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Autor: Moritz Klöppel
Fach: Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Details
Tags: Erlebnisgesellschaft, Gerhard, Schulze, Sinus-Milieu-Modell, Eine, Betrachtung
Jahr: 2005
Seiten: 23
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 7 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 224 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-39566-3
Textauszug (computergeneriert)
Die Erlebnisgesellschaft von Gerhard Schulze und das
Sinus-Milieu-Modell – Eine vergleichende Betrachtung
von: Moritz Klöppel
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 02
2. Soziale Milieus - ein Ausblick 03
3. Methologie der Milieuforschung
3.1. Die Sinus-Forschung 05
3.2. Der Ansatz nach G. Schulze 10
4. Analogien und Divergenzen 14
5. Weitere Aspekte der Milieuforschung nach Zerger 18
6. Schlussbetrachtung 21
7. Literaturverzeichnis 22
1. Einleitung
Die Selbstzuordnung zu dem einen Milieu und die Distanzierung gegenüber den anderen Milieus laufen über die Wahrnehmung von sichtbaren und schon über flüchtige Eindrücke erlebbaren alltagsästhetischen Signale, die jeder Mensch fortwährend unwillkürlich aussendet durch das, was er tut oder lässt wie er sich gibt, wie er sich kleidet, bewegt, verhält, redet und auf die Situationen reagiert, in denen er sich von Fall zu Fall befindet.1 In der folgenden Arbeit werde ich die im obigen Zitat erwähnten milieukonstituierenden alltagsästhetischen Signale anhand zweier sozialstruktureller Modelle herausarbeiten. Zum einen werde ich mich mit dem Modell des Heidelberger SINUS-Institutes und zum anderen mit den sogenannten »Erlebnismilieus« Gerhard Schulzes beschäftigen. So wird es in erster Linie um die Frage gehen, inwieweit beide Schemata sich auf ähnliche Grundmuster stützen, welche Typologien ihnen zugrunde liegen und auf welche Weise sich die unterschiedlichen Milieus in jedem der Ansätze konstituieren.
Gerade weil die heutige Sozialstrukturforschung immer mehr ins Blickfeld von Wirtschaft, Politik und Medien rückt, ist es notwendig die wissenschaftstheoretischen Hintergründe der aktuellsten Milieu-Modelle einmal genau zu betrachten. Wie sind die einzelnen Struktur-Typologien entstanden, welche empirisch belegbaren Fakten liegen den Forschungen zugrunde, wie wirkt sich diese Kategorisierung in der alltäglichen Realität der Menschen aus und können die früheren Klassen- oder Schichtmodelle noch in die heutige Zeit übertragen werden? In den Diskussionen der Soziologie (…) ist gegenwärtig umstritten, ob die in ihrer Existenz und alltagsästhetischen Verfassung weitestgehend ähnlich beschriebenen und gedeuteten sozialen Milieus die alte sozialökonomische Klassenstruktur kapitalistisch verfasster Industriegesellschaften tatsächlich verdrängen oder nur überlagern.2
Um diese und andere Fragen zu klären, werde ich unter anderem auf das Buch „Alltagsästhetik und politische Kultur“ von Berthold Bodo Flaig, Jörg Ueltzhöffer und Thomas Meyer Bezug nehmen. Die beiden erst genannten haben Ende der siebziger Jahre das SINUS-Milieumodell mitentwickelt. Flaig ist noch heute Geschäftsführer des gleichnamigen Heidelberger Instituts. Darüber hinaus dient mir das Buch „Die Erlebnisgesellschaft“ von Gerhard Schulze, sowie die milieuanalytischen Texte der Arbeitsgruppe um Michael Vester und Peter van Oertzen als vergleichende, ergänzende und eventuell relativierende Literatur. Im nun folgenden Kapitel werde ich einen kurzen thematischen Überblick sowie eine begriffliche Definition herausarbeiten.
Im Unterschied zum alltagssprachlichen Begriff des Milieus meint der soziologische Milieubegriff nicht, dass das Individuum ausschließlich oder überwiegend durch gesellschaftliche Umwelteinflüsse geprägt wird. Der soziologische Begriff des Milieus rückt das aktive und gestaltende Moment von sozialer Kohäsion in den Vordergrund und verweist auf reale alltagspraktische Lebenszusammenhänge.3
2. Soziale Milieus – ein Ausblick
Milieus sind Gruppen Gleichgesinnter, die gemeinsame Werthaltungen und Mentalitäten aufweisen und auch die Art gemeinsam haben, ihre Beziehungen zu Menschen einzurichten und ihre Umwelt in ähnlicher Weise zu sehen und zu gestalten.4 So gelten in der heutigen Sozialforschung milieuspezifische Strukturen als Gesamtheit der natürlichen und sozialen Umwelt eines Einzelnen oder einer Gruppe. Der Soziologe Prof. Dr. Dr. Stefan Hradil akzentuiert in diesem Zusammenhang in obiger Definition den Aspekt einer milieuabhängigen Divergenz von Mentalität und Wertvorstellung. Insbesondere durch die spezifischen „Vorlieben und Abneigungen in der Lebensführung, im Ausdruck der eigenen Person, [im Teilen der] Gewohnheiten, (…) [der] Sicht der Dinge [oder der] Kommunikationsgewohnheiten“5 manifestiere sich die Milieuzugehörigkeit.
Laut dem Geschäftsführer des Sinus-Institutes in Heidelberg, Berthold Bodo Flaig, würden sich die Menschen im Ausdruck oder Lebensstil eines anderen wieder erkennen und könnten somit die eigene Position im Verhältnis zum gegenübergestellten Milieu einordnen. Unterstützt würden sie dabei durch ein charakteristisches und evidentes System von Zeichen oder Codes.
Die Wahrnehmbarkeit und die Wahrnehmung von Lebenstilen in sinnlich ausdrucksvollen Zeichensystemen der Präsentation, des Verhaltens und der typischen Umgebung von Personen [dient dazu,] ihre soziale Zuordnung zu bestimmen und zum anderen [dazu, dass] die sozialen Großgruppen in ihren inneren Zuneigungen und äußeren Abneigungen gegeneinander in ausschlaggebender Weise von diesen sinnfälligen Zeichensystemen bestimmt werden.6 Ein bedeutender Bestandteil dieser Zeichensysteme sind die differierenden Wertorientierungen der einzelnen Milieus. So wie sie „in typischen Kombinationen bestimmten Gruppen der Gesellschaft, eben den Sozialen Milieus, zugeordnet werden können, (…) lässt sich das Spektrum der typischen Stilwelten“7 zu charakteristischen ästhetischen Schemata zusammenfassen. Schon an dieser Stelle wird deutlich, dass heutige Milieukonzepte sich deutlich von den früheren Modellen unterscheiden. Letztere gründeten in der Regel vor allem auf einfachen Kausalbeziehungen von Zugehörigkeit, Wertvorstellung und Verhaltensweise. So sieht Gerhard Schulze die Divergenz seiner Theorie einer Erlebnisgesellschaft mit den Klassen- und Schichtmodellen eines Bourdieu insbesondere in dem Verhältnis von Binnenkommunikation und gruppenspezifischen Verhaltensmustern begründet. Soziale Schichten sind immer auch Milieus in diesem Sinne, doch die Umkehrung gilt nicht, da der Schichtbegriff eine Voraussetzung enthält, die bei der Milieusegmentierung der Bundesrepublik Deutschland gerade fraglich ist: eine verhaltensrelevante und sozial wahrgenommene hierarchische Anordnung.8
[...]
1 Berthold Bodo Flaig / Thomas Meyer / Jörg Ueltzhöffer: Die sozialästhetische Segmentierung. In: Karl, Frank (Hg.): Alltagsästhetik und politische Kultur – Zur ästhetischen Dimension politischer Bildung und politischer Kommunikation, 2. Auflage. Bonn 1994, S. 27.
2 Ebd, S. 29.
3 Michael Vester, Peter von Oertzen, Heiko Geiling, Thomas Hermann, Dagmar Müller: Biografien regionaler Bewgungsmilieus. In: Suhrkamp Verlag (Hrsg.): Soziale Milieus im gesellschaftlichen Strukturwandel – Zwischen Integration und Ausgrenzung. Frankfurt am Main 2001, S. 257.
4 Nicole Burzan: Lebensstile und Milieus. In: Abels, Heinz / Fuchs-Heinritz, Werner / Jäger, Wieland / Schimank, Uwe (Hg.): Soziale Ungleichheit – Eine Einführung in die zentralen Theorien. Wiesbaden 2004, S. 115.
5 Berthold Bodo Flaig / Thomas Meyer / Jörg Ueltzhöffer: Die sozialästhetische Segmentierung, S. 24.
6 Ebd.
7 Berthold Bodo Flaig / Thomas Meyer / Jörg Ueltzhöffer: Die alltagsästhetischen Grundmotive. In: Karl, Frank (Hg.): Alltagsästhetik und politische Kultur – Zur ästhetischen Dimension politischer Bildung und politischer Kommunikation, 2. Auflage. Bonn 1994, S. 89.
8 Gerhard Schulze: Soziale Milieus. In: Schulze, Gerhard (Hg.): Die Erlebnisgesellschaft – Kultursoziologie der Gegenwart. Frankfurt am Main / New York 1992, S. 174.
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