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Die Nobilitierung der bildenden Künste in italienischen Künstlernovellen der Renaissance

Scholary Paper (Seminar), 2005, 19 Pages
Author: Stefanie Rustler
Subject: Romance Languages - Other Languages

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2005
Pages: 19
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V41581
ISBN (E-book): 978-3-638-39819-0
ISBN (Book): 978-3-638-79072-7
File size: 250 KB

Abstract

Die bildenden Künste waren im Laufe der Geschichte nicht immer hoch angesehen. Malerei oder Bildhauerei wurden im Mittelalter, zur Zeit des Frühchristentums, als einfaches Handwerk sogar äußerst geringgeschätzt. Die sogenannten artes mechanicae wurden den artes liberales, den theoretischen Wissenschaften, gegenübergestellt und abgewertet. Erst später, mit der Zeit des Humanismus, wuchs das Interesse an den bildenden Künsten sowie den Persönlichkeiten der Künstler. Diese Arbeit legt kunsthistorische sowie literarische Hintergründe dar, die zur Nobilitierung der bildenden Künste beitrugen. Des Weiteren wird anhand der Betrachtung und Interpretation verschiedener italienischer Künstlernovellen der Renaissance aufgezeigt, wie die Literatur Künstler wie Michelangelo und deren Arbeit verteidigte und ihnen somit zu mehr Ruhm und Anerkennung verhalf.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Romanistik
Mittelseminar „Italienische Künstlernovellen der Renaissance“
5. Semester

Die Nobilitierung der bildenden Kuenste in italienischen
Kuenstlernovellen der Renaissance

von: Stefanie Rustler

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

1. Kunsthistorische Hintergründe 3

1.1. Die bildenden Künste im Mittelalter 3
1.2. Der Humanismus 4

1.2.1. Die Anerkennung der bildenden Künste durch Humanisten 4

2. Literarische Hintergründe 6

2.1. Die Burleskdichtung und ihr Einfluss auf die Novellistik 6
2.2. Die Schwank-Novelle – Motto und Beffa 7
2.3. Der verspottete Pedante als Leitmotiv der Renaissancenovellen 8
2.4. Die Auflehnung der Novellenerzähler gegen imitatio 9

3. Die Verteidigung der bildenden Künste in Künstlernovellen 10

3.1. Antonfrancesco Grazzini 10

3.1.1. Kurzbiographie Grazzinis 10
3.1.2. Grazzinis Künstlernovelle 11

3.1.2.1. Inhalt der Novelle 11
3.1.2.2. Interpretation 12

3.2. Gasparo Gozzi 13

3.2.1. Kurzbiographie Gozzis 13
3.2.2. Gozzis Künstlernovelle 14

3.2.2.1. Inhalt der Novelle 14
3.2.2.2. Interpretation 15

3.3. Lodovico Domenichi und Thomaso Porcacchi 16

3.3.1. Kurzbiograhien Domenichis und Porcacchis 16
3.3.2. Domenichis und Porcacchis Künstlernovellen 16

3.3.2.1. „Raffael und seine Bildnisse Julius II.“ 16
3.3.2.2. „Künstlerstolz“ 17
3.3.2.3. Interpretation der Novellen 17

Schlussgedanke 18

Literaturhinweise 19


 

Einleitung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Verteidigung und Nobilitierung der bildenden Künste in italienischen Künstlernovellen der Renaissance aufzuzeigen. Bevor ich jedoch dazu übergehen kann, entsprechende Novellen vorzustellen und zu interpretieren, möchte ich einen Teil Arbeit kunsthistorischen und literarischen Gesichtspunkten widmen, um die Zusammenhänge anschaulich darstellen zu können.

1. Kunsthistorische Hintergründe

1.1. Die bildenden Künste im Mittelalter

Die bildenden Künste wurden im Mittelalter, zur Zeit des Frühchristentums, äußerst geringgeschätzt. Man war der Meinung, dass Bilder von Gott und anderen religiösen Themen oder biblischen Szenen nicht anbetungswürdig seien, da sie Götzenbildern gleichgestellt wurden. Es sollte also der geistliche Hintergrund, Gott und die Religion an sich verehrt und angebetet werden, nicht jedoch Abbilder davon. Im zweiten Jahrhundert n. Chr. wurde Kunst „als überflüssiger Luxus abgetan, Künstler, Schauspieler und andere ′trügerische′ Personen seien im Grunde nicht besser als Bordellwirte.“1 Ende des 4. Jahrhunderts unterschied man schließlich zwischen „didaktischen und ′magischen′ Bildern.“2 Die didaktischen Bilder, die nun anerkannt wurden, sollten den Menschen als Vorbild für gute Taten dienen und den „Unkundigen“2 die biblische Lehre näherbringen. Über diese didaktische Funktion der Malerei sagte am Ende des 6. Jahrhunderts Gregor der Große: „Ein Bild anzubeten ist eine Sache, eine andere, das, was anbetungswürdig ist, durch eine Bilderzählung zu lehren.“2 Dennoch waren die Maler, Bildhauer etc. einfache Handwerker, die eben nur als solche und nicht etwa als Künstler im heutigen Sinne angesehen wurden. Sie waren Ausübende der artes mechanicae, der hervorbringenden Künste, welche den theoretischen Wissenschaften der artes liberales gegenüber gestellt wurden.3

2.1. Der Humanismus

„Humanismus“ bezeichnet die „Wiedergeburt der antiken Sprachen sowie der damit verbundenen Literatur“4 – der Begriff in dieser Verbindung wurde allerdings erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebräuchlich. Während der Zeit des Humanismus beschäftigte man sich also wieder mit den antiken Sprachen Griechisch und Latein. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts kamen einige griechische Sprachlehrer nach Italien, denn man wollte die Sprache verstehen, um die Werke der Autoren der Antike lesen und philologisch untersuchen zu können. Die sogenannte studia humanitatis enthielt damals „Grammatik, Rhetorik, Geschichte, Poetik und Moralphilosophie unter besonderer Berücksichtigung der griechischen und lateinischen Vorbilder.“4 Viele Humanisten versuchten, diese Vorbilder in ihrer eigenen Lyrik und Prosa nachzuahmen. Das Leitmotiv der Humanisten war imitatio, gegen die sich aber vor allem Novellenerzähler, unter anderem auch Grazzini, Bandello etc. auflehnten (siehe weiter unten Punkt 2.2.).

Die meisten Humanisten „bekleideten Ämter in den Verwaltungen der Städte“4, „hatten einen Lehrstuhl an einer Universität […] inne“4 oder gingen Tätigkeiten an einem Hof oder einer Kurie nach. Es gab nur wenige, die keinen alltäglichen Pflichten nachgingen, so z.B. Petrarca oder Boccaccio. „Der erste große Vertreter der neuen Humanistengeneration in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts“5 war Francesco Petrarca. Er orientierte sich an antiken Persönlichkeiten wie Cicero und Augustin und seiner Meinung nach war es „die wichtigste Aufgabe, die Sprache und Kultur der Antike wieder zu neuem Leben und Ansehen zu erwecken, und Licht in jenes ‚Dunkel’ (tenebrae) zu bringen, das das kulturelle Leben im Mittelalter gekennzeichnet habe.“6

1.2.1. Die Anerkennung der bildenden Künste durch Humanisten

Zunächst wurde auch in der Zeit des Humanismus wenig über die bildende Kunst an sich, ihre Funktion oder die Rolle des Künstlers gesprochen, allmählich bahnte sich jedoch „eine neue Einstellung zur bildenden Kunst […] an“ 7. Es entstand „la disputà delle arte“ - „ein Streit um die Rangordnung zwischen den bildenden Künsten selbst“7, dem Kritiker der bildenden Kunst und manchmal auch die Künstler selbst beiwohnten, denn sie wollten „in die Reihe der freien Künste aufgenommen [...] werden.“7 Die Humanisten waren an diesen Streitereien nicht ganz unschuldig, da auch sie über die Stellung der einzelnen Sparten innerhalb der artes liberales diskutierten. Die bildenden Künste wurden allmählich zu einem Interessensgebiet der gelehrten Humanisten: „at this time and place in history, art ceased to be merely a craft or a trade and became the object of intelligent interest to educated and articulate men.“8 Die Humanisten schätzten die bildende Kunst allerdings nicht ebenso sehr wie die artes liberales: Die Magister in den artes liberales zeichneten sich „in ihrer ′Kunst′ durch Schreibkunst, Studienfleiß und Gelehrtheit aus“, die Künstler dagegen ragten auf ihrem Gebiet durch ihre angeborenen Fähigkeiten und ihr gutes Gedächtnis hervor.“9 Die Humanisten gestanden den Künstlern also ingenium, ars und memoria zu, „weiter erstreckte sich die Liberalität [...] gegenüber den Künstlerkollegen nicht.“9

[...]


1 Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 91 (dieser und alle folgenden detaillierten Quellennachweise s. S. 19)

2 Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 94

3 vgl. hierzu : Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 97

4 Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 207

5 Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 209

6 Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 210

7 Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 209

8 Martindale, Andrew: The Rise of the Artist; S. 98

9 Pochat, Götz: Geschichte der Ästhetik und Kunsttheorie; S. 211


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