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Autor: Markus Andreas Mayer
Fach: Pädagogik - Reformpädagogik
Details
Tags: Gesamtunterricht, Berthold, Ottos, Begründung
Jahr: 2004
Seiten: 27
Note: gut
Literaturverzeichnis: ~ 29 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 278 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-39668-4
ISBN (Buch): 978-3-638-64953-7
Zusammenfassung / Abstract
Diese Arbeit befasst sich mit Berthold Otto, einem der herausragenden Vertreter der Reformpädagogik. Nach der Vorstellung der wichtigsten biographischen Daten Ottos sollen wichtige Merkmale und Neuerungen seiner Pädagogik, speziell der Gesamtunterricht, betrachtet werden. Danach erfolgt eine Analyse der Ziele des Gesamtunterrichts und die Frage soll beantwortet werden, was das Reformpädagogische an diesen Zielen ist, bzw. ob überhaupt Gemeinsamkeiten mit den verschiedenen Vertretern der Reformpädagogik festgestellt werden können. Dabei soll auch auf die philosophischen Voraussetzungen des Gesamtunterrichts Ottos eingegangen werden und sein Verhältnis zur Moderne geklärt werden. Dies kann zum einen unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses der Reformpädagogik, hier speziell Ottos, zum Nationalsozialismus geschehen und zum anderen zur Analyse der Brauchbarkeit reformpädagogischer Vorschläge für die heute gewünschten Reformen im gesamten Bildungsbereich (nicht nur veranlasst durch die Veröffentlichung der „Pisa-Ergebnisse“ bzw. das schlechte Abschneiden deutscher Schüler) verwendet werden. Die Untersuchung ist dabei wie folgt gegliedert: Dieser Einleitung schließt sich ein Abschnitt über Berthold Otto als Person an (Ziffer 2). Danach werden die wichtigen Elemente und Merkmale der Ottoschen Pädagogik angeführt. Dies geschieht in Ziffer 3 mit einer Untersuchung des Gesamtunterrichts. Dabei wird in den Unterpunkten eine allgemeine Vorstellung des Gesamtunterrichts gegeben, und genauer auf die Rolle des Erziehers im Gesamtunterricht, das Spannungsfeld zwischen der Förderung Intelligenz oder Charakter und die Ausbildung und Bezahlung der Lehrer eingegangen. Da die Mutter- und Jugendsprache einen besonderen Stellenwert bei der Schulreform Ottos einnimmt, werden diese Punkte in einem gesonderten Abschnitt genauer behandelt (Ziffer 4). Danach wird der Versuch unternommen, Elemente von Ottos Pädagogik der Reformpädagogik zuzuordnen und sein Verhältnis zur Moderne zu klären (Ziffer 5). Das volksorganische Denken Ottos wird aus methodischen Gründen erst dort näher beleuchtet. Die Frage, inwieweit Ottos Pädagogik für Reformen unseres aktuellen Bildungssystems zu gebrauchen ist, bzw. welche Elemente schon von Otto übernommen wurden, wird, wie sein Verhältnis zum Nationalsozialismus, hier nur prinzipiell mit Blick auf ihre geisteswissenschaftlichen Grundlagen diskutiert. In einem Ausblick werden daraus Schlussfolgerungen gezogen und Ottos Werk kritisch gewürdigt.
Textauszug (computergeneriert)
Der Gesamtunterricht Berthold Ottos und seine
reformpädagogische Begründung
von: Markus Andreas Mayer
Gliederung des Textes
1 Einleitung: Zweck und Anlage der Arbeit 4
2 Biographische Daten zu Berthold Otto 5
3 Der Gesamtunterricht 6
3.1 Allgemeine Merkmale des Gesamtunterrichts 6
3.2 Besondere Merkmale des Gesamtunterrichts 9
3.2.1 Die Rolle des Erziehers im Gesamtunterricht 9
3.2.2 Das Spannungsfeld von Wissensvermittlung und Charakterbildung 10
3.2.3 Ausbildung und Bezahlung der (Gymnasial-)Lehrer 11
3.2.4 Weitere Merkmale des Gesamtunterrichts 12
3.2.4.1 Ottos Position zu Autorität und Disziplin 12
3.4.2.2 Der Toleranzgedanke im Gesamtunterricht 12
3.4.2.3 Demokratische Selbstverwaltung der Schüler 13
4 Die Reform der Schule und die Rolle der Sprache als konstitutive Elemente der Ottoschen Pädagogik 13
4.1 Die Notwendigkeit einer Reform der Schule und der Anschauungsunterricht 14
4.2 Die Rolle der Sprache bei Otto 16
4.2.1 Die Rolle der Muttersprache 16
4.2.2 Die Rolle der Jugendsprache 17
5 Die reformpädagogische Begründung des Gesamtunterrichts 19
5.1 Die Einordnung Ottos in die Reformpädagogik 19
5.2 Ottos „volksorganisches Denken“ 20
5.3 Ottos Verhältnis zur Moderne 21
5.4 Das Pädagogisch-Eigentliche bei Otto 23
6 Ausblick 24
1 Einleitung: Zweck und Anlage der Arbeit
Diese Arbeit befasst sich mit Berthold Otto, einem der herausragenden Vertreter der Reformpädagogik. Nach der Vorstellung der wichtigsten biographischen Daten Ottos sollen wichtige Merkmale und Neuerungen seiner Pädagogik, speziell der Gesamtunterricht, betrachtet werden. Danach erfolgt eine Analyse der Ziele des Gesamtunterrichts und die Frage soll beantwortet werden, was das Reformpädagogische an diesen Zielen ist, bzw. ob überhaupt Gemeinsamkeiten mit den verschiedenen Vertretern der Reformpädagogik festgestellt werden können. Dabei soll auch auf die philosophischen Voraussetzungen des Gesamtunterrichts Ottos eingegangen werden und sein Verhältnis zur Moderne geklärt werden. Dies kann zum einen unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses der Reformpädagogik, hier speziell Ottos, zum Nationalsozialismus geschehen und zum anderen zur Analyse der Brauchbarkeit reformpädagogischer Vorschläge für die heute gewünschten Reformen im gesamten Bildungsbereich (nicht nur veranlasst durch die Veröffentlichung der „Pisa-Ergebnisse“ bzw. das schlechte Abschneiden deutscher Schüler) verwendet werden.
Die Untersuchung ist dabei wie folgt gegliedert: Dieser Einleitung schließt sich ein Abschnitt über Berthold Otto als Person an (Ziffer 2). Danach werden die wichtigen Elemente und Merkmale der Ottoschen Pädagogik angeführt. Dies geschieht in Ziffer 3 mit einer Untersuchung des Gesamtunterrichts. Dabei wird in den Unterpunkten eine allgemeine Vorstellung des Gesamtunterrichts gegeben, und genauer auf die Rolle des Erziehers im Gesamtunterricht, das Spannungsfeld zwischen der Förderung Intelligenz oder Charakter und die Ausbildung und Bezahlung der Lehrer eingegangen. Da die Mutter- und Jugendsprache einen besonderen Stellenwert bei der Schulreform Ottos einnimmt, werden diese Punkte in einem gesonderten Abschnitt genauer behandelt (Ziffer 4). Danach wird der Versuch unternommen, Elemente von Ottos Pädagogik der Reformpädagogik zuzuordnen und sein Verhältnis zur Moderne zu klären (Ziffer 5). Das volksorganische Denken Ottos wird aus methodischen Gründen erst dort näher beleuchtet. Die Frage, inwieweit Ottos Pädagogik für Reformen unseres aktuellen Bildungssystems zu gebrauchen ist, bzw. welche Elemente schon von Otto übernommen wurden, wird, wie sein Verhältnis zum Nationalsozialismus, hier nur prinzipiell mit Blick auf ihre geisteswissenschaftlichen Grundlagen diskutiert. In einem Ausblick werden daraus Schlussfolgerungen gezogen und Ottos Werk kritisch gewürdigt (Ziffer 6).
2 Biographische Daten zu Berthold Otto1
Berthold Otto kam 1859 in Schlesien zur Welt. Sein Vater war dort Gutsbesitzer, wechselte jedoch als Reserveoffizier in den aktiven Dienst. Dies hatte für Otto einen Ortswechsel nach Schleswig zur Folge. In der dortigen Grundschule war er Außenseiter und träumte von einem privaten Idealstaat, den er sich nach seinen Wünschen ausrichten konnte und für den er sogar eine eigene Sprache ersann. Später auf dem Gymnasium war Otto ein Musterschüler, auch hier lag sein Interesse vor allem an Sprachen. Er lernte Altgriechisch, Latein, Hebräisch und später an der Universität Kiel Arabisch. Später studierte er auch an der Universität Berlin. Dort beschäftigt er sich mit Pädagogik und Philosophie, unter anderem mit Kant und Schopenhauer. Er hörte Vorlesungen bei Steinthal, Lazarus und Friedrich Paulsen. Letzterer lehnte jedoch Ottos Dissertation ab, so dass Otto seine Studien ohne Abschluss abbrach und als Hauslehrer bei reichen Familien arbeitete. Später arbeitet er in verschiedenen Berufen, unter anderem als Redakteur. Nie brach jedoch sein Interesse für Erziehung ab, es wird geschildert, dass er in dieser Zeit jede freie Stunde mit seinen fünf Kindern verbrachte und beispielsweise die damals gebräuchliche Sitte, dass die Kinder bei dem Essen nur reden dürfen, wenn sie gefragt werden, umkehrte und bereitwillig seinen Kindern auf alle Fragen antwortete. Im Jahre 1898 findet Otto einen Verleger für seine Zeitschrift „Die Deutsche Schulreform, Wochenzeitschrift für psychologische Politik und Pädagogik“, ab 1901 wird diese in höherer Auflage und dem Titel „Der Hauslehrer“ fortgeführt. Otto wird dann 1902 unter Förderung eines hohen Beamten im preußischen Kultusministerium nach Berlin geholt und bekommt 1906 die Führung einer Schule übertragen. An dieser Schule kann Otto seine in den früheren Schriften vertretenen Gedanken ausprobieren. Viele Lehrer hospitierten während dieser Zeit an Ottos Schule, um Anregungen von Otto zu übernehmen. Ottos Ideen entfalteten auch eine starke Wirkung auf die Jugendliteratur der damaligen Zeit. Durch die Erlebnisse des ersten Weltkrieges waren die Bemühungen Ottos später unverkennbar, eine Verständigung zwischen den Schichten des deutschen Volkes herbeizuführen. Die s geschah unter anderem durch die Herausgabe der Zeitschrift „Deutscher Volksgeist“, dessen pädagogische Beigabe nun „Der Hauslehrer“ war. Otto lehrte weiter an seiner Schule und hielt „Volksorganische Tagungen“ bis ins hohe Alter. Er starb Ende Juni 1933, musste also noch die Anfänge der nationalsozialistischen Diktatur miterleben. Nach dieser Schilderung der Biographie Ottos wird nun im nächsten Abschnitt auf das Kernelement der Ottoschen Pädagogik, den Gesamtunterricht, eingegangen.
3 Der Gesamtunterricht
Dieser Abschnitt befasst sich mit dem Gesamtunterricht Berthold Ottos. Im ersten Unterpunkt der Gliederung wird auf allgemeine Merkmale des Gesamtunterrichts eingegangen und geklärt, was sich Otto unter Gesamtunterricht vorstellt. Im zweiten Unterpunkt sollen sodann speziellere Merkmale, wie die Rolle des Erziehers im Gesamtunterricht geklärt und das Spannungsfeld von Wissensvermittlung und Charakterbildung bei Otto diskutiert werden.
3.1 Allgemeine Merkmale des Gesamtunterrichts
„Gesamtunterricht“ ist als Gegensatz zum gefächerten Unterricht zu sehen und stellt einen Ansatz dar, der die damals vorherrschende Unterrichtsform reformieren sollte (besonders die des Gymnasiums). Otto legt die Merkmale und Vorzüge des Gesamtunterrichts in einem Aufsatz mit dem Titel „Gesamtunterricht“2 dar. Dieser Aufsatz wurde 1913 geschrieben. Otto hatte also schon über 8 Jahre lang praktische Erfahrung mit dem Gesamtunterricht gemacht (an seiner Schule, der Berthold Otto-Schule in Berlin). Der Aufsatz wurde von Otto ursprünglich im selben Jahr als Vortrag in seiner Schule gehalten. Otto stellt den Gesamtunterricht als nur dem Anschein nach etwas absolut Neues dar.3 Eigentlich sei er etwas Bekanntes, nämlich „etwas, was jeder von uns von seiner ersten Lebenszeit an erlebt hat.“4 Er sei nichts anderes als die Art und Weise, wie Kinder mit Erwachsenen „natürlich“ verkehren. Dieses natürliche Verhältnis bestehe darin, dass:
[...]
1 Die folgenden Ausführungen lehnen sich weitestgehend an den Aufsatz von K. Kreitmair, Berthold Ottos Leben und sein pädagogisches Wirken, in: B. Otto, Ausgewählte pädagogische Schriften. Paderborn, 1963, S. 253-269 an.
2 B. Otto, Gesamtunterricht, in: B. Otto, Ausgewählte pädagogische Schriften. Paderborn, 1963, S. 120- 132
3 Vgl. a. a. O., S. 120 ff.
4 a. a. O., S. 121
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