Autor: Grit Noack
Fach: Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Details
Tags: Soziale, Netzwerke
Jahr: 2004
Seiten: 56
Note: 2,5
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 362 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-40814-1
Textauszug (computergeneriert)
Soziale Netzwerke
von: Grit Noack
Gliederung
1. Einleitung 3
2. Was sind soziale Netzwerke? 4
2.1 Die Definitionen von Netzwerken 4
2.2 Die Definition der Netzwerkanalyse 5
2.3 Die Beschreibung von Netzwerken 5
2.4 Das einzelne Individuum im Netzwerk 6
3. Die Erhebung von Netzwerkdaten 7
3.1 Die formale Netzwerkanalyse 8
3.2 Erhebungsschwerpunkte bei beiden Netzwerken 8
3.3 Gesamtnetzwerke 9
3.4 Ego-zentrierte Netzwerke 10
3.5 Zuverlässigkeit und Gültigkeit 11
3.6 Die Darstellung 12
4. Beschreibung der Merkmale 13
4.1 Allgemeines 13
4.2 Merkmale der Individuen 13
4.3 Relationen und Analyseebenen 15
5. Veränderungen der Netzwerke im Leben eines Menschen 17
6. Erhebung der Daten 20
6.1 Die Thesenbildung 20
6.2 Die Stichprobenermittlung 20
6.3 Der Aufbau der Fragebögen 21
7. Die Auswertung 22
7.1 Daten und Fakten 22
7.2 Die qualitative Auswertung 22
7.3 Die Zusammenfassung der Auswertung 34
7.4 Erkannte Fehler bei dem Fragebogen 36
8. Abschluss 37
Anhänge:
- leerer Fragebogen
- CD mit erhobenen Fragebögen
- Soziale Netzwerke als Grafiken
- Literaturliste
- Erklärung
1. Einleitung
Es war einmal eine Schiffsmannschaft. Sie segelten um die Welt und wurden eine Gemeinschaft. Sie halfen sich gegenseitig und waren aufeinander angewiesen. Der eine konnte nur überleben mit Hilfe aller anderen an Bord. Doch plötzlich wurde alles anders. Einer nach dem anderen starb und Robinson war plötzlich allein. Lange hatte er niemanden, mit dem er sich unterhalten konnte oder der ihm half. Er fühlte sich sehr einsam und verlassen.
Aus seinen Aufzeichnungen über „Das Böse:
• Ich bin verlassen und abgetrennt von aller Welt und dazu verurteilt, ein elendes Leben zu führen.
• Ich bin wie ein Einsiedler von der Menschheit getrennt und aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen.
• Ich habe niemand, mit dem ich reden oder von dem ich mich trösten lassen könnte, niemand, der mir im Krankheitsfalle Hilfe leistet oder mich pflegt.“
Doch dann kam Freitag.
Wir alle leben in sozialen Netzwerken. Es gibt immer Menschen, die uns helfen und mit uns reden. Wir brauchen diese Netzwerke und ihre Mitglieder. Wenn alle Mitglieder aller unserer Netzwerke nicht mehr vorhanden wären, würden wir uns einsam und verlassen fühlen – wie Robinson auf seiner Insel. Soziale Netzwerke sind alle Verbindungen im Leben, die unser Sein und Tun bestimmen und die unser Leben erst lebenswert machen. Es gibt verschiedene Arten und Entstehungsmöglichkeiten eines Netzwerkes. Sie können sich überschneiden, oder aber auch unabhängig voneinander existieren.
Diese Arbeit wird zunächst darstellen, was soziale Netzwerke sind und Möglichkeiten, wie sie erhoben werden können. Dabei werde ich gezielt auf die Art der ego-zentrierten Netzwerke eingehen.
Es werden dann die Merkmale aufgezeigt, die ein soziales Netzwerk bestimmen. Netzwerke und die Art wie sie entstehen können, verändern sich im Laufe des Lebens. Diese Veränderungen werden in Kapitel 5 beschrieben. Danach gehe ich anhand selbst erhobener Netzwerke auf die Unterschiede im Kommunikationsverhalten, auch in Bezug auf die Intensität der Beziehungen innerhalb der verschiedenen Netzwerke, ein.
2. Was sind soziale Netzwerke?
2.1 Die Definitionen von Netzwerken
Ein Netzwerk ist ein „abgegrenzter Set von Akteuren und den zwischen ihnen verlaufenden Relationen“ (WEYER, Seite 36) bzw. Beziehungen. Netzwerke werden in so genannten Soziogrammen dargestellt.
Man könnte ein Netzwerk auch beschreiben als einen „Graph aus einer endlichen Menge Knoten, der durch Kanten zwischen diesen (eventuell auch mit dem Ausgangs- als Endpunkt, „Schleifen“) zusammenhängt.“ (Lexikon zur Soziologie, Seite 463) Es gibt nach WEYER (Seite 14) zwei Strategien, sich dem Phänomen des sozialen Netzwerkes zu nähern. Einerseits, indem man es in einem eher formalen Sinn als „Beziehungsgeflecht versteht, dessen Komponenten individuelle oder korporative Akteure sind und dessen Strukturen mit Hilfe quantitativer Methoden erfasst werden können.“
Andererseits können „Netzwerke als planvolles Konstrukt strategisch handelnder Akteure“ sein, „die ihre Handlungen in Erwartung konkreter Vorteile koordinieren; hier geht es eher um die Beschreibung eines qualitativ eigenständigen Typus der Handlungskoordination und der in ihm ablaufenden substantiellen Interaktionen“.
Ein soziales Netzwerk ist demzufolge „eine eigenständige Form der Koordination von Interaktion“ verstehen, „deren Kern die vertrauensvolle Kooperation autonomer, aber interdependenter (wechselseitig voneinander abhängiger) Akteure ist, die für einen begrenzten Zeitraum zusammenarbeiten und dabei auf die Interessen des jeweiligen Partners Rücksicht nehmen, weil sie auf diese Weise ihre partikularen Ziele besser realisieren können als durch nicht-koordiniertes Handeln.“ (WEYER Seite 11)
2.2 Die Definition der Netzwerkanalyse
Um Netzwerke zu untersuchen ist die Netzwerkanalyse entwickelt worden. Im Zentrum der Analyse stehen nicht die Eigenschaften von isolierten Akteuren, sondern vielmehr die Beziehungen der Akteure untereinander. Nicht der Akteur als solches, sondern seiner Einbettung in eine reale Struktur gilt das Interesse. Dabei werden Akteure gerade nicht als unabhängig voneinander begriffen/verstanden. Die Struktur entsteht durch die Beziehungen zwischen den Akteuren. Eine Netzwerkanalyse ist „das Modell eines Netzwerkes. Die Knoten stellen die sozialen Aktoren (Personen, Gruppen) und die gerichteten Kanten die Verhältnisse der Aktoren zueinander dar. Seine Analyse befasst sich u.a. mit der Netzwerkdichte, der Aktorenerreichbarkeit sowie der Mehrwertigkeit von Verhältnissen und wird bei größeren Netzwerken rasch kompliziert. Die gegenseitige Beeinflussung zwischen einem Aktor und seinem s.n N. wurde vor allem in der Stadtethnologie und -soziologie untersucht.“ (Lexikon zu Soziologie, Seite 463)
Eine Netzwerkanalyse ist eine strukturelle Analyse. Das bedeutet, „Strukturen werden als wesentliche soziale Eigenschaften begriffen und formal beschrieben. Das Ziel besteht darin, sie für Erklärung individuellen Handelns heranzuziehen und Entstehung bzw. Veränderung von Strukturen über individuelles Handeln zu erklären.“ (JANSEN, Seite 13)
Nach JANSEN ist eine Netzwerkanalyse gleichzeitig ein statistisches Instrumentarium zur Analyse der Netzwerke und eine Theorieperspektive. „Die Theorieperspektive behauptet die Bedeutsamkeit der Netzwerke, des Eingebettetseins von individuellen oder korporativen Akteuren für deren Handlungsmöglichkeiten.“ (JANSEN, Seite 11)
2.3 Die Beschreibung von Netzwerken
In jedem Netzwerk existiert zwischen den Akteuren ein soziales Kapital. Dieses Kapital bedeutet das Resultat von Beziehungen zwischen den Personen, die Verbindung individueller Interessen und Ziele und die Kombination individueller Ressourcen im Netzwerk. Ich möchte allerdings in dieser Arbeit nicht näher auf das soziale Kapital eingehen, da dies nicht Inhalt dieser Arbeit ist.
Das Konzept von sozialen Netzwerken geht davon aus, dass sich Verhalten am ehesten aus bestehenden sozialen Beziehungen zwischen den Individuen und abstrakteren sozialen Einheiten (z.B. Rollen, Positionen, Organisationen etc.) erklären und verstehen lässt. Auch hier gilt dabei: Das Ganze ist mehr als Summe seiner Teile. Man muss das Ganze (Netzwerk) untersuchen, um das Verhalten der einzelnen Teile (Netzwerkelemente) verstehen und erklären zu können. Damit ist die Überzeugung verbunden, dass das Ganze Eigenschaften hat, die Individuen nicht haben können. Diese Eigenschaften nennt man emergent. Sie entstehen auf einer höheren Aggregierungsstufe. Dabei ist das zentrale Problem der soziologischen Theorie das Verhältnis zwischen den einzelnen Individuen und ihrem Handeln und den Strukturen, Institutionen oder Systemen auf der Makroebene.(JANSEN, Seite 13)
Damit dient die Netzwerkanalyse als Instrument zur Verbindung von Akteur- und Handlungstheorien mit Theorien über Institutionen, Strukturen und Systemen. Sie wird als zusätzliche Ebene der Handlungskoordination "neben" oder "über" den individuellen oder korporativen Akteur verstanden. (JANSEN, Seite 11)
2.4 Das einzelne Individuum im Netzwerk
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