1945-48 unter russischer Zensur gearbeitet haben. Detaillierte Biografien. Redaktionsalltag, Pressegeschichte in Halle/Saale. Interna über Verhaftungen und Wechsel von Redakteuren. Interviews: Walter Reim, Gerd Brunner, Hans-Herbert Biermann, Joachim Kirmis, Margit Boeckh, Wolfgang Boeckh, Odo Lilienthal, Philipp von Wilcke, Michael Willing, Bernhard Stavenhagen, Kurt Mündecke, Rudolf Agsten.
Zusammenfassung / Abstract
Vom 18. Dezember 1945 bis zum 30. Juni 1990 erschien in Halle die Liberal-Demokratische Zeitung (LDZ). Als Hallesches Tageblatt mit dem Untertitel LDZ führte die Redaktion mit vielen ehemaligen Liberaldemokraten die Zeitung dann weiter als Lokalausgabe der Leipziger Volkszeitung. Das Blatt gab es am 31. Dezember 1995 zum letzten Mal. Damit schloß der Verlag der Leipziger Volkszeitung einen 50 Jahre alten Zeitungsbetrieb. Der Autor hat die ersten Redakteure der LDZ interviewt, die noch unter direkter russischer Rotstift-Zensur arbeiten und täglich mit der Verhaftung rechnen mussten. Im dicken Anhang stehen die Abschriften der ungeschminkten Interviews mit ehemaligen Redakteuren und mit Rudolf Agsten, der für die Nachzensur der liberalen Presse Jahrzehnte verantwortlich war. Die Zeitzeugen-Berichte machen diese Arbeit lebendig und erklären vieles, was sich dem Leser der LDZ-Ausgaben im Archiv nicht erschließen würde. Da Achim Baatzsch 1989 bis 1992 Redakteur der LDZ-Hallesches Tageblatt war, haben diese Redakteure ihm Dinge anvertraut, die sie einem fremden Wissenschaftler nicht so offen geschildert hätten. Trotz wissenschaftlicher Genauigkeit besitzt sie daher einen dokumentarischen Charakter.
Textauszug (computergeneriert)
Die Lizenzierungsgeschichte der Liberal-Demokratischen Zeitung (Halle)
Diplomarbeit
zur Erlangung des akademischen Grades “Diplomjournalist”
Universität Leipzig
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften
Abteilung Historische und Systematische Kommunikationswissenschaft
Abgabe: 6. Dezember 1997
eingereicht von:
Achim Baatzsch
Inhalt
1 Einleitung ... 3
2 Forschungsstand ... 12
3 Deutscher Verwaltungen nach dem Krieg
3.1 Erhard Hübener wird Ministerpräsident ... 17
3.2 Nachkriegsverwaltung in Halle ... 19
3.3 Besatzungsamt ... 20
3.4 Nachrichtenamt Halle ... 21
3.5 Abteilung Presse und Propaganda beim Volksbildungsamt ... 23
3.6 Amt für Information beim Innenministerium, Landesnachrichtenamt ... 27
4 Grundlagen der sowjetischen Informations- und Pressepolitik ... 28
5 Presse in Halle im Überblick
5.1 Die Verlagsgebäude der LDZ
5.1.1 Der erste Redaktionssitz der LDZ, Geiststraße 47 ... 31
5.1.2 Zweiter Redaktionssitz: Buchdruckerei Wilhelm Knapp, Mühlweg 19 ... 32
5.1.3 Dritter Redaktionssitz: Große Brauhausstraße 16/17 ... 32
5.2 Presse im Dritten Reich
5.2.1 Mitteldeutsche National-Zeitung ... 34
5.2.2 Hallesche Nachrichten ... 35
5.3 Presse in der Besatzungszeit ... 37
5.3.1 Amtsblatt ... 39
5.3.2 Volks-Zeitung (KPD) ... 39
5.3.3 Volksblatt (SPD) ... 40
5.3.4. Der Neue Weg (CDU) ... 42
5.3.5 Freiheit (SED) ... 43
6 Lizenzierung
6.1 LDP-Gründung in Halle ... 44
6.2 Pressestelle des Landesverbandes Sachsen-Anhalt der LDP ... 45
6.3 Gründung der LDZ ... 45
6.4 Lizenzierung der LDZ ... 46
6.5 Lizenzierung liberaler Zeitungen ... 49
7 Organisation und Struktur der LDZ
7.1 Der Gesellschaftervertrag der Elbe-Saale-Druckereien GmbH ... 50
7.2 Redaktionelle Mitarbeiter
7.2.1 Max Rudolf Agsten ... 53
7.2.2 Eugen Brinkmann ... 54
7.2.3 Harold W. Esche ... 57
7.2.4 Dr. Alfred Fast ... 59
7.2.5 Rudolf Gerhard Freymann ... 59
7.2.6 Reinhard Hoffmeister ... 60
7.2.7 Horst Rudolf Löser ... 60
7.2.8 Annerose Matz-Donath ... 63
7.2.9 Walter Reinel ... 67
7.2.10 Ewald W. Remy ... 67
7.2.11 Johannes Stefko ... 68
7.2.12 Mitarbeiterstab ... 68
7.3 Geschäftsführer und Prokuristen ... 72
7.4 Chefredakteure ... 73
7.5 Verlagsleiter ... 75
7.6 Auflage ... 76
7.7 Finanzen ... 80
7.8 Geschäftsstellen ... 81
7.9 Gestalt der LDZ
7.9.1 Titelseite ... 82
7.9.2 Kulturseite 2 ... 83
7.9.3 Heimatseite 3 ... 84
7.9.4 Anzeigenseite 4 ... 85
7.9.6 Fotos ... 85
7.9.7 Zeichnungen ... 86
7.10 Arbeit in der Redaktion ... 86
7.11 Quellen der LDZ ... 87
8 Inhalt der LDZ
8.3 Vorzensur ... 88
8.6 Nachzensur ... 97
9 Schluß ... 100
10 Anhang
Quellen
Gedruckte Quellen ... 103
Nachschlagewerke, Handbücher, Bibliographie ... 113
Monographien und Sammelpublikationen ... 114
Aufsätze aus Periodika und Sammelpublikationen ... 115
Tages- und Wochenzeitungen ... 118
Ungedruckte Quellen ... 119
Schriftliche und mündliche Auskünfte ... 122
Abkürzungsverzeichnis ... 123
Danke ... 124
1 Einleitung
Vom 18. Dezember 1945 bis zum 30. Juni 1990 erschien in Halle die Liberal-Demokratische Zeitung (LDZ). Als Hallesches Tageblatt mit dem Untertitel LDZ führte die Redaktion mit vielen ehemaligen Liberaldemokraten die Zeitung dann weiter als Lokalausgabe der Leipziger Volkszeitung. Das Blatt gab es am 31. Dezember 1995 zum letzten Mal. Damit schloß der Verlag der Leipziger Volkszeitung einen 50 Jahre alten Zeitungsbetrieb. In einem Versuch der Nachfolge gründete der Unternehmer Dieter Schuh aus Halle 1996 das Neue Hallesche Tageblatt als Wochenzeitung. Es erschien erstmals am 1. März 1996 und scheiterte nach wenigen Wochen aus finanziellen Gründen.1
Bisher ist die Geschichte der LDZ nicht wissenschaftlich untersucht worden. Selbst die Redaktion hat sich mit ihrer Vergangenheit nicht gründlich beschäftigt. Für die Jubiläumsausgaben schrieb man jeweils aus der vorherigen ab. Die Rückblicke enthielten wenige Fakten. Geschichten interessierten mehr als Geschichte. Es fehlten überall - mit Ausnahme der LDZ-Jubiläumsausgabe vom 18.12.95 - Widersprüche. Das Blatt, das in der DDR, wie Chefredakteur Gerd Brunner sagte, “jeden Tag praktisch nur die Oberfläche”2 mitteilte, blieb auch in der Beschreibung seiner eigenen Geschichte phrasenhaft. Manfred Gerlach sagte in einer Gedenkrede “20 Jahre LDZ”, daß sie ihren Lesern “ein treuer Helfer auf dem Weg in das Zeitalter des Sozialismus war.”3 Chefredakteur Hans-Herbert Biermann bezeichnete die LDZ zum 25jährigen Jubiläum am 18.12.70 als “Bestandteil des sozialistischen Pressesystems”. Hauptanliegen sei “ihre Funktion als kollektiver Organisator, Agitator und Propagandist, als Führungsinstrument der Partei...”4 So wird heute sofort deutlich: Zwischen den Nachkriegsidealen, die bei der Gründung der LDZ geistig Pate standen, und denen der DDR liegen Welten, Systeme.
Der heutige Leser alter LDZ-Zeitungsbände kann mit vielen Aussagen wenig anfangen. Selbst wenn er Beiträge welt- und deutschlandpolitisch zuzuordnen weiß, fehlt ihm das Wissen um ihr Gewicht. Denn diese Zeitung - und das ist kein LDZ-typisches Phänomen - streift oft nur das, was sich nach dem Krieg ereignete. Vor allem die Rolle von Zensur und Zensoren erschließt sich aus den gedruckten Texten nicht. Besonders diese soll am Beispiel der LDZ untersucht und erläutert werden.
Was in der DDR über Mediengeschichte geschrieben wurde, muß auf seinen wissenschaftlichen Wert überprüft und soll durch das Beispiel der Geschichte der LDZ ergänzt werden. Der Nachholbedarf an Arbeiten, die keine Gesellschaftsordnung rechtfertigen müssen, ist groß. Forschern, die sich nicht dem Druck der Ideologie beugen wollten, wurde der Zugang zu den Quellen erschwert oder ganz verwehrt. Über die Zeit bis 1953 gibt es nur wenig Archivmaterial. Die wenigen noch lebenden Zeitzeugen, von der DDR-Forschung nicht beachtet, sind schon über 70 Jahre alt. Ihre Aussagen haben Eingang in diese Arbeit gefunden, die nicht nur das Lesen der LDZ erleichtern, sondern generell die Zeitungen dieser Zeit besser verständlich machen möchte. Historiker, Medienwissenschaftler, Journalisten und Stadtgeschichtsforscher könnten daraus vielleicht einmal Nutzen ziehen.
Diese Arbeit konzentrierte sich auf die Jahre 1945 bis 1949. Es war ganz natürlich, den Untersuchungszeitraum der ersten LDZ-Monographie 1945 zu beginnen, weil in diesem Jahr die LDP und später die LDZ entstanden. Viele Historiker haben in ihrer LDP-Geschichte den ersten Abschnitt mit 1945 bis 1952 begrenzt, weil sich die LDP 1952 zum Aufbau des Sozialismus bekannte.5 Tatsächlich hatte die LDP ihre Gründungsziele viel früher aufgegeben.6 Als die Deutsche Wirtschaftskommission im Februar 1948 die Befugnis erhielt, Rechtsnormen zu erlassen, war die Demokratie in der sowjetischen Zone schon beendet.7
“Carola Stern ist zuzustimmen, wenn sie sagt, daß dieses Jahr 1948 das Ende der antifaschistisch-demokratischen Periode in der SBZ markiert und8, zu der am Modell der Sowjetunion orientierten volksdemokratischen Entwicklungsphase’ überleitet.”9
Mitte 1948, nach dem Tode Wilhelm Külz’, erwog man sogar, die Partei aufzulösen, nachdem die Besatzungsmacht sogenannte reaktionäre LDP-Mitglieder verhaftet und ihres Amtes enthoben hatte.10 Sicherlich ist es kein Zufall, daß die Verhaftung der damaligen politischen Redakteurin Matz-Donath in diesen Zeitraum fällt.
Heinz-Dietrich Fischer betrachtet die wesentliche Entwicklung in der SBZ/DDR-Presse “bis 1949 als abgeschlossen”, da sich bis dahin “die auch noch in den sechziger Jahren größtenteils vorhandene Pressestruktur gefestigt hatte”:
“einem ständigen Ausbau der SED-Presse lief ein Rückgang der CDU- und LDPDPresse parallel, so daß sich nicht nur die Parteien selbst mehr und mehr der SEDLinie anpaßten und damit an Eigenständigkeit einbüßten, sondern zudem die Zentral- und Regionalorgane der ,bürgerlichen’ Parteien zunehmend das Klischee des SED-Zentralorgans ,Neues Deutschland’ übernahmen und mithin zumindest partiell zur Selbstaufgabe ihrer ursprünglich eigenständigen Ziele im Gesellschaftsgefüge der DDR beitrugen.”11
Als eine vorweggenommene Grabrede zur Beisetzung liberaldemokratischen Gedankenguts kann man heute die Erfurter Denkschrift von 1948 einordnen. In dem Schreiben des Vorstandes des Stadtverbandes Erfurt an den Landesvorstand Thüringen12 vom 15.12.48 (Erfurter Denkschrift) näherte man den Begriff Liberalismus mit kabarettreifen Wortsaltos dem Sozialismus an - nach dem Motto: wir stehen nicht auf dem marxistischen Standpunkt, aber wir marschieren bei der SED in der ersten Reihe. Rudolf Agsten und Manfred Bogisch konnten das etwas diplomatischer ausdrücken. Sie werden im Anhang, Kapitel 31, zitiert.
Auch die DDR-Geschichtsschreibung bestätigt, daß die Wandlung der LDPD, beschrieben als “Höhepunkt des Kampfes” einige Zeit vor 1952 stattgefunden hatte.
“So wurde 1948 auf einem Höhepunkt des Kampfes zwischen Fortschritt und Reaktion in der LDPD sichtbar, daß die Partei einen fortschreitenden Wandlungsprozeß durchlief...”13
Gerhard Papke wähnt sich mit anderen LDP-Forschern einig, daß die “Transformation des ostdeutschen Parteiensystems (...) mit der Durchsetzung der Einheitsliste im Frühjahr 1950 im wesentlichen abgeschlossen war.”14 Bereits in der zweiten Jahreshälfte 1948 trennte sich die Führung von den Mitgliedern. Papke:
“Die Rückkoppelung zwischen Mitgliedern und Funktionärskörper schwand. Das Bild der Partei wurde stärker von denen bestimmt, die die politische Unterordnung der LDP unter die Vorgaben der SED aus opportunistischen Gründen zu akzeptieren bereit waren. Auf dem Eisenacher Parteitag 1949 wurden die Positionen im Landesvorstand fast vollständig neu besetzt.”15
Später habe sich die LDP als Brücke zum Westen im Hinblick auf die erhoffte Wiedervereinigung und als Retter der Reste der Privatwirtschaft verstanden.
Für diese Diplomarbeit wurde die Zeit der sowjetischen Besatzung gewählt, in der es bereits eine demokratisch legitimierte Volksvertretung, den Landtag ab 3.12.46, gab. Ab 1950/51 wurde die LDZ vom Landesnachrichtenamt kontrolliert und angeleitet. Nach dieser Grundausbildung im Gleichschritt wurde diese Bevormundung von Berlin aus organisiert (im wesentlichen vom Presseamt, von der Pressestelle der Parteileitung der LDPD und vom SED-Apparat). Auch darauf einzugehen, das würde den Rahmen dieser Diplomarbeit sprengen. 1945-48 hatten die LDZ-Mitarbeiter (besonders die Redakteure Matz-Donath, Esche und Löser) Verbindungen zu Zeitungen in den Westzonen. Und es gab, was für eine gewisse Kontinuität spricht, durchgängig einen Chefredakteur (Eugen Brinkmann 1945 bis Juni 1949), wenn auch die zweiten Chefredakteure wechselten.
[....]
1 Die Wochenzeitung “Neues Hallesches Tageblatt. Wochenzeitung für die Saalestadt und das Umland” wurde herausgegeben von der Neues Hallesches Tageblatt Verlags AG i.G., Vorstand: Michael Eberlein, Torsten Reishauer, Vorsitzende des Aufsichtsrates: Christa Schuh. Redaktion und Verlag befanden sich in der Großen Steinstraße 14 in 06108 Halle.
2 Gerd Brunner Interview 20.9.95
3 Auszüge aus der Festrede “20 Jahre LDZ”, S. 4. (Kopie im Besitz des Autors).
4 Begrüßungsansprache am 18.12.70 (Kopie im Besitz des Autors)
5 z. B. Werke von Agsten/Bogisch, Jürgen Louis, Ekkehart Krippendorff und anderen
6 SBZ-Handbuch S. 553-556
7 SBZ-Handbuch S. 201 ff.
8 Carola Stern: Ulbricht. Eine politische Biographie. Köln, Berlin, 1964, S. 134.
9 Theo Rütten: Der deutsche Liberalismus 1945 bis 1955. Deutschland- und Gesellschaftspolitik der ost- und westdeutschen Liberalen in der Entstehungsphase der beiden deutschen Staaten. Nomos, Baden- Baden 1984. Hrsg.: Friedrich-Naumann-Stiftung. S. 303
10 SBZ-Handbuch S. 556
11 Heinz-Dietrich Fischer: Die Presse der DDR, in: “Bulletin des Schweizerischen Zeitungsverlegerverbandes”, Zürich, Nr. 418 vom Oktober 1960, S. 345 ff. Zitiert in Heinz-Dietrich Fischer: Handbuch. S. 382
12 ADL-LDPD-C VII c 14479a
13 Rudolf Agsten, Manfred Bogisch, Wilhelm Ort: LDPD 1945-1961, Buchverlag Der Morgen 1985, S. 24
14 Gerhard Papke: ”Die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands in der Sowjetischen Besatzungszone und DDR 1945-1952” in: “,Bürgerliche’ Parteien in der SBZ/DDR” hrsg. von Jürgen Frölich. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1994, S. 26
15 ebenda S. 39
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