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Hauptseminararbeit, 2005, 23 Seiten
Autor: Daniela Burghardt
Fach: Soziologie - Methodologie und Methoden
Details
Institution/Hochschule: Universität Augsburg
Tags: Objektive, Hermeneutik, Beachtung, Sequenzanalyse, Verbale, Daten
Jahr: 2005
Seiten: 23
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 6 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-41183-7
ISBN (Buch): 978-3-638-68005-9
Dateigröße: 254 KB
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Zusammenfassung / Abstract
In der qualitativen Forschung gibt es zahlreiche Konzepte zur Analyse von Texten. Die Objektive Hermeneutik ist für die sozialwissenschaftliche Methodologie ein Verfahren der kontrollierten hermeneutischen Auswertung, vor allem von Interviews oder natürlicher Kommunikation. Der Name Objektive Hermeneutik bezieht sich auf den Anspruch der objektiven Gültigkeit der Ergebnisse und das Interesse an der objektiven Sinnstruktur von Kommunikationszusammenhängen. So ist anfänglich nicht interessant, ob beispielsweise die Aussage „ich liebe Dich“ tatsächlich mit den Intentionen und Gefühlen des Sprechers übereinstimmt und aufrichtig ist, sondern welche Funktion (Beschwichtigung, Überredung) diese Äußerung in ihrem Kommunikations-Zusammenhang hat. Eine Variante in der Objektiven Hermeneutik ist die Sequenzanalyse, deren Ziel es ist, vor allem die Abfolge der Äußerungen von meist mehreren Sprechern und deren Verkoppelung zu untersuchen.
Textauszug (computergeneriert)
Hausarbeit
zum Hauptseminar
Verbale Daten analysieren –
Einführung in die Methodik der Textanalyse
Wintersemester 2004/2005
Lehrstuhl für Soziologie
Universität Augsburg
Thema:
Objektive Hermeneutik
mit besonderer Beachtung der Sequenzanalyse
von
Daniela Burghardt
Magister Hauptfach Soziologie
NF Psychologie, Medienpädagogik
7. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
I. Objektive Hermeneutik: Einleitung ... 3
1. Begriffsklärung ... 3
2. Objektbereich ... 5
3. Strukturbegriff der objektiven Hermeneutik ... 5
4. Methode ... 7
4.1 Prinzipien der objektiv-hermeneutischen Textinterpretation ... 8
4.2 Empirisches Vorgehen ... 10
4.3. Gültigkeit der Fall-Rekonstruktionen ... 11
II. Sequenzanalyse ... 13
1. Vorgehensweise bei der Auswertung ... 13
2. Text-Interpretation ...
3. Demonstration ... 16
3.1. Lesarten ... 16
3.2. Zusammenfassende Interpretation des untersuchten Ausschnitts ... 21
III. Kritik an der Methode ... 22
Literaturverzeichnis ... 23
I. Objektive Hermeneutik: Einleitung
In der qualitativen Forschung gibt es zahlreiche Konzepte zur Analyse von Texten. Die Objektive Hermeneutik ist für die sozialwissenschaftliche Methodologie ein Verfahren der kontrollierten hermeneutischen Auswertung, vor allem von Interviews oder natürlicher Kommunikation. Eine Variante in der Objektiven Hermeneutik ist die Sequenzanalyse, auf die ich im zweiten Teil dieser Arbeit eingehen werde. Der Name Objektive Hermeneutik bezieht sich auf den Anspruch der objektiven Gültigkeit der Ergebnisse und das Interesse an der objektiven Sinnstruktur von Kommunikationszusammenhängen. Die einzelnen Aspekte dieser Forschungsmethode werde ich nun erläutern.
1. Begriffsklärung
Der Begriff Hermeneutik stammt aus dem Griechischen (Hermeneutike: „Kunst der Auslegung, der Deutung“, hermeneuein: „erklären, auslegen, deuten“) und bezeichnet die Kunst der Deutung und Auslegung von Texten, Kunstwerken oder Musikstücken.1 Wobei sich für die Objektive Hermeneutik die Welt in Texten materialisiert, und somit alles gedeutet werden kann (siehe Kapitel 2. Objektbereich). Für Objektiv lassen sich zwei Bedeutungen finden. In der reflexionstheoretischen Bedeutung steht objektiv dafür, dass die Subjekte sich in ihren Texten objektivieren, indem sie über ihre Texte selbst reflektieren. Die zweite Bedeutung bezieht sich auf die Rekonstruktion der objektiven Bedeutungsstrukturen von Texten, sodass die Grundstruktur von Interaktionen ans Licht gebracht wird, im Unterschied zum subjektiv gemeinten Sinn der Interaktion, der aber im späteren Verlauf der Rekonstruktion ebenso erschlossen werden muss. Die Objektive Hermeneutik ist ein sehr komplexes, theoretisches, methodologisches Konzept und wird auch strukturale Hermeneutik oder genetischer Strukturalismus genannt. Andreas Wernet schreibt: „Das Anliegen der Objektiven Hermeneutik besteht in einer methodischen Kontrolle der wissenschaftlich-empirischen Operation des Verstehens.“2 Dazu bleiben anfangs die subjektiven Intentionen, also das, was die Textproduzenten fühlen, wünschen, denken, ohne Belang, da sie prinzipiell unzugänglich sind. Vielmehr untersucht man die sozialen Hintergründe, die Ursachen und die Wirkungen sozialer Handlungen.
Der Begriff der Objektiven Hermeneutik wurde geprägt von Ullrich Oevermann, Professor für Soziologie mit Schwerpunkt Sozialpsychologie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main.3 Oevermann entwickelte die Objektive Hermeneutik Ende der sechziger Jahre aus der Forschungspraxis heraus, als er in einem Forschungsprojekt des Max- Planck-Instituts mit dem Thema „Elternhaus und Schule“ die Bedeutung von Sprachbarrieren für den Schulerfolg untersuchte. Zum damaligen Zeitpunkt musste er feststellen, dass die Sozialisationsforschung nicht in der Lage war, die objektiven sozialen Interaktionen zwischen Menschen, in diesem Fall Eltern und Kindern, zu begreifen. Die Soziologie mit ihren Forschungsmethoden konnte lediglich Individuelles erfassen und scheiterte an der empirischen Erschließung des Sozialen. Aus der Unzufriedenheit über die Unvollständigkeit der erworbenen Ergebnisse und der Kritik an der verwendeten Methode heraus bildete sich um Oevermann eine neue Arbeitsgruppe, die das Verfahren der Objektiven Hermeneutik entwickelte. Oevermann sagt, die Methodologie der objektiven Hermeneutik sei „dazu nicht durch theoretische Reflexion gelangt, sondern in der forschungspraktischen Problemlösung, in der die zu untersuchende Wirklichkeit selbst den Forscher dazu zwang, und zwar nicht einfach deshalb, weil er sich dazu entschieden hatte, sich nicht mehr mit standardisiert erhobenen Daten bei der Hypothesenprüfung zufrieden zu geben, sondern theoretische Vorstellungen mit natürlichen Protokollen oder Ausdrucksgestalten der gesellschaftlichen Wirklichkeit unmittelbar zu konfrontieren.“4
Oevermann und seine Mitarbeiter entwickelten mit der Objektiven Hermeneutik ein Verfahren, mit dem die sozialisatorische Interaktion durch gründliche Textinterpretation genau beobachtet werden kann. Die Forschungsgruppe kam zu dem Schluss, dass gesellschaftliche Subjekte in Handlungszusammenhänge eingebunden sind, und dass sie sich deren Sinnstrukturen nur zum Teil bewusst sind. Das Ziel der Objektiven Hermeneutik ist es, die grundlegenden Strukturen der Interaktion zwischen den Akteuren herauszuarbeiten, die sich in den verschiedensten Kontexten immer wieder wiederholen und die Beziehung zwischen den Beteiligten prägen. So soll gezeigt werden, wie sich in einzelnen Interaktionen die Allgemeinheit abbildet.
[....]
1 http://www.wissen.de, 25.02.2005
2 Wernet, 2000, S. 11
3 http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Oevermann (25.02.2005)
4 Reichertz, 1997, S. 33f
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