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Thomas Bernhard 'Das Kalkwerk' - Der Raum des Kalkwerks im Leben des Protagonisten Konrad

Scholary Paper (Seminar), 2003, 16 Pages
Author: Vera Allmanritter
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Proseminar Filmisches Schreibweise Fotografischer Blick Inszenierte Stimme
Institution/College: Johannes Gutenberg University Mainz (Institut für Germanistik)
Tags: Thomas, Bernhard, Kalkwerk, Raum, Kalkwerks, Leben, Protagonisten, Konrad, Proseminar, Filmisches, Schreibweise, Fotografischer, Blick, Inszenierte, Stimme
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 16
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V43195
ISBN (E-book): 978-3-638-41049-6
ISBN (Book): 978-3-640-12746-7
File size: 198 KB

Abstract

Der Inhalt von Thomas Bernhards das Kalkwerk an sich ist eigentlich banal und wirkt an sich noch nicht besonders spannend: „Jemand zieht in ein stillgelegtes Kalkwerk, um dort ungestört an einer Studie zu arbeiten, schließlich erschießt er seine Frau und wird festgenommen.“ (Lindenmayr 1982: 36) Der Text schließlich besteht aus dem Versuch, den Mord, aber gleichzeitig auch die Gründe für die verhängnisvolle Schreibhemmung des Protagonisten Konrad zu rekonstruieren (Vgl.: Mittermayer 1995: 61). Dabei weckt schon der Titel gewisse Erwartungen: Man vermutet gewissermaßen automatisch, dass ein Kalkwerk im Zentrum des Kommenden stehen muss. Da Konrad selbst im Kalkwerk die idealen Voraussetzungen für die Niederschrift seiner Studie sieht (Vgl.: K.: 68) und sich Jahrzehnte lang um den Erwerb des längst aufgelassenen Kalkwerks bemüht hat (Vgl.: K: 18), muss das Gebäude in seinem Leben eine große Relevanz haben.


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Germanistik
Thematisches Proseminar: Filmisches Schreibweise,
Fotografischer Blick, Inszenierte Stimme
10. Semester

Thomas Bernhard ′Das Kalkwerk′ -
Der Raum des Kalkwerks im Leben des Protagonisten Konrad

von: Vera Allmanritter

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 01

2. Der Protagonist - Herr Konrad 02

3. Der Schauplatz Kalkwerk 02

3.1. Das Kalkwerk als Rückzugslokalität 02

3.3.1. Die Gesellschaft 03
3.3.2. Die Natur 05

3.2. Die Anschaffung des Kalkwerks 06

3.3. Die Darstellung des Kalkwerks 07

3.3.1. Das Kalkwerk von außen 07
3.3.2. Das Kalkwerk von innen 08

4. Das Kalkwerk und das Leben Konrads 09

4.1. Vom „idealen Ort“ zum „Un-Ort“ 09
4.2. Das Kalkwerk als Kopfraum 10

5. Fazit 13

6. Literaturverzeichnis 14

 

 

1. Einleitung

Der Inhalt von Thomas Bernhards das Kalkwerk (im folgenden in den Literaturangaben von mir als K. bezeichnet) an sich ist eigentlich banal und wirkt an sich noch nicht besonders spannend: „Jemand zieht in ein stillgelegtes Kalkwerk, um dort ungestört an einer Studie zu arbeiten, schließlich erschießt er seine Frau und wird festgenommen.“ (Lindenmayr 1982: 36) Der Text schließlich besteht aus dem Versuch, den Mord, aber gleichzeitig auch die Gründe für die verhängnisvolle Schreibhemmung des Protagonisten Konrad zu rekonstruieren (Vgl.: Mittermayer 1995: 61). So fasziniert der Text vor Allem durch die düstere, krankhaft Welt, die Thomas Bernhard hier kreiert. Einerseits wurde bei mir begeisterte Zustimmung ausgelöst, ich musste den Text einfach auf einmal lesen, andererseits löste Bernhard eine Art Betroffenheit, Ablehnung, sogar Angewidertsein aus. Dabei weckt schon der Titel gewisse Erwartungen: Man vermutet gewissermaßen automatisch, dass ein Kalkwerk im Zentrum des Kommenden stehen muss. Da Konrad selbst im Kalkwerk die idealen Voraussetzungen für die Niederschrift seiner Studie sieht (Vgl.: K.: 68) und sich Jahrzehnte lang um den Erwerb des längst aufgelassenen Kalkwerks bemüht hat (Vgl.: K: 18), muss das Gebäude in seinem Leben eine große Relevanz haben. Eben diese Rolle des Schauplatzes Kalkwerk im Leben des Protagonisten Konrad möchte ich der hier vorliegenden Arbeit untersuchen. Dabei wird zunächst der Protagonist Konrad im zweiten Kapitel kurz umschrieben. Dann wird im dritten Kapitel der Schauplatz Kalkwerk als Konrads Rückzugslokalität, dessen Anschaffung und die Art dessen textlicher Darstellung betrachtet. Schließlich wird im vierten und letzten Teil der Arbeit der Zusammenhang von Konrads Leben und dem Kalkwerk in bezug auf zeitliche Entwicklung, sowie die These des Kalkwerks als Symbol für Konrads Persönlichkeit untersucht.

2. Der Protagonist - Herr Konrad

Konrad als Charakter ist nicht sofort und eindeutig festzulegen. Er wird als ex-zentrisches Individuum, durch und durch scheuer Menschentyp, Krimineller, Narr, Genie oder Verrückter bezeichnet (Vgl.: Lindenmayr 1982: 38), wird „un-auffällig“ (K.: 8) und „exzentrisch“ (K.: 8) genannt und vereinigt damit widersprüchliche Eigenschaften in sich. Er selbst charakterisiert sich als „Naturhasser“ (K.: 20), „Kreaturhasser“ (K.:20) und Menschenfeind (Vgl.: K.: 19). Freiwillig-unfreiwillig lebt Konrad im Kalkwerk in einer Art Außenseitertum und Isolation (Vgl.: K.: 8), dessen Anfänge offenbar in Konrads Kränklichkeit während seiner Kindheit und Jugend liegen, in der Verlängerung eines als leidvoll erlebten Kindheitszustandes (Vgl.: K.: 47; Lindenmayr 1982: 38f; Mittermayer 1995: 62; Ryu 1998: 89). Festgeschrieben ist dieser Zustand durch seine außergewöhnliche Wahrnehmungsgabe und Sensibilität:

„[...] die Schwierigkeit des Zusammenlebens mit Menschen habe für ihn immer darin bestanden, daß er immer vieles hörte und vieles sah, die anderen aber nichts hörten und nichts sahen, und in der Unmöglichkeit, die Menschen, gleich welcher Kategorie, in Hören und Sehen einzuschulen.“(K.: 25)

Dem sich einsamfühlenden bescheinigt das Gefühl, selbst bei der Wahrnehmung von Tönen und Geräuschen allein zu stehen, erneut schmerzlich seine Isolation (Vgl.: Mittermayer 1988: 221).
Nach seiner Frau habe er, dessen Denken beständig um seine Studie über das Gehör kreist, „alle Kennzeichen des Genies wie auch alle Kennzeichen eines Narren an sich“ (K.: 167). Laut Fro, dem Liegenschaftsverwalter, habe sich Konrad „zeitlebens als Unmensch“ (K.: 172) dargestellt, sei aber erst durch die Umwelt und seine Frau tatsächlich in diese Rolle hineingedrängt worden (Vgl.: K.: 172f).

3. Der Schauplatz Kalkwerk

3.1. Das Kalkwerk als Rückzugslokalität

Konrad sieht in der „Abgeschiedenheit und Abgeschnittenheit“(K.: 23) des Kalkwerks den idealen Rückzugsort und damit die idealen Voraussetzungen für die Niederschrift seiner Studie:
„Ein völlig von der Außenwelt abgeschnittener Kopf könne die Studie leichter niederschreiben als ein an die Außenwelt, an die Gesellschaft gebundener.“ (K.: 68)  Der Rückzug in das Kalkwerk ist also als Rückzug aus Gesellschaft und Natur gedacht, die Konrad zunächst in Gegnerschaft zu seiner Studie sieht. Beide dienen ihm als unerschöpfliches Reservoir, das Scheitern der Studie zu erklären (Vgl.: Lindenmayr 1982: 38). Das Kalkwerk dient dabei als „Rettung“ (K.: 176f) aus einer „schon jahrzehntelang nutzlosen und reizlosen [...] Welt heraus“ (K.: 17).

3.1.1. Die Gesellschaft

[...]


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